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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 168

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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Schublade „Mittelalter" zu verstauen. Renaissance und Reformation haben ihre Schlaglichter auch auf das Judentum geworfen. Davon also muß in der nächsten Auslage gesprochen werden — die auch eine jetzt fehlende Aufzählung der wichtigsten Literatur enthalten und mit der Sitte ausräumen muß, den Text ohne Hervorhebung der Namen durch Sperrungen sortzudrucken, so daß man oft mühsam suchen muß, um sich zurechtzufindeu. Vor allem aber wird das große Kapitel der „Neuzeit" anders gegliedert und durchgearbeitet werden müssen. Hier ist eine bewundernswerte Fülle von Persönlichkeiten herangezogen, noch niemals ist diese Beinnh-Vollständigkeit erreicht worden (einiges, was ausgelassen wurde, läßt sich leicht nachtragen). Worauf ich-- jedoch Wert legen würde, ist die interessante Untersuchung, die mir hier vor allem wichtig scheint: wie sich im Verlaus des 19. Jahrhunderts und in den .Kümpfen unserer Tage in den Künstlern die Mischung von jüdischen Urelementen it it b solchen Zügen vollzog, die sie durch das Land u n d Volk, in den: sie aufwuchsen und sich e n t w i ck e l t e n, a n g e n o m m e n habe n. Hier liegt vielleicht ein Schwerpunkt der ganzen Aufgabe. Gerade bei 'den'vier' Säulen der modernen jüdischen Kunst, bei Pissarro, Israels, Liehermann, Urh, läßt sich, manches Grundsätzliche und . Persönliche darüber darlegen. Aber es wird ungemein aufklärend sein, dieser Frage allenthalben nachzugehen. Der Franzose Pissarro, der Holländer Israels, der berlinische Preuße Liebermann, der aus einem kleinen posenschen Städtchen stammende Ostjude Ury — das sind vier Typen, die von wesensverschiedenen Ausgangspunkten her sich der großen. Sonne der .europäischen Kurrst ,jrm letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts näherten. Wir sehen, wie'sich der liebevoll beobachtende, der sentimentalische, der intellektuelle, der hymnische Jude wie in einer Reinkultur ausprägen und in künstlerischer Gestaltung offenbaren. Wir sehen zugleich, wie die vollkommen abweichende Summe von Einflüssen der umgebenden Welt, man kann schon nicht mehr sagen „des Gastvolkes", sondern der Nation, in die jedesmal das Individuum gebettet war, sich auswirkte. Höchst interessant wird es sein, etwa den Fragen nachzugehen, uncfo das Judentum in der Kunst sich mit so besonderer Hingabe im letzten halben Jahrhundert den Lehren erschloß, die von Paris, von Frankreich ausgingen —, wieso vor allem der Impressionismus MERAN. CONTINENTAl-Hote! Modernes Haus mit letztem Komfort. An der Promenade. Pension von M. 11,— bis M. 15,— . auf die jüdischen Künstler eine so ungeheure Anziehungskraft nusübte. Vor einiger Zeit bat mich einmal ein Berliner Zeichenlehrer, eine Ausstellung seiner Schüler zu besichtigen. - Er hatte sich eine neue Methode ausgedacht, die er für bemerkenswert hielt,' wie sich zeigte, mit Recht. Dabei hatte er auch einer Gruppe von Schülern ein Spezialthema gestellt: sie sollten alle den Humboldt-Hasen Zeichnen, jeder nach seiner Persönlichen Lust und Freude. Ich sah amüsante Verschiedenheiten. Ein Junge erzählte wie ein alter Holländer, naiv und sachlich. Ein anderer holte sich nur die großen Linien aus dem Wirklichkeitseindruck. Ein dritter begann selbständig und Phantastisch das Bild des Hafens von sich aus neu aufzubauen. Ein vierter aber war mit lauter kleinen Strichen vorgegangen, mit einer Nuancenvergnügtheit und Zarten Auslösung der formalen und flüchenhaften Bildungen, die mich seltsam anzog.. Der Lehrer trat hinzu. „Das ist ein jüdischer Schüler", sagte er, „ich habe oft beobachtet, daß seine Glaubensgenossen Aehnliches erkennen ließen." Es war ein kleiner Impressionist, der hier den Bleistift und den Aquarellpinse! gezückt hatte. Und klarer als je vorher wurde mir vor diesem Blatte, daß die analysierende, visuelle Erfahrungen ebenso wie geistige Vorstellungen spaltende, ausspürende und nachspürende, die Relativität der Erscheinungen instinktiv berücksichtigende Art des Impressionismus einer bestimmten Spielart des jüdischen Temperaments -merkwürdig entgegenkommt. Doch das ist nur ein Beispiel. Zahllose andere Beziehungen, die von Kunstlehren, Programmen und vor allem nationalen Empfindungskomplexen ausgehen, wären zu berücksichtigen, zu ergründen und mit der übersichtgebenden Darstellung zu verbinden. Nur Anregung, eine Einzelanregung sollte das sem, was eben ausgeführt wurde. Also in der zweiten Auflage, mein Karl Schwarz! Bis dahin sei bedankt für die Gabe deines Buches. Und welcher Dank könnte aufrichtiger und überzeugter klingen als der, der noch Wünsche mit sich trägt/weil die Gabe gerade durch ihre wertvolle Existenz zum Weiterdenken und Tieferfragen aufrüttelt? EM Hamann / Bittere Schokolade» Fabrik unä Zentrale: Berlin-Wilmersäorf Brandenburgische Straße 17 — Telephon: Brabant 801-803. - Hauptgeschäft: Kurfürstendamm 26ä ' ' - — Leipziger Straße 75 — Unter den Linden 14 — Am Rofrneck Potsdamer Straße 22 - Pariser Straße 28/29—Brandenburgische Straße 17. Der „GbersthlelWe Iu-enkönr'g". Abraham Muhr, ein Lebensbild Dr. M. öranns. Von Dr. Paul Ammerwahr. Auf Anregung des Apothekers Johannes Muhr (Görlitz) wurde die im Jahre 1891 erschienene Bran n sche Biographie von Abraham M u h r neu aufgelegt. Auf wenigen Seiten werden hier das Leben des großen Emanzipationskämpfers und ein Bild der für die deutschen Juden so bedeutungsvollen Zeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gezeichnet. Abraham Muhr, der aus einer aus Prag eingewanderten bis ins 17. Jahrhundert zurückzuverfolgenden Familie stammte, wurde 1781 in Berlin geboren. Seine Familie, insbesondere sein Großvater Joseph Muhr, gehörte zum Mendelssohnschen Kreis Mit einer gründlichen Allgemeinausbildung wurde er Lehrer und Erzieher. Nach kurzer Tätigkeit in Kurland und in der Gegend von Krakau siedelte er nach Pleß (Oberschlesien) über, wo er „Hofmeister" und Buchhalter bei der vornehmen Familie Skutsch wurde. Pleß war damals ein kleines Kulturzentrum des Ostens, und Muhr hatte dort Gelegenheit, aktiv literarisch hervorzutreten. Nach der Proklamation .der. Gleichberechtigung .der^ Juden Preußens 1812 entstanden innerhalb der Judenheit Bestrebungen zur Reformierung des synagogalen Ritus. Muhr wandte sich entschieden gegen extreme Reformen, vor allem wünschte er Beibehaltung der hebräischen Sprache. Er erstrebte fast genau die Form des jüdischen Gottesdienstes, wie er heute in der Mehrzahl der Gemeinden üblich ist (Predigt, Psalmengesang lisw.). Außerdem machte er wertvolle Vorschläge für dre^jüdische"Jüg'en6erzie'hüng, insbesondere die Ausbildung der Rabbinen. Leider wurden diese Anregungen infolge der Kriegswirren und der nach 1815 einsetzenden Reaktion zunächst nicht verwirklicht? In den zwanziger Jahren begann für Muhr eine Zeit des politischen Ka mv fe s um die G lei chb er ech tig u n g. 1827 beantragten die schlesischen Provinzialstände, die 1812 den Juden gewährten Rechte zu beschränken. Als einer der Vertreter der schlesischen Gemeinden verfaßte er eine Eingabe, in der er nachwies, wie wohltätig das Judengesetz von 1812 aus seine Glaubensbrüder gewirkt habe. Allerdings hatte dieser Schritt nur geringen Erfolg. Im Jahre 183 6 erschien eine Kabmettsorder, die bestimmte, daß die Bekenner der jüdischen Religion in amtlichen Schriftstücken nicht mehr als „mosaische und alttestamentarische Glaubensgenossen", sondern als Juden zu bezeichnen seien. Diese Verfügung wurde von den Verwaltungsorganen zu -Schikanen gegenüber den Juden benutzt, so daß praktisch die Anrede „Herr" Juden gegenüber nicht mehr angewandt werden durfte. In der gleichen Kabinettsorder wurde außerdem Juden verboten, christliche Vornamen zu führen. Diese Bestimmung wurde dahin ausgelegt, daß nur hebräische oder jüdisch-deutsche in die jüdischen Register einzutragen seien. Gegen diese Uebergrisfe wandte sich Muhr mit aller Entschiedenheit und richtete 1841 eine Jmmediatvorstellung an den König. In beiden Füllen erreichte er, daß die Mißstände abgestellt wurden., . ... . Neben seiner politischen Tätigkeit arbeitete er intensiv für seine engere Heimat O b e r s ch l e s i e n. Er war Stadtverordneter in Pleß. Die Gemeinde Pleß verdankt ihm ihr Gotteshaus und die Neuordnung ihres Gottesdienstes. Hier fand er endlich ein Feld, seine Reformpläne auf synagogalem Gebiete zu verwirklichen, und schuf eine Form, wie sie bedeutend später von großen Gemeinden (Berlin, Breslau) eingesührt wurde. Noch mit einem weiteren Plane ging er späteren Zeiten voraus: Seit 1815 fehlte den jüdischen Gemeinden Preußens jeder organisatorische Zusammenhang. Auf Muhrs Anregung wurde 1840 zunächst ein o b e r s ch l e s i s ch e r Gemeindebund gegründet. Wie groß das Ansehen war, das er unter seinen Glaubensgenossen genoß, geht daraus hervor, daß er bereits zu seinen Lebzeiten der „oberschlesische Jndenkönig" genannt wurde. „Der Sammler." Antwort an Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) von Professor I. Elbogen (Berlin). neben den 700 000 Mark sehen lassen können. Nun haben Sie Zweifellos darin recht, daß manche durch ihre Beiträge für Palästina ihre Pflichten gegen das Judentum als abgegolten ansehen, leider aber gibt es mindestens ebenso viele, die von Palästina nichts wissen wollen und trotzdem jeden Beitrag für jüdischkulturelle Anstalten ablehnen. Das Geschäft des Sammelns kenne ich einigermaßen, da ich seit mehr als 25 Jahren darin tätig bin. Nun, einen Keren Hajeflod gibt es erst seit 1920, aber ich habe vorher nie die Erfahrung gemacht, daß unsere Glaubensgenossen uns ihre Beiträge aufdrängten. Vor dem Weltkrieg herrschte unter den Juden in Ihre Ansprache, sehr verehrter Herr Rabbiner, klingt außerordentlich überzeugend, ist aber bei näherem Zusehen durchaus nicht stichhaltig. Zunächst kann man, wenn man gerecht sein will, die 700 000 Mark, die für den Keren Hajessod in Deutschland aufgebracht werden, nicht mit den viel geringeren Beträgen vergleichen, welche für die theologischen Hochschulen notwendig sind, sondern man muß da schon in Betracht ziehen, was auch sonst in Deutschland für allgemeine jüdische Zwecke (C. V., Hrlfsverein, Deutsch - Israelitischer Gemeindebund, Ort, Ose, Frarlen- 'tutttb; ^Akademie- 'usw.)- - gesammelt ■ wird. Dann werden schon stattb lichere Beträge erscheinen, die sich i i 1 5 l

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