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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-08 · 10 (8.3.1929) · p. Seite 121

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
Seite 121 (sequence 5)
Language
German
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121 G. Grosser Spr-illlhauL für ftinr Herren-Wäscht Lrikotggrn usm. BERLIN W CHARLOTTENSTRASSE 65 FERNSPRECHER: MERKUR 6330 Beschluß gefaßt habe, scheut sich nicht, das Andenken an unsere (Gefallenen durch die bekannten, auch von uns berichteten Vorgänge beim Volkstranertag zu schänden. Tie „Deutsche Studentenschaft" steht v o r s ch w e r e u i n n e r e n St ä mpfe n. Die freiheitliche Studentenschaft sicht diesenp Bruderzwist Gewehr bei Fuß zu. Sie ist jederzeit bereit, in einer von Klassen- und Rassenhaß und engen; Parteigeist freien „Deutschen Studentenschaft" mitzu arbeiten, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Dr. Werner Rosenbcrg (Berlin). Wege Zur Volksgemeinschaft. Eine Lehrerveranstaltung unseres Grost-BerLiner Landesverbandes. Unter dem Thema „D i e U e b c r b r ü ck u n g der konfessionellen Gegensätze d u r ch E r3iehun g zur Vvlksgemein - f ch a f t" hatte der L a n d e s verbau d G r o ß - B e r l i n d e s iS c n - tra! vereins dcuts ch e r S t a a t s b i'l r g e r j ü d i s ch e n Gl ci u b c n § Lehrer und Lehrerinnen der Berliner höheren, Mittel- und Volksschulen zu einem Ausspracheabend am Montag, 4. März, cingeladen. Welche Bedeutung die Gingeladeuen dein Gegenstände der Verhandlung beirnessen. ergab sich crsreulicheuveise daraus, daß ann ix h c r n d :j0 0 n i d) t j ü b i f ch e Lch r c r u n d Le h r e r i n n e n den Bürgersaal des Berliner Rathauses füllten. Nack) Begrüszungsworteir des Vorsitzenden des Landesverbandes Groß-Berlin, Tr. und. Bruno Glascrf e l d , zeigten die Herren Schulrat Georg Wolfs, Rektor bl eller - ui a n n , Studienrat Dr. Kurt L e w i n , Studiendirektor Tr- I. G u t t - mann, Oberstudienrat Tr. Kurt Landsberg die Wege ans, die nach ihrer Meinung zn einer wahrhaften Volksgemeinschaft als wertvollstes Ziel für die Einigkeit des Vaterlandes führten. Schulrat Wolfs behandelte das Thema vom allgemeinen Gesichtspunkt, Rektor 'K e l l c r - mann vorn kacholischen. Oberstudienrat Landsberg gab als evangelischer Neligionslehrer und Geschichtsbeflipener eine Reihe praktischer Anregungen. Tr. L e w r n und Tr. G u t t m a n n nähme;; vom jüdischen Standpunkt zum Thema Stellung. — Eine lebhafte Anssprache wurde durch ein warmherziges Bekenntnis von Frau Margarethe F rieb beschlossen. — Als Gewinn des Abends kann die Tatsache verbucht werden, das; eine große Anzahl nichtjüdischer Berliner Lehrer und Lehrerinnen ans allen Schulen mit uns jüdischen Deutschen einig gehen in dem Wunsche und in dem Bestreben, über alle konfessionellen Gegensätze hinaus das gemeinsame Band zwischen Volksgenossen herzustellen. Festgestellt wurde ferner, daß kein verantwortungsvoller Jugenderzieher, welcher politischen Partei er auch immer angehört, bewußt ein jüdisches Kind zurücksetzt. Daß Zrotzdem für das stidische Schulkind besondere Verhältnisse hier und da bestehen, wurde von verschiedenen Rednern betont. Alan war aber allgemein einig in den; Willen, durch die Schule das gut zu machen, was manches Elternhaus den Kindern an Trennenden; und Unschönen; ans den Weg gibt. I Zum 60. Geburtstage von Kardinal Faulhaber. J In diesen Tagen vollendet Kardinal F n u l h a b e x , gefeiert von 1 der gesamten katholischen Welt, sein 00. Lebensjahr. Auch wir st gedenken dieses Tages und geben der Hoffnung Ausdruck, daß es :;hnl noch viele Jahrzehnte vergönnt sein möge, der Versöhnung und st der Liebe zu dienen und dabei auch gegen Klassenhaß und Rassenhaß h zu wirken. In aller Erinnerung leben die Worte, die er 1922 aus dem 62. Katholikentag nach der Ermordung Rathenaus sprach: ch! „Wenn dann die Leidenschaften des Volkes durch diese persönliche Hetze ausgepeitscht werden und einer den Revolver zieht, ' dann brauchen nur keinen Staatsgerichtshof, u;n den Mörder zu ) suchen, dann sitzt der Mörder in der Schreibstube jener Zeitung, 1 welche die Leidenschaften in persönlicher Hetze aufgepeitscht hat. z Friede unter den einzelnen Religionsbekenntnissen des Landes." Im Jahre 1924, im November, Prägte er auf der Caritas-Woche : in München folgende Worte: * „Wir wollen schauen, daß die Selbstzerfteischuug des deutschen Voltes aufhört. Wir wollen schauen, daß München nicht mehr I ein Höllentrichter von Haß und Roheit und Aufreizung bleibt, die j eines zivilisierten Voltes und seiner Vergangenheit nicht würdig j sind." Und als im Jahre 1927 den jüdischen Studenten.der Uni- / versität M ü n ch e it im Januar die Teilnahme an der Jubiläumsfeier der Universität nicht möglich war, da sagte Kardinal Faulhaber in seiner Festrede „Paulus auf dem Areopag" die seinerzeit auch in diesen Blättern wiedergegebenen Worte: , „Alles was Mensch ist, hat den einen gleichen Stammvater .. also ist ,vor Gott rein Unterschied zwischen einem Juden nnd einem GriecheR (Römer 10,12) . . also sind alle Menschen in Adam z Brüder und noch mehr in Ehristus, . . . also darf es kein Kastenf - wesen geben, keinen Standesdünkel bevorzugter Volksschichten." i Wir hoffen, daß der Tag nicht mehr fern ist, an dem seine Saat J des Friedens zum Segen Deutschlands nnd der Menschheit ausgeht. Luchbelprrchungen Europa. Von Professor Dr. Erich Stern (Mainz). . Tie Tatsache des W-e likrieges, die Erlebnisse, die er in Pen Angehörigen aller Nationen hervorries, die Folgen, die er gezeitigt hat^ und an denen Sieger und Besiegte und auch Neutrale kranken, hat die. Menschheit, vor allein die europäische Menschheit, vor ganz neue Probleme gestellt. Soll ein. Krieg wie dieser sich wiederholen, vielleicht in noch größeren Ausmaßen und mit noch größeren Gefahren? Der kommende Krieg wird ein Krieg sein, in den; es für die betroffenen Länder kaum mehr einen Schutz gibt. Tie Technik, die der Mensch geschaffen hat, damit sie dem Leben diene, das Leben erleichtere und ' den Menschen mit lebenswichtigen und lebensnotwendigen Gütern versorge, wird noch mehr als in dem letzten Krieg in den Dienst des Tötens treten. Was der" Mensch zu seinem Segen erschaffen, wird seinen Untergang horbeiführen. Von Europa und seiner Kultur wird wenig übrig bleiben. Europa wird also mit allen Mitteln versuchen müssen, den künftigen Krieg zu vermeiden; eine Stimmung muß auskommen. die friedliche r V e r st ü n d i g u n g d e r V ö l k e r u n t e r e i u a n d e r d e u Weg bereitet. So rückt das Problem Europa und das Problem internationaler Verständigung in den Mittelpunkt, des Interesses. Es soll hier kurz auf zwei Werke hingewiesen werden, die.sich, von ganz verschiedenen Seiten herkommend, und von verschiedenen Gesichtspunkten aus geschrieben, mit den; Problem Europa beschäftigen, nnd die, bei aller Verschiedenheit, doch in einem Übereinstimmen: E u r o p a muß Wirklichkeit lverden! Ein Europa, das irgendwie eine Einheit darstellt, sich als Einheit fühlt und einheitlichen Handelns fähig ist. Graf K e y s e r l i u g betrachtet das Problem in dem Buche: ,.T a s S p ek t r u m E u r o Pas"J vom philosophischen nnd völterpsvchotogischen Standpunkt aus. In einer Reihe einzelner Abhandlungen sucht er das Typische, das Wesentliche und Charakteristische jeder der Nationen Europas aufzuzeigen — eine Wiedergabe seiner Ausführungen würde hier zu weck führen —, ein schwieriges und angreifbares Unternehmen: vieles, was Keyserling schildert, kann mau, meines Erachtens, auch anders sehen. Aber darin hat er nnzwei felhast recht: „Alle Völker haben, ihr Gutes. Aber nicht eines hat eir; Götterrecht auf Hochmut. Vor allem aber macht sich jedes einfach lächerlich, wo es aus andere herabsieht im Größenwahn, d a s Menschheitsideal zu verkörpern. Wenn etuoas allgemein gilt, dann ist es dies, daß die Vorzüge überall durch korrelative Nacksteile kompensiert erscheinen." Jeder Chauvinismus ist als Krankheitssymptom aufzusassen. Jedes der europäischen Völker hat seine eigene Aufgabe, weil es seine eigenen Werte hat. Deshalb darf auch keines seine eigene Aufgabe zugunsten irgendwelcher anderen Ziele anfgeben: Erhaltung und Pflege der Nationen ist heute genau so wesentlich wie ehedem. Aber jedes muß zugleich mehr sein, nicht international, sondern übernational; im Bewußtsein des eigene!; Wertes kann es den Wert der anderen anerkennen. Europa zeichnet sich ab gegen den Osten, einschließlich Rußland, und auch gegen Amerika das seine eigene Linie und seine eigene Aufgabe hat. Europas Aufgabe heute ist, ,,d a s heilige Feuer des G e i st es in der l a ngeu geistige n N a ch t, d i e d e r Nt e n s ch h e i t a l s G a n z e m b e - v o r ft c hit, v o r d c m Ve r l ö seh c n zu h ü te n". Das erfordert die Pflege des Individuums, die Erhaltung der persönlichen Initiative ans allen Gebieten des Lebens. Cond e u h o v e - K a l e r g i sucht in seinen; Buch: „H e l d o d e r Heilige r"-) die G r u n d l a g e n E u r o p a s zu bestimmen: Europa, der arme, kalte, landschaftlich zerrissene Erdteil, mußte eine andere Moral entstehen lassen als der warme. reiche Süden; Europa zeugte das Ideal des Helden, der Süden das des Heiligen:, die europäische Moral sieht in dem Typus des Helden den höchsten Typus und in dem Kampf eine Notwendigkeit, ja sittliches Gebot. Diesen; Ideal steht an sich das christliche Ideal entgegen, das Ideal der Heiligkeit; dieses aber hat „Europa die Problematik des reinen Macht-, Geld- und Genußstrebens zum Bewußtsein gebracht nnd die Europäer gelehrt, ihre Herzen nicht nur zu stärken, sondern auch zn weiten". Heute leidet Europa au einem Verfall seiner Moral, der Jmmoralismus durchzieht Gesellschaft. Politik und Staat: die Rettung Europas kann nur von einer sitklichen Erneuerung kommen, entstehen muß als Grundtugend die Ritterlichkeit, die heiliges Heldentum bedeutet. Ziel der Politik muß es sein, Europa vom Untergang zum retten. Vom Untergang gerettet lverden kann Europa nur durch Organisation, durch eine überstaatliche Verständigung. Daß diese Per; Willen zur Verständigung voraussetzt, bedarf keiner Erörterung, ebensowenig, daß die Erziehung berufen ist, die europäische Gesinnung und den Willen zur Verständigung zu fördern. Deshalb mag hier noch eine dritte Schrift Erwähnung finden. Julius G o l d st e i n hat in einer Untersuchung: „D i e ch ule i m D i e n ft c der V o l k s - *) Heidelberg, Niels ftainpmaur., 2. ‘Stuft. 1928. -) Wien 1927, Pancuropn-Verlna. MERAN CONTI NENTAL-Hotel Modernes Haus mit letztem Komfort An der Promenade. Pension von M. 111) i s M. 15,—

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