Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 178 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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17$ ihren Höhen wie in ihren Tiefen: er hat sich ein festes Publikum erworben und bildet beinahe eine festumrissene Sondergattung. Aber er bleibt trotzdem eng mit der Entwicklung der sranzvsischeu Romanliteratur der Gegenwart verbunden. Man denke nur an .Jean de Lacretellcs „Silbermann", den frühesten eigentlich jüdischen Nouran, der zuerst das Interesse weitester Kreise für das Rätsel der jüdischen Seele wachrief. Dann aber: das Lebenswert Marcel Prousts, das die moderne'französische Literatur beherrscht, baut sich zu einem nicht geringen Teil auf jüdischen Problemen auf. So sehr Marcel Proust, der übrigens mütterlicherseits jüdischer Abstammung war, auch durch die Fülle seiner Gestalten festgehalten wird, immer wieder kehrt er zu seiner Zentralgestalt zurück, zu dein jüdischen Aristokraten Swann, dem Typus der seelischen Neberzivilisation des 19. Jahrhunderts. Die Dreyfus-Asfäre, die das Land geistig in zwei große Heerlager trennt, ist das einzige große Ereignis des Proustschen Romanwerks. Sie wird zum Prüfstein für seine Figuren, je nach der Stellung zum Falle Dreyfus und zur jüdischen Frage überhaupt nehmen seine Menschen schließlich ihre endgültige Position ein. Erst der Kampf um Dreyfus, die große gesellschaftliche Erschütterung Frankreichs, führt zu der Seelenzergliederung und zu der Durchleuchtung verborgenster Wandelgänge des menschlichen Herzens, die für Prousts Schaffen charakteristisch sind. Wer sich durch das Labyrinth der „Ueellorello cku temps perdu" hindurch- MERAN. CONTINENTAL-Hotel Modernes Haus mit letztem Komfort. An der Promenade. Pension von M. 11,— bis M. 15,—. ^~6udz 7//il 1 IXSSCr—-~ZA*v—-Schweiz Moderne phys.-diät. Kuranstalt und Erholungsheim, Nähe Strandbad. Arzt. Deutsches Haus, das ganze Jahr besucht Pension von M.8,—an. Prospekt den Wandel der Jahrtausende überdauert und der in ihr in Wirren verfangenen Menschheit immer wieder neues Licht bringt. Diesen Psychologen der jüdischen Seele kann man die entschlossenen Erzähler gegenüberstellen. Jean Richard Bloch, dessen „Letzter Kaiser" auch über eine Berliner Bühne gegangen ist, hat arbeiten will, dem wird die jüdische Problematik der Proustschen Psyche den Faden der Ariadne in die Hand geben. Bon einer anderen Seite her suchen die beiden jüdischen Protagonisten in der französischen Literatur, AndrS Spire und Edmond Flog, dem Problem nahezukommen. Ihre Werke liegen freilich nur zum Teil auf dem Gebiete des Romans. Bon Edmond Fleg bleibt -jedoch der jetzt auch erfreulicherweise ins Deutsche übertragene Roman „I/ankani prophete" als eines der besten Werke des modernen jüdischen Romans in französischer Sprache zu erwähnen. Fleg kommt es einmal darauf an, zu schildern, wie eine Kinderseele das Mysterium der rnessianischen Sendung erlebt. Aber auch das Leitmotiv seines sonstigen literarischen Wirkens kommt zum Ausdruck: der Ewigkeitswert des prophetischen Ideals, der praktische Imperativ des Judentums, der -einen Novellenband „Levy" und einen Roman „Simler & Co." veröffentlicht, die sich um die Schicksale assimilierter jüdischer Familien bewegen. Bloch schöpft aus dem reichen Milien der jüdischen Kleinbourgeoisie Frankreichs weniger, um Seelenvorgänge zu zergliedern, als um für seine Schilderung jüdischen Lebens einen bewegten Hintergrund zu haben. Bon ähnlichen Gesichtspunkten ans ist Bernard Lecache zu bewerten, dessen ausgezeichnete Enqueten im europäischen Osten zu den besten Leistungen der französischen Journalistik unserer Tage gehören. Sein Nonmn „Jacob"^) wird freilich nicht überall die gleiche Zustimmung finden. Lecache gibt die Geschichte eines jüdischen Renegaten, jedoch zu wenig geschlossen und zu sehr auf Aeutzerlichkeiten abgestellt, so daß man die Lösung kaum als hinreichende Erklärung eines innerjüdischen Entwicktungssalles hinnehmen kann. Lecache nähert sich schon ein wenig der Art des Modeschriftstellers Pierre B e n o i t, der mit seinem „?uits de Jacob" jüdische Gegenwartsfragen für den Unterhaltungsroman verwertet hat. Immerhin kann man aus dem Roman Benoits und seiner stattlichen Auslagezifser entnehmen, wie stark in Frankreich das Interesse für den jüdsichen Roman ist. Panait Jstrati, der Knut Hamsum Rumäniens, der, obwohl er in französischer Sprache schreibt, doch ganz Rumäne geblieben ist, hat recht oft in seinen Romanen jüdische Typen gezeichnet. Niemals hat er'vergessen, daß er der Menschlichkeit seiner Landsleute, die in rumänischen Ghettos eine kümmerliche Existenz fristen, seine ganze Entwicklung verdankt. Jetzt hat er, gemeinsam mit Jose Jehouda, einen Roman „La famille Perlmutter" geschrieben, der diese Dankesschuld voll abträgt. Er selbst steht unter einer leicht zu durchschauenden Verkleidung inmitten der Lebensschicksale einer rumänischen jüdischen Familie, die von ihrem Daimonion zersprengt und in die Welt getrieben wird. Im Vordergrund steht das Erlebnis des Benjamins der Familie Perlmutter, *) Deutsch von Mina Zuckerkand!. Verlag Piper, München, 1927. Wunder Intr ist die MsesithetMi 'dieses 12/60-PS-Sediszylinders. Die 8. Rallye Automobile Moste Carlo hat dies wieder bewiesen. In den Dienst deulscher Pressevertreter gestellt, ha! er sie über 4000 km. In weniqen Tagen zurütkgelegt, Ireulich geleitet. Seine ruhige Lage auf den vereisten Strassen, die gewaltige Kra|t seiner Maschine, die die Sdineemassen im rr.ilteldeulsdien Gebirge ohne Schneekellen bezwang, bezeugen seine I Anpassung an alle Schwierigkeiten ■“--— und in jeder Situation. . Waffenfabriken Simsen & Co., Suhl 17 ut>ar. (AbtAutomobUiabrik). * Frankfurter Allgemeine Versicherungs- Aktien- Gesellschaft Lebensoersicherungs- Aktien- Gesellschaft Versicherungen aller Art Auskünfte erteilen die Generaldirekttön, Frankfurt a. Ps/l., Taunus-Anlage 18, und deren Geschäftsstellen Hofraft Friedrich von Hessing8<he orthopädische Heilanstalt Fern Sprecher: Nr. 36 und 3903 GEORG HESSING, Generaldirektor AUGS&(JRG»G3fGGINGEN Drahtnachricht: Hessing Göggingenbayern Dr. med. Gg. HESSING; Farharzt für Chirurgie — Dr. med. ENGELS, praktischer und Hausarzt♦ Behandlung sämtlicher im Bereich der Orthopädie liegenden Gebrechen mittels unserer an Vollkommenheit von keiner Seite erreichten Apparatebehandlungstechnik unter tunlichster Vermeidung operativer Eingriffe. Brstkl. Verpfl egung, herrliche Parkanlagen, gedeckte j\Vandelhallen, ruhige Lage gewähren vollen Ersatz f. anderweitige Erholungsstätten. ess m