Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 7 Deutschland augenblicklich in eine » Abgr u nd st ü r z e n. Nicht minder kennzeichnend i st die scharf antikatholische und antijüdische Einstellung. Aber mit einem gewissen Unterschied. Auch die nationalistische Bewegung hat gelernt! Hitler ist vorsichtiger als die Völkischen.' Er sagt, daß kein Jude Volksgenosse sein kann, daß kein Jude ein StaatSamt beneiden kann, daß keine deutsche Zeitung einen Inden als Schriftleiter haben darf, internationales Kapital an deutschen Zeitungen ist ausgeschlossen! Die Völkischen sind deutlicher. Sie wollen die Befreiung von der Weltdiktatur der schwarzen, roten und goldenen Internationale!? Man beachte, wie hier die Reichssarben in gesetzlich unfaßbarer Weise verhöhnt sind. Befreiung des deutschen Geistes von jüdischer Zersetzung und jesuitischer Knechtung! Die Juden sollen unter Fremdenrecht stehen. Schutz des Mißbrauchs der Religion für „politische Zwecke", ein vieldeutiger Ausdruck. Im völkischen Jargon zweifellos Verbot des Zentrum s. Und in dem letzten Wahlaufruf der Völkischen fällt auch wieder das ominöse Wort: scharfe Abwehr aller gegeuresormatorischen Bestrebungen und aller ultramontairen Uebergrifse und, um das Maß voll zu machen, Kampf gegen die drei überstaatlichen Mächte (Jude nt u nt, Katholizismus und Sozialismus)! Es ist notwendig, sich die politische Bedeutung dieser Kampfgruppen wieder einmal klarzumachen und sich bewußt p fein, was sie bedeuten und bedeuten können. Es ist nichts anderes als die Unterdrückung der Freiheit und die Errichtung einer Diktatur. Gewiß, diese Kräfte sind nicht so stark, daß sie ihr Ziel über Nacht verwirklichen können, aber es gilt, sie doch schärfer zu beobachten als früher! Es gilt vor allem, den Sinn ihres vergiftenden Wirkens wieder herauszuschälen! rf* In der „Deutschen Mittelstandszeitung" vom 31. März lesen wir in einem Aufsatz „D i e N a t i o n a ls oz ia l i sten, ihre Wesensart, ihr Programm und ihre Taktik!": „Wir haben uns bisher mit dieser Bewegung so gut wie gar nicht beschäftigt, weil sie unsere Kreise so gut wie gar nicht gestört hat und wir niemand angreifen, der uns selbst in Ruhe läßt. Die Anhänger dieser Partei entwickeln aber in letzter Zeit auch in unseren Versammlungen und in unseren Anhängerkreisen eine Aktivität und zeigen einderart rüdes Auftreten auch uns gegenüber, daß wir gezwungen sind, uns diese Herrschaften näher anzusehen. Wir sprechen von einem „rüden" Auftreten. Das ist kein von uns erfundener Ausdruck, ist vielmehr aus einer Charakteristik entlehnt, welche einer der Prominenten dieser Partei von den eigenen Parteigenoffen und ihrem Auftreten gibt.. . In der Tat, in der Zügellosigkeit der Forderungen, in der Skrupellosigkeit, die von keiner Verantwortung getrübt ist, übertrisft die Partei bei weitem die Kommunisten. Da fliegen die Anträge nur so durch die Parlamente. Mit Milliarden wird herumjongliert, als wenn sie Dreck find. Der Gedanke, daß diese brutalen Forderungen auch bezahlt werden müssen, beschwert diese Geister nicht. Sie versprechen jedem das Blaue vom Himmel herunter, reden morgen in anderer Gemeinschaft so skrupellos das Gegenteil van dem. was sie gestern gesagt haben, daß es nur so seine Art hat. Mt einem Worte, sie machen auch nicht um einen Deut andere Politik als. ihre Gegenspieler, die Kommunisten, mit denen sie ja auch so eine Art „Arbeitsgemeinschaft" in den Parlamenten gebildet haben. Nach dem Willen der Nationalsozialisten und ihrer (Gesinnungsfreunde von ganz links soll in Zukunft der Arbeitslose über 40 Jahre für die ganze unbeschränkte Dauer der Arbeitslosigkeit vom Staate — Aoeden erscbien: Ludwig Holländer: MstiHMMe Probleme der Gegenwart. Eine Auseinandersetzung über die Grundfragen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Preis M. 1,30. Zu beziehen durch jede Buchhandlung und durch Philo Verlag Md BochhanM 0. m. h. E, Berlin SW 68. JSL RnMer Lebeoseersichenm^bioK L-L Ursprung 1835 Lebens-, Aussteuer- und Studtengeld- Verskherunsen. Mitarbeiter überall gesucht. und der sind wir doch alle — erhalten werden. Also, wenn i Gott solchem Nichtstuer aus Beruf SO Lebensjahre schenkt. Z leiert dieser ehrenwerte „Arbeitslose" das 50jährige Jubiläum ii der staatlich empfangenen Arbeitslosenunterstützung. — Und ,?! die Milliarden, die dieser Spaß kostet? — die genieren diese st großen Geister nicht ... Deshalb hat der Mittelstand in Stadt st und Land alle Veranlassung, dem unverantwortlichen Treiben ij dieser Nationalsozialisten mit aller Energie entgegenzutreten 8 und dagegen zu arbeiten, daß nicht die eigene Jugend von 3 diesem Gift durchseucht wird . . . Bolschewist bleibt Bolschewist, 3 ob mit oder ohne Vorwort „national" ... r| Angelpunkt aller nationalsozialistischen Ansftihrungen | — wenn der Nationalsozialist nicht mehr weiter kann, s dann fängt er mit diesen Phrasen an — sind die Juden | und die Dawes-Lasten. Wenn die Dawes-Lasten nicht wären, Jj wäre Geld in Hülle und Fülle da. Wir glauben, daß es nach 1 den wilden Forderungen der Nazis schon in einem Jahre ver- | jubelt wäre. Die Dawes-Lasten bedrücken uns gewiß schwer. | Sind sie aber die Wlurzel alles Nebels? Nein, auch das ist j Volksbetrug. Dem verarmten deutschen Volke werden führ- I lich 25 Milliarden Lasten von der öffentlichen Hand in Reich, (z Ländern und Gemeinden ausgehalst. Davon gehen 1,5 Mil- | liarden Dawes-Lasten an die Feinde ab — den Rest von f 1 Milliarde haben Eisenbahn und Industrie zu tragen — gewiß eine unerträgliche Summe, aber machen wir uns klar, es E sind nur 6 v. H. der 25 Milliarden. Der wahnsinnige Rest | dieser wahnsinnigen Summe, also 94 v. H. oder 23 und eine 4 halbe Milliarde sind Lasten, die wir uns im Inneren Deutsch- J lands leisten, Lasten, die nach den Jrrsinnsforderungen der jj Nationalsozialisten weiter ins Uferlose steigen würden, lieber | die 6 v. H. bestimmen leider unsere Feinde, weil wir ein wehr- | loses Volk sind. Neber die 94 v. H. hätten wir das Selbst- | bestimmungsrecht, wenn nicht mit Einschluß der Rational- Jj sozialisten die Parteien das Wort Sparen aus dem deutschen | Lexikon gestrichen hätten. | Hier gilt es für verantwortungsbewußte Politiker anzuz packen. Wie sollen wir es unseren Feinden klarmachen, daß st wir arme zahlungsschwache Schuldner sind, wenn wir in der yj innerdeutschen Verwaltung vollendete Verschwender sind! ■' Dann die Juden als Nummer zwei! Wir stellen fest, daß wir in i der Inflation von allerhand inner- und außerdeutschem Gel sindel ausgeplündert worden sind, von Muselmännern, l Christen, Juden und Heiden. Das nationale und internatio- - nale Raubrittertum hat seine eigene Religion, deren Anwen- | düng die neue Zeit ihm durch eine entsprechende Begünstigung " weitestgehend erleichtert hat. Wir stellen fest, daß alteinge-;< sessene deutsche Juden genau so ausgeraubt worden sind wie f die Christen. Wir stellen fest, daß der kleine jüdische kaufi männische Mittelständler durch den Warenhausmoloch genau ( so zugrunde gerichtet wird wie sein christlicher Nachbar. Wir stellen fest, daß mindestens die Hälfte der Großwarenhaus- ' konzerne in christlichen Händen ist. Wir stellen fest, daß mit ä frommem christlichen Augenaufichlag und christlichen Phrasen — nicht mit jüdischen — England uns genau so zugrunde ge» j* richtet hat, mit seinen angelsächsischen Freunden in Amerika,? wie es im Laufe der letzten Jahrhunderte andere Völker, die j ihm zu groß wurden, zerschlagen hat. Das Selbstbfftimmungsjj recht der Völker gibt es, wenigstens auf dem Papier. Das | Selbstbestimmnngsrecht des Menschen über die Mutter, die ( ihn gebären soll, gibt es leider nicht, und „menschliche Tiere" j werden von christlichen, jüdischen und heidnischen Müttern geboren. Bekämpfen wir das „Tier im Menschew und achten wir! den wahrhaften Menschen jeder Rasse und Nationalität! — \ Gott schütze uns vor dieser Sorte von Volkserrettern und ihrer Weltanschauung!" s.