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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1929-02-01 · 1-2 (1.2.1929) · p. Seite 2

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
5 (1929)
Issue
1-2 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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ganz großen Kundgebungen mit den großen „Kanonen", die braucht man immer und die „ziehen" auch. Aber eine solche Versammlung üblicher Art interessiert heute keinen mehr so recht. Man muß schon dem Menschen einer größeren Stadt etwas Besonderes bieten, wenn er einen kostbaren Abend dafür opfern soll. Aus der anderen Seite macht der ganze Rahmen einer Vcrsamnrlung eine intime Diskussion nicht möglich, wie sie vielleicht dem anwesenden Jugendkreise erwünscht gewesen wäre, eo ist also keinem der Beteiligten eigentlich gedient. Resümee: Für die Jugendarbeit lieber kleine intensive Veranstaltungen als schlecht besuchte Versammlungen, und zwar erstens Ausspracheabende nur unter Jugendlichen und zweitens „Ausgleichsabende" zwischen den Generationen bei sorgfältiger Zusammenstellung der Teilnehmer. In größeren Abständen rnufe es dann aber auch Veranstaltungen größeren Stils geben. Von einer solchen soll, als der wichtigsten, jetzt noch die Rede sein. Nach wiederholtem Beschluß von Hauptversammlung, Hauptvorstand und neuerdings Arbeitsausschuß, soll in jedem Landesverband und auch in jeder Ortsgruppe ein Jugendausschuß gebildet werden, der unter Heranziehung aller in Frage kommenden Jugendkreise sich der E. V.-Jugendarbeit unter den örtlichen Verhältnissen widmet. Ohne die Bildung solcher Ausschüsse ist keine wirksame Arbeit der Jugendkommission möglich, und nur unter ihrer Mitwirkung wird eine von Einseitigkeiten freie Jugendpolitik im C. V. möglich sein. Daher läge es im eigensten Interesse der Landesverbände, für ein Jngangkommen der Jugendarbeit in ihrem Bezirk zu sorgen. Deshalb soll noch über eine Tagung berichtet werden, dre der Lande s v er b a n d H e s se n - N a s s a u als erster durchgeführt hat. Tagungsort Frankfurt a. M. JDie Tagung, die als Jugendtagung bezeichnet war, war von Syndikus Dr. Marx wochenlang vorher in mustergültiger Weise vorbereitet. Anwesend etwa 60 Menschen, davon etwa , zwei Drittel Jugend. Von der älteren Generation: Landesverbandsvorstand. Syndikus, C. V.-Vorstandsmitglieder und C. V.-Mtglieder aus Frankfurt und einigen anderen Orten; von der Jugend Vertreter von Kameraden, Jli, ft C„ Jüdischer Jugendbund. Aelterenbund der Kameraden und einigen anderen Gruppen. Von Ortsgruppen des Landesverbandes zwölf, durch teils Jüngere, teils Aeltere vertreten. Nach Eröffnung der Tagung durch den Landesverbandsvorsitzenden Dr. M a i n z e r Leitung durch Rudolf Stahl (Nauheim). An das Referat des Verfassers über „Die Zukunft des C. V.". das. von der Notwendigkeit einer C. V.-Jugendarbeit ausgehend, die Aufgaben der deutsch-jüdischen Jugend zu skizzieren versuchte, schloß sich dann eine intensive Diskussion an. Es war das ein erster Versuch dieser Art, in einein geschlossenen Kreise die beiden Generationen zu einer gemeinsamen Aussprache zusammenzubringen, und man kann natürlich nicht erwarten, daß eine solche Veranstaltung mit einem Schlage alle Schwierigkeiten behebt. Gilt cs doch, sich zunächst einmal über eine Anzahl grundsätzlicher Fragen einig zu werden. Immerhin wurde erreicht, daß — um den zutreffenden Vergleich eines Teilnehmers aufzugreifen — „Oberhaus" und „Unterhaus" gleichmäßig zu Worte kamen, und daß von der Mauer, die die Generationen in vielem trennt, so viel wenigstens eingerissen wurde, daß man sich gegenseitig „sah". Zum Beschluß wurde dann ein Landes-Jugendausfchuß unter Leitung von Rudolf Stahl gewählt. Ihm wird nun die wichtige Arbeit zufallen, die Ergebnisse dieser Tagung weiter auszubauen. Vor allem wird er, wie alle Jugcndausschüsse, die Aufgabe haben: Gewinnung der jüdischen Jugend für die deutsch-jüdische Idee durch grundsätzliche, jugendlichem Denken entsprechende Auseinandersetzung, Organisierung der Beziehungen zwischen Jugend und C. V. und Heranziehung der Jugend zur Mitarbeit der Jugend im C. V. in Abwehr und Aufbau. Es wäre überaus wichtig, wenn das Beispiel des Landesverbandes Hesien-Nassall bald Nachahmung bei möglichst allen Landesverbänden fände. Die Jugendarbeit würde dadurch um ein großes Stück gefördert werden. Wir haben über einige Erfahrungen aus diesem Gebiet der C. V.-Jugendarbeit berichtet. Von der Praxis ausgehend, sehr untheoretisch, und deshalb manchem vielleicht langweilig. Aber auch das ist notwendig. Es wird bei uns manchmal etwas viel theoretisiert. Nachdem nun aber in der jüdischen Jugend der „Weg in die Wirklichkeit" allseits proklamiert worden ist, müssen wir ihn nun auch gehen. Wenn wir unseren grundsätzlichen Auffassungen über jüdische Dinge in der jüdischen Oesfentlichkeit Nachdruck verleihen wollen, müssen wir uns den organisatorischen Nahmen dafür schaffen. Das fängt mit sehr nüchternen und kleinen Dingen a n, um, wenn es gut geht, bei großzügiger positiver Ar bei t zu en d cn. Der Weg zum Beruf Von Lucie Zobel Me Verfasserin ist in der Arbeitsgemeinschaft der Illdischeu Arbeitsnachweise (Abteilung: Berufsberatung) tätig. Für jeden jungen Menschen ist die Wahl eines Berufes eine der wesentlichen Fragen seines Lebens. Zum ersten Male wird der Jugendliche vor eine Entscheidung gestellt, deren Folgen er selbständig zu tragen hat. Erstmalig, häufig einmalig, hat er die Möglichkeit, sein Leben seiner eigenen Art entsprechend zu gestalten. Beim Berufseintritt und bei der Wahl des Berufes entscheidet es sich wie die Entwicklung dos Jugendlichen sich vollziehen wird, und wie seine Einstellung und feine Wirkung aus die Gesamtheit sein wird. Die Berufsarbeit ist das wesentliche Bindeglied z w i s ch e n d e m I n d i v i d u u m und der Gesel l s ch a s t; daher ist es erforderlich daß die Ausivahl des Berufes mitgrößter Ernsthaftigkeit geschieht, daß der junge Mensch selbst sowie alle jene, die bisher die Erziehung des Kindes zu leiten hatten, mit den besten Kräften an der Lösung dieser Frage sich beteiligen... ' ' ‘ Fragen der Erwerbstätigst und der einzelnen Berufszweige norden in Fachzeitschristen und in Tageszeitungen seit Jahren lebhaft diskutiert, meist von einer bestimmten Gruppe Menschen für einen gleich oder ähnlich eingestellten Kreis. In den Aussätzen, die - in der November-Nummer des Vovrgen Jahrganges dieser Zeitschrift diese -Fragen behandelten, wird die Berufsnot der jüdischen Jugend besprochen, jedoch ist nur von den Problemen eines ganz bestimmten Teiles der jüdischen Jugend die Rode, und zwar gerade desjenigen Teiles, für den von allen es die weitaus größten Möglichkeiten der Bernssentscheidung gibt. Es wird von der in den Bünden organisierten deutsch-jüdischen Jugend gesprochen, und hier auch nur von einer kleinen Oberschichtbürgerlicher Jugend, für die lediglich die Frage besteht, ob man den kaufmännischen oder einen akademischen Beruf, ob man den Beruf des Mediziners oder des Technikers ergreifen soll. Man kann der Meinung sein, daß die Frage der Berussnxrhl auch innerhalb der Bünde sich etwas anders darstellt. daß auch hier der Konflikt zwischen der Ergreifung eines unproduktiven oder eines produktiven Berufes besteht; vielleichtist in den Ausführungen absichtlich davon nicht gesprochen. Behandelt man jedoch die Fragen der Berufsnot der jüdischen Juaend, so hat man jenen großen Teil jüdischer Jugend einzubeziehen, die nicht, in Bünden organisiert, ein gang bestimmt eingestelltes Jugendleben führen, die nicht die unbedingte Möglichkeit zu einer Berufsausbildung haben und für die es nicht eine Selbstverständlichkeit, ist. daß sie nach einer gründlichen Ausbildung in das Berufsleben treten. Wenn man von einer Berüssnot der Jugend spricht, mutz man in erster Reihe an jene Massen' ..Proletarischer" Jugend denken, für die die Frage Handwerk oder kaufmännischer Angestellter, gelernter oder ungelernter Arbeiter lautet, für. die der Eintritt in den Beruf, zugleich verbunden ist mit dem Beginn des Kampfes nur die primitivsten Existenzmöglichkeiten. Hier ist nicht nur die Berufsnot an sich viel größer, sondern.hier stellt sich die ganze Frage, weit mehr als ein jüdisches Problem dar. Die in allen drei. Aufsätzen erwähnten Berufe waren Juden immer zugänglich ja. die Gesellschaft drängte sie geradezu in die akademischen und kaufmännischen Berufe und erschwerte ihnen den Zugang zu den produktiven Berufen. Die heutige Entwicklung der Wirtschaft erzwingt wiederum von den jüdischen Berussanwärtern eine ganz bestimmte Haltung. Die zunehmende Konzentration der Wirtschaft hat eine starke Proletarisierung zur Folge gehabt, und hier sind es wieder die Juden, die weit mehr als die sonstige Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Viele kleine und mittlere Geschäftsbetriebe, zum großen Teil in jüdischen Händen, mußten dem raschen Ausstieg der Warenhäuser weichen, die jüdischen Besitzer mußten Angestellte der Großbetriebe werden. Im Begriff des kaufmännischen Angestellten ist jedoch der Berufswunsch Kaufmann des jüdischen Jungen nicht verkörpert, sondern er erstrebt letzten Endes eine Selbständigkeit, die er in vielen Fällen im Handwerk noch findet. Wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung die jüdischen Jugendlichen in Massen indie handwerklichen und ^Jndustrieberufe drängt, so muß ibnen doch die Berufswahl weit schwerer fallen als ihren nichtjüdischen Kameraden. Von Hause aus. in handwerklichen Berufen völlig traditionslos. oft in einer starken Unterschätzung manueller Betätigung erzogen, stehen sie bei ihrem Berufseintrltt vor ungeahnten Schwierigkeiten. Ihre Handgeschicklichkeit ist oft geringer als die ihrer nichtjüdischen Mitbewerber, ihre Neigung zmn "produktiven Beruf ist keine impulsive, sondern entstammt wirtschaftlichen Erwägungen und schlägt sehr oft, bei den geringsten Hindernissen, in das Gegenteil um. Sind sie bereits im Beruf, so tritt als ein besonderes Berufsproblem ihre Zugehörigkeit zum Judentum an sie heran. In. diesem Zusammenhänge seien die Frage ,des Großbetriebes, des Boykotts jüdischer A.n g e st e l 11 c r und der Sabbatruhe erwähnt. Aus allen diesen Gründen ist es ivesentlich, daß dem jüdischen Jugendlichen die Möglichkeit gegeben wird, die

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