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Central-Verein-Zeitung · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. Seite 50

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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so jüdische Zugend freudig an der Schule Mitarbeiten, zumal gerade fte bic ernsthafte Bemühung um Wissen von Juden und Judentum sich zum vornehmsten Ziel setzt. Und diesem Ziel kommt das Programm unserer Sd)irle besonders entgegen- Sie kann diese BiLdungsarbeit tiefer und umsasiender leisten, und an die Zugend das jüdische Geistesgnt in all seinen Tiefen und Verzweigungen heranzubringen versuchen. Das Programm, das für die kommenden Monate unsere Arbeit bestimmen soll, ist reichhaltig, und Der Wille zur Je starker auch der deutschjüdische Teil der Zugend sich ein inhaltlich erfülltes Judentum zu bereiten suchte, je mehr die bejahende Hinwendung zur Grundtatsache des Jude-Seins aud) die Fragen des jüdischen Lernens naherückte, desto mehr empfanden mit die großen hier bestehenden Schwierigkeiten. Unsere Führer, die großenteils aus indifferenten Häusern kamen, hatten keine Möglichkeit, lehrend zu wirken: denn selbst wenn sie sich selbst etwas erarbeitet hatten, glich ihre lehrekide Situation doch der des Einäugigen, der Blinde leiten soll. Man sage auch nicht: die Jugend hätte ja die Möglichkeit gehabt, in Ncligionsschulen und Volkshochschulen zu lernen. Wir kennen ja die Schwächen dieser Instruktionen. Wenn wir immer mehr einschen, daß die jüdische Einstellung von unserem gesamtlnenschlichcn Wollen nicht zu lösen ist, wollten wir auch eine Art des jüdischen Lernens haben, die unserer menschlichen Art gerechr wird, ja mehr: aus der gleichen Grundlage entspringt. Da bietet uns die S ch n l e der jüdische n Z, ii fl c n t) die lange ersehnte Möglichkeit, all das Gesuchte zu finden. Tie Jugend und ihre, eigenen Führer schufen ja diese Schule, sollen in ihr lernen und sie gleichzeitig gestalten! Das ist die beste Garantie dafür, daß hier ein jugendgemäßes Milieu entstehen wird. Das Lernen soll, nach dem Willen der Leiter der Schule, hier nicht ein bloßes Kennenlernen unpersönlid)er, unbezüglicher Wissensgebiete sein, sondern es soll im Lernen Antworten aus die persönlichen Fragen geben: Antworten, wie sie möglich werden aus der Erkenntnis der heutigen persönlichen Situation als einer jüdisd) bedingten. — Darüber hinaus verbinden sid) Hoffnungen mit dieser unserer Sdmle. Das offene Zusammenkommen der verschstd"nen Laaer wird jedem deutlicher tverden lassen, daß es weitbin schon beute eine gemeinsame Willensrichtung Tatsachen und Nach intensiven Vorbereitungen einer aus Mitgliedern der Zugendbünde und interessierten Aelteren zusammengesetzten Kommission konnten die ersten Kurie der Schule im Oktober des vergangenen Jahres beginnen. Vorwiegend waren cs h e b r ä i f cf) c Sprachkurse, hinzu kam im. Lause des Trimesters ein Kurs über jüdische M u s i k. Eine Erweiterung des Programms auf andere Wissensgebiete ist erst jetzt, bei Beginn des 2. Trimesters, dadurch möglich geworden, daß bis zur Fertigstellung des Jugendhauses in der Johannisstraße die Räume in der Synagoge L ü tz o to st r a ß c der Schule zur Verfügung gestellt worden sind. So sind denn für das n e u e T r i m e st c r folgende Veranstaltungen vorgesehen: H e b r ä i s ch' wird vielen von uns die Möglichkeit ernsthafter Arbeit geben. Ein Teil der Lehrerjugend kommt direkt aus den Zugendbünden, andere haben stärkere Beziehung zu dem einen oder anderen Bund. Das schafft von vornherein ein ganz besonderes Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden und verleiht der Gcsamtarbeit starke Impulse. Von der bisher geleisteten Arbeit in den hebräischen Kursen kann diese Tatsache durchaus sestgestellt werden. Ellen tzittmanrr. Erkenntnis. der jüdischen Jugend gibt: die Gelegenheit zu Auseinandersetzungen wird Verbindungen schassen, die wahrscheinlich der künftigen Ausgabe dieser jungen Menschen: der Bildung einer lebendig verbundenen Gemeinde den Weg bereiten werden. Gerade wenn die Wünsche der Jugend, die nad) einem Jugendhaus in Berlin drängen, ersütti tvcrden, entsteht die Hoffnung, daß hier mancher findet, .was das jüdische Haus oft heute nicht mehr bietet: ein Milieu voll jüdischer Selbstverständlichkeit. — Wir brauchen uns nicht aus Hoffnungen zu stützen, denn schon die Gegenwartswirklichkeit der Schule bedeutet viel: Ich denke hier vor allem an die Musikkurse, die ein unbeackertes Gebiet von Grund auf erschließen sollen: die jüdische Musik. Es ist ein Glück für die Schule, daß sie gerade hier über eine so ausgezeichnete Kennerin wie Alice Jakob-Löwenf a h n verfügt. Die bündische Jugend kennt ja die erzieherische Macht der Musik aus ihrem eigenen Leben, weiß, daß sie ein richtiger Weg ist, und wird sich freuen, wenn nicht nur ihr Herz, fonbem aud) ihr Mund jübifdtat wird. Wir wissen: nod) stehen große Teile der deutschjüdischen Jugend beiseite. Aber wir vertrauen daraus, daß gerade hier die Arbeit der Schule wichtig werden kann: desto stärker, je mehr sie ihr Lernen zu vertiefen weiß. Mag sie nur immer des Zieles ihres Lernens und Letztens eingedenk sein, wie Martin B über es uns einmal gezeigt hat: . . das ernste, kampf- und arbeitsreiche Mitdurckwandeln eines gewaltigen Sctzövsimgsprozen'es in all seinen Widersvrüchen und ihrer werdenden Versöhnung, das innere Nactzsctzassen dieses Prozesses mit ehrfürchtiger Seele und erkennendem Geist, das Sich- Einstelwn in ibn, nickst mit der Innerlichkeit allein, sondern mit dem ganzen, das Gefundene bewährenden und cmswirkenden Leben — das Bereiten. der Erneuerung." Hermann Gcrsorr. Erwartungen. für Anfänger und für Fortgeschrittene (Dr. Ellen L i t t m a n n , Tr. Max M a Y e r, Dr. Moritz Spitzer u. a.), G e s dz i ch t e (Rabbiner Tr- P r i n z). Soziale Arbeitsgemeinschaft (Tr. Georg L u b i n s k i). ferner kürzere Zyklen und Einzeivorträge von Rabbiner Dr. V a e ck und Dr. Martin V u b e r und Dr. V a m - berget. Tie Mitwirkung von weiteren Persönlichkeiten, wie z. B. Julius Bad, ist in Aussicht genommen. . Die Kurse finden teilweise einmal, teils zweimal in der Wod)e statt. Nähere A u s k u n f t erteilt der Sekretär der Schule, Tr. Moritz Spitzer, Berlin-Eharlottenburg, Trendelenburgstraße Wenn es mögtid) war, in so unverhältnismäßig kurzer Zeit den Plan einer Schule zu einem Programm zu Erdichten/ Hub ‘ dieses G GroKev Spe?mlhöus für feine Herren-Wüsche, Lriirotsgrn ufw. BERLIN W CH&RLOTTENSTRASSE 65 FERNSPRECHER: RR ERKÜR 6330 Programm in die Wirklichkeit umzusetzen, so ist dies nicht nur auf das Arbeitstempo der vorbereitenden Kommission, sondern in eben so hohem Maße auf das Entgegenkommen der I ü d i s ch e n G em e i n d e zurückzuführen. Die zuständige Instanz der Jüdischen Gemeinde, der Jugendpflegeausschuß und vor allem dessen Vorsitzender, erkannte sehr bald die Notwendigkeit lind die Ausbau- Möglichkeit der geplanten neuen Einrichtung. Ohne die Bereitwilligkeit der Gemeinde, die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, wäre die so schnelle Durchführung des Planes nicht möglich gewesen. Dieses Verhalten ist um so begrüßenswerter, als es symptomatisch für eine Wandlung und Weiterentwicklung der Gemeindearbeit ist: die Gemeinde sucht der Jugend (und zwar nicht mehr lediglich der sozial hilfsbedürftigen) neue Lebens- und BetäiigungsmvglichkeiLen durd) Erweiterung ihres Arbeitsgebietes zu schassen. Auf der anderen Seite geht durch die Jugend ein starker Zug zur Mitarbeit an der Gemeinde. Durd) die Bünde zum Dienst an der Gemeinschaft im Kleinen erzogen, sucht sie den Weg zur großen jüdischen Gemeinschaft, die von jeher in der Gemeinde ihren stärksten und dauerhaftesten konkreten Niederschlag gefunden hat- Nod) ein paar kurze Worte zum Programm. Es läßt sid) nidzt bestreiten und es soll auch nid)t bestritten werden, daß die Mehrheit der Lehrenden Zionistisch eingestellt ist- Bereits an anderer Stelle lvgl. den Aussatz von E. H. Seligsohn) ist es . eindringlid) gesagt, daß di? Schule eine allgemein jüdische Angelegenheit ist. Und so sei denn in diesem Zusammenhänge ergänzend die Selbstverständlichkeit hmzugesügt, daß, gerade weil es eine allgemein jüdisdie Sache ist, die Answatzl der Lehrenden unter keinen Umstände)) von irgendeiner sraktionellen Engherzigkeit bestimmt werden durfte, sondern das einzig und allein die menschliche und wissensmäßige Eignung des Lehrenden das Ausschlaggebende sein mußte. Wenn heute auf deutsch-jüdischer Seite diese Persönlichkeiten selten sind, so darf uns dies kein Grund zur Ablehnung der Schule sein. Sondern im Gegenteil, es soll uns nur wieder auszeigen, wie nötig gerade in unseren Kreisen die jüdische Bildungsarbeit ist, damit das Bild in späterer Zeit ein erfreulicheres ist. Es geht nicht' an. daß man sich dieser Arbeit, die einzig und allein unter einem allgemein jüdischen Gesichtswinkel gesehen werden kann, und nicht als „Koalition" mehrerer „Parteien" betrachtet werden darf, entzieht, indem man von vornherein eine Inten-- s i v i e r u n g des Jüdischen einer Nationalisierung gleichsetzt. In einem anderen Sinne ist eine gewisse Einseitigkeit in der Zusammensetzung der Le rn enden sestzustellen. Die Zugendbünde der verschiedensten Richtungen haben sich,, ohne daß es einer großen Propaganda bedurft hatte, an den bisher eingerichteten Kursen beteiligt. Tie Tatsache, daß der Prozentsatz der Hörer zu der Gesanstzahl der Mitglieder, die der einzelne Bund lzat, bei allen Bünden ein satt gleich hoher ist, beweist, daß die Schule, wie Hermann Gerson in diesen Blättern näher ausgesührt hat, eine Notwendigkeit für die Bünde, ist. Gewiß, sie ist eine Notwendigkeit für die Bünde, aber sie ist eine Nottvendigkeit nidst n u r für die Bünde. Es gibt weite Kreise in der Berliner 'jüdischen Jugend, die aus den Bünden herausgewachsen sind, ohne anderweitig organisatorisch ersaßt zu sein, und es gibt weiterhin viele, die aus irgendwelchen Gründen ein konzentriertes Gruppen- und Bundesleben, wie es die Jugendbewegung fordert, nidit führen können oder wollen. Diese „N i di t organisierte n" konnten bisher von der; Schule erklärlicherweise nod) nicht in dem Maße erfaßt werden wie die bündische Jugend, an die man durd) die Führerschaften ohne Schwierigkeiten herankommt. Aber gerade für sie ist die Schule von großer Notwendigkeit, und daher seien gerade sie von dieser Stelle aus eindringlid) aus die Schule hingewiesen Denn cs ergibt sid) hier eine Möglichkeit, mit j ü d i - s ch e n Dingen in Bezieh miß zu kommen, in gemeinsamer jüdischer Arbeit den Wea zu jüdischen Menschen und jüdischen G c schehnis) en zu finden und so a k t i v e G l i e d e r der jüdischen G e m e i n s d> a f t zu werden. Werner Rofenftock. Mit einer Versa rn m l u n g, die am M o rr tag, 21. Januar, im Brüdervereinshaus in Berlin unter der Leitung von Dr. Ludwig T i e tz stattsand, trat die Schule zum erstenmal an die breitere Oesfentlichkeit. Etwa 500 bis 600 Teilnehmer, größtenteils bündische, aber auch nichtbündische Jugend, sowie eine stattliche Anzahl interessierter Aetterer hatten sich eingefunden, und die Vertreter der verschiedenen jüdischen Organisationen nahmen Gelegenheit, ihre Sympathien sürdas Werk der Sd)ule zuni Ausdruck zu bringen. Verschieden war die Motivierung, du die einzelnen Redner (Dr- L a m m , Jüdische Gemeinde; Dr. L i l i c n t f) a l, Liberale Vereinigung; Dr. Foerdcr, Zionistische Vereinigung; Dr. F r i e d r i d) B r o d n i tz , Centralverein, und Dr. W o l f s b e r g , Misrachi. von ihrem Standpunkt aus der Schule gaben. Gemeinsam aber war der Witte zur Mitarbeit, den z. B. Tr. Brodnitz in Anlehnung an das Rathenau-Wort einen Willen nicht zur Verschmelzung, wohl aber zur Versöhnung nannte. Hieraus riefen Dr. Ernst Heinrich S e l i g s v h n und — im Namen der hündischen Jugend — Hermann Gerson und Walter Mecklenburg zur aktiven, selbstverantwortlichen Mitarbeit an der Schule auf. . ‘ , ' Den zweiten Teil des Abends bildete ein Referat von Tr. Max Mayer über „D a 8 B i l d u n g s p r v b l e m b e c \ ü b i) d) c n I n g c n b". Er. schilderte die verschiedenen - Stätten "jüdischen Lebens und forderte eine Vertretung des jüdischen Lebens in Deutschland zum Mssensmäßigen und Schaffung einer K ei m z e l l e -für j ü d i s ch - g e i st i ge s Leben -- unter freudi g e r B. e j a h u n g it w ) c x c r Z u g e h ö r i^z k e i t z u m d e u t - . fach e n' K m (tu.r k r e i s. , -

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