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Central-Verein-Zeitung · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · p. Seite 73

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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73 t. u i! is tc o, n kl* 2t r o n n rr;e >- tn r. Ln eigener und in unser aller Sache. Bon Konstantin Brnnncr. E o n st a n t i n B r u n n c t ist mit yiücffidjt aus Vlnssührllllgen iit feinem „Tagebuch" in der „jüdischen Rundschau" (Rr. o) angegrisfell lvorden. Er bittet nn§ um Verösseutlichuug der folgenden Erklärung. Dieser Bitte entsprechen wir bei der Bedeutung des Verfassers, ohne uns'mit Form lllld^Jnhakt der Erklärung 311 identifizieren. In jedem Falle ist es für unsere'Freunde von Bedeutung, tennenzulerueu, u>ie Eonstantin Brunner die. Dinge sieht. Die Schriftleltnng. Die beginnende Auslösung des Zionismus desilludiert selbstverständlich viele Zionisten: aber was ist denn nun das? Mitten aus dem Lager des Zionismus der Ruf: Los vom Zionismus! Mir ging eine lUmmncT der „Jüdischen Rundschau" 31t; aus der ich anführe: „Mail dürste nickt die Juden nomine gentUieio benennen. Es iit nicht richtig, bah man ebenso von Juden müßte sprechen lönuen lvie voll Christen, von Protestanten, Ztacholikerr llsw. Wenn die von jüdischer Abstammung ihre Religion bezeichnen wollten, hätten sie sich mosaisch?,u nennen, lvie die anderen voll der gleichen Religion christlich sich nennen. Die einen nach Moses, die anderen nach Ehristus. I u d e n a b c r b c - r, c i dm c t ein V 0 £ t; allerdings eines von ben yurSnahTiu'Düitcnt binsickllick der Bedeutung für unsere Kultur. Aber das Volk der Juden ist doch nicht mehr vorhanden; und inbent man nun die von jüdischer Abstammung mit dem Voltsnamen Juden belegt, belegt man fie — zunächst einmal dem Namen nach — mit Verbannung aus jedem anbeten Volt. Das ist die Arbeit, welche der Judenhaß, nicht nur dem Namen nach, leisten mochte: die voll jüdischer Abstammullg aus den wirklichen Völkern tmszuschlietzen. timen ihre Vaterländer zu nehrlleu ulld sie wieder zu dcur gespenstigen Volk-Nichtmehrvolk im Ghetto 311 machen. Der größte Teil dieser Arbeit wilrde der: Judenhassern von den Zionisten abgenommen: diese können zroar unmöglich die voll jüdischer Abstammung zu einem jüdischen Volt machen, aber sie hm, was möglich, sic itls Ghetto und damit aus ihren Vaterländern zu bringen. In der Wirkung halldcllr die Zionisten, als ob sie selber Judellhasser wären; abgesehen von den grvßerl Blanmgen, lvelche sie geschasserl, ulld von beit vielen Einzelnen, iudthe sie ins Unglück gebracht haben, wurde auch voll ihnen allgemein mit ihrem jüdischen Volt die Sache derer von jüdischer Abstammung in der Welt um ein Unerhörtes verschlechtert. Die Narrheit und Bosheit der Jlldenhasser wird von der Dummheit der Ziorlisten rtoch weit über- Irvsten; sie scheinerl der Welt ein großes Gxemvel aufmachen zu wollen von der Wahrheit, daß mit dem besten Wille n so viel Unheil anzu richten geht lvie mit dem bösesten Willen, w e n n m a 11 3 u t teals materiellen, zur p 0 t i t i f d) c n 11 n b Wirt s ch ast - lichell Basis nichts allderes hat als Phantastik ... Der Zionismus ist die Zurücknahme der Judenemanzipation durch die Juden selbst. Die voll jüdischer Abstammung dürfen wahrlich nicht wieder verluden. Ihre Unklarheit über Volk-Nichtvolk ist ihr Zurücksein in der Selbstelnarlzipation. Diese erste Zeit der Emanzipation ist als die Epoche der Konfusion bei denen tarn jüdischer Abstamnllnrg zu bezeichnen/' Zeugen min derartige Satze in einem zionistischerl Blatt von einer sich regenden Einsicht, die alle guten Deutschen, vor allen die durch den zionistischen Schwarmgeist am meisten gefährdeten Deutschen von jüdischer Abstammung hoch erfreuen wird, so darf man sich anderseits — eben wegen der erst beginnenden Einsicht und t Imkehr — nicht verwundern oder gar empören darüber, daß in einem zionistischen Blatt doch auch noch, und sogar noch kräftig und störrisch auch Zionistisches mit e i n f l i e ß t. Eine Mahnung,, die ich zirerft mir selber Zurufe. $cin anderer dürfte so herzlich aus den olieu wiedergegebenen Sätzen, ja aus dem ganzen Artikel, welchem diese Sätze entnommen sind, jedes Wort unterschreiben wie ich: denn ich habe°den Artikel geschrieben. Die „Jüdische Rundschau" har diesen Artikel oder vielmehr einen Abschnitt ans meinem kürzlich erschienenen „Tagebuch" abgedrnckt (einen der. Abschnitte daraus, die zusammengefaßt stehen unter der Ueberschrift „Die von. jüdischer Abstammung und die Juden"). Ulld da hätte dem: wohl auch keiner gleich mir so viel Anlaß Zur Unzufriedenheit mit dem Zionistischen, welches sie dabei mit abdruckt. Dieses Zionistische besteht in Bemerkungen, wie sie andernorts über einen Autor, von dem lnan etwas abdruckt (auch wenn mau ihn nicht honoriert und nicht einmal für nötig gehalten hat, die Erlaubnis zum Abdruck eiuzuholen) keineswegs üblich sind. Gut, daß derlei nicht üblich: denn es ist übel. Nicht wahr? Bei den mit Sitten, Gewohnheiten und Ausdrucksweise der Zionisten Unverhmrteu werden dadurch verkehrte Vorstellungen über ben Autor erweckt, der doch wahrscheinlich gar nicht die Absicht hatte, beim Abdruck seiner Gedanken diese fälschen zu lassen. Widerspruch? Ja. Widerspruch, der nicht aus dem Leichtsinn kommt, ist so berechtigt wie Zustimmung. Aber die „Jüdische Rundschau" entstellt und behauptet, was der Wirtlichkeit widerspricht und mich fein und sagen läßt, was ich nicht bin und was ich nicht sage. Es ist mir 3. B. Fm Traum nicht eingefallen, loie die.„Jüdische Rundschau" durch allerlei Gedreh, Gedeutel und Hintenherum glaubhaft machen möchte, „den Namen Juden ersetzorr zu wollen durch die originelle Wortbildung: die von jüdischer Äbstammlmg". Das ist auch keine Wortbildung von mir und keine originelle, aber eine 'ehrliche, unentbehrliche, präzis' Zusammen fassende Wortbildung: und es wäre. nebenbei bemerkt, wohl ratsam, wenn der Edttral-Verein. statt von deutsehen Staatsbürgern jüdischen G l a u b e u s / vielmehr von deutschen Staatsbürgern jüdischer A b st a m m u lt g redete, da er ja, fei ms Allsgabe nach, alle Deutschen jüdischer Abstauummg zu vertreten hat, llicht allein nur die Deutschen jüdischen Glaubens. Also, die „Jüdische Rlllldschali" flicht mir was am Zeuge zl! flicken, ulld freilich — die Art, lv i e fie stickt, macht lilich doch jetzt irre: nnb ich mnn | derl Glauben fahren lassen, daß sie in sich gegangen sei unb Eim I sicht bekunden lvolle. Vielleicht null sie nur luich verdächtigen. Gelingen wird das tämn: auch bei den Ziollistell llicht, auf die es ankommt. Es dürfte bleiben, wie cs war unb ist: n i ch t dir sch l e ch te st e n Z tont stc u s in d d il rch m i ch v 0 n i h r e. m W a h ll geheilt worden — die Schreiber der „Jüdischen Ruudschau" mürben wohl staunen, wenn sie Einblick nelnuen föunteu in die lauteren, erschütterilden Zeugnisse Don überall her. wahrlich and) aus Palästina —: und Zionisten' die Ziorlisten gebliebeil sind, hängen doch meineu Gedallkeu au, lvovon Mar Nordall ein Beispiel gelvesen. Man tomlnt nicht weit mit Elltstelleu, mit Herallsreißen aus \ den: Zlrsalllmellhallg nnb mit Aelißerungen, deren Di'ultel kollgelliat ist der Ignoranz und dein Leichtsillll gegenüber nllerlzöchst 'ernsthastell Dingen, all die mau sich besser llicht rvagte: schilllpfeu abelgar, das ist immer lächerlich und ordinär, lueim es nicht mit Talent geschieht durch einen großell sachlichen Eharatter aus Belvirkung heiliger Jllbrllllst für eine heilige Sache, — schiillpfell (ich könnte dafür hier auch sagen: schelten) köllueu nur Propheten. Alll erhabensteu und produttivsteu geschiulpft hat Ehristlls: bei llus unser feillst-er, wertvollster und lehrreichster Echilnpf-er (bem S ch 0 p e ll - Harrer und Nietzsche es doch llicht sein gelrllg abgelerrlt Haben) ist Goethe gelvesen, der auch feinen Feinden alles sagt in dem stolze ll Wort: Sie lvollcrl mir keinen Beifall gönnen. Ich bin rächt mich ihrem Sinn: Würden sie mich bemleilen können. Ich lväre nicht, der ich bin.! Aber der Philister hat ganz recht, sich für vornehltler zll halten, s lvenn er nicht schimpft; denn sein Schimpfen — unter Schirnpfell I versteht er das affektiv ungehemmte A'nsgießen von Nnslätigkeiten mld | das Jnjuriieren offenbart nur, wieviel Unflat und Ungerechtigkeit l feine Person beherbergt unb daß sie innerlich weit fei von der I äußerlich prätendierten'Vornehmheit nnb in die Reihe der au Wohlaustündigkeit Assimilierten llicht gehört. Die von der „Jüdischen Rundschau" täten klug, vornehm zu bleiben und sich Dom Schimpfen davon zu lassen; sonst bestätigen sie nur von neuem den Satz, doll sie sich ja gleichfalls in ihr Blatt hilleingedruckk habell: „Vöttisthe mW Zionisten finb beide noch nicht assillliliert. was sie natürlich selber nicht merkem, itnb entgeht ihnen auch Oeibeu: gemauschelt ist lucht philosophiert." An Kultur, sachlichen Sinn nnb Gerechtigkeit sind die Zionisten noch nicht affimUicd: sie sind Assimilanten der Völkischen, voll dellen sie die Rassenidee als iliven Gesinnungsstosf nnb vrele Sitten imb Gelvohnheiten genommen haben: sie find Primitivreaktioll auf die Bedrohung durch die Völkischen und Refler von diesen. Was denn auch erklärt, daß ihnen, zll ihrelll politischell Unsinn über die Judenheit, keine andere als eine so grob äußerliche Erfassung des Judentums uwglich hielt: der Geist des Judentums blieb ihnen verhohlerl. Ich bin aber nicht böse über die Ziorlisten. ' sondern über den Zionisrnlls und ferne umfassende Verderblichkeit. Ich erkenlle (wie auch die „Jüdische Rnndschail" abdruckt) den eiilzetnelr Zionistelr dllrchweg die beste Absicht Zll, nur daß in der Verwirrung der Dinge ein Wahn sie zu Toren gemacht hat, aus denen sie delln 'nun wieder weiser werden sollen. Ich kann nicht böse sein über das von ihnen heute und gestern mir angetane Unrecht, lveil ich sehe, woher es j tolnmt. I Alls dem Wahn, airs dem Geist der E n t w i 111 i ch n n g. S Die Ziorlisten erltloirklichen gleich den Völkischen. Die völkischen Judenhasser elltwirklicherl die Juden; ihre Korlstruktionen von fiktiven Inden sind es, die sie in ben wirklichen Inden hassen. Und die Zionisten? Die Wirklichkeit des geschichtlichen (unb in Betracht seiner ungeheuren KnUurbodeutung gar nicht cimnal so langsam sich voltziehendell) Vorganges, Umsch'lvunges der Emanzipatioir rmd des werdenden, allch alte die von jüdischer Äbstammlmg in sich anfnehlllellden Rechtsstaates sehen sie llicht; dafür aber sehen sie ein j ii d i s ch e s Volk! ein j ü d i s ch e s L a ll d!! und einer; I jüdischen Staat!!! Soll mm gestattet sein, das Kleirle mit dem Großen zu vergleichen, rrämlich meine geringfügige Person mit dem zionistischell Riesemvahn — lvenn solche die Wirtlichkeit weg- und die Unwirklichkeit hillschauendell zionistischen Angell zu mir mld meineln Lebenslvert sich erheben, rvie könnten sie anders als an allem wirklich Vorhandenen vorüberblicken und das Garnicht für das Alles halten! Ich bin keinem Zionisten gram, lvenn er Zionist ist nach bem > Weser; des entlvirklichenden Zionismus, alles und jegliches assoziiert an seinem Wahn unb eine Leistung, die Tag- und Nachtarbeit eines Lebens, gar llicht erst anschallt, sondern gleich betrampelt; denn die „Jüdische Rundschau", -.denn die Zionisten sind, mit dem besten Willen, kraut und halten ihre Krankheit für Gesundheit. Mit einem knrzell Worte hier: sie erliegen einer von den Pstchosen, lvelche bisher Gegenstand unserer Psychiatrie nicht gewesen silld, weil ihresgleichen beständig in der lllellschlichen Gesellschaft anziltreffen und lveil sie bestehen bei übrigens ungestörter Lnzidität der Vernunft ----- rmd doch gehören sie 31t ben wichtigsten Psychosen, die uns verstärldlich lnachen, woran sonst das Herz verzweifeln möchte: daß'mit V e r ll u \x f ti gen die A u s e r na n d e r s e tz um g f 0 s ch w e r u ll d s 0 e r g e b n i s l 0 s fein k a n u lv i c mit B e r v ü cf t c u!

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