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Central-Verein-Zeitung · 1929-01-18 · 3 (18.1.1929) · p. Seite 32

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
3 (18.1.1929)
Date
1929-01-18
Page
Seite 32 (sequence 12)
Language
German
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32 <tl§ tm Himmel leben, da, wie Sic ganz recht bemerken, der Mensch' dem Menschen doch immer Lieber, bleibt, als der Engel. Sie haben Wort gehalten: eins'Ihrer rührendsten Stücke'ist Nathan geworden, in dem ganzen Umsang und. der edelsten Beziehung dos. Wortes." . j K a n t war freilich, im Gegensatz zu -ö iuitan n, der sich an den ] ersten Bogen „weidete", anderer Ansicht. Er sah im „Nathan" zunächst nur den „zweiten Teil" der Lessingschen „Jndenkomödie" und „tonnte keine Helden aus biefeut Volke leiden". '„So göttlich streng", spottet H a m a n n , „ist unsere Philosophie bei alter ihrer Toleranz und Unparteilichkeit." Später (179:) und 1796) sah K aut sich allerdings auch zur Rechtfertigung der Nathanscheu „Neligion in den Grenzen der Reinen Veruunst" und ihres „Streites mit der theologischen Fakultät" gedrängt und zur Anerkenntnis „des großen Dramas des Neligionswechsels aus Erden gebracht". Vorerst meldete sieh-die Oessentliehkeit nur ästhetisch zustimmend. Ter „H a m b u r g i s eh e C o r r e s p o n d e n t" nannte am 21. Mai 1779 „das Gedicht in ungereimten Versen Lessings würdig": „Mehr brauchen nur nicht davon zu sagen", besonders „überflüssig" wäre dies „über die Absicht des Gedichtes, da Nathan der Weise so deutlich davon spricht." Die „N u r n b c r g i s eh c g e l e hrte Zeit u n g" meinte am 25. Mai 1779, das; „die vorzüglichen Tugenden des starken Weines, der hier eingesehenlt wird", Nathan als „kein eigentliches Drama, das ans dem Theater anfgesührt — oder verhunzt werden könnte", dem; „außer dem Jnnhalte verbietet es schon die ganze Einrichtung desselbigen", erwiesen und beschränkt sich auf die Charakteristik der Personen und des Inhaltes, bei dem sich „um die Liebe des Tempelherrn unb der Necha nun fröhlich alles herumdrehe"; er lobt die Lumst der Ausführung als „eines der vollkommensten Muster im Tempel des gelten Geschmackes" und „Lessings Zaubergewalt über unsere Sprache" und lehnt nur die Szene der ersten Zusammenkunft Nechas mit dem Tempelherrn ab. Die Polemische Seite liegt aber „außer seinem Gebiete"; er entschuldigt die Ning- Parabol mit der Hertunst „aus dem Bokkaz": „andere bedenkliche Stellen mögen diejenigen aufspüren, denen es entweder um Kampf oder um Nahrung zu thun ist. Ter Jdeatmensch Nathan könnte, so wie er ist, doch eben sowohl ein solcher Christ als ein solcher Jude schn." Tie „G r e i f 8 w a l d e r neue st e n Critis ch e n N a ch - rieb Uu" meinten am 12. Juni 1779: „Zug für Zug Lessing! Geist, Erfindung, Ausführung, Witze Laune, Sprache, alles original. Hub wer will sich bei einer solchen Schrift, die ich hier bloß als ein vorzügliches Werk des Genies an sehe, . bei; der Absicht und dem Endzweck des Verfassers verweilend Sichtbar genug wird es einst einem jeden einlenchten, der nur einigermaßen die Lage der Sache kennt, was mit j diesem Drama soll gesagt werden, sichtbar aber wird es auch bald dem Prüfenden Mann werden, wie blendend und — ich will nicht mehr sagen, als — wie bitter viele Stellen durch den glänzenden Witz werden, mit welchem sie überschüttet sind." Die „Hamburg i f ch e n e ne Zei t u n g" sieht am 18. Juni 1779 in der Ankündigung eines Werkes von Lessing eine „vergebliche Mühe, weil 99 von 100 es schon gelesen" und lobt den Plan, die Handlung, die Charaktere, die Sprache, den Dialog, die Verse: „Nathan ist ein Jude, und dem Menschenfreunde wird es Wonne sehn, wenn itzt unter seiner Nation seinesgleichen mehr entstehen.sollten". „Von den Gesinnungen, oder so man will, Mehnungen, derentwegen manche den Nathan geschrieben zu sehn glauben, wollen wir nichts sagen. Wie sie im Drama selbst Vorkommen, sind sie jedem Character gemäß. Warum jeder Character mm so ist und nicht anders, wäre eine besondere Frage, die thun mag, wer mehr Beruf dazu hat. Soviel versteht sich ja von selbst, daß ein Drama, wäre es auch ein Lessingsches, nicht über ernste Wahrheiten zu entscheiden praetendiereu kann. Für den mögte auch wol jede solche Wahrheit imentschiedeu bleiben, der daher Entscheidung annähme," „Dem Gesagten zu Folge" ist das Stück nicht für die Bühne geeignet. Berlin meldete sich zum ersten Male am 27. Juli in der „Kgl. Privil. Staats- und gelehrten Zeitung" mit einer kurzen Lobeserwähnung. Ebenso Verhalten sich Leipzig (in der „Neuen Zeitung von gelehrten Sachen" am 2. August) und Gotha (in den „Gelehrten Zeitungen" am 29. Dezember). Das ist alles, was Deutschland im Erscheinungsjahr des „Nathan" öffentlich zu sagen hat. Aber auch 1780 kommen keine bedeutenderen Stimmen zum Gehör. Im Januar meint das in Alto n a erscheinende „K ielische L i t t e r a tu r I o u r u a 1": „Nathan der Weise ist leider auch wohl nicht für die Bühne bestimmt, wird wenigstens wohl nie daraus gebracht werden dürfen. Es herrscht durch das ganze Stück ein Ton, der der Offenbarung nicht eben günstig ist. und daher doch wohl das Gefühl der Meisten, wenn es vorgestellt würde, empören möchte." Immer wird die theologische Polemik dem Stücke unterlegt. Inzwischen war diese Meinung durch ein Buch des Breslauer Arztes, Hosrates, Kgl. poln. Geheimrat.es B. L. T r a l l e s „Zufällige alt - Siegmund Lautenburg. Max Pohl. Za dem Aufsatz „Die grossen Darsteller des Nathan“ von Heinz Dietrich Kenter auf Seite 34. * \? JÄ4 * \ ' \ ■ -— i, -

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