Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 4 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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Il 1 3 1 \ i l bisherigen Erfahrungen bei der Werbearbeit des Jugendausschusses neue M e n s ch e n z u g e w i n n e n. Es empfehle sich bei Zusammenkünften mit Jugendlichen, die für die Jugendarbeit in den Ortsgruppen oder Landesverbänden des C. V. gewonnen werden sollen, die Besprechung aller Fragen in der Form der Arbeitsgemeinschaft. Man müsse ferner die Grundlagen der Arbeit soweit wie möglich fassen, damit Angehörige auch überparteilicher jüdischer Jugendbünde, soweit sie deutsch-jüdisch eingestellt sind, die uneingeschränkte Möglichkeit zur Mitarbeit haben. Jedoch soll dadurch die überall begonnene Aussprache über das Wesen unseres Deutschjudentums nicht abgeschnitten werden. Im übrigen könne die Jugendarbeit des C. V. vereinheitlichend wirken, indem sie die Führer der verschiedenen Jugendgruppen zur Aussprache übergemeinsame Arbeit zusammenführt. Das sei fast überall notwendig, da man, abgesehen von der in Berlin entstandenen Schule der jüdischen Jugend und dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände mit seinen Ortsausschüssen, kein gemeinsames Forum der Jugend habe. Die Aktivität der Jugend im C. V. soll sich nicht nur darin bekunden, daß sie die vernachlässigte jüdische Arbeit intensiv ausnimmt. sondern auch darin, daß die A b wehrarbeit in neuen, dev Jugend gemäßen Formen (Ausspracheabende mit Nichtjuden in kleinem -Kreise ustv.) leistet. Um für die zahlreichen Ziele recht viele Jugendliche heranzuziehen, fei die Herausgabe einer kurzen Darstellung der Beteiligungsmöglichkeiten der Jugend im C. V. und eines Fragebogens beabsichtigt. In der regen Diskussion, die diesen Berichten folgte, wurde von verschiedenen Seiten die Notwendigkeit betont, die deutschjüdische Einstellung, zu der sich ein grober Teil der aktiv arbeitenden Jugend im C. V. bekennt, herauszuavbeiten und zu betonen. — Als praktisches Beispiel für die Erfassung junger Menschen schilderte Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart) die Arbeit in Stuttgart, wo es durch Veranstaltung von Schulnachmittagen gelungen sei, in den jungen Menschen ein Interesse für die Probleme und Aufgaben des deutschen Judentums zu wecken. (Ueber diese Veranstaltungen hat bereits unser Hauptblatt in Nr. 13 berichtet.) Weiterhin wurde über die Möglichkeit einer „V e r j ü n g u n g" der einzelnen Ortsgruppen und über die Einslußmöglichkeit der Jugend auf die verschiedenen Gremien im C. V. gesprochen. Man wav sich darüber klar, daß man sich nicht damit begnügen dürfe, im eigenen Kreise eine bestimmte Richtung herauszuarbeiten, sondern daß sich diese Einstellung der Jugend auch in der praktischen Kleina vb e i t der Ortsgruppen auswirken müsse. Der organisatorische Arbeitsplan wurde in folgende, einstimmig angenommene Resolution zusammengefaßt: „Der Jugendausschuß beauftragt seinen Vorstand, dafür zu sorgen, daß die Beschlüsse des Hauptvorstandes und der Hauptversammlung ausgeführt werden, wonach überall dort, wo er es für zweckmäßig erachtet, Landes-Jugendausschüsse gebildet und in die Ortsgruppenvorstände jüngere Mitglieder hineingewählt werden." Tagung des „Äelterenbundes Kameraden“ Von Werner Rosenstock Vom 2 9. März b i s 1. April hielt der „Aelterenbund Kameraden" seinen diesjährigen Bundestag in Kottbus ab. An der Tagung nahmen außer den Mitgliedern des Aelterenbundes eine Anzahl von Gästen aus den nahestehenden Jugendbünden sowie auch aus anderen Kreisen der bewegten jüdischen Jugend teil. Am ersten Tage referierte Ernst Heinrich S e l i g s o h n über „Erreichtes und Versäumtes in der Bundesa r b e i t Da der Bund als solcher keine eigene Aktivität enthalten wolle, sondern vielmehr eine Zusammenfassung aller derjenigen sei, die — durch gemeinsame Herkunft und gemeinsame Gesinnung miteinander verbunden — sich für die jüdische Entwicklung verantwortlich fühlten, so werde die Arbeit der einzelnen Menschen des Bundes an den verschiedensten Punkten des jüdischen Gegenwartslebens geleistet. In diesem Zusammenhang wurde über die Einslußrnöglichkeiten innerhalb der einzelnen indischen Organisationen gesprochen. Man ist sich darüber klar, daß die augenblicklich in den einzelnen Bereinigungen vorherrschenden oder vorhandenen Meinungen vielfach im Widerspruch zu dem Wunschbild des Bundes stehen. Man steht daher vor der Mitarbeit an den einzelnen jüdischen Organisationen jedesmal vor der Frage, ob Aussichten und Möglichkeiten bestehen, die eigenen Anschauungen durchzusetzen oder nicht. Im Zusammenhang hiermit, wurde auch u. a. die Einstellung zum C. V. besprochen. Man war sich allgemern darüber einig, daß, so wie die Dinge dort lügen, eine aktive Mitarbeit am C. V. nicht nur möglich, sondern unbedingt notwendig sei. Die Themen der nächsten Tage gruppierten sich um den Fragenkomplex, der mit der Stellung zum Beruf und den in ihm gestellten Aufgaben zusammenhängt. Ueber die „ S o z i a l e Arbeit" hielt Emmy Strauß ein einleitendes Referat, an das sich eine ausgedehnte Diskussion schloß, in der vorwiegend die Möglichkeiten, der drohenden Mechanisierung in der Wohlfahrtspflege zu begegnen, erörtert wurden. Ueber Probleme des Wirtschaftslebens wurde im Anschluß an die Reserate von Franz Wolfs über „Die w i r t - s ch a s tliche Funktion der Aktie" und von Ernst Löwenthal über den „Ruhrkampf" gesprochen. Am letzten Tag sprachen Rabbiner Dr. Elk (Stettin) und Erich H i r s ch v e r g über den R a b b i n e r b e r u f. Dr. Elk zeigte, welche Schwierigkeiten bei der praktischen Ausübung des Berufes bestünden. Als Abhilfe schlug er u. a. die Bestellung besonderer Jugendrabbiner vor. Vom Standpunkt des Laien forderte Erich Hirschberg Ausgabe des Rabbinertums in seiner bisherigen Form. Die Lehrtätigkeit sei durch akademische Lehrer auszuüben, deren Stellung entsprechend gehoben werden müsse. Für die Funktionen während des Gottesdienstes sei — wie in früheren Zeiten — die Gemeinde wieder heranzuziehen. Das Rabbinat als solches solle ein Reservat für die wirklichen „Rabbonim" sein, d. h. für die jüdischen Gelehrten und Lehrer großen Formats. — In der Aussprache beschäftigte man sich weniger mit den mehr oder weniger notwendigen Kompromissen, die der Rabbinerberus zu machen gezwungen sei, als mit der Wandlung der inneren Einstellung zum Beruß die notwendig ist, um dem Rabbiner für die Zukunft Existenzberechtigung zu sichern. So weit vom äußeren Verlaus der Tagung. Was wesentlicher war, ist die i n n e r e G r u n d e i n st e l l u n g der T e i l - n e h m e r>. Die vielbehandelte Aelterenfrage ist von jeher die Belastungsprobe der Jugendbewegung gewesen. Und man muß sagen, daß die Generation, die vor etwa zehn Jahren den Wanderbund „Kameraden" schuf, sie — im Gegensatz zu anderen Bünden und anderen Generationen — bestanden hat. Bei aller Wandlung ■ der Formen ist der milieumäßige, gemeinschaftsrnäßige Rückhalt aneinander» geblieben. Das Verantwortungsbewußtsein des einzelnen der Gesamtheit gegenüber bedurfte früher — wie Martin G o l d n e r aussührte — des Wanderbundes als Symbol. Jedoch trat dann bei jedem Aelteren der Zeitpunkt ein, in dem er dieses Symbol entbehren konnte und in dem er der allgemeinen Wirklichkeit mit all ihren Aufgaben gegenüber verantwortlich ist. Um diese „Jüdische Wirklichkeit" rang man auf den Tagungen in Oberhof und Dessau. Damals ging es noch um eine Festigung der inneren Einstellung und um eine Klärung der Vorfragen. Doch kam man allmählich mehr und mehr in die „Wirklichkeit" hinein. Nicht das Kampfziel hat sich damit geändert, sondern der Kampfplatz: Man übt die Kritik nicht mehr von außen, sondern verlegt die Aktivität in die bestehenden Institutionen und Vereinigungen hinein und arbeitet von hier aus an einer Neuformung der deutsch-jüdischen Idee, des deutsch-jüdischen Lebens und des deutsch-jüdischen Menschen und vor allem an der Erfüllung der jüdischen Gegenwartsausgaben. Gründung eines Deutsch - jüdischen Studentenhundes an der Hamburger Universität Seitdem im Jahre 1921 der Reichsverband deutscher Studierender jüdischen Glaubens besteht, haben sich an einzelnen Universitäten die deutsch-jüdischen Studenten fester znsammengeschlossen. Vor allem kam es hierbei darauf an, neben den Verbindungsstudenten auch die jüdischen Freistudenten zu erfassen und ihr Verantwortungsbewußtsein für die Fragen und Ausgaben des deutschen Judentums wachzurufen und zu stärken. Es liegt in der Natur der studentischen Arbeit, daß eine Kontinuität durch die Muderung der Hörerschaft in jedem Semester oft sehr schwierig ist. Um so erfreulicher ist es, daß ans verschiedenen derartigen Studentengruppen — erinnert sei vor allem an die Freiburger Gruppe in den Jahren 1920—1922 — eine Anzahl aktiver deutsch-jüdischer Persönlichkeiten hervorg-egangen ist. In diesem Sinne begrüßen wir es, daß sich in Hamburg eine deutsch-jüdische Studentengruppe gebildet hat, von deren Ziel und Arbeit folgender Aufruf berichtet: „Schon seit längerer Zeit war in Kreisen der deutsch-jüdisch gesinnten Studenten der Plan eines Zusammenschlusses gefaßt worden. In gemeinsamer Arbeit und Aussprache soll zu den Problemen unserer Tage als jüdische Deutsche und unseres Seins als Akademiker Stellung genommen werden; durch persönliche Fühlungnahme soll das Verhältnis von Mensch zu Mensch im einzelnen und in der Gesamtheit aller Gleichgesinnten gefestigt und vertieft werden. So konstituierte sich in der zweiten Hälfte dieses Semesters der Deutsch-jüdische Studenten bund an der Hamburger Universität, in dessen Leitsätzen es heißt: „Der Deutsch-jüdische Studentenbnnd ist der Zusammenschluß aller Studenten, die nach Kultur und Vaterland Deutsche, nach Glauben und Abstammung Juden sind. Er erstrebt, das Wissen um die Probleme des "jüdischen Deutschen zu vertiefen und Persönlichkeiten heranzubilden, die bereit und fähig sind, den Kampf um Gleichberechtigung und Gleichachtung des jüdischen Deutschen zu führen/ — Erreichen wollen wir das einmal durch Vorträge b e d e u - tenber Persönlichkeiten, die uns Belehrung und Anregung geben, zum anderen durch Referate und Arbeitsgemeinschaften aus und im eigenen Kreise. Daneben wollen wir durch gesellschaftliche Veranstaltungen, durch geselliges Beisammensein und im Sommer wohl auch durch gemeinsame Wanderungen das kameradschaftliche Verhältnis fördern. Wohl wird mancher aus die große und starke, unseren Zielen durchaus verwandte „Deutsch-jüdische Jugend" Hinweisen; aber vergessen wir nicht, -daß gerade die Studenten, die künftigen geistigen Führer, ihre spezifischen Problemstellungen und ihre besondere Mentalität haben, die durchaus im Interesse unserer akademischen Zukunft gepflegt werden müssen. — Wir fordern alle lins gleichgesinnten Kommilitoninnen und Kommilitonen zur Mitarbeit aus!" Walter Hermann Betty Hermann Edgar Blitz Elfe Kanin stirä. med. stud. phil. stud. zur. DipL rer. pol.