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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. Seite 132

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 * Wieviel jü-We Frauen leben in Deutschland? Eine statistische Betrachtung. Von Dr. Julius Rothholz. Die Gesamtbevölkerung unserer Erde belauft sich aus rund 1850 Millionen Menschen, darunter etwa 16 bis 17 Millionen Juden. 1 v. H- Juden, und dieser Prozentsatz wird von Deutschland, das von den Völkischen als das verjudetste Land der Welt verschrien wird, nicht überschritten; denn nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung von 1925 wurden unter den 62Mj Millionen Deutschen 564 879 Juden gezählt, also nur 0,9 v. H., gegen 0,93 im Jahve 1910; und diese Tendenz zur Abnahme der jüdischen Bevölkerung setzt sich auch nach dem Kriege noch) fort. Das zeigen zum Beispiel die Feststellungen des Landesstatistisch)en Amtes in Hessen für das Jahr 1927. In diesem Lande, das eine jüdisckze Bevölkerung von rund 20 000 Seelen umfaßt, wurden 1927 187 Kinder aus rein jüdischen Ehen geboren; es starben 310 Personen jüdischen Glaubens; daraus ergibt sich ein Ueberschuß der Toten über die Neugeborenen von 123 in einem Jahre, ein trauriges Resultat, das aber in den statistischen Verössentlichungen aus anderen Teilen Deutschlands wiederkehrt. Kann man so für ganz Deutschland von einem Rückgang der jüdischen Bevölkerung sprechen, so ergibt anderseits die Statistik der Großstädte mit 100 000 Einwohnern und darüber ein Anwachsen der jüdischen Bevölkerung. Wir haben in Deutschland 45 Großstädte mit rund W/2 Millionen Einwohnern, die sich im Vergleich zu 1910 um rund 8 v. H. vermehrt haben, für die jüdisck)e Bevölkerung betrug aber der Zuwachs 16 v. H., war also fast doppelt so stark wie bei der übrigen Bevölkerung, eine Erscheinung, die darin ihre Erklärung findet, daß die Rückwanderer aus den verlorengegangenen Provinzen sich meist den Großstädten zuwandten, weil ihnen dort der Aufbau einer neuen Existenz am leichtesten erschien. Mehr als zwei Drittel der deutschen Juden wohnen also in den Großstädten, davon fast die Halste in Groß-Berlin, während kaum ein Biertel der deutschen Gesamtbevölkerung in den Großstädten lebt. Die amtliche deutsche Statistik gibt keinen Ausschluß über die Konsefsion der männlichen und weiblichen Einwohner in den Großstädten, da sie, dem Beispiel anderer Länder folgend, bei ihren Zählungen das religiöse Dtoment immer mehr in den Hintergrund treten läßt. So suchen wir in dem „Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich", im „Preußischen Jahrbuch", selbst im „Berliner Jahrbuch" auch vergeblich eine Trennung nach Geschlecht und Beruf der Einwohner für die einzelnen Landesteile Deutschlands bzw. für Berlin und seine Bezirke. Diese Lücke füllt für die Großstädte das Internationale Statistische Bureau im Haag durch seine Veröffentlichung über .;Die Großstädte" aus; für die jüdischen Volksteile ist diese Statistik besonders bemerkenswert, da wir ja oben den Nachweis erbracht haben, daß der „deutsche Jude" die Großstadt als Wohnort bevorzugt. Die Daten aus dieser Statistik, die sich Leider nicht über alle Großstädte erstreckt, haben wir in der folgenden Tabelle verarbeitet. Die jüdische Bevölkerung der dentschen Großstädte nach Geschlechtern. Großstadt €1 CB SS ZL Jüdische Männer Jüdische Frauen S o § - «g •: g ä fgft Ägi K SB« gif 55 ““ Groß-Berlin 4 029 165 172 672 84 216 88 456 4,29 105 Hamburg 1 079 126 19 794 9 612 10182 1,83 106 Dtünchen 680 704 10 068 5 007 5 061 1,48 101 Leipzig 679 159 12 594 6 439 6155 1,86 96 Dresden 619 157 5120 2 564 2 556 0,82 99 Essen '470 524 4 209 2111 2098 0,90 99 Frankfurt 467 520 29 385 14 235 15 150 6,34 106 Hannover 422 745 5 521 2 636 2 885 132 109 Stuttgart 341 967 4 548 2 228 2 320 1,33 104 Chemnitz 331 655 2 796 1459 1337 132 92 Magdeburg 297 020 2 361 1222 1139 0,80 93 Bremen 294 966 1328 689 689 0,45 108 Königsberg 279 428 4 042 1935 2107 1,45 109 Zusammen: 9993 136 274 338 134 303 140 035 2,75 104 ö tö In dieser Uebersicht sind zwar nicht alle 45 Großstädte Deutschlands aufgesührt, sondern nur 13; in ihnen aber lebt der größte Teil, nämlich 274 338 Juden, und zwar 134 303 männlichen und 140 035 weiblichen Geschlechts. Im Durchschnitt kommen auf 100 der Gesamteinwohnerschaft dieser 13 Städte 2,75 Juden,' und dieser Prozentsatz wird nur von Frankfurt a. M. und Berlin überschritten, die die größten jüdisäM Gemeinden Deutschlands aufznweisen haben; die anderen genannten Großstädte bleiben unter dem Durchschnitt Zurück; die wenigsten Juden wohnen in Bremen (0,45 v. H.). Ms aus die sächsischen Städte, Essen und Magdeburg weisen diese Großstädte einen Ueberschuß von Frauen auf, der zwischen 1 und 9 Prozent schwankt. In Berlin kommen auf 100 Männer 104 Frauen, in Hamburg und Frankfurt a.M.! 106, in Hannover und Königsberg gar 109. Daß in - Sachsen die Männer in der Mehrzahl sind, dürfte auf die Tatsache zu- \ rückzusühren sein, daß dort besonders viele ausländische Juden wohnen. Unter Zugrundelegung des errechneten Durchschnitts von 4 v. H. überschüssiger Frauen über die Männer kommen wir zu dem j Ergebnis, daß von den 877 114 Juden in allen deutsc^n Großj städten 184 860 männlichen und 192 252 weiblichen Geschlechts sind. Demnach wohnen in allen deutschen Großstädten rund 8000 jüdische Frauen mehr als Männer. Diese Daten ermöglichen uns auch, die Verteilung der übrigen jüdischen Bevölkerung Deutschlands nach dem Geschlecht zu errechnen. Das „Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich" enthält nur die summarischen Zahlen über die Konfession und das Geschlecht der deutschen Einwohner. Nach diesem I Quellenmaterial besteht die jüdische Einwohnerschaft aus 274 450 ß Männern und 289 929 Frauen. Nach Abzug der Anteile, die auf Z die Großstädte entfallen, verbleiben als jüdische Einwohner der 1 Mittelstädte, der kleinen Städte und des platten Landes f 88 590 DLänner und 97 477 Frauen, d. h. aus 100 Männer kommen 110 Frauen, der Frauenüberschuß ist hier 10 v. H. Diese Zahl, die ß um 6 Prozent den Frauenüberschuß der Großstädte übertrifft, kann 1 nicht wundernehmen, da die Tatsache bekannt ist, daß besonders die i männliche Jugend — wie auch bei der nichtjüdischen Kleinstadtf bevölkerung — nach der Großstadt strebt. Dagegen ist die Boden- - ständigkeit der jüdisches Mädchen, zumal wenn fie im elterlichen Hause leben, größer; sie bleiben dort als Haustöchter oder arbeiten j im väterlichen Betriebe. Aber durch die Abwanderung der jüdischen s Männer ist für sie die Heiratsmöglichkeit und die Gründung eines '? jüdischen Haushaltes erschwert. Die neuerdings einsetzende Be- I wegung, jüdische gemeinnützige Heiratsvernnttlungsstellen zu | schaffen, dürste gerade in Mittel- und kleinen Städten wie auf dem 1 flachen Lande ein reiches Betätigungsfeld finden. \ Der Vollständigkeit halber seien nachstehend auch die amtlichen j Aifsern über die Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung Deutschj Lands nach Geschlecht und Religion zusammengestellt: i Religion Männer Frauen Auf 100 Zu- Männer lommen Frauen Jüdische Bevölkerung von der Gesamtbevöl« kennig Evangelische einschl. Sekten 19 169 660 20845 017 40 014 677 107 74,1 Katholiken . . 9 788 024 10395 310 20 193 334 106 32.4 Griechisch-Kath. (Russen) . . 10 960 7 983 18 943 75 0.0 Sonstige christl. Gesellschaften 32 557 36 080 68 637 111 0,1 Juden.... 274 450 289 929 564 379 106 0.9 Sonst, frerrel. Christen . . 911 272 639 477 1 550 649 70 2,5 Zusammen: SO 196 823 32 213 796 62 410 619 107 100,0 Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, daß im ganzen -i Deutschen Reich auf je 100 Männer 107 Frauen kommen. Bei den $ drei Bekenntnisreligionen schwankt der Prozentsatz zwischen 106 und 'J 107; der Frauenüberschuß ist am stärksten bei den Evangelischen, er hält sich bei Katholiken und Juden die Wage und weicht prozentual 1 nur um 1 v. H. von dem relativ errechneten Ueberfthuß der Evan- * gelischen ab. Dagegen kommen bei den Bekenntnislosen, vorzüglich 4 den Freidenkern und Atheisten, aus 100 Männer nur 70 Frauen, ein 1 Zeichen, daß die Frau sich von der Religion schwerer trennt als der j Mann. Die Zahl der Anhänger der freireligiösen Weltanschauungen j und der atheistischen Gruppen, die in der Nachkriegszeit besonders in 's die Höhe geschnellt ist, übertrifst beinahe um das Dreifache die | jüdische Bevölkerungsziffer. 5 Die wahren Verantwortlichen. ] Gegen Frievhofsschändnng und politische Hetze. | Der bekannte ELhiker und freimaurerische Schriftsteller Dr. Fritz 1 Rackhorst Ln Lennep schreibt in einer freimaurerischen Zeit- E schrist, die uns in einem Ausschnitt zugeht: | „Immer neue Schändungen jüdischer Friedhöfe. ) Profane Zeitungen berichteten Anfang Dezember 1928 über die * 65. Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland. Diese Akte von ' Roheit und sittlichem Tiefstand sollten von allen anständig Denkenden und Fühlenden ohne Unterschied des religiösen und politischen Glaubensbekenntnisses auf das schärfste verurteilt und gebrandmarkt s werden. Die wahre Verantwortung für solche Taten, die das Ansehen 1 und die „Würde" des deutschen Volkes in der ganzen Welt herabsetzen und schänden, tragen nicht nur Leute wie Erich Ludendorff und Kon- | orten, die die Volksmassen in einer aller Menschlichkeit hohm J prechenden Weise verhetzen, sondern auch diejenigen, welche fie stillz chweigend — sei es aus parteimäßigem Wohlwollen, sei es aus Feigf zeit — dulden. |

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