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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-05 · 14 (5.4.1929) · p. Seite 173

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
Seite 173 (sequence 1)
Language
German
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Ürthtöl NAter fürDenffirtitara^] unöluöentum Wierteljabrsabonnement 8,50 RM. tzuzügl, Bestellgeld). Serlin, 5. -Ipril 1929 VW. Jahrgang ♦ Hr. 14 ELnZeinummer LHpfennig 'vryan ües ^airal-l^rrMS KeMMZe, Skmtsvüryer i iMsMM Llmwens-Ä Allgemeine Zeirun^ des Judentums «erlag u. Schristleitung: Berlin 8^V «8, Sindenstr. IS. Fernsprecher: Amt DSnhoff SSS4,3595. Postscheckkonto: Berlin 80472. Bankkonto: Dresdner Bank. Wechselnr„ . . . stube G, Berlin SW 68, Llndenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expe^ition Rudolf Mosse, Berlin 8W 106, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUL für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote ) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JUL, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JUL* Front gegen den Nationalsozialismus! Bon Lanötagsabgeordnettin Sr. Leo Schwerins (Köln). Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Unzufriedenheit im deutschen Volke mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ständig steigt und daß deshalb diejenigen Parteien, die überhaupt nicht geneigt sind, irgendeine Verantwortung zu übernehmen, und die lediglich im Niederreißen ihre Ausgabe erblicken, mehr denn je kn den politischen Vordergrund treten. Wir haben schon in unserer „C. V.-Zeitung" (Nr. 46 von 1928) auf den nationalsozm liftischen Vormarsch hingewiesen. Für ihn heißt die Parole: Kampf bis zum Letzten dem bestehenden Staate und seinen Trägern! Schuld an allein wirtschaftlichen Elend und nicht minder an allen politischen Mißständen sind nach nationalsozialistischer Weisheit lediglich Staat und Juden, und gegen beide predigt er landauswärts und landabwärts Haß und Vernichtung. Die maßgebenden Parteien des deutschen Volkes, die leicht geneigt sind, den Nationalsozialismus von 1929 nach dem Maßstab der Hitler-Paraden von 1923 zu beurteilen, bemerken allmählich, wohin die zügellose Haßpredigt und der brutale Kampf des Nationalsozialismus gegen die Verfassung führen müssen. Von unserer Seite ist oft darauf hingewiesen worden, weil wir alles zu tun uns für verpflichtet halten, um von dem deutschen Volke neue Erschütterungen sernzuhalten. Deshalb begrüßen wir es besonders, wenn der bekannte Abgeordnete des Zentrums, Dr. S ch w e r i n g (Köln), an dieser Stelle gegen den Rechtsradikalismus das Wort nimmt, und wenn — eine charakteristische Gleichzeitigkeit — auch ein leitender Aussatz der „D e u t s ch en Mittelfte n d s z e i t u n g", des Organs der Neichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschastspartei), der von maßgebender Stelle der Partei - geschrieben ist, scharf mit dem Nationalsozialismus und seinen den Mittelstand schädigenden Wirtfchaftstheorien abrechnet. Die S ch r i f t l e r t u n g. In der letzten Zeit ist ein ganz wesentlicher Auftrieb nationalistischer Bestrebungen erkennbar. Das war schon bei den letzten Wahlen sestzustellen, aber wenn nicht alles trügt, würde eine neue Wahl das Aufsteigen dieser Bewegungen in ihrer radikalsten Form noch wehr bestätigen. Das ist auch nicht verwunderlich. Der Radikalismus links und rechts wirken immer in derselben Richtung und aus denselben Gründen. Das Anschwellen des Radikalismus in Deutschland war immer noch ein Zeichen besonders schwerer Wirtschaftslage und großer politischer Erregungen. In dem Maße, wie in der steigenden Not die ruhige Beurteilung bei einem Teile unseres Volkes getrübt wird, steigen die Chanoen des Radikalismus, vor allem die Werbekrast der reaktionären politischen Bestrebungen. Oder ist das Spielen mit der Diktatur nicht auch ein Zeichen dafür, daß man gewillt ist, sich der politischen Phantasie zu überantworten? Leider werden diese Bewegungen in einem Teile der deutschen Presse und des deutschen Volkes seid ihren wiederholten Zusammenbrüchen nicht ernst genommen. D a vor muß gewarnt werden. Diese Bewegungen sind durchaus abhängig von den Zeitnmständen und können über Nacht gleichsam blitzartig zu einer akuten Gefahr werden. Wenn der preußische Innenminister neulich in einem Erlaß auf die Radikalisierung im Tun und Treiben dieser Verbände, die den radikalen Parteien nahestehen, hinwies, so wußte er wohl, warum! Er weiß aus vielfachen Beobachtungen, daß eben eine wesentliche Vergröberung der politischen Sitten Platz gegriffen hat, und daß die Polizeiorgane wesentlich strenger die Ordnung wahren müssen, wenn sie und die Bevölkerung nicht unangenehme Überraschungen erleben wollen. Hier heißt es: Principiisobsta! Gerade beim Wachsen dieser Bewegungen ist es wieder gut und nötig, sich mit ihrem Geist vertraut zu machen, den man vielfach unter sonderbaren und oft kindischen Aenßerlichkeiten übersieht. Solange keine Gefahr besteht, kann man ja auch die Dinge humoristisch nehmen, aber uns will scheinen, als wenn es gegenwärtig besser ist, diese „politischen Kinder" bitterernst zu nehmen! Man wittert Morgenluft in ihren Verbänden, die Zeit scheint wieder einmal für sie zu arbeiten, die steigende Not des Volkes führt ihnen neue Massen zu, sie glauben in absehbarer Zeit wieder eine Hochblüte wie im Jahre 1922, mitten in der Inflation, erleben zu können. Und wenn ihnen in dem klassischen Lande des Wirkens radikaler Organisationen, in Bayern, eine nicht minder glatte Abfuhr durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held zuteil geworden ist, so sind das alles einesteils Symptome für die Erkenntnis ihrer Gefährlichkeit und anderseits ein Beweis für. ihre steigende Gefahr. Die Tatsache, daß die Idee des chauvinistischen Radikalismus in Deutschland in den letzten Jahren einer gewissen Geringschätzung begegnet ist, hat es mit sich gebracht, daß man sich über die letzten politischen Ziele dieser Bewegungen in weiten Kreisen auch nicht mehr im klaren ist. Wir halten es daher für notwendig, wieder einmal aus die Art und den Sinn ihrer Politik hinzuweisen. Daß sie revolutionär in reaktionärem Sinne sind, ist bekannt, weiter von einer unbegreiflichen Verkennung der durch den verlorenen Krieg geschaffenen außenpolitischen Situation. Hier haben die großen Worte und Phrasen, die selbst bei den Deutschnationalen einem einfacheren Sprachgebrauch gewichen sind, noch eine blühende Pflanzstätte. Das Wirtschaftsprogramm ist utopisch und würde | Theodor Kappsteins Das Gesellsdiaftspro- | | btem zwischen Juden und Christen. 5. 177* | § Ferners L Steinteld: Der jüdisthe Roman in Frank- | | reich. — Budtbespredittngen. | I

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