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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-08 · 10 (8.3.1929) · p. Seite 120

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 z. B. war doch hinter den Kulissen sicherlich von den Nürnberger Gruppen geschürt worden, in denen Nationalsozialisten oder ihnen nahestehende Kreise maßgebend waren. Nun hat der Bundestag stattgesunden unb hat mit gewaltiger StimmemnehrlM gegen die Quertreiber aus Nürnberg und der Pfalz sich sür die jetzige .Bundesleitung entschieden, die aus begründeter Sorge um die Wnhrnn« der. politischen Neutralität des Kriegerbuudes den Austritt aus den vaterländischen Verbänden erklärt hatte, und hat überdies beschlossen, das; auch die einzelnen Ortsgruppen ihre Verbindnng mit den vaterländischen Verbänden nicht ansrechterhnlten dürfen. Wir tonnen es nur begrüßen, daß damit die Versuche gescheitert sind, deu bayerischen Kriegerbund, der stets auch den jüdischen Kriegsteilnehmern gerecht geworden ist, in eine einseitige politische Richtung zu drängen. Ter „Völkische Beobachter" kann auch seiner: Aerger über diesen Ausgang des Vorstoßes nicht verbergen. Dem General D a n n e r, der sicher nicht deswegen, sondern wegen seiner unantastbaren persönlichen Eigenschaften zum ersten Präsidenten des Bundes gewühlt wurde, halt er hämisch vor, daß er als damaliger Stadtkommandant von München am 8. November 1923 die Niederkämpfung des Hitler- Putsches vorbereitet habe. Womit er^doch nur seine Pflicht als Offizier erfüllt hat! Freilich hat er damit den Nimbus des „unfehlbaren Politikers" allzu sichtbarlich zerstört. W. 8. Das evangelisch-lutherische Lanöeskirchenamt gegen Nlünchmeper. Ten Lesern dieser Zeitung ist der Werdegang des Pfarrers a.D. Münchmeyer, der einst Borkum zur judensreien Insel machen wollte und jetzt andere Teile Deutschlands bereist, um sie „von den Juden zu säubern", bekannt. Die scharfen Verwarnungen durch das evangelisch-lutherische Landeskirchenamt Hannover hat ihn von seinem Irrwahn nicht geheilt. Erst kürzlich ging durch die Tageszeitungen die Mitteilung, daß er in Wiesbaden seine alten judenhetzerischen Reden gehalten habe, denen er besonderen Nachdruck dadurch zu verleihen sucht, daß er sich immer wieder aus sein geistliches Amt als evangelischer Pfarrer beruft. Das evangelisch-lutherische Landeskirchenamt Hannover sieht sich dem Wanderredner Münchmeyer gegenüber neuerdings zu nachstehender Erklärung veranlaßt: „Aus mehrfachen Anfragen, die von verschiedenen Seiten an eins gerichtet werden, sowie aus Zeitungsinscraten und Versammlungsdcrichten ersehen wir, daß über den früheren Pastor in Borkum, Ludwig Münchmeyer, augenscheinlich irreführende Darstellungen seines Ausscheidens aus seinem früheren Amte und über seine Befugnisse Zur Vornahme von Amtshandlungen verbreitet werden. Wir sehen uns daher gezwungen, folgendes festzustellen: Münchmeher hat, nachdem ein gegen: ihn am 23. Oktober 1925 cröifnetes Disziplinarverfahren mit seiner Verurteilung zu einem Verweise am 26. Februar 1926 geendet hatte, auf Grund des für ihn ungünstigen Ausganges eines Beleidigungsprozesses, in den: er als Nebenkläger beteiligt war, und in dem von dem ordentlichen Gericht den Pastor belastendes Material als tatsächlich erwiesen seftgestellt wurde, sein Pfarramt am 19. Mai 1926 unter Verzicht auf die Rechte des geistlichen Standes niedergelegb M ü n ch m e y e r hat damit also Titel, Anstellungsfähigkeit, Befähigung zur Vornahme geistlicher Amtshandlungen sowie den Anspruch aus Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung verloren. Mit diesem völligen Verzicht, den wir angenommen haben, kam Münchmcyer der Einleitung eines sonst unvermeidlichen neuen Disziplinarverfahrens zuvor. Er ist damit nicht nur aus dem Dienste der evangelisch-lucherischen Landeskirche Hannover ausgeschieden, sondern i st a u ch wede r a n st e l l u n g s s äh i g n o ch befug t, irgendwelche g e i st liche n Amtshandlungen vor- Zu nehmen. Sollte er Amtshandlungen vornehmen, so sind diese nichtig. Wir haben ihm auf seinen Wunsch seinerzeit mir Verfügung vom 19. Mai 1926 zunächst bis auf weiteres und gegen Widerruf gnadenweise die Befugnis Zur Verwendung der Bezeichnung „Pfarrer a. D." belasse!?. Diese Verfügung haben wir ihm schon mit Verfügung vom 31. Juli 1926 wieder entziehen müssen, da Münchmeyer bei seinem Austreten in der OcffenNichkeit den Voraussetzungen nicht entsprochen hat, von denen wir bei diesem Gnadenerlaß ausgingen. Wenn Münchmeyer also jetzt den Titel .Pfarrer a. D? gebraucht, so macht er sich der unbefugten Titelsi'chrung schuldig. Angeblich soll Münchmeyer ferner behauptet haben, ihm sei eine Superintendentur angeboten, wenn er über gewisse Vorgänge schweigen würde. Auch diese Angabe ist unrichtig. In: Februar 1925, also etwa acht Monate, bevor das erste Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet wurde und bevor die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bekannt geworden waren, hat das Landeskirchenamt mit ihm über eine Versetzung von Borkum verhandelt, und bei dieser Verhandlung ist am 28. Februar 1925 von dem zuständigen Sachbearbeiter auch aus die Möglichkeit der Versetzung aus eine Superinrendenturstetle hingewiesen worden. Sobald Grund sür ein disziplinarisches Einschreiten erkennbar wurde, konnte selbstverständlich hiervon nicht mehr die Rede sein. Bei diesen Besprechungen sind keine Bedingungen der behaupteten Art gestellt worden. '.Wenn beute ohne genaue Zeitangabe von Münchnreyer aus diesen Vorgang des Jahres 1925 hingewicsen wird,'so ist das irreführend." Auch die V o i f u m e r Badedirektio n war in den letzter: Tagen gezwungen, gegen die unwahren Behauptungen Münchmeyers vorzugehen. Sie erklärt, daß „Münchmeyer nicht mehr Mitglied des Gemeiudeausschusscs und der Badedirektion ist, daß Münchmeher nicht mehr in Borkum ansässig ist, sondern sich und seine Familie' Polizeilich abgcmcldet hat. daß Borkum nichts mehr mit Münchmeyer zu tun hat". Zerfall oöer Erneuerung? Innere Krisis der „Deutschen SiudentenschafL". Die „D e u 1] cli c 3 t u b c n t c n schuf t", sonst Hort und Herold aller völkischen. Belange, wendet sich in einer Erklärung in der! „D e u t s ch e n Allgemeinen Zeitung" vom 24. Februar ba< ] gegen, daß an einzelnen Hochschulen die Tätigkeit politischer Gruppen innerhalb der Studentenschaft zur Aufrollung der Frage des Numerus clausus geführt hat. Die Studentenschaft der Universität : Er (a n g e n hat vor einigen Wochen beschlossen, bei den zuständigen j Stellen die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studenten zu fordern. Dieser Forderung hat sich neuerdings die Universität Würzburg angeschlossen. „Die Deutsche Studentenschaft" steht nicht an, in dieser sogenannten Erklärung festzustellen, „daß das Ausrollen dieser Frage in den reichsdeutschen Studentenschaften eine Verletzung der Würzburger Verfassung der „Deutschen Studentenschaft", und damit die Gefahr einer schweren Erschütterung ihres Bestandes bedeute. Sie habe deshalb ihr oberstes juristisches Organ, den Spruchhof der „Deutschen Studentenschaft" ausgefordert, ein Gutachten über diese Frage zu erstatten. . Sie fordert daher alle Studentenschaften dringend auf, bis zur Veröffentlichung dieser Entscheidung eine Beschlußfassung in der Numeruselausus-Frage zu unterlassen. Die Berliner Studentenschaft soll, wie wir vor einiger Zeit berichteten, ebenfalls einen Beschluß über die Einführung des Numerus clausus gefaßt Haben. Sie teilt nunmehr der ihr nahestehenden Presse mit, fic lege Wert auf die Feststellung, daß diese N a ch r i ch t falsch sei und ein verfassungsmäßiger Beschluß der erwähnten Art nicht bestehe. Der gegenwärtige Vorsitzende der „Deutschen Studentenschaft", der Burschenschafter S ch m a d e l, hat auf denn D a n - z i g e r Studenten tag erklärt, der rassenantisemitische Standpunkt der Oesterreicher in der Versässungsfrage sei parteipolitisch und daher staatspolitisch unmöglich, die Begriffe Volksrum und völkisch seien viel zu unklar und vieldeutig, als daß sie praktisch verwendbar erschienen. Eine dem Inhalt nach ähnliche, in der Form! weniger schars'e Resolution hat der größte studentische Korporalionsverband, die „D e u L s che -Burschen schas t", bereu berüchtigter Beschluß von den jüdischen und farbigen Weibern noch unvergessen ist, gefaßt. Die „Deutsche Burschenschaft" also, bisher von allen herrischen KorporatLonsvervänden der radikalste Vor-! kämpfer für die völkische Idee, ermahnt die Oesterrcicher zürn Nachgebcrr in der Verfassungsfrage; j Die Hochschul gruppen der D e u t sch cn Bo! ksPartei wenden sich entschieden gegen jeden R a ss en a n t i sem i ti s m n s iit der Studentenschaft. Die auf dem 5. ReichsparLeitag des Zentrums in Köln versammelten Delegierten aller großen katholischen Korporationsz verbände erklären, ,.u n t e r A bLeh n u n g des r a s s e - völkischen Prinzips bekennen wir uns zu staatlich ani erkannten Studentenschaften der einzelnen Hochschulen und deren organisatorischer Zusammenfassung in Reichs de i mchla ud. Wir erstreben eine Form engster Zusammenarbeit mit den Studentenschaften außerhalb dech deutschen Reichsgrenzen, die sich aus den Boden der deutschen -Kulturgemeinschast stellen". Diese für Umkehr und Ausgleich eintretenden Stimmen sind der Ausdruck einer starken inneren Krise in der deutschen Studentenschaft, deren vor zwei Jahren noch so mächtige Organisation zu einem mehr und mehr b e d e u L u n g § l o § geworden e u Torso herabgesunken ist. Fast alle größeren Hochschulländer, nunmehr auch Sachsen, haben ihre Studentenschaften entweder aufgelöst oder ihnen die Zahlung voll Beiträgen» sür die „Deutsche Studentenschaft" verboten; lediglich Bayern und Württemberg gestatten ihren Studentenschaften noch Beitragszahlungen. Die preußischen Einzelstuderrtenschafteri umfassen heute nicht einmal 50 Prozent aller Studierenden. Die einsichtigen Kreise in der „Deutschem . Studentenschaft" haben erkannt, daß es so nicht weiter geht. Ohne die staatliche Anerkennung und die damit verbundene Erlaubnis der Erhebung von Zwangsbeiträgen ist der Fortbestand der „Deutschen Studentenschaft" unmöglich geworden. Ihr streben geht daher nach Ausgleich und Versöhnung mit der Staatsgewalt,- selbst unter. Verzicht aus parteipolitische Bindungen und völkische Forderungen. Diese realpolitischen Erwägungen haben in den. weniger nüchtern, dafür um so fanatischer eingestellten studentischen Kreisen einen wahren Chor der Rache entfesselt.^ Alte übrigen großen Korporationsverbände, mit Ausnahme des Schwarzburgbundes, der' seine volle Zustimmung zu dem Beschluß der Deutschen Burschenschaft erklärt hat, auch die politrsch sonst zurückhaltenden Korps, rücken von Herrn Schmadel und der „Deutschen Studentenschaft" ab. Merkwürdig - muß berühren, daß zu den lautesten Rufern im Streit der „A! l g e m e i n c beut s ch c B u r s ch e n b u n b" gehört, dessen Farben Dr. SLrese-mann auch heute noch trägt, und der, bis zur Kriegszeit von freiheitlichen Idealen erfüllt, in der Nachkriegszeit einen )o hemmungslosen Antisemitismus auf seine Fahnen geschrieben hat, daß der Gründer des Verbandes, Geheimrat Küster, sich kürzlich veranlaßt sah, von einem „Beschmutzen des eigenen Nestes" zu sprechen. Nationalsozialistische Studenten in voller Hitler-Uniform insultieren am hellichten Tage jüdische Studenten in der Berliner Universität. Die gleiche Berliner Studentenschaft, die aus die Feststellung Wert legt, daß sie keinen Numeras-clausus-

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