Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne« LlttveeseMenett. Zum Äolksirauertag am 24. Februar 4929. In einem „Die Unvergessenen" betitelten Buch (Wilhelm Andermann Verlag, Berlin und Leipzig) hat der rechtsradikale Schriftsteller tzrnst Jünger 44 mehr oder weniger über den Durchschnitt stehenden Persönlichkeiten einen Denkstein zu setzen versucht. Er führt das Buch ein durch die Worte: „Denen, die für Deutschlands Zukunft siegten und starben." Ihn leitet der Gedanke, es bestehe „den Gefallenen gegenüber eine unauslöschliche Dankesschuld, eine tiefe Verpflichtung, daran zu gedenken, jeder einzelne von uns keine Gelegenheit versäumen darf". Im Vorwort führt er diesen Gedanken weiter aus und betont: „Ja, Blutsbruderschaft verbindet uns. Daher ist es nicht nur unser Recht und unsere Pflicht, den Geist dieser Gefallenen zu ehren; wir dürfen auch ihrer Person in Verehrung, verbunden sein", und weiter: „Wir dürfen also getrost in der Schar der Gefallenen den Ausdruck eines gemeinsamen, eben des deutschen Charakters sehen. Wenn wir sie jedoch so sehen und in diesem Sinne nebeneinander betrachten, so müssen wir uns auch bemühen, sie selbst als Charaktere zu sehen." Ernst Jünger hat die einzelnen Lebensbeschreibungen nicht selbst versaßt, sondern von ihm nahestehenden, angeblich auch politisch gleichgesinnten Mitarbeitern schreiben lassen und diese wertvollen Bearbeitungen dann zusammengestellt. Von ihm persönlich stammt nur der Lebensgang des einer französischen Emigrantensamilie entsprossenen Theologieprofessors Caspar, Ren6 Gregory, der, Amerikaner von Geburt und seit 1881 als deutscher Staatsbürger in Leipzig lebend, bei Kriegsallsbruch im Alter von 68 Jahren als Kriegsfreiwilliger eintrat und als 71jähriger Leutnant in seinem Krankenzimmer in dem unter feindlichem Feuer liegenden Neufchatet durch einen Splitter einer einschlagendell Granate tödlich getroffen wurde, und das an das Gefühl greifende Vorwort und Nachwort. Aus letzterem ist der Schlußsatz beachtenswert: „Damit ist auch gesagt, daß es unter den unzähligen Gefallenen wohl Namenlose, aber nicht Vergessene geben kann. Ob nun ein Name in die Tafel gegraben ist, die in der Kirche des kleinsten Dorfes hängt, oder in das wache Bewußtsein der ganzen Nation: es gibt darüber hinaus noch eine wertvollere und Zeitlosere Erinnerung, denn unvergessen und gleich wertvoll und tief ruht jeder dieser Toten im geheimnisvollen Boden dieses Landes, für das er fiel, als ein Samenkorn, das unverweslich ausgeworfen wurde, und für das, wenn die Stimmen der Menschen schweigen sollten, dereinst Blüte und Frucht ihr Zeugnis geben werden." Die von Ernst Jünger ausgesprochenm, alle Judenfeinde tief beschämenden Worte und die Tatsache, daß unter den „Unvergessenen" auch das Leben dreier Inden, Ludwig Frank, Walther Heyrn a n n und Alfred Licht e n st e i n , im engsten Zusammenhang mit dem der Feldmarschälle von Eichhorn und von der Goltz, des Admirals Graf von Spee, der Fliegerhelden Boelcke, Jmmelmann und Richthofen, des berühmten Afrikakämpfers Tom von Prince, des Unterseobootführers Otto Weddigen neben bedeutenden Dichtern, Künstlern und Schriftstellern eingehend gewürdigt wird, lassen den Abscheu vor dem Treiben der Judenfeinde zur Verachtung anschwellen. Wir, die wir für das Vaterland geblutet haben und ehrlich sind. können es nicht fassen, daß es heute noch Deutsche gibt, die den gefallenen deutschen Juden weniger Rocht aus Verehrung zuerkennen wollen als den christlichen Kameraden, die amtliche, durch Namen belegte Zahlen als unwahr hinznstellen sich nicht schämen, die sogar die Ruhestätten jüdischer Kriegsopfer zu verwüsten als eine Heldentat ansehen, zu der zu bekennen die Missetäter noch nicht einmal s^en Mut haben. Sicher ist den Fliegerhelden Boelcke, Jmmelmann und R i ch t h o f e n kein anderer Kampfflieger würdig an die Seite zu stellen. Aber cs sei zur Ehre jüdischer Flieger hier betont, daß Alfred Grün selb aus Niederstütten in Bayern mit 22 Frontflügen, Willy Wolfs aus München mit 87 Kriegsflügen in vollstem Maße ihre Pflicht, getan haben. In dem Nachruf des Abteiluugssührers, des Juden Mar Holzinger aus Fürth, heißt es: „Ihr heldenmütiger Sohl"! hat durch seine mit ungewöhnlicher, todesverachtender lInerschrockenheit unternommenen Flüge an erster Stelle dazu berg et ragen, der Abteilung den Ruf zu sichern, den sie jetzt genießt." Es ist auch hervorzuheben, daß in der Lebensbeschreibung des Juden Walther H e y m a n u angegeben ist, in seinem Nachruf habe sein Freund Siegfried von der Trenck, also sicher kein Jude, gesagt: „Walther Heymann war Jude, aber er war auch Ostpreuße, und er war vor allem anderen jetzt Deutscher." Ein Regunentskamerad berichtet über Tod und Bedeutung dieses Dichters: „Das innere Erleben des Tapferen liegt aber ohne Dunkel in der Linie seines unbändigen Tatendrangs. Es war sicher nur Fortklang des hellen, harten Tones, der in den Briefen so beherrschend klingt. Ich glaube, nichts, selbst das Ueberraschendste nicht, was einmal diesen Zeilen als Nachricht über des Mannes letzte Stunden nachzutragen wäre, wird je die hellseherische Kenntnis erweitern können, die er uns in den letzten Blättern seiner Briefe hinterließ." Wenn es eine Zeit gab, in der gewissenlose Ehrabschneider solche Worte wieder besseres Wissen zu überschreien sich Mühe gaben, dann müßten sie jetzt gegenüber dem Inhalt des Jüngerschen Werkes beschämt die Augen Niederschlagen! Anderes aber noch ist der Vergessenheit zu entreißen. Zwei Jünglingen, Otto Braun, geboren 27. Juni 1897, und Paul M a u ck, geboren 19. Juli 1900, sichert Jünger wegen ihrer Jugend, ihrer Veranlagung und ihres ruhmvollen Sterbens ein bleibendes Andenken. Ich zähle 31t diesen jungen Helden auch den Inden Manfred Bendit, geboren 25. Dezember 1897. Er trat als Kriegsfreiwilliger in die Reihen seiner Mitkämpfer mit derselben Begeisterung wie jene beiden christlichen Kameraden und besiegelte seine Liebe zu seinem Vaterlande Anfang Oktober 1917 mit dein Tode. Und wenn den Dichter Richard Dehmel der t'uror teutonicus als e mundsü nfzigjährigen s))hmn ins Feld treibt, ist dies höher zu bewerten, als wenn der viermid sechzigjärige Jude Emanuel G 0 l d - schm idt aus Würzburg, der schon 1870/71 als Leutnant mitgemacht hatte, mit ersten Mobilmachungstage aus Basel zu den Fahnen eilte? Die berüchtigte Judenstatiftik des der Vergessenheit anheimgefallenen Otto Armin verblaßt vor Tatsachen. Deutsche Juden haben durch ihr Tun bewiesen, daß sie die gemeinsame Heimat nicht minder geliebt haben als ihre christlichen Brüder. Deutschen Soldaten christlichen Glaubens aber ist es ein Genuß, die Verdächtigungen gewissenloser Hetzer ad absurdum führen zu können. In diesem Sinne wird das Buch von Ernst Jünger wirken. M. Brmrzlow, Oberstleutnant a. D. (Fortsetzung von Seite 94.) lich betrachtet, vor ihrer europäischen Periode liegt. Die Sprache der arktisch-nordischen, vor- oder urnordischen Rasse ist eine agglutinierende gewesen, welche sich in der nordatlantischen Periode des Jungpalüolithiknms immer mehr vergeistigt und bereichert haben muß, bis sie ihre Höchststufe erreichte." Ich betone ausdrücklich, daß diese Beispiele uicht besonders ausgesucht sind; ich könnte sie mit leichter Mühe vermehren, bis — ja bis auch 632 Seiten im Großquartformat vollgeschrieben sind. Ein näherer Kommentar zu den oben abgedruckten symptomatischen Beispielen erübrigt sich wohl-. Damit stürzen alle „Ergebnisse" —- vom Standpunkt des Wissenschast-lers ans gesehen — in sich zusammen; es bleibt ein wüstes Chaos von vergewalÜgten Lesefrüchten und Phantastischen Behauptungen, eine trübe Masse, die als einzige Blütenim endlosen Schlammmischmasch einige Stellen enthält, k denen sich die Darstellung allerdings zur Bierzeituugsgröße erhebt; ich verweise auf die geniale, intuitive Entdeckung der einzig wahren und möglichen Begründung der germanischen Lautverschiebung (die Wirth „indogermanisch" nennt, weil die anderen Jn-dogermlmen sie wieder abgelegt haben!): S. 430. „Ich fragte verschiedentlich solche unseres jüngeren Geschlechtes, bei denen der innere Drang zur Bodenständigkeit, Wurzelhaftigkeit, zum Volkstum wieder lebendig geworden ist: „Was würdet ihr tun, wenn ihr in einem dunkelen Raume längere Zeit eingeschlossen gewesen wäret und zu in ersten Male wieder in das Freie, in das volle Sonnenlicht des Hellen Tages hinaustreten könntet? In welchem Wort, in welchem Laut, in welcher Handlung oder Gebärde würde sich euer Empfinden lösen und äußern?" Und in allen Füllen bekam ich als Antwort das Emporheben der Hände zum Himmel und jenen Laut, der das Seufzen der Erleichterung, das erlösende, befreiende Aufatmen, das tieffrendige Staunen ist: — Ha!" Worauf ich dann sagte: „Ihr habt das Rätsel der indogermanischen Lautverschiebung gelöst, warum die tenues zu tenues aspiratae und Spiranten werden: das Mysterium der Wintersonnenwende." Ich verweise weiterhin auf die Erklärung des bekannten Vokalreimgedichtes von Walther von der Vvgelweide S. 504 ff. aus kosmischem Jahressymbol in Laut und Farbe der nordischen Urzeit, und schließlich noch auf den niedlichen Schlußscherz auf <0. 625, wo es heißt: „Jene altsteinzeitliche Fassung des dritten Geschlechtes oder der dritten Himmelsrichtung der heiligen Reihe kehrt ebenso, dem Geiste nach, in dem Abendgebet des großen nordischen Reformators, Martin Luther, wieder, wo es heißt: „Herr, sei mit uns, denn es will Abend werden — und der Tag hat sich geneiget." Dieses „Abendgebet des großen nordischen Reformators" stammt bekanntlich von zwei jüdischen Jüngern des Herrn rind findet sich im Evangelium des Lukas, im 29. Vers des 24. Kapitels ... 9. Nein, es bleibt gar nichts übrig von dem ganzen Buche, als ein wüstes Gefühl im Schädel und ein fader Geschmack im Munde. Das ist nicht Wissenschaft, denn es ist unmethodisch, eklektisch und behauptet anstatt zu beweisen. Das ist aber auch nicht prophetisches- Wissen, denn es gehört zum Wesen des Sehers, daß er sch.icht und klar und bescheiden ist. Diese drei Eigenschaften wird man in dem Werke vergeblich suchen. Was ist es also? Jedenfalls ein Zeitsymptom, eine Art Religion einer Zeit, die krampfhaft nach Symbolen sucht und doch zu schwach ist, sie sich selbst zu schaffen. Eine Art Religion wie Lndendorsfs Freimaurerbücher, wie Fuhrmanns Germanenwerk oder Wendrins „Entdeckung des Paradieses". Schelten und Höhnen sind hier nicht am Platze. Wem es gegeben ist, in seine Zeit hineinzuhorchen, wird sich erschüttert und traurig abwenden. . . Die Wissenschaft wird darüber zur Tagesordmmg übergehen.