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Central-Verein-Zeitung · 1929-01-18 · 3 (18.1.1929) · p. Seite 34

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
Seite 34 (sequence 14)
Language
German
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34 Lessing-Büste. Von Professor Senffner, Universität Leipzig. nicht für die hentigcn Juden geschrieben war, lind so fanden sich nur sehr wenige, denen „Nathan" behagen wollte." dauerte noch fast zivei Jahrzehnte, ehe der „Nathan" der Bühne erobert wnrde. Inzwischen waren auch schon englische (von Raspe 1781 in schlechter Prosa), französische (von Friede! 1780 in Prosa, von Gl;-cliier) Bearbeitungen erschienen, denen sich später mehr und mehr voltendeie Ueberselmngen in allen Kultur sprachen anschlossen. W e i ni a r war es, das auch diesem Wert wie so manchem anderen das Recht der großen Geistigkeit verschaffte. Anna Amalia las inr Sommer Usoi in ihrem Kreise, zu dem auch Schiller kam, den „Nathan" zur selben Zeit, als die S eh m i d t i s eh e T r u p P e am 27. Juli 1801 in Magdeburg dem „Nathan" den ersten Bühnenerfolg brachte. G o e t h e und S eh i l l e r stellten den „Nathan", zunächst noch mangelhaft, dann ständig verbessernd, am 28. November 1801 im Weimarer Theater vor, und nun folgten I s f l a n d in Berlin im März und Oktober 1802, Hamburg am 2. Dezember 1802, B r a u n s ch lv e i g im August 1804, M a u n h e i m im Acai 1805, 2-x iPzi g mit I f f l a u d und so alle Bühnen fort, bis endlich am 27. Mai 1814 München und am 25. Januar 1819 Sch r eh- Vogel in Wien (hier noch verstümmelt) den Neigen der Theatereroberung schloß. So war denn endlich nach einem Menschenalter und mehr dies Meisterstück des menschlichen Genies der Oeffentlichkeit ungehindert zugänglich und mar erreicht, was Goethe gewünscht hatte: „Möge doch die bekannte Erzählung (von den Ringen) glücklich dargestellt das deutsche Publikum aus einige Zeiten erinnern, daß es nicht nur berufen Ivird, um zu schauen, sondern auch um zu hören und zu vernehmen! Möge zugleich das darin ausgesprochene göttliche Duldgugs- und Schonungsgefühl der Nation heilig und ivert bleiben!" Ueber den Lebenstreis der Dichtung und des Theaters aber ging die von L-essing gesäte Saat aus: die erste Ernte hielt der Minister F r e i h e r r v o m S t e i n mit der I u d e n b e frei u n g. Je tu ge und künftige Zeiten müssen aber die Saat ständig weiter pflegen, um wieder und wieder uotivendi-ge, neur Ernten aus Nathans Weisheit halten zu können. Die großen Darsteller des „Nathan". Bon Oberspielleiter Heinz Dietrich Kenter (Mannheim). Die Freundschaft mit Moses Mendelssohn mag Lessing über seinen Jnstintt hinaus jüdisches Wesen bewußt gemacht haben. Aber es ist die Genialität seiner psychologischen Einsicht, der keine menschliche. Art verschlossen blieb, es ist seine vom Seelischen zum Seelischen drängende intuitive Kraft, die dem Jüdischen im „Nathan" so plastische Gestalt gab. Eine Reihe großer Namen hat um die Gestaltung dieser -Nolle gekämpft: Jfslaud und Seydelmann, Th. Döring, 8 o u n c n t h a l und L e w inst h , P o s s a r t, K r a u ß n eck und W ü l l u e r. Aber kein moderner Schauspielername ist darunter: nicht Werner K r a n s; oder K v r tu e r und B a s s e r - mann, der ihn vor dem Kriege spielte, scheint den Nathan mehr aus regem Interesse als aus innerer 'Neigung gespielt zu haben. Liest mau zeitgenössische Berichte nach, so drängt sich von 8 e hdek m a n n vis K r a u ß u e ck eine ganz bestimmte Auffassung dieser Rolle aus: es ist die Aussassuug 8 e v d e l m a n u s. S e h d e k m a n n (um 180 5) war in seiner Nathan-Gestaltung der um seine Tochter Recha besorgte B a t e r. War als Bater der demütig-bescheidene und doch 'patriarchalisch-würdige Jude. War als Jude von jener weichen Schönheit, welche die erhabene Traurigkeit der alttestamentarischen Inden Melodie werden ließ. War neben den disziplinlos pathetischen Nathan-Darstellern seiner Zeit wohltuend ein such. Seine Darstellung durchschritt den ganzen Umkreis menschlicher Empfindungen, lyrisch eher als dramatisch, eher das Seelische nur ansstrahlend als zugleich auch akzentreich steigernd, mehr Instand als Bewegung. Kart Immer mann empfand diese Darstellung als „zu weich", zu „jüdisch-schön". Er sah den Nathan stärker: als „den Rächer seines unterdrückten Bottes". Blag nun „Rächer" bestimmt im Ausdruck vergriffen sein, so fordert Jmmermanns Urteil doch instinktiv eine beivegtere Gestaltung — eine Forderung, mir die wir weiter unten noch znrückkommen werden. Jedenfalls ging diese Forderung Jmmermanns unbeachtet unter, S e y d e l m a n n s Auffassung aber behauptete sich nicht nur, sondern b e st i m m t e b i e A u ssas s u n g der 2c ach h a n - F i g u r f ü r d t e g c s a m t e n n a ch s o l g e n d e n 8 ch a u - spiele x g c n e rati o n e n. Man vergleiche nur zeitgenössische Berichte über die großen athan-Darsteller. Ueberall die gleichen charatteristischen Begriffe: Bater, Patriarch, Humor und Gemüt — nur daß die B e - t o n n n g d e s j ü d i s ch e n Elements z n r ü ck tritt, nur daß der Bater, der bei Seydelmann noch ans dem Nachgestalten jüdischen Gemütes geboren wnrde, allmählich ein christlicher Bater wurde. Zwar gibt Theodor Döring (um 1853) seinem Nathan an einigen, wenigen Stellen jüdische Sprachakzente: bestimmt, um das jüdische Element zu verdeutlichen. Aber vielleicht hat er mit diesem so gefährlichen Mittel die chignr eher chargiert als geradlinig gestützt. Zwar gibt derselbe Schauspieler seinen Nathan mehr klug als weise: bestimmt, um ihn beweglicher zu machen. Aber wieder befürchten wir, daß eher ein pfiffiger Nathan daraus wnrde als ein Nathan ü b e r I c g e n e n H erzen s. Hier — in der Genialität des Herzens — wirkte S o u n e n - t h a l lmn 1890) großartig: sein 'Nathan verströmte m e n s ch - liche Güte und Wärme. Aber wie gütige Ncenschen leicht die Führung ihrer Mitmenschen verlieren, wie sie viel mehr durch ihr beruhigendes Da-Sein "als ihren lenkenden Impuls wirken, so auch wirkte Sonnenthal nicht führend, eher daß er geführt wurde. Mit dieser Darstellung deckt sich am ehesten die Kraußnecks, diesem in seinen Ansdrucksmitteln henke noch so lebendigen Schauspieler. Kraußnecks Gestaltung wächst ans der seelischen Ueberlegenheit — mit edelsten Zügen eines tiefen Humors und eines nach vielen harten Wunden köstlich gereiften Gemütes. Und doch — von seiner wie von Bass er manns Darstellung sagt Siegfried Jacobsohn: „den ganzen Nathan trifft nur ein Jude." Korrigieren nur aber auch gleich Jacobsohn: er meint, der Schauspieler treffe den Nathan, der, so wie Lefsing es gekonnt hat. mit genialem Instinkt die heilige Energie jüdischen Wesens Gestalt werden läßt: das bis zum äußersten Sich-Einsetzen für eine als richtig erkannte und also notwendig durchzusetzende Idee. schafft bessere Kontrollen leistet viel, kostet wenig Broschüre 10V kostenfrei 7hUCfofoQ.ttUll$ 'CaytorixOrganisation Stuttgart Berlin rW <52, cKurfürstenstr. 106, cTel.: ‘Davaria *+*4*35. ‘Frankfurt aTTÜ., Obexltndau 78, ‘Tel s TTlaingau 716 08. Breslau. Oresden, Düsseldorf Erfurt Hagen, Hamburg, Hannover. Koblenz. Köln. Königsberg, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Münster i. W., Nürnberg,. Saarbrücken Stettin. Belgrad, Brünn, Kopenhagen, London. Wien, Zürich.

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