Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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uns ist das zuvörderst Gesagte: Unterricht in der Jagend um der spateren Abwehr und Aufklärung. willen. Die Vorzeichen schwerer Stürme mehren sich, Boykott, und völkische Nassetheorien fressen sich immer werter. Wir brauchen eine Jugend, die in Stürmen stehen kann, hart und ehern, versehen mit allen Waffen, die es bei der Verteidigung seinerGemeinschaft brauchen kann. - Man glaube nicht, daß durch die Beschäftigung mit jüdisch-politischen Fragen die Seele unserer Jugend vergiftet wird. Nein! Sie wird entgiftet vom sich einuistenden Zweifel. Sie wird innerlich frei von einer Rot, die sie spürt. Man sage nicht, der Lehrplan lasse die Belastung nicht zu. Wir handeln im Geiste des Judentums, und deshalb sicherlich auch im Geiste des Lehrplans, wenn wir mit jüdischen Problemen vertraute, geistig wehrhafte Menschen schaffen, die für unsere. Gemeinschaft streiten, wo es nötig ist. Unsere Jugendorganisationen werden die Wichtigkeit solch Eindrücke von einer Sflprenßenreise. Von Artur Schweriner. Radikalismus durchsetzt^ gegenwärtig das politische Leben Der Provinz O st p r e u ß e n. schwere Wirtschafrsnot und immer wieder austauchende außenpolitische morgen lassen Stadt unb Land nicht zur Ruhe tüimmrn. Prompt stellen sich die Nutznießer deutscher Volksnot ein. Was schert sie der verarmte Bauer, wenn nur i h r Weizen blüht! Das Heer der Arbeitslosen fällt am ehesten mckionalsozialistischer und deutschvölkischer Demagogie zum Opfer. Wenn Handel und Wandel ins Stocken geraten, hat der Judenhaß noch innner gute Geschäfte gernacht. . . Um der Agitation, die sich äußerlich in Radnuversammümgen und Versammtungsspreirgungen unter Zuhilfenahme von Stinkbomben auswirkt, ein patriotisches Mäntelchen umzühüugen, hat Rektor W o h t g e m u t h ans L a n d s b e r g . einenr Landstädtchen in der Rahe von Königsberg, der seit den: 1. Januar wegen Verächtlichmachung der Republik vom Dienste suspendiert ist. mit anderen nationalsozialistischen Führern einen Votksbuud „Deutscher Sieg" begründet. Von Haus zu Haus werden Unterschriften gegen eine Verschacherung Ostpreußens durch die Juden und die Preußische Regierung an Polen bzw. Litauen gesammelt. - Oblvoht alle linksstehenden Blätter und ebenso die dein rechten Flügel der Voltspartei nahestehende „K ö nigsberger A l l g e m eine Z e i t u n g" das Treiben dieser „gefährlichen, politischen Narren" als praktischen Landesverrat geißeln, wächst die Hetze von Tag zu Tag. Besonders in Königsberg hat in letzter Zeit die Judeufeindschaft Formen angenommen, die auch rechtsgerichteten Kreisen unerträglich sind. Studenten und Schüler höherer Schulen, Lehrlinge und erwerbslose Arbeiter bilden, die Slurmrruppen der Nationalsozialisten, die jede Aufklärungsarbeit in Ostpreußen unk Terror bedrohen. Gestützt ans seine Immunität sprach jüngst Reichstagsabgeordneter Straffer in der Königsberger Stadthalle in. hier nicht wiederzugebender Weise von dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert und bezeichnete lt.-n die Dawes-Konserenz als ein Konsortium von Verbrechern, geschaffen nur zürn Zwecke, das deutsche Volk'den Juden anszuliefern. Dank der feilen Käuflichkeitder Bankrotteure tu der deutschen Reichsregierung werde.dieses Ziel erreicht werden, wenn nicht in der letzten Minute das Volt den Verrat erkennen und die Judenregierung auseiuauderjagen würde. Im Vertrauen ans den gesunden Sinn der östpreußrschen Be-, vötkerung sind wir vor einer Gegenoffensive in der großer! Oefferrklichkeit nicht zurückgeschreckt. Ueber die K ö n i g s b e r g e r A u f k l ä r u u g s v e r s a m in - l u n g ist in der Presse und irr diesem Blatt bereits ausführlich berichtet worden. Aber ans die besondere Gesinmmgsroheit der ' Nationalsozialisten muß hier dock; noch einmal hiugewieseu werden. Es war Volkstrauertag. ^anitätsrat Tr. Pollnow, der Leiter der•. Königsberger Versammlung, gedachte der im Weltkrieg gefallenen christlichen Volksgenossen und die Versammlung erhob sich Als Dr. Pollnow hinzufügte, daß in den Synagogen tags "zuvok auch den 12 000 jüdischen Gefallenen, die für das Vaterland starben, eine Trauerstunde gewidmet worden sei, erscholl das Konnnando: „H i n - setzen!", dem die Nationalsozia listen freudig folgten; Unsere Königsberger Freunde hatten nicht ahnen tonnen, welch großem Interesse ihre „Flucht in die Oeffentlichteit" begegnen würde. Gerade der Mittelstand war in Massen get'ommeu, w'.eit über raufend Personen mußten aber umkehren, da die Schulaula nur 000 Personen faßte und vorzeitig geschlossen werden mußte. Das nun* natürlich ein großer Vorteil für .die Ratioualsozialistcn;. denn, bei einer zwei-, tausendköpsigen Kundgebung wären sie so in der Minderheit gebtiebew daß sie keinen Sprengversnch gewagt hätten. Zu den Ausgeschlossenen gehörte auch ein großer Teil der Königsberger Juden. In einer strategisch weit schlechteren Lage, befanden sich die'etwa 100 NattonalsoziaListen, die im Hintergrund des Rieftnsaales der Bürgerhatte in Tilsit ihren Gauführer Koch ans Königsberg ir m st e l l: tut. zumal die Schupo unter Aufsicht eines Polizeihanptmcmite im S a a l e Platz genommen halte. So wagten die Hatenkrenzler, fast durchweg junge Burschen unter 20 Jahren, nur schüchlünes Unterrichts einsehen, sie nursiten seine Einführung geradezu fordern. - Wir wollen nicht Kampf in.unsere Jugend tragen, aber hier bedeutet Kamps Friede n. Der Gebrauch der geistigen Waffen im jüdisch-politischen Kampf bedeutet ein gut Stück Weg ans der langen Bahn zu gegenseitigem Verständnis.. Wenn wir mit dem Wehrunterrrcht bei der Jugend beginnen-, wer-, den wir für die Zukunft diejenigen Menschen schassen, die fähig und bereit sind, für eine Sache zu streiten, die sie als eine gute und gerechte erkannt haben. Wehrunterricht dient in diesem Sinne einem hohen jüdischen Ziel. Er stärkt die Tapferkeit im jüdischen Menschen,, er-arbeitet für die Zukunft, er wendet sich an die Jugend, die unsere Zukunft, ist, mit . brennenden ^Problemen, die heute — wenn man die Dinge real und nüchtern betrachtet — von der Jugend bereits gefühlt, erkannt und von ihr umkämpft sind. ternd lärmende Unterbrechungen. Sie wurden unruhig, als der Vorsitzende der Tilsiter Ortsgruppe, Rechtsanwalt Will', die Notwendigkeit der Veranstaltung damit begründete, daß die Nationalsozialisten und Völkischen in ihren öffentlichen Versammlungen den Inden den Zutritt unmöglich machten und als später im Referat die eigenartige Haltung Hitlers Mussolini gegenüber beleuchtet wurde. .Gauführer Koch ging in der Aussprache aus dieses heikle Thema nicht ein, sondern lobte die Zionisten als ehrliche Juden und etging sich in abgedroschenen Phrasen. Ter 'folgende Redner, wieder ein Völkischer, war trotz seines langen Merkzettels so verwirrt, daß er nur den einen sratz: „Treu deutsch alle Wege" stammeln konnte; er hakteeinen . riesigen Heiterkeitserfolg. Willkommenen Anlaß für die Nationalsozialisten und Völkischen, sich dem Schlußwort zu entziehen, bot ein Freidenker, der sich zu der vom Vorsitzenden sofort gerügten Geschmacklosigkeit verstieg, Ostpreußen einenurlitamschen Boden.zu nennen. Bei diesen Worten setzte ein ungeheurer Tumult ein: Unter lautern Johlen, Brüllen und-Pfeifen verließen die Hakeukreuzler den Saal. In größter Ruhe konnte die Versammlung, an der rnehr als 800 Personen teilgenommen hatten, zu.Ende geführt werde!:. Auch in Gumbinnen hatte unsere-Veranstaltung mehr den Charakter einer Massenanfklärnng. Trotz schneidender Kälte -- 27 Grad — hatten sich 400 Bürger und Bürgerinnen im größten S-aate der Stadt ringefunden. Darunter etwa '50 junge Leute ans rechtsstehenden Verbänden mit ihren Abzeichen, die interessiert znhört-en. aber keine Zwischenrufe rnachten. In dem kleinen masurischen Städtchen O r t e l s b u r g versammelten sich 400 Angehörige aller Schichten und Stände in der vom Centralverein einbernfenen Aufklärungsversammlüng.^. Daß ein einheimischer Völkischer nustrat, der von dem demokratischen Parteisekretär Schlitt leicht abgeführt.werden konnte,, trug zur Belebung der sonst würdig verkauftneu Versammlung bei. Lassen wir hier die Presse sprechen, die in K ö n i g s b e r g und Tilsit spaltenlange Artikel über den Verlauf unserer Veranstaltungen gebracht hat. Die Ortelsbnrger „Masurische Allgemeine Zci rnu g"-schreibt: „Es ist sehr wertvolle'Arbeit, welche ver Eentratverein aus diese Art leistet. Sie ist wie nichts anderes dazu geschaffen, die Kluft, die im dcutscheu i Volke zwischen den einzelnen Glaubeusrichtungen besteht und die von gewisser Seite systematisch vertieft wird, zu überbrückctt und uns dem inneren Frieden entgegenzufiihren, den wir zur Weiterentwicklung unseres Volkes und -Staatslevens so dringend brauchen." Auch in Gesprächen mit nichtjüdischen Freunden konnte ich immer wieder hören, wie sehr unsere harte Aufklärungstätigkeit von dieser Seite geschätzt wixh: s i e sei wertvoll als Unterstützung der p o l r t i s ch e n Arbeit jeue-r Parteien, die p x o * g r a in rn a t i f ch a u ch f ft t n n s e r e Gl eich berechtig u n g e i n t r c t e n : sie. {et n ü tz 1 i ch, \v t i l w i r a n Kr eise hera n k o m m c u , d i e politische öffentliche V er s a rn mlun* g e n u rr r ungern besuchen, und sie sei ehrenvoll, w eil d i e j ü d i s ch e n Deuts ch e n sich i n e i g e u er A n - g e l e g e u h e i t d e rn G e g n e r st e i l e n. Rtttttpelstilzcheu' über' Lüdendorff! ..Wir haben. in letzter Zeit Ge- } (ci\cnbcit gehabt, Urteile über Luden borst fast aller politischer Richtungen Z Deutschlands zu verösseutlichen. Nur das Bild jedoch abzurundcn, möchten \ unr itnKvm Lesern nicht vorenthalien, lvas der bekannte deutschnationale- Publistst „R n in velstil z ch e rr" vom „Berliner, Lokalanzeig-er" in der j „Niederdeutschen ckeitunsst inun Mär', d. I. schreibt: 2 „Alle Jahre wieder.!vie die Mette Guilberi, kommt auch Mathilde Ludendvrss zrc uns nach Berlin . . . Nenerdinas spricht da auch immer ,: ihr Mann, der anfanas nur mit großen Kinderaugenihrzir Jußeu saß. .iLchlve'ig still, mein Herze!' Ai an imo; es wirklich tu beide Hände nehmen, mit es zum Schweigen bringen, wenn der große Feldherr, - dessen Name uns mit scheuer. Zlchtung . . erfüllte, sich so-als Bor- - j trags reisen der verzettelt,. . . Nach Ansicht des Ehepaares- LudendoLst isi die ganze Weltgeschichte nur eine einzige Verschwörung von Zndeu. z Jesuiten, Freimaurern gegeit das Dentsche seit Zabrbunderlen .zweckf hast und einheitlich geführt. Deir Hörer ir geht ein Schauer über den 3j Leiw Cs iit das Schicksal aller, die die Besonnenheit vertic-rcn und wich! Blaß 3ii halten verstehen, daß sie von noch Maßloseren adgelöst loeidcn."