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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-08 · 10 (8.3.1929) · p. Seite 117

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
Seite 117 (sequence 1)
Language
German
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Ol öS ii enrrol Serlin, S. März 1-2«) VIN. Jahrgang * Hr, 10 Einzelnummer 20Pfennig Witter für-elltscktmn mwlluoenwm vryml -es LukrakVereius üeutfcirer Staatsvüryer iü-jscden oiavvrns-n BierteljahrsabonnemonL 2,60 RM. (Zuzügl. Bestellgeld). Ällg&emeine Zeitung des Judentums Verlag it. Cchriftleitimg: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3394, 3595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Anrwncen-Cxpe^ition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 &&. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes .. ' ~ ' ~1 “ -- -) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 die 90 rnm. breite ReklamezeUe 4,80 Atormalzsilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) MhrimterMt. / Wir veröffentlichen nachstehend einen Vorschlag zur Einrichtung' eines planmäßigen Wehrunterrichtes in den Schulen, der nns durchaus beachtlich, erscheint. Wir würden uns freuen, wenn sich Eltern und Lehrer gns dem Kreise unserer Leser zu dieser Anregung äußern würden. Die S ch r i f t l e i t u n g. Es ist eine oft beobachtete, vielfach durch eigene Erfahrung erhärtete Tatsache, daß jüdische Erwachsene, trotz der erfolg-' reichen Aufklärungsarbeit des Centralvereins, jüdisch-politische Probleme kaum beherrschen oder ganz selten so mit ihnen vertraut sind, daß sie erschöpfend und mit guten: Erfolg antworten und Aufklärung verbreiten können. Jeder Jude muß aber diese Dinge" kennen. Ganz abgesehen davon, daß die Intensität der immerwährend mit angeblichem Beweismaterial unterstützten judenfeindlichen Bor- und Anwürfe suggestiv ans die Ansichten des normalen Menschen wirken, erschüttern sie schwächere Naturen in ihrem Selbstvertrauen. Die Möglichkeit der sachlichen Aufklärung von Mensch Zll Mensch bleibt eine der besten, weil zielsichersten Arten der jüdisch - politischen Arbeit. Man kann ohne Ueüertreibrmg sagen, daß die Aufklärung nach innen die V orb ed i n g un g für eine wirksa me Arbeit nach außen i st. So ungeheuer wichtig auch Aufklärilngsversammlungen sind, so belehrend sie auch wirken, so segensreich auch Schulungskurse sein mögen, sie werden das Ziel, möglichst einen jeden I n d e'n i n d i'v i d u e l l in den Abwehrkarnpf e i n z u s p a n n e n , nur selten erreichen. Und doch ist dieses Ziel groß genug und bedeutet einen großen Schritt auf dem Wege zum inneren Friederu Pädagogische und psychologische Erfahrung lehrt, daß jede Erkenntnis, die zu einem dauernden Besitzstand der menschlichen Seele werden soll, i h r e G r u n d l e g u n g a nt b e st e n in der Jugend erfahrt. Ans der Jugend sollen uns dereinst die Kämpfer erstehen, die den ewigen Kamps, den Kampf einer religiösen Minorität, nach uns führen. Sie sollen begeistert ltnb begeisternd dort in die Bresche springen, wo böser Wille, meist aber mangelnde Erkenntnis, dem Judentum Schaden Zusagen und Unehre antun wollen. Die vier Grundschuljahre,-die heute die Mehrzahl der jüdischen Kinder in den staatlichen Schulen gemeinsam mit ihren nichtjüdischen Schulkameraden verbringt, sind ohne Zweifel geeignet, zwischen den Kindern der konfessionell verschiedenen Elternschaft Brücken zu schlagen. Jedes Sichkennenlernen der Konfessionen schafft Erkenntnis und vermindert die Vorurteile. / Es tauchen aber auch neue Probleme auf. Das jüdische Kind hört hier und da ein Wort, einen Vorwurf, die sich gegen sein Judenherz wenden; es hört ein Urteil von feinen vielleicht nicht einmal böswilligen Kameraden. In der Schule fühlt es sich ganz deutlich als jüdisches Kind. „Die jüdischen Kinder gehen jetzt zum Religionsunterricht", ruft ja der Lehrer. Und um die Weihnachtszeit, wenn die heiligen Lieder der anderen Gemeinschaft erklingen, fühlt es einen Zwiespalt, den der Religionsunterricht nicht ganz löst. Das Kind will wissen, will seiner sicher werden, will sich wehren Ein NdkWm von Mob Lebermann. können — beileibe md)t gegen die heiligen Lieder, die singt es gewöhnlich mit — aber gegen die bösen Worte, gegen bas Schlechte, das inan gegen seine Gemeinschaft sagt, zu der es' sich innerlich und äußerlich zugcdrängt fühlt. Es will und sucht den Kampf nicht des Kampfes wegen, es sucht ihn um der Klarheit tind der Wahrheit willen. Und es kann sich nicht wehren, weil es nicht weiß, es wird unsicher, sein Selbstvertrauen wankt, sein Stolz leidet. Daher Wch r n n t e r r i ch t! Im Rahmen des jüdischen Religionsunterricht':', oder in jüdischen Schulen im Rahmen der übrigen Fächer, wird ein zeitlich bemessener Wehrunterricht entweder in einerchcsonders abgegrenzten Wehrstunde oder in Verbindung mit dem behandelten Stoff erteilt. Es genügt wohl eine halbe Stunde in der Woche oder in vierzehn Tagen. Der Unterricht wird in zwei Stufen gegliedert, 13. bis 14. Lebensjahr (Bolksschnle) und 16. bis 17. Jahr (Höhere Schule). Das Kind ist im Besitze eines „Wehrbnches") das in seiner Erkenntnisvermittlung dem kindlichen Geiste in der Behandlung der Probleme psychologisch angepaßt ist. Folgende Fragen werden etwa besprochen: „Sind wir Deutsche oder Fremde?", „Waren die Inden Drückeberger im Weltkriege?", „Wieviel .Juden gibt cs und wo leben sie?", „Gibt es eine jüdische Rasse?", „Etwas vom Hakenkreuz", „Inden im Flugzeug, im Luftschiff und im Unterseeboot" und noch andere Fragen des jüdisch-politischen Problems mehr. Die dargebotenen Stoffe werden durch Bilder, Gedichte, statistische Tafeln. Feldpostbriefe usw. nsiv. vertieft und ergänzt. Wünschenswert wäre es. »venu der Lehrer im Besitze einer zu diesem Buch parallel lausenden geordneten Materialsammlung untre, die es ihm ermöglicht, in der ziveiten Stufe den Stoff reichhaltiger und vertiefter zu bieten. So könnten, um nur ein Beispiel zu nennen, bei der Behandlung der Drückebergerlüge die dahin gehenden Ergebnisse des Untersuchungsausschusses des Reichstag» angeschlossen werden. Diese Vorschläge sind nur skizziert, und unsere Rabbiner und Lehrer sind gern dazu aufgerufen, sie zu verbessern, ja wenn nötig, sie völlig zu verändern. Uns liegt daran, das Prinzip bejaht zu wißen. Wer wollte den hohen ethischen Wert solch eines Wehrunterrichts nicht einsehcn! Er bient der G e s i n n n n g S - bildnng, der Stolz im Kinde wird gestärkt, der Kampfwillc geistig wehrhaft gemacht, das Gemeinschaftsgefühl gestärkt: und es werden nicht zuletzt Bindungen zu unserem Judentum geschaffen, die nicht die losesten sind. Mögen die letztangeführten Gründe für die Einführung des Wehrunterrichts bedeutsam genug sein, entscheidend für Aus dem Inhalts Artur Schweriner: Eindrücke von einer Ostpreußenreise. — Werner Rosenberg: Zerlest! oder Erneuerung, — Professor Dr, Erich Stern {Mainz): Europa, — Belage: Von deutsch-jüdischer Jugend Nr, 3, mmmm m . ■. -•

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