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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 162

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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Die Schändungen jüdischer Friedhöfe als Märchen Zu bezeichnen, ist ein hoffnungsloses Untersangen in dem Augenblick, in den: der C eu L r a l v e r e i n eine mit Urklmden und Bildern belegte umfangreiche Denkschrift herausgibt. Dieses Märchen erzählt die „Deutsche Zeitung" nur ihren eigenen Anhängern! Der $öü tzalsmarin. Das Gericht glaubt nicht an die antisemitische Stimmung in Innsbruck. Wie wir in der Nummer 11 der „C. V.-Zeitung" bereits berichteten, ist am 12. und 13. Mürz vor dem Wiener Obersten Gerichtshof über die Nichtigkeitsbeschwerde Philipp Halsmanns verhandelt und die Sache zur erneuten Verhandlung an das Innsbrucker Schwurgericht Zurückverwiesen worden. liebet die Ausführungen des Verteidigers Dr. Preßburger und die Entscheidung des Gerichtes wird uns von unseren Wiener 0. kl.-Berichterstatter noch geschrieben: „Dr. Preßburger hat bekanntlich in seiner schriftlichen Beschwerde als Gerichtsstand für die neuerliche Verhandlung, die Mitte Juni nach gründlicher Voruntersuchung stattsinden wird, das Wiener Landesgericht verlangt, da die Atmosphäre im Innsbrucker Gerichtssaal von Animosität gegen den Angeklagten erfüllt war. Konfessionelle und parteipolitische Imponderabilien seien am Werke gewesen. Antisemitische S t r ö m u n g e n seien bis in den Gerichtssaal und bis an die Geschworenenbank gedrungen-. Der Vorsitzende des Gerichtshofes erklärte, daß über diesen Antrag Dr. Preßburgers in nichtöffentlicher Sitzung zu urteilen sei. Der Antrag der Verteidigung, die Angelegenheit ans dem Innsbrucker Milieu zu entfernen, wurde nun vom Ober st en Gerichshof abgelehnt, da hierfür die entsprechenden Voraussetzungen nicht gegeben sind und insbesondere auch nicht ans den in der Nichtigkeitsbeschwerde geltend gemachten Mwagungen gesunden werden konnten. Diese Stellungnahme des Obersten Gerichtshofes nimmt nicht wunder, da es doch zu absurd gewesen wäre, wenn ein österreichisches Gericht sich von konfessionellen Vorurteilen hätte beeinflussen lassen. Immerhin ist durch die Aufhebung des ersten Erkenntnisses ein Urteil über das in Innsbruck durchgeführte Verfahren gegeben, das erwarten läßt, daß nunmehr Recht und Wahrheit durchdrungen werden." Der entthronte Leibüichter — oöer Hitlers befcheiüenheit. Der „Deutsche R e v o l u t i o n s v e r l a g" versendet an eine sonst an ihm gänzlich uninteressierte Mitwelt eine berichtig u ii g", die den „D i ch t e r" Hans Steiger zum Gegenstand hat. Nicht der Dichter aber wird berichtigt, etwa, in der Form: „Es ist unwahr, daß Steiger ein schlechter Dichter ist, wahr ist vielmehr, daß er Goethe übertrifft" — sondern nur sein H i n a u 8 w u r f wird berichtigt, noch genauer: die Gründe seines Ausschlusses aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Man lese: „In freimaurerischen, jesuitischen und deutschvölkischen Kreisen wird mit einträchtigem Eifer die Nachricht verbreitet, daß unser Antor Hans Steiger, der Verfasser der „Judas-Ballade", wegen der darin enthaltenen maßlosen Beschimpfung des hochw. kath. Klerus sowie auch wegen grober Lästerung eines staatlich anerkannten Gottes aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ausgeschlossen worden sei. Das ist unwahr! Wahr ist, daß der deutsche Dichter und autikorruptiouistische Schriftsteller Hans Steiger lediglich deshalb aus der Gauschaft Groß-Berlin der N. S. D. A. P. ausgestoßen worden ist, weil er in seinen: Meisterwerk, in der Trilogie „Die Judas-Ballade", den Helden J'udas Jscharioth, den Nationalheros des „Volkes Gottes", nicht als einen blondhaarigen, blauäugigen, germanischen Recken, sondern nur als einen rasselosen, verwachsenen Zwerg gezeichnet hat. In dieser rein visionären Darstellung des Heilandverräters glaubte die Berliner Gauleitung der N. S. D. A. P. irrigerweise den prolninentesten nationalsozialistischen Parlamentarier erkennen zu müssen!" Während vor den Augen des amüsierten Lesers die Gestalt Dr. I o s e s Goebbels aussteigt, des „p r o m i n e n t e st e n nationalsozialistischen Parlamentarier s", wendet man gedankenvoll die Karte und liest: „Die der „Judas-Ballade" unmittelbar vorausgegangenen Bücher Hans Steigers „Hitler- Lieder", wurden gleichfalls wie die ,-Judas-Ballade", weil vom Privatsekretär Adolf Hitlers. ,,.n i ch t g e n e h m i g t", von sämtlichen Gauleitungen und jjuterorganisatwnen der N. S. D, A. P. boykottiert. Uches KInerato Für die Gesundheit! Faching er Versaßdsfcelte, Berlin SW 11, Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260 j 61. Derlenrnbet unb verboten." Dabei hatte Steiger im Vorwort der „Hitler-Lieder" Adolf Hitler dafür gedankt, daß er ihn vom Kirchenchristentum, dieser mehr oder weniger jüdisch-völkischen Irrlehre, befreit und im urchristlichen Nationalsozialismus seinen Gottesinhalt gefunden habe. Woraus mancherlei Schlußfolgerungen gezogen werden können. Entweder fühlt sich Hitler noch nicht b e s i n g u n g s w ü x big, oder Steiger ist ihm nicht Dichter genug. Wir finden, daß Hitler zu bescheiden ist; so bedeutend, daß ein Dichter von der Qualität Steigers ihm gerecht wird, ist er immer noch. Ridens. Der erste Stuttgarter Schülernachmittag des L. V. Am Samstag, den 16. März, nachmittags 4 Uhr, im Gesellschaftszimmer des Stadtgartens. Ein Haufen Jungen und Mädels, die Schüler der Oberklassen der Gymnasien, Oberrealschule, Handelsschule usw. Lauter junge, frische Menschen, alle ein wenig gespannt, alle ein wenig neugierig, was da werden sott. Ministerialrat Dr. Hirsch eröffnet mit einigen launigen Worten, die darauf hinauslauf-en: Der C. V. wolle zeigen, daß er gar nicht so „alt" sei, wie es manchem scheine, und er wolle durch die Mitwirkung der Jugend noch jünger werden. Dann wird Tee und Kuchen serviert, guter Kuchen, sehr guter Kuchen, zwei Stück aus den Kopf gerechnet; das ist eine Einleitung, die angenehm empfunden wird. Dann. zeigt unser Mitglied Dr. Max C r a m e r seine herrlichen Farbenphotographien: Winter und Frühling, Sommer und Herbst erscheinen nacheinander aus der Wand, Bilder aus Stuttgart und Schwaben, Oesterreich und dem sonnigen Süden. Dazu ganz kurze, lustige Erläuterungen. Alle bewundern, ein Ah . . . löst das andere ab. Und mm sehen sich wieder alle, die bisher den Projektionsapparat umdrängt hatten, an die Tische. Tr. Rudolf S t a h l aus Nauheim beginnt. Er ist selbst einer von den Jungen aus der Jugendbewegung, und er spricht so, wie es die Jugend liebt, ohne Prätention, ohne den Anschein des -Besserwissens und mit dem ausdrücklichen Zugeständnis: Ihr könnt über alles das, was ich sage, eure eigene Meinung haben, vielleicht ist sie sogar bester wie meine; ich dränge euch nichts aus. Er spricht über die Heimat, über unsere Heimat in deutschen Landen, ü-ber Berg und Tal und Hügel, mit denen die Jugendbewegung unsere Jugend so recht vertraut gemacht hat. Er spricht auch über den Zionismus, über das, was er einmal. war, und über die Wandlung, die sich bei seinen Anhängern vollzogen hat. Er spricht über den deutschen Juden und über den jüdischen Deutschen. Gabriel Riesser steht auf und lehrt die Lebenden, wie man Deutschtum und Judentum vereint. Rathen au erscheint wieder, aber seine Stellung zum Judentum reicht nicht an die des Mannes von der Paulskirche. Rudolf Stahl spricht auch über die Religion, über den religiösen Nihilismus, der vergangen ist, und über das Bedürfnis nach wahrem religiösem Empfinden, das heute die Besten beseelt. Er zeigt die Wichtigkeit der Kenntnis vom Judentum und daß das religiöse Empfinden zu der religiösen Tat führt. Er spricht im ganzen etwa eine Stunde unter der gespanntesten Aufmerksamkeit seiner jugendlichen Zuhörer. Und dann sprechen diese jugendlichen Zuhörer selbst. Zehn Diskussionsredner und -rednermnen stehen nacheinander auf. Alle fragen kurz und bündig, was ihnen unklar oder zweifelhaft an dem Vortrag erschienen war, und alle erhalten Antwort, bald von deru Redner, bald von dem Vorsitzenden, der mit geschickter Hand und liebevollem Eingehen auf die Seele der Jugendlichen die Debatte leitet. So gegen halb acht Uhr war es zu Ende. Wir paar Aelteren, die dabei gesessen waren, hatten das befriedigende Gefühl: jetzt haben wir unsere Kinder gehört, und wir wollen sie wieder hören. Sie sollen reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und sie sollen sagen, was sie denken. Die S t tt t t g a r t e r S ch ü I e r n a ch - m i t t a g e d e s C e n t r a l v e r e r n s s o l l e n k e i ne P a r t einer a n st a l t u n g w e x den u n b! e ine Verei n sm et erei. (Äe sollen die jüdischen Schüler der Oberklassen ohne „Rücksicht auf die Zugehörigkeit der Eltern vereinigen. Jeder junge Jude soll sich in diesem Kreis zu Hause fühlen. G. F»

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