Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 4 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
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10 doch vor allem eine Praktisch-Politische Bewegung, und was sich von hier aus ergibt, können wir nicht bejahen. Wenn der Zionismus die heutige Galuth als unproduktiv bezeichnet, hat — oder hatte — er weithin recht: aber die allgemeine Behauptung der Unsruchtbarkeit jeder Galuth, die doch mit Anfang des Zionismus steht, müssen wir ablehnen: von der jüdischen Geschichte her, die seit langem ihre entscheidenden Anstöße aus Güluthzentren bekam. Da wir wissen, daß Palästina schon rein räumlich nie zur Gesamtlösung der Judenfrage führen kann, und anderseits den Möglichkeiten der Galuth vertrauen dürfen, wenden wir schon von hier aus den Schwerpunkt unserer Arbeit der Galuth zu. Wir achten den Zionismus als Teilbeitrag zur Lösung der jüdischen Frage; wir glauben, daß der Palastinaaufbau sehr wichtig sein wird, ja, daß er schon heute eine gesamtjüdische Aufgabe ist: solange aber die zionistische Galuththeorie nicht aufgegeben ist, werden wir, wie der Zionismus das seine, unser Wort zur jüdischen Frage laut und entschieden sagen müssen: Galuthbejahung. Daher bleiben wir Teutschjuden. Gewiß, wir hoffen auf eine Lage, die diese Trennungen in einer Gesamtzielsetzung überwunden hat: solange sie noch nicht ermöglicht ist, müssen wir eindeutig die Grenze wahren. Nur so umfaßt eine Zuknnftslöiung auch unser Wollen. — Aber das ist nur die unwichtigere, sozusagen taktisch-politische Seite unserer Bejahung des neu verstandenen Dentschjudentums. Es gibt etwas Dauerndes dabei: Das ist unsere seelische Stellung zu Deutschland. Deutschland ist ja unser Lebensraum, wir sind durch ihn ge- Feier und Arbeit 20 Jahre Verband der jüdischen Jagendverbände Deutschlands. Von Julius Herzfeld (Essen) Vor wenigen Wochen hat der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands in einer eindrucksvollen Kundgebung in Berlin das Fest seines 20jährigen Bestehens gefeiert. Schon für eine Organisation der Aelteren bedeutet eine Zeitspanne von 20 Jahren außerordentlich viel. Wieviel mehr aber besagt es, daß ein Verband der Jugend zwei Jahrzehnte überdauern konnte. Berücksichtigt man weiter, daß es sich um einen Zeitraum handelt, in dem das deutsche Judentum eine ungewöhnlich schnelle Entwicklung durchgemacht und durchgreifende Wandlungen erfahren hat, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Wie ist es möglich, daß der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands an keiner der so zahlreichen Klippen gestrandet ist? Haben Krieg, Inflation. Werden und Vergehen der Jugendbewegung und innerjüdische Zersplitterung dem Verbände nichts anhaben können? Gewiß hat der Verband m a n ch e Krisen d u r ch m a ch e n müssen. Es sei nur erinnert an die Jahre der Inflation, als der Verband schwer daniederlag und es nur der Initiative seiner westdeutschen Führer zu verdanken war, daß er wieder zu einem wichtigen Faktor im deutschen Judentum wurde. So hat sich das Aussehen des Verbandes infolge der Zeitströmungennicht unwesentlich verändert gegenüber seinen ersten Jahren. Aber eines hat sich der Verband bewahrt außer seinem Namen: seine Idee, die im vergangenen Jahre in Dresden neu formuliert, inhaltlich aber nicht geändert wurde: „Der Verband der jüdischen Jugend vereine Deutschlands erzieht die in ihm vereinigte Jugend aus der Grundlage umfassender Neu- -tralität zu bewußtem Judentum in gesamtjüdischem Denken und Wollen und im Gei st e staatsbürgerlicher Gesinnung." Dem Verband geht es im Gegensatz zu den anderen jüdischen Jugendbünden darum, alle Jugend in sich Zusammenzuschließen und ihr das Judentum wiederzugeben. Das besagt — will der Verband seiner Ausgabe gerecht werden —, daß er seine Menschen differenziert behandeln muß. So muß die S ch u l ju g e n d - anders als die berufstätige angefaßt werden. Dem Jugendverband ist es vor allem darum zu tun, diejenigen Menschen, die in der Stadt insolge des „Großstadtbetriebes" und auf dem Lande insolge ihrer Isoliertheit dem Judentum leicht verloren gehen, z u r ü ck z ug e w i n n e n und dem Iudentu m z u erhalten. Daß zu diesem Zwecke auch Methoden angewandt werden müssen, die von der sogenannten Jugendbewegung nicht immer als einwandfrei angesehen werden, ergibt sich notwendigerweise aus dem Habitus der Geschästsjugend. Daß der Verband darüber hinaus zu einer Vertiefung seiner Arbeit strebt, bedarf keiner weiteren Ausführungen. Wir glauben aber, daß diese Arbeit nur geleistet werden kann, wenn sich die Jugend auf einer gemeinsamen Plattform gefunden hat. Für diese Jugend ist natürlich die Frage des Antisemitismus ein sehr dringendes Problem. Die Schulkinder leiden unter dieser Erscheinung in gleichem Maße wie die berufstätige Jugend, die den Boykott allenthalben zu spüren bekommt. Nach dieser Richtung hat der Jugendverband andere Wege als der .Centralverein eingeschlagen (soweit bisher die Jugendarbeit des C. V. in Betracht kommt. In der allgemeinen C. V.-Arbeit nimmt die Ausklärnngstätigkeit nnsormt. Nicht nur im Bildungsmäßigen sind wir Deutschland verbunden, sondern viel tiefer und unbewußter. Was bedeutet für den Menschen der Jugendbewegung etwa in dieser Stellung die Tatsache, daß nur Deutschland die wirklich innere Form der Jugendbewegung kennt! — Es ist nicht nötig, über die deutsche Stellung viel zu reden: dazu ist sie zu selbstverständlich. Wer nicht über sich hinwegspringen will, wird nicht auf sie verzichten können noch wollen. Und auch des* wegen nennen wir uns Dentschjuden. — j Zusammenfassend: wir fühlen uns vom heutigen Bilde des Deutschjüdischen getrennt. Wir übernehmen vom Zionismus mancherlei in j der Grundlegung, aber nicht in der politischen Konsequenz. Wir sehen! Deutschjudentum nur als Augenblicksposition an, an deren lieberl Windung wir arbeiten, wenn damit eine Politische Parteiung gemeint! ist, als ständig Wichtiges, wenn damit von der seelischen Tatsache t des deutschen Lebensraumes geredet sein soll. Wir fühlen uns als j Mitarbeiter an einer künftigen gesamtjüdi sehen Lösung, die Substanz- 8 bewußtsein mit deutscher Stellung, Sorge um Palästina mit hoffender ß Arbeit in der Galuth selbst zu vereinen weiß. Nicht von einer neuen 8 Form der Organisation versprechen wir uns etwas für die jüdische Erß Neuerung, sondern von der veränderten allgemeinen und jüdischen inneren Einstellung, mit der wir an vorhandene Organisationsformen! und gerade an ihre älteste: die Gemeinde, herantreten. Und so stehen j uns die Fragen der Wandlung der inneren Lage der jüdischen Menschen I im Vordergrund, die Fragen der Erziehung. j mittelbar in nichtjüdischen Kreisen einen bedeuten- I den Umfang ein. Die Schristltg.). Er glaubt, durch Zusammenß künfte mit nichtjüdischer Jugend, die im vergangenen Jahre, ms- Z besondere in Rheinland-Westfalen, stattgefunden haben, eine bessere : Atmosphäre anbahnen zu können. Er ist der Ueberzeugung, daß es ß heute so etwas wie I u g e n d k u l t u r gibt, daß die heutige Jugend ß etivas Gemeinsames im Leben und Denken verbindet. Diese Situation | glaubt der Verband ausnutzen zu müssen, indem er Jugend mit | Jugend zusammenführt und ihr die Gelegenheit gibt, sich in offenem j Gespräch und in Arbeitsgemeinschaften über die wesentlichen Fragen j ausznsprechen. In diesem Sinne buchen wir die rührige Tätigkeit ß des Jugendverbandes als ein Plus, das auch von seiten des Central- | Vereins größte Beachtung finden sollte. | Und noch in einer anderen Beziehung muß der Centralverein das f Werden und Wirken des Jugendverbandes besonders begrüßen. Dem ß Verbände gehören Jugendliche aller jüdischen politischen und relis' giösen Richtungen an. Er betont daher die Zusammengehörigkeit der g deutschen Juden nicht nur mit Worten, sondern er setzt sie für seinen j Teil in die Tat um und geht damit den Weg zur B e s r i e d i g u n g J des innerjüdischen Lebens. | I Sitzung des Jugendausschusses I des C. V. Gelegentlich der letzten Hauptvorstandssitzung fand am 2 3. M ä r z 1 eine Besprechung des Jugendausschusses statt, an der die Berliner j Mitglieder fast vollzählig und die auswärtigen in der Hauptsache, I soweit sie gleichzeitig dem Hauptvorstande angehören, teilnahmen. § Alfred Hivschberg gab einen Bericht über die Arbeit der | einzelnen Unterausschüsse. Ev verwies zunächst auf die Entwick- § lung der Jugendbeilage. Es bestehe die Absicht, in Zusammenf er freit mit dem Unterausschuß für Berufs- und Boykott- | f r agen die Probleme der Berufsurnschichtung unter besonderer Berücksiclstigung der Aussichten in Handwerkerberufen in der Beilage | ausführlich zu erörtern. Der Bildungsausschuß habe eine jj Zusammenstellung der bedeutenderen Aufsätze und Broschüren, die ß symptomatisch für die deutsch-jüdische Einstellung der jüngeren j Generation seien, zur Stellungnahme erhalten. Mit einem gej wissen Erfolg sei, wenn auch nicht direkt von dem entsprechenden jj Ausschuß, die Werbearbeit geleistet worden. So sei es z. B. gejj lungert, im Landesverband Hessen-Nassau durch j Schaffung eines Landes-Jugendausschusses eine Reihe junger Menschen j zur aktiven C. B.-Arbeit heranzuziehen. Es haben im hessischen Landesj Jugendansschuß im Lause des Winters zwei sehr erfolgreiche Zuf sammenkünfte stattgesunden, an denen vom Vorstand des Reichsjj Jugendausschusses Brodnitz bzw. Seligsohn teilnahmen. Diese Arbeit § bliebe nicht ohne Auswirkungen auf die Kleinarbeit in den einzelnen g Ortsgruppen. 8 Beabsichtigt sei die Schaffung-einer Buchgemei nsch af t. Es 8 habe sich nämlich in den Arbeitsgemeinschaften vielfach 8 gezeigt, daß die bestehenden Bücher und Broschüren über Geschichte m und Wesen des Judentums oft zu trocken geschrieben seien, als daß jj sie in jugendlichen Kreisen Interesse erwecken können. Daher seien jj kleinere und größere Schriften herauszubringen, die wissenschaftliche g Wertigkeit mit einer gewissen Frische in der Form verbänden. 8 Eine Ergänzung zu diesem Bericht gab der Vorsitzende des g Jugendausschusses Ernst Heinrich Seligsohn. jj Im allgemeinen sei zu konstatieren, daß die Arbeit in den einzelnen jj Unterausschüssen in dem ersten halben Jahr ihres Bestehens an- I gekurbelt worden sei. Nun komme es darauf an. ans Grund der 8