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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. Seite 159

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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Die Hauptvorstan-sfthung des Centralvereins Unser Kampf gegen den Nationalsozialismus. — Die Jewish Ageney><S:Rffd?We£ujig. I Die Voraussage unseres Aufsatzes „Vor der Haupt- 1 vvrstandssitzu. n g" in Nr. 11 der „C. V.-Ieitung" vom | 15. März Hai sich erfüllt. Die beiden Probleme, die alle für I die Arbeit und das Bestehen des Centralvereins interessierten A Freunde aufs stärkste beschäftigen mutzten: Kampf nach z nutzen und Klarheit nach innen, hatten gegen SO H a u p tv v rsta n d s mi tgli eder, davon fast die 'i Hälfte aus dem Reiche, in anderthalbtägiger Sitzung zu i ernstester Aussprache vereinigt.; Der Vorsitzende des Vereins, Justizrat Dr. Julius { Brodttitz, begründete die Einberufung der Tagung in % seiner Eröffnungsrede init der Politischen und wirtschaftlichen | Entwicklung der letzten Monate und mit der Notwendigkeit, l die Frage der Beteiligung des Centralvereins an der Jewish I Agency zu klären. Reichstagsabgeordneter Dr. Ludwig j H aas, Ha uptvorstandsmitglied des Centralvereins, und Direktor Dr. Ludwig Holländer erstatteten die grund- | legenden Referate für die politische Aussprache. t Dr. Ludwig Haas 4 gab ein Bild der politischen und wirtschaftlichen' Gesamt- H s i t il a t i o n Deutschlands und schloß mit einem aus heißem f Herzen strömenden, arrfrüttelnden Appell an Die deutschen I Inden, endlich die Augen zu öffnen und die ernste Lage;n erkennen, in der sich unser deutsches Bateri land und Damit auch die deutsche Jndenheit befinden. Jul einzelnen führte er etlva aus: | Die innenpolitische Lage ist dadurch gekennzeichnet, das; die Art, wie in Deutschland das Mrlamentarische System gehandhabt wird, E immer mehr Unzusriedenheit hervorruft. Nicht das S y st e nr ist s.ß falsch, al>er die deutschen parlamentarischen Methoden sind um i brauchbar. Anstatt daß der Reichskanzler wie in anderen Ländern | mit alter parlamentarischer Erfahrung sich sein Kabinett bildet, wird f bei uns mit den Fraktionen verhandelt, die sogar über die Verteilung der Ministerfitze Bedingungen curfstellen. Mit denr Begrisf z der fraktionellen Bindung wird schädlicher Mißbrauch getrieben. Man 3 verkennt, daß jede Fraktion gebunden ist, die in der Negierung ver- 4 treten ist. Regierungsparteien wollerr, um nicht an Popularitirt Zn verlieren, gleiä)Zeitig Anträge stellen, wie wenn sie die FreilM der J Opposition besitzen würden. Die UeberZeugung. daß wir eine Art E Fraktiouswirtschaft haben, schafft jene unklare Stimmung, in der i Diktakurgedanken Nahrung finden. Die Forderung, das Ministeriunr i vorn Vertrauen einer Partamenksmehrheit unabhängig zu machen, J wie es int Volksbegehren des Stahlhelms Zum Ausdruck kommt, f würde die Fraktionswirtschaft nicht schwächen, sondern stärken.. Man ö kann die Fraktionen nur mit der Drohung einer Negierungskrisis 4 in jene Grenzen Zn rückweisen, die in gesunden parlamentarischen!) Verhältnissen den Fraktionen gezogen sein müssen. Die Verzweiflung weiter Kreise über freu allzu hohen Steuerdruck, dazu großkapila-- listische Entwicklungen, die die wirtschaftliche Freiheit kleiner und mittlerer Existenzen immer mehr bedrohen, schaffen den Nährboden für radikale Bewegungen, insbesondere für die Natiormlsozialisten. Der Kamps gegen den Nationalsozialismus ist deutsche Pflicht. Die S ch ü n d u n g von Friedhöfen ist eine S ch in ach für die deutsche Kultur. Wenn ein Teil der deutschen Stüde n t e n s ch a f t nicht einmal mehr bei der Feier der im Kriege gefallenen Kameraden den inneren Frieden wahren kann, so zeigt das deutlich, wie verheerend die Hetze gewirkt hat. Man muß dem preußischen Minister des In tunt für seinen Aus- I ruf gegen die politischen M e t h o d e n der G e w a l t f dankbar se i ick). Wir nwllen Freiheit für alle ehri lichen geistigen Bewegungen. Bewegungen aber, die das % Recht der Faust proklamieren, können nur mit Gewalt 4 niedergezwungen werden. Es wird die Frage aufgeworfen, ob nicht ■| die Entwicklung in Italien, Spanien, Jugoslawien einerseits/ in | Rußland andererseits den Beweis erbringt, daß der Parlamentarisf mus sich in einer Weltkrisis befindet. Die Diktatur wird nie ein | auf die Dauer brauchbares Staatssystem sein. Kulturvölker mit < guter Volksbildung ertragen sie aus die Dauer nicht. Trotz aller Ä Mängel deutscher parlamentarischer Methoden muß anerkannt werden, | daß parlamentarische Führerauslese sich auch bei uns bewährt hat, 1 und daß die parlamentarischen Regierungen das deutsche Volk in I höchsten Gefahren nicht ohne Erfolg geführt haben. Ein Vergleich; mit den Zuständen im Jahre 1919 und im Jahre 1923 zeigt deutlich. '4 daß innenpol irisch und außenpolitisch Fortschritte erzielt sind, die L dereinst von der Geschichte gerechter gewürdigt werden als von der % 3) Ob schon die Presse den Erlaß des Irmenmiuisicrs veröffentlicht hat, ■4 geben auch wir ihn seiner Bedeutung wegen cm anderer Stelle des Blattes H wieder. Gegenwart. Die Natümal sozialsten arbeiten sieberhast und mit reichsten Geldmitteln. Es ist Ehrenpflicht der deutschen Juden, gegen die die nationalsozialistische Hetze sich besonders richtet, höchste Opfer in diesem Kampfe zu bringen/ Wer das nicht begreift, hat kein Gefühl für eigene Ehre. Es gibt eine seltsame Tagebncheiutragung von W alter R a t h e n a u. Sie lautet: „Es steht uns bevor die Zeit des Erkennend und der Grausamkeit; nach ihr kommt die Zeit des Begreifens und der Liebe." Das waren fast prophetische Worbe vor dem Krieg. In wildem Haß haben die Böller sich grausam bekämpft. Nach dem Krieg toben sich in den Völkern selbst die leidenschaftlichsten Gegensätze aus. Es ist höchste Pflicht, die Bewegungen des Unfriedens, des Hasses und der Grausamkeit niederzukämpfen und die Lehre des Begreifens und der Liebe im Geiste wahrer Volksgemeinschaft zu verbreiten. Direktor Or. Ludwig Holländer ging in seinem Geschäftsbericht vorherrschend auf Fragen der Vereinstätigkeit und auf die Möglichkeiten des Ausbaues der Vereiusarbeit ein. Die wesentlichen Fragen wurden den Haicptvorstandsmitgliedern schriftlich überreicht, so z. B. über Umfang der Versammlungstätigkeit, Versammlungen in nichtjüdischen Gegenden, richtige Vorbereitung von Versammlungen. Gewinnung geeigneter jüdischer und nichtjüdischer Redner, Stellung zu gewissen Bünden und Verbänden, Ausnutzung der modernen Technik für die Aufklärung, Herstellung geeigneter Druckschriften und vieles andere. Ausführlich wurde auch die Möglichkeit unseres Kampfes gegen den Nationalsozialismus dargelegt und der Rahmen dieser Arbeit entsprechend abgesteckt. Die Verhandlungen des Sonntagmorgen brachten die Erörterung der Jewish Agency - Frage« Wie wir in unserem Aorbericht ausgeführt haben, handelt es sich dabei um die Entscheidung, ob der Centralverein als die Organisation der nichtzionistischen deutschen Inden Vertreter in die Jewish Agency entsenden solle. Der Hauptvorstand nahm zunächst darüber die Vorträge des Reichstagtzabgeordneten Professor Georg Bernhard und des Rechtsanwalts Alfred Lichtend erg (Hannover) entgegen. Professor Georg Bernhard faßte seine Ausführungen in folgenden Sätzen zusammen: 1. Die Voraussetzung für die Mitarbeit im E. V., die grundsätzlich allen deutschen Inden, ohne Unterschied ihrer Stellung zu den religiösen und politischen Problemen offensteht, ist das Bekenntnis zu Deutschland als Heinmt und zu deutscher Kultur als Heimatkultur. 2. Deshalb können die im C. V. organisierten deutschen Juden auch nicht der Wiedererrichtung der Heimat eines jüdischen Volkes in Palästina Anstimmen, von dem alle in den übrigen Ländern der Welt lebenden Juden Teile darstellen. 3. Wenn trotzdenr sich der Hauptvorstand bereit erklärt, an dem Aufbauwerk in Palästina im Rahmen der zu erweiternden Jewish Agency gemeinsam mit den anderen nichtzionistischen Juden der übrigen Länder mitzuarbeiten, so sind für diesen Entschluß die folgenden Erwägungen maßgebend: a) Die Balkonr-Deklaration vom 2. Novenrber 1917 und das aus ihrer Grundlage am 16. September 1922 an England durch den Völkerbund erteilte Mandat hat die „Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina", die bis dahin das Ziel innerjüdischer Parteibestrebungen war, Zll einer Tatsache der internationalen Politik gemacht, b) Durch die im Jahre 1922 erfolgte amtliche Interpretation der Balfour-Deklaration durch das britische Kolonialamt ist -ausdrücklich und klar festgestellt worden, daß nicht Palästina als Ganzes in eine jüdische nationale Heimstätte umgewandelt, sondern daß in Palästina die „bereits bestehende jüdische Gemeinschaft mit Hilfe der Juden in allen Weltterleu so weiterentwrckelt werden soll, daß sie git einem Zentrum wird, an welchem das jüdische Volk in seiner Gesamtheit aus religiösen und stammesmüßigeu Gründen mit Interesse und Stolz tetluehmen kann", c) Die neue Siedlungs- und Aufbauarbeit in Palästina auf der Grundlage der Balfour-Deklaration knüpft schon deshalb an die Traditionen früherer jüdischer Siedlungsbestrebungen an, die stets von den deutschen nichtzionistischen Inden unterstützt worden ist. weil es auch heute noch Millionen von Juden im Osten gibt, die entweder völlig schütz- und heimatlos sind, oder die ihre staatsbürgerlichen Rechte nur dadurch zu wahren vermögen, daß sie sich als jüdisck^e Volksmmorität in die Parterengesüge ihrer Heimatsstaaten eingliedern. Diesen Juden eine Heimstätte oder ein nationales Zentrum zu schassen, bedeutet eine moralische, kulturelle, religiöse und staatsbürgerliche Sicherung von großen Massen jüdischer Menschen, d) Die Ansiedlung solcher

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