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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1929-02-01 · 1-2 (1.2.1929) · p. Seite 1

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
5 (1929)
Issue
1-2 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang 5 ffeUafle oer C.V,-^<ttttng Nr. 1/2 VerUn, 1. Zebruar 1^29 Kritischer „Fahrten “-Bericht Von Friedrich Brodnitz In der letzten Nummer dieser Beilage sind Programm und Arbeitsmethoden des Jugendausschusses des E. V. wiederholt erörtert worden. In Nr. 10 ist über die bisherigen Verhandlungen der Jugcndkvmmissiou berichtet und der organisatorische Aufbau ihrer künftigen Arbeiten llargeiegt worden. In Nr. 11 begann man. als erstes Teilgebiet die ungeheuer wichtige Frage der beruflichen Lage der jüdischen Jugend zll diskutieren, und in Nr. 12 wurden die Aufgaben der Jugendbildungsarbeit — das Fundament unserer ganzen Tätigkeit — skizziert. -Es dürfte mm angebracht sein, sich jetzt einmal der mehr nüchternen und doch so wesentlichcrr Frage nach den Formen unserer O r g a n isä t i o n s - il u d Werbearbeit zuzulvendcn. Grundlegend ist da. ivie bei unserer ganzen Arbeit, die uns gesetzte Aufgabe: die o r g a n t s i erte n und frei e n Kräfte der d e u t s ch - jüdischen Jugend zusammen z uf asseu, die B e r b i n d u n g zwischen d i e s e n Kreisen ii n d denen der im C. V. organisierten deiitschen Juden hcrznstellen, in ständiger Fühlungnahme ui i t allen Beteiligten E i n v e r st ä n d n i s ü b e r G r u n d l a g e n und Ziele u n s e r e r Arbeit im Dienste des deutschcn Indentums zu erzielen u n d schließlich so die Mobilisierung aller Strömungen u n d R i ch t ii n g c n d e r junge ii jüdischen Generation für das genx c i nsa me Werk zu erreichen. Nun stehen uns für eine solche Propagandaarbeit im weitesten Sinne viele Möglichkeiten offen, über die man sich noch ausführlich wird verständigen müssen. Heute soll nur voit einem Wege die Rede sein: der Propaganda des gesprochenen Wortes. Darüber theoretisch zu sprechen, wäre langweilig und unergiebig, darum soll einmal der Versuch gemacht werden, kritischen Bericht über eine Anzahl von Veranstaltungen zu reservieren, die der Verfasser in den letzten Monaten mitmachte, iveil sie jede eincli Typ besonderer Art darstellen. Und es soll dabei versucht werden, aus der Darstellung konkreter Tatsachen Richtlinien für unsere künftige Arbeit zu gewinnen. _ Die erste Veranstaltung fand in . der Berliner S. G. V. (Sozial-Gesellige Vereinigung deutsch-jüdischer Berufstätiger) statt, die den Verfasser eingeladen hatte, über die deutschjüdische Jugendbewegung zu berichten. Die S. G. V.ist schon als solche eine Vereinigung, die eine genauere Betrachtung verdient. Vor zwei Jahren gegründet, schnell zu einer großen Mitgliederzahl herangewachsen, setzt sic sich aus Berufstätigen aller Kreise, vor allem aber aus kausuxäunischeu Angestellten, zusammen. In jeder Beziehung unabhängig vom C. V.. steht sie ganz auf dem Boden seiner Anschauungen, die sie so — und das ist das Entscheidende — in Kreise trägt, um die man sich früher viel zu wenig gekünmiert hatte. Ich stehe nicht an, die Gründiing der S. G. V. durch Arthur Schweriner als eine der schönsten Taten, die nach dem Kriege in deutsch-jüdischem Geiste getan worden sind, anzusprechen. Die Zeiten, wo für jüdische Arbeit Vorurteile der Kaste, des Berufsdünkels und der gesellschaftlichen Schichtung von Bedeutung sein konnten, sollten endgültig vorbei sein. And die tatkräftige Erfassung der wirtschaftlich schwerer Kämpfenden rvird jedem sozial Denkenden als eine dankenswerte Aufgabe erscheinen. Eine Erscheinung, wie die S. G. V., ist wohl nur in einer Großstadt möglich. Aber wir sollten uns doch einmal ernsthaft überlegen, ob wir nicht auch in anderen größeren imd mittleren Städten xms mehr der erwerbstätigen jüdischen Jugend unter Berücksichtigung ihrer besonderen Einstellung annehmen könnten. Der junge jüdische Angestellte, der sich heute auch noch mit dem Gespenst des Wirtschaftsboykotts der Juden herumschlagen muß, ist doppelt ans einen Rückhalt an anderen angewiesen. Solche Kreise bieten auch ein dankbareres Feld für Vertragsarbeit als bunt zusammengesetzte Veranstaltungen, weil man von vornherein besser die Voraussetzungen der Hörer übersehen kann. Daß das Referat des Verfassers, das dann auf einem zweiten Abend diskutiert wtirde, sich mit Problemeix der Jugendbewegung befaßte, mag als symptomatisch angesehen werden für die in der ganzen jüdischen Jugend vorhandene Tendenz, sich durch Kennenlernen nühcrzukoimiten. Der zweite Abend führte uns nach Stettin in den Kreis der deutsch-jüdischen Jugend, die in enger Verbindting der Führer und der Mitglieder mit dein jüdischen Jugendverein Stettin steht. Jux Anschluß an die neue Schrift voir Edmvnd Fleg hielt Walter Groß ein Referat über: „Ist jüdische Religion ohne jüdisches Volk möglich?" Ein Korreferat von mir folgte, lieber die Referate und die sehr lebhafte Diskussion unter Leitung von Segall ztr berichten, ist hier nicht der Ort. Hier rvird nur die Feststellung interessieren, daß für eine jüdische Gemeinde vorr der Größe und der Lage wie die Stettiner eilt so zusainmengesetztcr Kreis wertvolle Arbeitsergebnisse liefern rvird. Erwähnt sei. rveil zur Nachahmung empfohlen, daß ein kleiner Kreitz von älteren Menschen - darunter die Leiter der pomrncrschen E. V.-Arbeit Interesse genug hatten, um anwesend zu sein, und taktvolles Verständnis genug, um, unauffällig int Hintergründe bleibend, eine wirklich ungehenmtte Meinungsäußerung der Jüngerert zu ermöglichen. Wir haben hier nicht zu erörtern, ob wir die neutrale Jngendvereinigung als die ideale jüdische Jngendorganisatwn ansehcu. Aber in tinsercr Betrachtung der brauchbaren Methoden deutsch-jüdischer Jugendpropaganda müssen wir betonen. daß wir Vortragsarbeit in neutralen Vereinigungen, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet, für sehr rvichtig und sinnvoll halten. Es rväre Artfgabc der vielen C. V.- Frcunde, die rvir unter den jüngeren Neutralen haben, dafür ztr sorgen, daß möglichst oft in ihren Vereinigungen solche Abende stattfinden, in denert sich junge Menschen aller Richtungen in sachlicher Entschiedenheit rmd ritterlicher Form anseinandersetzcn. — Es sei noch erwähnt, daß die sämtlichen jüdischen Jugendvereine Stettins ein Abkommen getroffen haben, daS die Verteilung der Arbeiten und Veranstaltungen regelt und so dert so oft angetroffenen Mißstand behebt, daß die verschiedenen Vereinigungen einer Gemeinde sich durch unbeabsichtigte und beabsichtigte Kollision der Termine gegenseitig und schließlich auch selber hemmen. Ein drittes Bild: Jugendversammlung der E. V.-Ortc>- gruppe mtb der Franengrnppe Dresde n. Ein kleiner Saal knapp zur Hälfte gefüllt; anwesend ein geschlossener Kreitz jüdischer Jugend: die Dresdener Ortsgruppe der deutsch-jüdischen Jugendgemeiuschaft unter Führung von Friedrich Borchardt, daneben einige - nicht sehr viele — „Erwachsene". Referat des Verfassers über „Der C. V. der Zukunft". danach eine sehr kurze, wenig ergiebige Diskussion, früher Schluß des. Abends. Als Ganzes eine Veranstaltung, die die Mühe und die Kosten nicht so recht lohnt. Warum? Weil Versammlungen dieser Form sich , überlebt haben. Die Aus dem Inhalt: Lucie Zobel: Der Weg zum Beruf. — Soziale Woche des Eeichsausschusses der jüdischen Jugendverbände* — Herbert Alexander: Zur Einigungsfrage* — Ä* H.: Die Jugendgemeinschaft* — Alfred Levi: Eine Geschichte der Jugendbewegung.

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