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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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Ludendorffs erster Gruß an den Kirchenstaat. 709 BAHLSENS , KäseWaffeln „Nom. 9JhtjfoIini und wir" heißt die fette Uebersehrist des Leitartikels in der ./Deutschen Wochenschau" vorn 24. Honmng. Während weite Kreise die Beilegung des jahrzehntelangen Streites Zwischen dem Papst und Italien als einen Fortschritt in der Befriedung der politischen Gegensätze begrüßen, uiunnt Lndeudorsfs Parteiorgan die Gründung des neuen Kirchenstaates zum Aula fr eines scharfen Angriffs gegen Mussolini und die katholische Kirche. Irl dem Aussatz heißt es u. an „Die Grjrndmrg des Kirchenstaates bildet den Lchlusrpuntt hinter einer faschistischen Politik, über die wir tut* niemals im nnktmen gewesen sind. Von vornherein bat Mussolini sich den Inden »tnterworsen, deren ausgesprochener Beschützer er von scher war- Als Mitarbeiterin und Biograptziu nahm er sich e i n e I ü d in. 3 e i n c Nt i n i ft c r sind nun Teil Inden, ja sogar die militärischen F n h r e r d e r s a s eh i st i - scheu Miliz sind es licute noch )imt nicht geringen Teil. Tie Verbreitung der „W c i s e n v o it Z i o n verbot er. und als das Buch in italienischer Nebersehung erschien, lies; er es enistampseu und den Heberscher ins - Irrenhaus werfen, wie der deutsche Jude Tr. Viktor Gotdfchmidt veröffentlicht hat. Wir haben Mussolini in Ar. 50, NBA der „D. W." anfgesordert, diese Nachricht zu dementieren, e r h a t g eschlvieg c n , also ist diese Nachricht wahr, ll n d für d i e s e ir I u d e n s r e n n d s ch tu ä r m e n v 5 l k i f d i e T e u t s d i c! 0t ist ein Freund der Freimaurerei, ja selbst Freimaurer, auch wenn es Völkische rächt glauben wollen, weil es nicht in ihre musiolilüfreund- Liche Politik hineinpaßt. . . . lieber ihn führte Br. Ehrig aus der Loge „Archimedes zum ewigen Bunde" am 3. 4. 4928 aus: „Auch Mussolini hat seine Slellung der Freimaurerei zu verdanken." . ♦. Nun hat Mussolini sich auch der d r i t t e n ü b e r ft a a t l i ch e n Macht Rom unterworfen: bannt hat nicht Mussolini, sondern Nom einen Sieg errungen, den es nach jesuitischer Art ausnutzen wird. sobald es die Zeit dazu gekommen siebt. So wird auch diese Unterwerfung des faschistischen Diktators unter Noms Machtwillen, die heute noch als glänzender Erfolg Mussolinis in die Welt hinausgeschrien itiivb, für diesen eines Tages in das Gegenteil Umschlägen. „W er dü m P a p st itzt, der st irbt da r a n."" Wer wie lvir den einen Wunsch hat. die konsessionelleu Gegensätze anszugleichen und Frieden und Freundschaft unter den verschiedenen Bekenntnissen 31t verbreiten, wird derartige Vorgänge ans das schärfste bedauern.- lieber die judenseindlichen Bemerkungen wollen nur nichts sagen. Wir kennen sie. Aufklärungsarbeit in Ostpreußen un- Pommern. Wer Ende voriger Woche Königsberg besuchte, den grüßten von den Anschlagsäulen zwei riesengrotze Plakate. Das eine, mit Hakenkreuz geziert: „Der Vertreter Hitlers. Straffer, spricht!"; das andere kündigte in großen Lettern den Vortrag des Syndikus Arknr S ch w e r i n e r (Berlin) über das Thema: ,.D er N a t i v n a l s 0 z i -a l i s m u s , eine Gefahr für Ostpreutzen", an. Um 7 Uhr 30 Minuten abends wurde am Sonnabend die größte Schulaula Körügsbergs, die mehr als (M Personen fassen kann, geöffnet und schon 10 Minuten vor 8 Uhr mußte die Polizei den Saal wegen Uebersüllung absperron. so daß Hunderte von Besuchern, darunter Dorstandsmilgliedcr der Ortsgruppe Königsberg, keinen Einlatz erhielten. 150 Nationalsozialisten hatten sich int Hintergrund und an den Seiten der Aula in kampfeslustiger Stimmung niedergelassen. nachdem sie von 7 Uhr an die Aula belagert hatten. Die dreißig Mann starke Polizei übersah die Lage sogleich und ließ die kleine Galerie der Aula unbesetzt, um -die „Uebersicht" nicht 31t erschweren. Als der Referent mit dein Leiter der Versammlung. Sarütätsrat Pollnow, Vorsitzender des Landesverbandes Ostpreutzen. im Saale erschien, imirben sie mit lautem Hallo begrüßt. Sanitätsrat Pollnow gedachte des Volkstrauertages und bat die Versammlung, sich zu Ehren der christlichen Volksgenossen, die für das Vaterland starben, sowie der 12 000 jüdischen Kämpfer sich von den Plätzen zu erheben. Als das Wort „jüdischen" fiel, riesen die Führer der nationalsozialistischen Sprengkolonne: „Hinsehen'" Ruf der Empörung. Lärm. Tumult. Mit fast übermenschlichen Kräften suchte der Referent Schweriner sich gegen die planmäßige Störnngsaktion, die jedem Satze seiner Rede folgte, eine halbe Stunde zu behaupten. Als besonders die jungen Burschen. Schüler und Studenten, immer dreister wurden, hielt er ein und bat den Vorsitzenden, von seinem Hausrecht Gebrauch zu nrachen. Unter ohrenbetäubenden Pfuirufen holte die Polizei einige Rädelsführer mit Gewalt heraus. Und siehe da! Jetzt gab der „geistige Leiter" der nationalsozialistischen Ortsgruppe mit'dem echt arischen Namen M a g n i j u das Ehrenwort, daß keine Störungen mehr sich ereignen würden. Die Sprengung mißlang, nun wollte der Führer zu Wort kommen. Schweriner konnte ungestört noch fast eine Stunde sprechen und schloß unter dem Beifall von etwa, zwei Drittel der Anwesenden. Magniju zog alle Register..der Demagogie, nach jedem Satz von seinen Freunden „bejubelt", Als er nach vierzig Minuten sein Sprüchlein hergesagt hatte, sangen die Hakenkreuzler Näe aus Kommando ihr „Sturmlied", geräuschvoll und in langsamem Tempo den Saal verlassend. Mit Recht konnte Dr. Lippe h n e, unter Königsberger Vorstands Mitglied, feststellen, daß der Führer der Nationalsozialisten sein E h r e n w v r t g e b r 0 ch e n hatte. Aber auch dieser zweite Sprengungsversuch mißglückte. Nach dem Ausmarsch der tapferen Ritter vom Hakenkreuz blieb der Saal dicht besetzt. Zn der ^Aussprache nahmen Vertreter der verschiedensten Parteien und religiösen Richtungen das Wort. Zn aller Ruhe konnte kurz vor Miternacht der Referent ein kurzes Schlußwort sprechen. Zn den Angen aller anständig denkenden Verstnnmlungsbesucher waren die Nat'ionalwziälisteu gerichtet. Tie Versammlung wird übrigens noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Wie wir aus einer großen Reihe von Zuschriften ersehen, hat die Versammlung einen großen Erfolg gehabt. Diele nachdenkliche, nichtjüdische Beobachter haben gesehen, welchen Wert nationalsozialistische Wabrheitsliebe besitzt und welchen Weg unser Voll geben würde, wenn diese Bewegung zur Herrschaft gelangte. & Zur Bezi r k s t a g u n g d e s L ande s v e r b a n d e s P 0 m m e r n d e s Cent r a! v e x e i n s i n S t r a l s u 11 b waren bei dem herrschenden Schnee sturm und der großen Kälte die treuesten und eifrigsten Mitglieder sich des Ernstes der Lage bewußt. Osten droht, die Bewegung des Landvolkes — von den Nationalsozialisten zur wüsten, judenseindlichen Agitation ansgenntzt — aus P 0 m m c r n nberzugreisen. Aus -Ostseebad Prerow versuchen die Nationalsozialisten ein zweites Borkum zu schassen. And in den übrigen Teilen der Provinz reisen die politischen Agitatoren umher, um ans der Not der Landwirtschaft Kapital für ihre nicht anders als Judenhetze zu bezeichnenden Gedanrengänge zu schlagen. Darüber derichteten Rechtsanwalt Dr. B r 0 ck und Slutdrtus Hans O P p e n h e i m e 1 (Stettin). Nach der Bezirkstagung veranstaltete die Ortsgruppe Stralsund des Central vereiirs-eine vssent liehe Versammlung, in der der stellvertretende Syndikus des Vereins, Artur Schweriner, über „Der \ deutsche Jude im Bild der Wirklichkeit und im Zerrbild seiner Gegner" i sprach. Weit über 390 Personen, die sich aus allen Schichten der Strab sunder Bevölkerung zusammensehten, waren erschienen, um nach den Ausführungen Ludendorsss, der kurz zuvor in Stralsund gesprochen hatte, aus unserem Munde die Erwiderung zu vernehmen. Ter Redner verbreitete sich aussührlich über den religiösen, politischen und wirtschaftlichen Antisemitismus. In der Aussprache verlas zuerst als Sprecher der Völkischen Admiral Langemak unter dem lebhaften Unwillen der gesamten Versammlung drewiertel Stunden Zitate, die er dem völkischen Arsenal entnommen. Ter Vorsitzende unserer Ortsgruppe Stralsund, Heinz Cohn, sorgte dafür, daß das Versprechen der freien Aussprache durchgeführt werden konnte. Es sprach sodann noch ein Bürger der Stadt, der darlegte, warum er weder den religiösen noch den politischen noch den wirtschaftlichen Antisemitismus billigen könnte. Ein O der p 0 ft f e X x c 1 ä x bezeichneto die Tatsache des Antisemitismus in Deutschland als keinerlei Zier und wies besonders darauf hin, wie diese Erscheinung von Osten nach Westen zu abnehme. Er gedachte der zahlreieheu jüdischen Mitbürger, die in den Abstimmungstämpsen in Oberschlesieu für Deutschland eingetreten wären. Dr. Brock (Stettin) ließ die Versammlung mit dem Hinweis austliugeu. daß, oft ohne gründliche Kenntnis der Tatsachen, behauptet lverde, das k'itte Testament stütze sich vor allem aus Recht und Gerechtigkeit, das Nene aber aus Liebe und Verzeihen. Gerechtes Recht sei ohne Liebe nicht denkbar, und Liebe toiederum nicht ohne Gerechtigkeit. Bis spät in die Nacht hinein waren unsere Freunde in Stralsund noäi zusammen. Bei dieser Gelegenheit lvurde dem bisherigen Vorsitzenden nuferer Ortsgruppe, Guido F r ä ti fei, der Dank für seine langjährige Täligkeit ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die Ortsgruppe unter dem neuen Vorsitzenden. Heinz E 0 h n, am weiteren Bestehen und Blühen des Eentralvereins rührig Mitarbeiten werde. Vortrag Norbert Einsteins in Lonöon. \ Unser langiähriger Mitarbeiter Dr. Norbert Einstein, der sich seit einiger Zeit im Ansland aufhält, hat am 17. Februar vor der AIurnm-8ociel^ Jewlsh liberal Synagogue in London einen Bor- - trag in englischer Sprache über den'Kntnpf gegen den Anbisemitismns in Deutschland gehalten. Der bekannte Liberale Rabbiner D. I. I. \ NuZkNtck führte den Vorsitz itnb wies in seiner Einteittmg ans die „große und rmvergleichliche Leistung des Eentral-Bereins" hin. Zu seiner größten Befriedigung stellte er fest, daß in England eine so vielseitig und intensiv arbeitende Organisation wie der Eenkral-Berein nicht notwendig sei. daß aber im Falle eines Anwachsens des Antisemitismus in England das Wirken des Eentral-Bereius in Deutschland für die englischen Juden jederzeit vorbildlich sein würde. Dr. Eilt stein entwickelte in einem 'eiustiindigen Vortrag das Wesen des dentschen Politischen Antisemitismus, seine Entrvicklnng

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