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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-08 · 10 (8.3.1929) · p. Seite 119

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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m Erzwungene Hoslichkeil? j „Ner neue%m"... \ Der Reichslagsabgeorduete Gregor Straffer veröfsentlichi in z der „Faust", die als Ersatz für die verbotene „Berliner Arbeiter-! Leitung'' mit ihren Kopfblättern erscheint, einen Aufsatz „Ter i'.eue Ton". Er stellt ihm das bezeichnende Motto voran: „Höflich bis zur letzte» Galgensprosse, aber gehängt wird doch!" Er gibt! darin zu, das; die Nationalsozialistische Partei ihre Polemiken bisher! i| u a n h , s clj r i l l, i n der F o r in s ch a r f. o f t aufreizend! | halten nmstte. Nun müsse eine Aendernng eintreten, da die Bor- A bereitnngs- und Anflockernngszeit vorüber sei. Jetzt müsse man sich mit dem Feind gei stig auseinandersetzen. Es käme nicht ans die großen Worte an, sondern ans das große Ziel,nicht auf die ^charse des Ausdrucks, sondern auf die des Willens, nicht ans die B r n i a l i - i tat der F o r m, sondern ans die Brutalität der F o r - d e r n n> g e n. Wir wisscir nicht, ob jenes Rundschreiben S t r a s s e r s , das jetzt ij; durch die Presse geht, echt ist. In ihm wird etwa das gleiche wie in seinem Anssatz gesagt; nur Hort man in dem Rnnderlaß etwas von; | sehr hohen Geldstrafen, die die Partei und ihre -Kämpfer übermäßig i belastet hätten. Diese Strafen seien eine Folge des scharfen Tons der; J Par lei presse gewesen. Man müsse sich daher mäßigen.; I CO die Strafen das Motiv für die angelündigte Wandlung des E Pressetones sind, ob die Partei die neue Takkif rinschlügt, weil sie sich!;f selbst politisch ernster nimmt als bisher, mag dahingestellt bleiben. | lins interegiert an dem Artikel Strassers das eine: er selbst \ gibt z u , das; der T 0 n sei n e r P arte i p r e s s e b i s h e r } H 1 ch a r f u n d aus r eizend w a r. j E Cb die programmatische Erklärung des Organisationschcss der j Partei von seinen Anhängern beachtet merben wird, bezloeifeln wir. t Wir glauben nicht, daß jene Schmutzblätter, die mit sensationeller I Aufbauschung von SchlafZimmergeheimnisseu ihr Geschäft machen, den Radauton ändern werden; denn darauf beruht ja in vielen Fällen allein der einträgliche Gang ihres Unternehmens. Wir glauben auch \ nicht, daß der Ton in den Bersamml 11 ngsaussprachen sich ändern J ward. Die Geister, die sie gerufen haben, werden sie so schnell nicht l los. Die Berichte nuferer Zeitung zeigen, wie wenig den Nationalsozialisten an geistiger Auseinandersetzung gelegen ist," wenn sie unsere Versammlungen zu sprengen versuchen oder ein Schimpf-! 4 ieritoit benutzen, dessen Bokabeln wir in der Zusammenstellung!) unten mir andenten können. Wir wissen auch nicht, ob jener ominöse Vermerk „Inden ist der Zutritt verboten!" von den Plakaten der Nationalsozialistischen Partei verschwinden wird; ist er doch für sie der Schutz vor der unbequemen geistigen Auseinandersetzung m-ii uns. Uns E. B.ern können die Freunde des Herrn Straffer gewiß nicht den Vorwurf machen, daß wir eine geistige Auseinandersetzung gescheut hätten. Wir haben ihnen mehrfach den Nachweis angeboten, daß sie die. Probleme, die sie ihren Hörern vorsetzen, in ivistenschaftlichem Sinne nie erfaßt haben (siehe die Aufforderung 3 Cr. Holländers an Hitler). s Wenn der „neue Ton" sich so answirten sollte, daß man nicht mehr vor. der Anssprache, wie sie unter anständigen Menschen üblich ß ist, znrückschrectt.^iverdcn wir der N. S. D. A. P. gensiß zu be-!' gegnen lvissen. solange man aber brutale Phrasen für ernste t politische Gesinnung hält, solange man mit verleumderischer Jndeni hetze die eigene Ideenlosigkeit verdecken will, ward es notlvendig •1 sein, die Freunde des Herrn St rasier durch den Strafrichter zu bel lehren, daß die Staatsgesetze auch für die Nationalsozialistische \ Deutsche Arbeiterpartei gelten. Dr. Hans Reichmann ] ... und „deralteTorr. j ■ ..Das Sektgelage des Juden Bernheim! Blonde deutsche Antz gestellte werden betrunken gemacht." Tie übliche sensationelle Ueberschrrft des „Stürmer", der übliche erfundene Angriff gegen an- : gesehene Juden, das übliche Wühlen Zn znsammenphankasicrten 1 obszönen Bor stell un gen: das ist der Tatbestand, ans den im einzelnen cinzngehen das Niveau dieser Zeitungverbietet. Sechs Wochen i Gefängnis ohne Bewährungsfrist für den „ Stüriner"-stzedatreur Holz hielt das Schöffengericht P a s s a n für angemessene Sühne. H ' Der nationalsozialistische Gaugeschästssührer FiLlusch aus i Hin den bürg erhielt vom Schössengericht in Hindenbnrg vier l Monate Gefängnis wegen Vergehens gegen das Repnblik- ) schutzgesetz. „Sanznstände in der Republik", „Jndenbande mit Rabbinern "ans Scheiterhaufen werfen und verbrennen" und ähnliche f Wendungen gehören zum Sprachgebrauch dieses Erneuerers deutscher Art. Zwei Landjäger in Malapane (Oberschlesien), die „alle Juden ans Deutschland hiuansschmeißen" io oll len und den „Dag der Abrechnung herbeisehuken", mußten imDisziplinarivege bestraft werden. Der Konditormeister Heinrich Schröter wurde voni Schöffengerichk K ön i g tzb e r g wegen Vergehens gegen das Nepublikschutzgejetz zu drei'Monaten Gefängnis verurteilt. „Nieder mit der Jndenrepnblik", „Herunter mit den Jude uschweinen" lvaren die Aenßernngen. an die der Angeklagte sich wegen starker Trunkenheit 3 nicht mehr erinnern konnte. Die Zeugen bestätigten, daß er beim Berkaus völkischer Zeitungen mit diesen und ähnlichen Wendungen seine Blätter angeboten hatte. In einer Königsberger Versammlung Helmuth von G e r l a ch s mit dem Thema: ..Gegen völkischen Terror und,'Diktatur", machte der wegen politischer Delikte vorbestrafte Führer der Nationalsozialisten. Kaufmann Scherwitz^ den Zwischenruf „Judeurepublik". Vor dem Schössengericht Königsberg versuchte sich der Angeklagte damit Herausznreden, daß es ihm fern gelegen habe, die Republik als Staatsform zu beschimpfen. Er habe'vielmehr nur die Zustände trikisieren wollen, wie sie kurz nach der Revolution in Tentschland bestanden hätten. Das Gericht schenkte dem Angeklagten jedoch keinen Glauben und erblickte in dein Ausdruck „Judenrepnbtik" eine Beschimpfung der bestehenden - Staatssorm. Lediglich mit Rücksicht darauf, daß es sich um einen Zwischenrns gehandelt hatte, der spontan infolge der Ausführungen des Referenten gefallen war, sah das Gericht von einer höheren Strafe ab und verurteilte den Angeklagteu zu einer Geldstrafe vo» 300 Mark Das bekannte Spvttlied „Wir brauchen keine Judenrepnblit", bildete wieder einmal Gegenstand einer Gerichtsverhandlung und einer Beschiverde. Das Schöffengericht E m d e n hatte den Sänger dieses Liedes Dr. mcd. Wichel^ (Bremen) sreigesprochen. Aus Veranlassung der^repnblikanischen Beschioerdestelle Berlin befaßte sich die graste Strafkammer i» Aurrch noch einmal mit dein Vorfall: sie hob, wie Oberstaatsanwalt S p e r r^der Beschioerdestelle amtlich mitteilte, das Urteil des erweiterten ^chösfengerichts Emden ans und verurteilte den Arzt Dr. Wiebe l wegen Vergehe ns gegen 8 8 Ziffer 2 des Nepubtikschutzgesetzes zu 600 Mark Geldstrafe. < Der durch die besondere Blntrünstigkeit seiner Angriffe sich auszeichnende „Westdeutsche Beobachter" in Köln ist für vier Monate verboten worden. An seiner Stelle wurde die „Neue Front" vertrieben, die ganz in der Schreiluveise des „Westdeutschen Beobachters" die von diesem Blatt bisher besonders bevorzugten Mlle behandelte. Die Umgehnng des Verbots durch das 'Erscheinen dieses Ersatzblattes ivnrde jetzt ernnesen und der Geschäftsführer der „Nonen "Front", Terboven, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Hitler unfehlbar! Neues von der bayerischen N. S. D. A. P. Gemeinhin sieht mau in der raschen Anpassungsfähigkeit nicht eine die germanische Nasse besonders kennzeichnende Eigenschajl. sondern eher eine jüdische Eigentümlichkeit. Träfe diese Annahme zu. so müßte man bedenkliche Zweifel an der Rassereinheit der nationalsozialistischen Führer hegen. Wir haben ja vor kurzem au dieser Stelle daraus hingewiesen, daß sie ganz gegen die in ihrem Parteiprogramm ausgesprochenen streng zentralistischen Grundsätze in rascher Erfassung der Stimmung finiter Bolkskieise - böje Menschen könnten sag-en, in Ausnutzung der Konjunktur ~ die bayerischen F 0 dera l i st e n noch zu übertrumpfen suchen. In den letzten Wochen haben sie uns einen neuen Belveis dafür geliefert, daß sie die Konjunktur trefflich zu nutzen verstehen. Als'bekannt wurde, daß sich an zwei Punkten lebhasien Geschäftsverkchrs in München neue Niederlassungen großer Warenhänser anstnn wollen, haben, begreiflichertveise, Geschäftslente der betreffenden Gegend, die sich durch die neue Konkurrenz bedroht glaubten, in einer'Protestversammlung diese Pläne anfzuhalten verflicht. Alle übrigen Redner haben die Ängelegenheitrein sachlich und wirtschaftlich behandelt, nur ein nationalsozialistischer St ad trat suchte s i e> p 0 l i t i s ch a u s z n sch l a ch t c n und eine große jitbno feindliche Hetze zu entfesseln. Ta -ihm dies durch die Einsicht der Beteiligten verwehrt blieb, berief seine Partei flugs eine eigene Massenversammlung, in der sie, ungehemmt durch andere Rücksichten, die Lorge kleiner Geschäftsleute zu einem Parteigeschäft machen zu können glaubte. Ob den Leuten damit wirtschaftlich geholfen wird, berührt die Trahlzieher nicht. Besonderes Heil ist dem Nationalsozialismus, wenn man dem „Völkischen Beobachter" glauben darf, widerfahren drirch die Aussöhnung des päpstlichen Stuhles mit dem italienischen Staat. Durch eine mehr als kühne Auslegung eines Wortes des Papstes5 iu dem er der Person Mussolinis Anerkennung zollte, will das Blatt eine ausdrückliche Anerkennung des Faschismus als politisches System konstruieren mit der Wirkung, das; alle Katholiken jetzt geradezu die religiöse Verpflichtung hätten, Faschisten, d. h. in Deutschland Nalionalsozialisten, zu werden. Da sich zum Glück bisher glünbigo Katholiken die Richtschnur ihres politischen Verhaltens nicht von Adolf Hitler haben vorschrerbeu lassen, sondern von berufeneren Stellen, so wird düse Lockung nickst allzuviel Gläubige finden. Zumal, wenn erst in katholischen Kreisen bekannt wird, mit welcher Anmaßung sich Hitler, -als er noch mit Artur Dinier befreundet war, in einem an diesen gerichteten Brief vom 25. September 1928 geäußert hat. Da schrieb er- ^,Anf diesem Gebiet (d. h. dem politischen) habe ich allerdings die Kühnheit ♦ . Unfehlbarkeit für mich in Anspruch zu nehmen." Adolf der Ilnsehlbare, Papst und Duce in einer Person! . Merkwürdig, das; dem nnfehlbaren Politiker doch hier und da ein Plan mißlingt. Der Zivist im b a y c r i f ch e n K v i e g e r b u n d

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