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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. Seite 112

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 112 (sequence 8)
Language
German
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lautete (nicht ^oiu£. n>ie der Künstler sieh später nannte/ womit ans einem Scherz -eine bleibende Namonssorm wuido). -Er. denkt nicht daran, daß zu Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auch in Deutschland viele Leute ihre neugeborenen Sohne nach dem damals erfolgreichen und beton lederten Lou is Napoleon tauften, das: ■ diese seltsame Sitte' auch bis nach Ta Pi au hinter Königsberg ins Hans des Gerbermeisters Eoriuch drang, und argumentiert zornig: Louis, da? ist französisch, also jüdisch. Doch abgesehen' davon - welches Verständnis von deutschem Wesen muß ein Schriftleiter haben, der den Charakter von Eorinths Art und Kunst ohne ^Nachhilfestunden so wenig begreift! Köstlich auch die Formel für L i e b c rinnttn: er ist „ein talentierter, technisch genialer Einfühler in deutsche Nkalweise, sobald die Maske fällt, kommt der brüchige Stil einer brüchigen 9cotitr znm Vorschein". An diese tiefgründige Erfassnng wird die Frage geknüpft: „Wo bleibt der große deutsche Kunstkritiker?" —- der also wahrscheinlich auseinander sehen soll, wieso die großartige Geschlossenheit von Lieber man ns Kunst und Persönlichkeit brüchig ist. Wie immer, so treffen sieh übrigens auch in dieser Beurteilung die Nationalistell hüben und drüben. In Paris hat mir erst im vorigen Jahre ein dortiger Kunstfreund zu beweisen gesucht, daß Liebermann gar nicht Impressionist genannt werden könne, vielmehr ein ganz und gar deutscher Maler sei, der sich nur in die französische Auffassung „einfühle". Inuuer die gleiche Engftirnigkeit, nur mit umgekehrtem Vorzeichen, weil man weder hier noch dort zu sehen vermag, daß der Berliner Meister, wie jeder große Künstlers eine Mischung aus Elementen der Heimat mvb den Anregungen darstellt, die ihm die große Welt znsührte. Wenn es Herrn Tanzmann paßt, geht er allerdings auch über solche Bedenklichkeiten hinweg. Er schwärmt für Feuerbach wer wird ihm darin nicht zustimmen. Er weiß auch ganz gut, wie die Dingo hier liegen, was er ru seinem Kerndeutsch so ausdrückt: „Feuerbachs Form ist zu glatt, hak sranzösisch-romauisch-heilen istischo Technik, um die urwüchsige deutsche, knorrige, derbe, taufrische Form wiederzugeben/' Gleichwohl preist er ihn. Na also! Da wäre also festzusrellen. daß mau trotz solcher grauenvollen Eigenschaften doch noch als deutscher Künstler gelten kann. Wo aber ist nun der Maststab? Nicht ohne Mitleid denkt rnan an die hoffnungslose Verwirrung, die rm Kopse eines solchen Kunstkenners herrscht. Noch eine Bemerkung sei angefügt. Auch von Egger-Lienz ist einiges ausgenommen, was wahrlich niemand tadeln wird. Er Locarno (3SSre' Hotel Esplanade. I>ns modernste, von vornehmen deutschen Familien bevorzugte Haus am Platze. Delegat ionssitz zur Fricdenspakt-Konferenz. Massige Preise. wird der „eherpe große Meister Südtirols" genannt, der dem „granitnen Menschenschlags seiner Heimat ein Denkmal gesetzt habe. Sehr richtig; ohne Zweifel. Vergeblich aber würde man in dem Absatz Tanzmanns, der der „Einsamkeitsluft dieses Alpengipseis deutscher Malerei" gewidmet ist, ein Wort darüber suchen - was doch gewiß naheläge —, daß wir in Egger-Lienz' eine Spiegelung des prachtvollen, deutschen Voltsteils erblicken, der uns entrissen ist und zurzeit aufs niederträchtigste vergewaltigt wird. Kein Wort davon findet man. Es heißt nur mit merkwürdiger Neutralität: „Hier ist nordische Geistesluft unter südlichem Himmel." Warum so zaghaft? Nun, das stimmt genau zu der Haltung, die unsere teuren Rechtsradikalen der Tiroler Frage gegenüber grundsätzlich ein'nehmen: Mussolini ist der große Mann, ist der Verkörperer der Gewaltherrschaft und Diktatur, die sie selbst ersehnen, ist ein Vorbild, ein Ideal, eine Hoffnung für sie — dem darf nicht dreingeredet werden! Er knechtet einen deutschen Volksstamm und, sagen sich die „völkischen" Herren, eigentlich müßten nur gegen ihn wüten, aber unsere innerpolikischen Machtgelüste find uns 'so wichtig, daß wir da eben ein Opfer bringen. Demgemäß wird Südtirol einfach „abgeschrieben:". Jedes Gespräch mit einem diktatnrsrohen Manu von rechts über das furchtbare Schicksal der Bewohner vom Brenner bis zur Salurner Klause bringt dieselbe Ersahrung: er zuckt mit den Achseln, hier Hort seine deutsche Seele plötzlich auf zu kochen. Daher begnügt man sich bei Egger-Lienz mit dem tiefgefühlten Hinweis bei ihm sei „nordische Geistesluft unter südlichem Himmel". Ber-! räterisch genug. Was soll hier der „südliche Himmel'"? Im Pnstertal und den nahen Gebirgsoinschnitten, wo Egger zu Hanse war, ist keine Spur von südlichem Himmel. Der ist weiter unten j in Italien . * . Und so etwas will' uns Deutschtum lehren! Ni<derlaflrmgSmöglichkcit. Nr. 10.1. Niedorlassungsmöglichkeit für Arzt in norddeutscher ft l c i it ft o b t. Nr. 102 Für Augenarzt in Kleinstadt Nieder - s ch l e s i e n §. Nr. 103. Für Arzt in Kleinstadt der Provinz B r a n d c n -- buTQ. Auskunft erteilt das Büro des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. &egri0i "Soehstet (QualMd. 4~~ Neu aufg^nommen: <mavH* HOB Vv TO3 Alleinvertrieb durch die Firma J. Anion Alexander, Berlin NO iß, Landsberger Strasse 9i. Jtrirffinlx. £- fCl mtmmsmm Berlin. leipziger Stc 122 * 12$ mmmmmm Lieferung bis ca 6o km von Gross-Berlin frei Haus durch Kraftwagen. Koni« gar. rein. Blüten-Schiender-,ohne Zuckerfütterung, das Merfelnste, was die tieften Bienen erzeugen. w-Pfd.-Dose 2M 10,-, 5-Md.-Dose ULK 5,50, frei Nachnahme, ohne Äeftentosten.Garantie^Rücknahme unter -Nachnahme. Carl Scheibe, Bienenhof sverneulanbi«« b. Brtm. Ohne Diät Ss 2ÖMI.l!iliElCrdn einf.Mittel,welch es ichjed. gern kosten!.mitteile. krsm i 8sils Mast. Bremen B.N. 35. 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