Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 7 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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8! Sb innerhalb 24 Stunden abgeschlossen sein müsse, da es sonst zu einer Katastrophe komme. Kein Wort über seine Flucht mit b.aner Brille und falschem Pah nach Schweden, kein Wort über seine Beteiligung mn Kapp-- und Hitler-Putsch, und kein Wort über seine eigene Verantwortung am unglücklichen Kriegsende. Er hätte es so leicht gehabt, dabei . Zu erklären, das; auch er'unter dem Einfluß der überstaatlichen Mächte stand. .Die Geschichte , hat heute schon dem^redelusttgen General die ihm gebührende Verantwortung auferlegt. Seiner Weisheit letzter Schluß ist: „Stellt euch abseits vom Staat." Er darf sicher, lein, daß 99,9 Prozent' des deutschen Volkes nicht ihm, sondern Hindenburg folgen, der durch die Tat dem deutschen Volke Hilst und der allen -- auch Ludendorff — vorlebt, was wirkliche Vaterlandsliebe ist.' Volksgenossen. nach Ludendorffscher Ansicht sind nur die. die ihm auf seinen krausen Geisteswegen folgen und die sich erst dann am Fiele ihrer Weisheit sehen, wenn die Ordnung durch.das Chaos ersetzt worden ist. Als zweite Rednerin sprach dann Frau Ludendorss. Natürlich auch nicht über die Gründe, die den General zur Scheidung seiner ersten Ehe.veranlagten, auch nicht darüber, warum sie und ihr Mann aus der Kirche ausgetreten sind, sondern darüber, wie ihr Mann, „aus dessen Munde kein unwahres Wort kommt", verächtlich gemacht wird, und wie die „Verbrecher. in den Geheimorden" fatsche Lehren verkünden. Mit Phrasen reich verbrämt empfahl sie für die christlid)c Lehre ihren Wotansglauben. Die Edda-Sage ist ihre Re.igionsgrundlage, das Alte Testament eine falsche Lehre. Dagegen ist der Schwindel von den Weisen von Zion, die Ford, als der Verbreiter der Massenauflagen, selber als Schwinde! erkannt und widerrufen hat, ihr Evangelium. „Juden, Freimaurer und Jesuiten trennen diesen Mann (eine leichte Verbeugung vor dem General) von seinem Volke." O nein, Madame, die Trennung hat der Herr Gemahl selber so gründlich vollzogen, daß er heute in „glänzender Vereinsamung" steht. Darüber kann auch der Beifall in einer Versammlung nicht hinwegtäuschen, in der böseste Geschichtsklitterung getrieben wird. Es gibt kein Beispiel in der deutschen Geschichte, daß ein Mann, der nahe daran war. ein Volksheld zu werden, so verlassen ist wie Ludendorss, und der sich dann wie eine Primadonna für 3 Reichsmark hören läßt und im Vorraum des Versammlungslokals einen Buchladen aufbaut und seine Schriften in der Rede für Geld anbietet, obwohl seine hohe Pension es ihm gestatten würde, für sich und seine Idee gratis zu werben. Diese Geschäftemacherer ist eines preußischen Generals nicht würdig. Herr General Ludendorss!" M. Die Jubiläumsfeier -es Reichsbunöes jüü scher Zrontjolöaten. Der R e i ch s b u n d jüdischer Frontsoldaten veranstaltete am 9. Februar im Berliner Herrenhaus zu seinem zehnjährigen Bestehen eine K u n d g e b u n g, die ' von den Abgeordneten des Frontbundes aus dem Reiche und aus Berlin, von den Vertretern jüdischer Organisationen sowie von einer Anzahl von Gästen recht stattlich besucht war. Namens des Centralverems waren der r. Vorsitzende, Justizrat Dr. Julius Brodni-tz, sowie der. Syndikus, Tr. Alfred Wiener, erschienen. Tie maßgebenden Militär-, Marine- und Polizeibehörden hatten Vertreter entsandt, so für den Chef der Heeresleitung Generalleutnant Buchholz, für den Chef der Marineleitung Kapitän zur See K e h r h a h n, für die Wehrmachtabteilung des Reichswehrministeriums Major Richter, für das Polizeipräsidium Vizepräsident Tr. Weiß, für das Kommando der Schutzpolizei Polizeioberst Hellriegel. Der Kommandant von Berlin, Generalmajor Freiherr von Schleinitz, war mit seinem Adjutanten anwesend. Es war ein feierlicher Augenblick, als der Vorsitzende des Frontbundes, Dr. Leo Löwe n st ein, der die Kundgebung leitete, auf die Gefallenen im Weltkriege hinwies,, die, ob Jude oder Nichtzude, alle unserer immerwährenden Dankbarkeit sicher find. Die Anwesenden erhoben sich von den Plätzen in stillem Gedenken.' Leise ertönte die Melodie vorn guten Kameraden. Dr. Leo L ö w e n st ei n berührte sodann die Entstehungsgeschichte des Frontbundes. Er wies auf die Tatsache hin, welche 'Bedeutung die Widerlegung her Trückebe'rgerlüge durch den Frontbund gewonnen habe, wie der Frontbund diese wichtige.Abwehr dadurch krönen wolle, daß er noch rn diesem Jahre ein Verzeichnis sämtlicher jüdischer Gefallenen herausgeben werde. ^Die Leistungen auf dem Gebiete des- Sportes und der Siedlung Zeichnete Dr. Laudenberger aus Nürnberg. Zum Schluß brachte Kammergerichts ra t Wolfs (Berlin) die Grüße und Wünsche der Berliner jüdischen Gemeinde, des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gerneinden und der Reichsarbeitsgemein-schaft der deutschen Landesverbände jüdischer Gemeinden dar. Edle Musik der Herren Professor Grünseld, Mayer-Mahr und Alfred W i t t'e n b e r g erklang zum Anfang und zum Abschluß der würdigen Feier. - . . , Am Sonntag, 10. Februar, fand in der Berliner Neuen Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei dem Rabbiner Tr. Martin Salomonskr die Festpredigt hielt. Oberkantor G o l l a n i n sang ein ergreifendes EI inole Rachaiß'm. Verschiedene Organisationen waren mit Fahnenabordnungen vertreten. Ein Festmahl am Sonntagabend mit anschließendem geselligen Beisammensein beendete die Jubiläumsfeier des Frontbundes- In der Mittagsstunde fanden in. den Germania-Prachtsälen äußerst gelungene Darbietungen der Svvrtabtrilungen und der Jiu-Jitsu-Grupve des Reichsbrmdes jüdischer Frontsoldaten statt, unter wohlverdientem Beifall. Aus -er Arbeit -es Centralverems. Bezirkstagung in Insterburg. — Landesverbandstagung in Rheinland-Westfale'. — Orts».ruppenvor träge. Der Landesverband Ostpreußen hielt sür die Ortsgruppen des Regierungsbezirks Gumbinnen am 27. Januar in Insterburg eine eindrucksvolle Be.sirkstagung ab,'die am'Vorabend mit einer Kundgebung in der'Libanonloge vor den Angehörigen der Synagogengemeinde eingeleitet wurde. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden der I n ft e r - b urger . Ortsgruppe, des Apolhekenbesitzers R o s e n b e r g , wies der Landesverbandsvorsitzende Sanitätsrat Dr. P o l l n o w (Königsberg) in einer Ansprache „Deutschtum und Judentum in der Ostmark" besonders 8 auf die jahrhundertelange, tiefe, kulturelle Verbundenheit des ostpreußischen 8 Judentums mit der Heimat hin. Frau Herta Klein (Königsberg) 8 forderte in eindringlichen Worten die jüdische Frau zum Mitwirken an der Centralvercinsarbeit aus, und Syndikus Sabatzky (Königsberg) .knüpfte in seinem Vortrage „Die Juden im Staat" an den 200'. Geburtstag Gotthold Ephraim Lessings an, des Vorkämpfers für das Recht der Juden in einer Zeit schwerster rechtlicher Zurücksetzung. Die Veranstaltung schloß mit einem gemütlichen Beisammensein, unserer Mitglieder. In der am folgenden Sonntagvormittag stattsindenden Bezirkstagung richtete der Vorsitzende der Kreissynodengemeinde Insterburg, .Stadtrat a. D. Stadtältester Otto Eichelbaum, herzliche Worte der Begrüßung an die Erschienenen, 1 Der Landesverbandsvorsitzende, Sanitätsrat Dr. P o! l n o w , wies « dann auf die immer mehr um sich greifende Agitation der National- I sozialisten hin, der gegenüber der Centralverein in scharfer Abwehrstellung | stehen müsse. Sodann sprach Syndikus Sabatzky über das Thema: g „Was können wir gegen den nationalsozialistischen Terror und Boykott 1 unternehmen?" 1 In Anschluß hieran entspann sich eine fruchrbare Aussprache, in denen t\ die Vertreter der einzelnen Ortsgruppen des Bezirks Gumbinnen über bu: I Lage an den einzelnen Orten berichteten. k * [ In Mülheim (Ruhr) fand unter Teilnahme von etwa hundert Ber suchern aus 23 Ortsgruppen die Delegiertentagung des Landesverbandes I Rheinland-Westfalen stakt. I Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der außerordentlich lehrreiche k Vortrag des Hauptvorstandsrnitgliedes des C. V., Dr. B e r! a d (Berlin), I über „ttnfe.rc wirtschaftliche Zutuns t'\ Durch ein xcidjc», gelegentlich durch statistische Zahlen unterstütztes Material wußte der Redner die umfassenden Fragen seines Themas, wie Berufswahl und -Umschichtung, Groß- und Einzelhandel, Warenhaus, Boykottfrage, in eingehender Behandlung auf ihre geschichtliche Grundlage zurückzuführen, ihre rveiter zu erwartende Entwicklung zu kennzeichnen und auch die Wege zu weisen, die beschritten werden müssen, um den Mittelstand vor weiterer Verdrängung und Entwurzlung zu schützen. Eine rege Aussprache, die die Ausführungen des Redners aus- Lösten, bewies das allgemeine große Interesse an bcu von ihm behandelten Fragen. — Auch das Referat von Rechtsanwalt Dr. K r o m b a ch (Essen) brachte in dem ausführlichen politischen u n b g e - schäftLichen Jahresbericht wertvolle HüNveise und Anregungen für die weitere Tätigkeit des C. V., insbesondere auch für den notwendigen Ausbau der Ortsgruppentätigkeit: Rechtsschutzarbeit. H e ranz i e h u n g der Jugend / ebenso der F r a u e n zur Mitj arbeit — kurz intensivere Werbearbeit und Beschaffung der für! die gesteigerten Ausgaben notwendigen Geldmittel; mit'diesen Fordcrrmgeu verband der Redner ernste Mahnungen gegenüber der gesteigerten! und mit Aufmerksamkeit zu verfolgenden Tätigkeit unserer politischen.! Tätigkeit unserer politischen Gegner. Der Vorsitzende des gastgebneden Vereins, Dankdirektor Meyer (Mülheim), konnte mit dankbarer Anerkennung mitteilen, daß die StadwertvalLung die herrlichen Räume ihrer Stadthalle sür unsere Tagung frei zur Verfügung gestellt hatte. Im geschäftlichen Teil der Verhandlungen widmete der Vorsitzende des Landesverlmndes, Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, dem bisherigen Vorstandsmitgliede Rechtsanwalt Abel (Essen), der nach einer Löjährigen Tätigkeit eine Wiederwahl ablehnte, warme Worte des Dankes für seine aufopferungsvollen Bemühungen bei der/ Gründung und in der langjährigen Führung der Geschäfte des Landesverbandes. Neu hinzugewähtt in den engeren Vorstand des Landesverbandes wurde der Vorsitzende der Ortsgruppe O b e r h a u s e n, Max B e i n. * Eine überfüllte P ro t Lst v e r s a rn m l u n g. von der Ortsgruppe Harbuvg des Centralvereins gegen die Friedhofsschändungen, von denen auch Harburg heimgesucht wurde, in den Ratskeller einberrrfen, fand in der Harburger Presse starken Widerhall. Der Kieler- Professor Geheimrat Sr. Saumgarten sprach über das Thema „Schafft.Frieden im Land". Das deutschnationale „Harburger T a g e b l a t t" (Nr. 293/28) gibt eine sehr eingehende Darstellung des Referates, das . sich auch mit dem Ludendorssschen Märchen und den nationalsozialistischenunwissenschaftlichen Darstellungen der Geschichte und des Judentums scharf auseinandersetzte. Ebenso berichteten auch die volksparteilichcn „Harhirger Anzeiger und Nachrichten" und das sozialdemokratische „V o l t s - dlatt" über die.wohlgelungene Veranstaltung, die, um mit den Schlußworten unseres Ortsgruppenvorsitzenden H i r s ch f e l d zu sprechen, dazu beitragen wird, den inneren Frieden auch in.Harburg zu festigen. Einen stets wiederholten Angriff gegen das jüdische Schrifttum rückte Rabbiner Dr Jakob "(Dortmund) rn einem Vorträge' „A u g e u m Auge, 3 ah n um Za h n", den er in- Saarbrücken hielt, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. An Hand zahlreicher Beispiele wies der Referent nach, daß nicht nur der Sprache nach, sondern auch vom Geist des Judentums her der Gedanke der T a! i o n dem Juden t u m völlig wesensfremd sei. Auf einer Durtragsreisc durch N i e d e r s ch l e s i e n sprach der Syndikus des Landesverbandes Groß-Berlin, Schweriner, in Hirschberg, wohin auch unsere Mitglieder aus L-andeshu t und Lö weüberg gekommen!-.waren, sowie in Görlitz und Liegriitz über das Thema: „Im K a m. Pf für D e u t s ch t u m u n d ..I. u d e n t u mTie Vorträge waren durch den starken zeitlichen Zusammenhang, in dem sie mit der an anderer Stelle erwähnten Dortragstournee des Ehepaars Ludendorss standen, von besonderem aktuellen Interesse. -