Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Me Sühne für die Nreiner «eberWe. / LLLL Sonderbericht für die „C. V.-Zeitung". HH. G. Bremen, 21. Januar 1929. Im Bremer Prozeß das gleiche Bild wie säst bei allen Prozessen gegen Nntionalsozialisten. Da sitzen junge Menschen, angeklagt wegen schwerer Körperverletzung, begangen aus „politischen" Motiven oder, wie hier der eine Angeklagte sagte, „aus Idealismus, denn wir haben doch nichts davon gehabt." In der Tat, sie haben keinen Borteil davon, aber einen Nachteil, der ihnen noch manches liebe Mul im späteren Leben zu denken geben wird. Harte, und trotzdem gerechte Strafen sind verhängt, die nicht zu löschen sein werden. Aber —- wie immer — die Kleinen hat' man gehängt, und dre Großen, die den dummen Jungens die Idee des „I u denverhau ens" suggeriert haben — ob direkt oder indirekt —, die hat man nicht erwischt. Kein Zipfel war von diesen „Führern" zu sehen. Alle acht Angeklagten wußten nicht einmal, wer der Leiter der Versammlungen war, von denen die Ueberfälle ausgingen, niemand wußte, was in diesen Versammlungen besprochen, keiner kannte die übrigen Mittäter. Alle waren plötzlich erst ganz kurze Zeit Mitglied der nationalsozialistischen Partei. Nur einer kämpft seit fünf Jahren unter Hitlers Fahnen — er ist jetzt 21 Jahre alt! Einer will seit zwei Jahren Probemitglied sein — die anderen sind im Juni-Juli eingetreten und waren im August schon Vollmitglieder. Der Richter nahm dies alles, nach einigen Fragen, hin — nicht weil er es glaubte, sondern weil es ihm für den Ausgang des Prozesses unerheblich schien. Der im übrigen musterhaft unparteiische und geschickte Richter Dr. Willens stellte keine einzige Frage nach dem „inneren Betrieb" dieser Auch-Partei. So blieben die Hinterleute, die Drahtzieher, wieder hübsch im Dunkeln. Nicht einmal über die „S.-A.“ war etwas anderes zu hören, als daß sie Hebungen, d. h. natürlich nur S p o r t Übungen, mache. Diese ^Buchstaben „S.-A.“ übersetzen die Nationalsozialisten meist mit „Schutz- Staffel" oder „Schutz-Abteilung", im Bremer Prozeß konnte man mt§ nationalsozialistischem Munde hören, daß es „ S t u r m - Abteilung" heiße. Sturm? Aus was? Und gegen wen? Deutsch sein, heißt bekanntlich wahr sein. Nun, die Bremer Angeklagten b e st r i t t e n alles, nicht nur, was sie g e L a n hatten, sondern auch, was sie vor dem Untersuchungsrichter ausgesagt haben. Den bekannten Fall mit dem Konsul stellte der H a u p t a n g e k l a g t e, Kraftfahrer L h e l e n (21 Jahre alt, elternlos), in der Voruntersuchung so dar: „Ich sah zwei Männer vor mir gehen mit jüdischem Typ. Auch Eberlein (ein ange- Ilagter Elektriker) sagte zn mir, da seien zwei Juden. Ich trat ans den einen zu und versetzte ihm einen Schlag mit der Faust ins Gestcht." In der Hauptverhandlung aber hat The len gar nicht gesehen, daß es Juden sein konnten, er ist vielmehr in „Rage" gekommen, weil die beiden Herren sich über die nationalsozialistischen Uniformen lustig gemacht hätten, und dann hat er dem Konsul die sechs Zentimeter lange und drei Zentimeter breite Kopfwunde mit der Hand beigebracht — nicht mit der Faust und beileibe nicht mit einer Waffe. (Nebenbei: Die Frage der Bewaffnung wurde vom Vorsitzenden des Gerichts gleich ad acta gelegt.) Der Konsul und sein Begleiter haben eine Uniform überhaupt nicht gesehen, also sich darüber auch nicht lustig machen können. (Fortsetzung Seite 48.) Dle 70. FriedhvföMnblmg. Verwüstungen auf dem israelitischen Friedhof in Gladbeck. Den traurigen Ruhm, die Liste der Friedhofsschändungen wieder Um eine vermehrt zu haben, hat die Stadt errungen, .die erst kürzlich durch den Hußmann-Prozeß viel von sich reden gemacht hat. Fn der Nacht von Sonnabend auf Sonntag der vorigen Woche wurden auf dem Kommunalfriedhof an der Feldhauserstratze in Gladbeck, von dem ein Teil als jüdischer Friedhof abgcgrenzt ist, eben in dieser jüdischen Abteilung mehrere Gräber verwüstet und fünf Grabsteine umgestürzt. Wie aus der rechts unten stehenden Photographie ersichtlich, ist es den Tätern gelungen, selbst den schweren, in de« rechten Ecke befindlichen Stein umzuwerfen, obwohl er durch Eisenstäbe in Dem Sockel eingelassen war. An dein mittelsten der drei Gräber ist der dunkler hervortretende, auf dem Grabe liegende Stein nicht etwa eine in dieser Lage angebrachte Tafel, sondern der Stein ist von Dem Sockel, an den er sich.jetzt stützt, gewaltsam abgebrochen. Auf den nächsten beiden Gräbern, dem vierten und fünften, haben die Bubenhände sich in besonderer Weise noch dadurch betätigt, datz sie die dort eingesetzten frischen Blumen abgeschnitten bzw. glatt vom Stengel abgerissen und auf den Gräbern verstreut habe». Die Verwüstung kann wegen ihrer Schwere nicht von zwei Händen erfolgt sein, es müssen mindestens zwei, vielleicht sogar drei Uebeltäter sich an der ruchlosen Arbeit beteiligt haben. Der Frevel hat, wie der rechtsstehende „Gladbecker Anzeiger" und das amtliche Kreisblatt, die „Gladbecker Zeitung" übereinstimmend schreiben, nicht nur in der israelitischen Gemeinde Gladbecks berechtigte Empörung hervorgernfen, „auch die übrige Einwohnerschaft verurteilt ihn aufs schärfste und bedauert es außerordentlich, daß es auch hier Elemente gibt, denen die Pietät vor der Ruhe der Toten abgeht". Die Synagogcngemeinde hat zunächst für alle zweckdienlichen Angaben zur Feststellung der Täter 300 Mart Belohnung ausgesetzt. Die Polizei verfolgt gewisse Spuren, die darauf hinzudeuten scheinen, daß es sich auch bei dieser Tat wieder um mißverstandene politische Ziele handelt. Datz es bei dieser Tat kein „Zufall" sein kann, der vielleicht „politisch harmlose Täter" gerade auf den jüdischen Friedhof geführt hat, beweist Wohl am besten die Tatsache, dass die — wie aus der linksstehenden Aufnahme ersichtlich — auf dem gleichen Grundstück unmittelbar daneben liegenden christlichen Gräber unverletzt geblieben sind. Der verwüstete Gladbedter Friedhof, k-