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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 160

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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16$ Juden im gelobten Lande der Bibel, an der Geburtsstätte der jüdischen Religion, in dem Lande, aus dessen Boden sich durch viele Jahrhunderte, ruhmreiche jüdische Geschichte abgespielt hat', ist für jeden Juden ein Akt der Ehrfurcht vor den großen tleberliefernngen seiner Religion. Die U-ebersührung der Bersolgten und Ge demütigtennach Erez Jisroel bedeutet eine symbolische Wiederholung der Hinaussüyrung aus dein Lande MiZrajim. e) Das neue Aufbauwerk in Palästina auf der Grundlage her , Balfour-Detlaration rmd des englischen Mandats hat eine jüdische Gesmntverantwortuug für das geschaffen, was in Palästina ge- . Weht. Der Zusammenbruch der jüdischen Siedlungsarbeit muß auf die internationale Wertung der produktiven Fähigkeit aller Juden zurückwirken. Positive Leistungen der Juden in Palästina werden allen. Juden der Welt zugute kommen. Dieser jüdischen Gesamtverantwortung, die besonders von den Juden Britanniens und der Bereinigten Staaten anerkannt worden ist, können sich besonders diejenigen deutschen Juden nicht entziehen, die nicht wünschen, daß das Palästinawerk einseitig in die Bahnen der zionistischen Organisationsarbeit gelenkt wird. Aus Wunsch des Referenten wurden diese Leitsätze nicht zur Abstimmung gebracht. Rechtsanwalt Alfred Lichtenberg (Hannover) führte als Korreferent etwa aus: Die Frage unserer Stellungnahme zur Jewish Agency sei keineswegs eine Frage der Taktik, sondern betreffe die Grundlagen des Centralvereins. Rach § 1 der Satzungen sei der Zweck des Centralvereins, die den deutschen Juden durch die Emanzipation gegebenen verfassungsmäßigen Rechte zu verteidigen und auszubauen. M-ehr als ein Vierteljahrhundert sei dieses allein seine wesentliche Aufgabe gewesen, und alle Beschlüsse, die er in der langen Reihe der Jahre zur Palästinapolitik in den verschiedenen Hauptversammlungen gefaßt habe, hätten immer wieder diesen Charakter des Centra-lvereins und seiner Arbeit bestätigt. Nach seiner Ansicht würde das Betreten der von Bernhard gewiesenen Bahn einen Wendepunkt in der Geschichte und in der Arbeit des Central- Vereins bedenten. Deshalb sei nach seiner Ansicht der HauptvorsLand überhaupt nicht kompetent, in diesem Falle einen entscheidenden Beschluß zu fassen, weil ein solcher gegen die grundlegenden Beschlüsse der Hauptversammlungen verstoßen würde. Eine Mitarbeit an der Jewish Agency unterhöhle nach der Ueberzengung des Redners die Basis unserer ganzen Bewegung. Denn allein enhcheidend sei der Wortlaut des Artikels 4 Absatz 1 des Mandates, wonach eine geeignete jüdische Vertretung als eine öffentliche Körperschaft geschaffen werden solle, um der Verwaltung Palästinas Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte; der Absatz 2 des Artikels 4 des Mandatstextes betone demgemäß, daß im Einvernehmen mit der englischen Regierung die zionistische Organisation die Mitarbeit aller Juden sichern solle, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischnationalen Heimstätte zu helfen. Damit würde also ein Eintreten des Centralvereins bzw. seiner führenden Persönlichkeiten nichts anderes als die Beteiligung an einem jüdischen Parlament bedeuten. Er würde also mitverantwortlich und mitgarantierend sein für den Aufbau dieser j ü d i s ch n a ti o n a l e n Heimstätte unter der Oberherrschaft Englands. Es sei etwas ganz anderes, wenn die nichtzionistischen englischen und amerikanischen Juden in die Jewish Agency einzrrtreten sich entschlosten hätten, denn» sie wahren damit gerade die nationalen Belange Englands und Amerikas. Für die englischen Juden bedürfe das keiner weiteren Begründung. Aber auch die amerikanischen Juden hätten bei dem weltpolitischen Gegensatz zwischen England rmd Amerika als Amerikaner das Interesse daran, zu verhindern, daß England allein entscheidend in dem für die Weltpolitik so wichtigen Palästina rverde. Ganz anders läge die Sackte für uns. Wir könnten unsere Entscheidung nur nach der augenblicklichen Konstellation der Welt treffen. Danach müsse aber heute festgestellt werden, daß die weltpolitische Geltung Deutschlands besonders gegenüber England und Amerika noch so gemindert sei, daß wir irgendeine Bedeutung als Deutsche in einer solchen Vertretung 'Unmöglich gewinnen könnten. Aus der einen Seite übernähmen wir also für die Gesamtjudenheit gleichsam eine Garantie gegenüber England, während auf der anderen Seite die praktische Bedeutung dieser großen Verantwortung ganz verschwindend sein müsse. Es" sei dem Redner bekannt, daß gerade die auf dem Boden des Centralvereins stehende Jugend aus ihrem jüdischen Idealismus heraus ein Eintreten des Centralvereins in die Jewish Agency zu einem sehr großen Teil wünsche. Niemand aber könne mit Sicherheit sagen, wie schon in einigen Jahrendiese Jugend sich zum Palästinaproblem stellen roerde. Wir könnten und dürsten in dieser Grundfrage nur so entscheiden, wie es die Geschichte und Arbeit des Centralvereins nach des Redners Ansicht klar fordere. In der eben erschienenen Schrift Dr. Holländers: „Teutschjüdische Probleme der Gegenwart'" habe dieser ausgesührt. d a ß K o m p r o m i s s e i n unseren Hauptfragen nie« nt öl § geschlossen werden k ö n n t e n. Um eine Hauptfrage aber gehe es hier. Vor allem auch um deswillen, Weif wir durch unseren Beitritt d i e P o I i 1i sche Einheit des Ge saust t - j n d e n t u m s bejahen würden. Das Vorhandensein eines solchen politischen Gesamtjudentums herbe aber der C. V. stets verneint. Wenn er jetzt einen anderen Standpunkt einnehme, so würde damit vor allem unser Kamps gegen die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Bewegung auf das höchste gefährdet. Gerade das Referat des Abgeordneten Dr. Haas amgestrigen Abend habe gezeigt, wie schwer in den nächsten Jahren der Kautps um die Wahrung der Rechte der d e u L s ch e n I u d e n fein würde. Dieser Kamps müsse die Grundlage und das allein wesentliche Arbeitsfeld unserer Bewegung bleiben. Das Wort unseres Führers Holländer, „das Entscheidende müsse auch als das Entscheidende anerkannt werden", müsse uns hier leiten. Danach müsse die Entsendung von Delegierten seitens des Centralvereins in die Jewish Agency und die Mitarbeit unserer Führer in ihr als nicht zu unserem Ausgabenkreis gehörig abgelehnt werden. Die Aussprache berührte folgende Möglichkeiten einer Stellungnahme. Ein Teil unserer Freunde erklärte den Centralverein seinem Wesen und seinem Aufgabenkreis nach als unzuständig, sich mit einem auszerdeutschen jüdischen Problem zu befassen. Eine zweite Richtung wünschte ans gesinnungsmäßiger Ablehnung jedes Palästina-Aufbaus auf national-jüdischer Grundlage die ausdrückliche Feststellung, daß der Eintritt in die Jewish Agency mit der Arbeit im Centralverein unvereinbar sei. Dieser Ansicht entgegengefeül forderte eine dritte Gruppe die Beteiligung des^Vereins als solchem an der Jewish Agency durch Entsendung von Vertretern im geeigneten Zeitpunkt. Zwischen ihnen'stand eine in ihrer Abstufung zwar unterschiedliche, im grundsätzlichen jedoch übereinstimmende Anschauung, die die offizielle Beteiligung des Vereins ablehnte, jedoch den Eintritt von Vereinsmitgliedern als Privatpersonen in die Jewish Agency sreistellte. Nach einer von starkem Verantwortungsgefühl getragenen vielstündigen Auseinandersetzung, in der Vertreter aller Richtungen ausführlich zu Worte kamen, lehnte der Hauptvorstand mit 47:27 Stimmen den Antrag Bab: „Der Lentralverein kann seinem Wesen und seiner Organisation nach die Vertretung der deutschen Inden in einem internationalen jüdischen Komitee nicht übernehmen" ab, wobei darauf hingewiesen wurde, daß es auch Fälle insbesondere humanitärer Art geben könne, in denen eine solche Mitwirkung auch im Rahmen der Centralvereinsarbeit liegen könne. Darauf nahm der HauptvorsLand in namentlicher Abstimmung mit 48:35 Stimmen folgende Entschließung Lichtenberg und Genossen an: „Für den Cerrtralvereirr ist die satzuugsmästige wesentliche Aufgabe die Vertretung unserer Ideale und unserer Interessen in der deutschen Heimat. Allem voran steht uns deshalb die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Inden siir diese Ziele. Die Tatsache allein schon, daß das Palästinawerk im Kreise der deutschen Juden nicht einheitlich beurteilt wird, und daß weite Kreise die Mitarbeit hieran seiner national-jüdischen Bedeutung und Wirkung wegen ablehneu, u— diese Tatsache allein schon bestimmt den Hauptvorstaud, unbeschadet aller anderen Gründe, von einer Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency abzuseherr. Weitere Entschließungen, die sich für eine Mitarbeit an der Jewish Agency ausfprachen, waren damit abgelehnt. Bei der Begründung der angenommenen Entschließungen war erklärt worden, zur Frage, ob einzelne Mitglieder für i h r e P e r s o n der Jewish Agency beitreten können, sei damit nicht Stellung genommen. Nach Abschluß der Jewish Agency-Entschließung wurde die politische Aussprache bis in die späten Abendstunden fortgesetzt. Hauptvorstandsmitglieder aller Landesteile und aller politischen und beruflichen Richtungen teilten Erfahrungen mit und gaben Anregungen, die in der praktischen Arbeit Berücksichtigung finden werden. In die Leitung der Verhandlungen teilten sich der Vorsitzende und die Stellvertreter des Vorsitzenden Dr. Geiger, (Frankfurt a. M.) und Dr. Bruno Weil (Berlin). * Vor Eintritt in Me Tagesordnung ernannte der Hauptvorstand den langjährigen früheren Vorsitzenden unserer Ortsgruppe Breslau, Justizrat Hirschberg (Breslau), zum Ehrenmitglieds. — Rechtsanwalt Dr. Regensburger (Braurrschweig) wurde in den Arbeitsausschuß, Arthur Sutzmann (Ehemrritz) in den Verwalturrgsausschrrtz gewählt. — Vor und nach der Hauptvorstandssitzung tagten der Arbeitsarrsschusz, der Fugeudausschutz und die Beamten des C. V. Die jedem dieser Tagungen wesentlichen Aufgaben fanden nach Referaten in gründlicher Beratung sachgemäße und aussichtsvolle Regelung.

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