Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 3 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277833-2277836--04997-2285684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hngctft ft S Von Dr. jur. I. §evy. Ob er nun ein kleiner. Kläffer war, der.. Gotthold Ephraim Lessing, oder ein großer Deutscher, der Jude wird verbrannt. Ob er nur durch .jüdische- Reklame zu falschem Ruhm gelangte oder von den Fremdblütigen mi-ti Laudanum vergiftet ist, tut nichts, der Jude wird verbrannt,, sagt-der Patriarch und sagt die Sybille,-die den Patriarchen im Wettbewerb um eine Nasenlänge zu schlagen trachtet. Erstes Kapitel. Es war einmal ein königlicher. Prinz, den sein Vetter und Schwager, der Kaiser, zum Protektor der preußischen Freimaurerei machte und als solchen mit einem einzigartigen Ordensstern schmückte. Lei diesem Prinzen sollte ein Hofball stattfinden. Aus der Liste der zum Tragen der Schleppen bestimmten Pagen stand auch der-Name eines Kadetten von Lessing, dessen Vater General war. Als die Liste dem Prinzen v-orgelegt wurde, las er und las und schüttelte den Kopf: „Lessing, Lessing, das ist der Kerl, der den „Nathan" geschrieben hat, ein Jude" und strich den Namen. Ter Prinz in seinem ahnungsvollen Gemüt wußte schwerlich, daß es wirklich Leute gibt, die mit heißem Bemühen nachzuweisen suchten, G o t t h o l d Ephraim — schon der zweite der Vornamen wie verdächtig! — sei Jude oder jüdischer Herkunft. Er wird nichts gewußt haben von Eugen D ü h r i n g, der im Kampf gegen Adolf Wagner, den Freund Stöckers, ans der Strecke blieb und —- der Zufall spielt oft wunderbar — eine wütende Attacke gegen Lessing ritt und ihn zum Juden machte. Er wird nichts von S e b a st i-a n Brunner wissen und seiner Schrift, die den schönen Namen trägt „Lessingiasis und Nathanologie". Vollends der dicke, aus endlosen Zitaten znsammengeschnittene Wälzer des Herrn Adolf Bartels über Lessing und die Juden — ein Ragout, mit völkischer Sauce übergossen — hatte dazumal die teutonische Küche noch nicht verlassen, und der literarische Küchenchef hatte noch nicht geschrieben: „Ich bi'N. auch, um das gleich auszusprechen, der.Anschauung Tührings, daß man aus dem Schristencharakter eines Mannes aus seine Rasseuzugehörigkeit schließen könne", worauf zweideutiges Augenzwinkern die endgültige Entscheidung dem geneigten Leser anheim gibt. Aber, es wird schon wahr sein, daß der Kamenzer Pastorssohn in jungen Jahren „Die Juden" gedichtet hat, die eine beredte Anklage gegen christliche Unduldsamkeit und Versolgungssucht enthalten, und im reifsten Mannesalter „Nathan den Weisen" schrieb, den im Film vorzusühren am Wohnsitz der Hi tler und Lu dendo r s f von der hohen Obrigkeit der bajuvarischen Republik verboten worden ist. Und schließlich, dieser Lessing war eng befreundet mit Moses Mendelssohn, der zwar kein Dreipunktebruder war, aber Modell gestanden hat bei dem Bild, das Lessing in „Ernst und Falk" von der Loge entwirft: „Laß einen aufgeklärten Juden kommen und sich melden. Ja, heißt es, ein Jude? Christ wenigstens muß freilich der Freimaurer sein». Es ist nur gleichviel, was für ein Christ. Ohne Unterschied der Religion heißt nur ohne Unterschied der drei im Heiligen Römischen Reiche öffentlich geduldeten Religionen." Also, wer's nicht glaubt, gehe hin und lasse sich von den Erbpächtern unverfälschten deutschen Geistes die Unmasse Schrtsten nennen, die haarklein beweisen, daß die neuerdings wieder grassierende „Lessingiasis" nichts als eine von Zeit zu Zeit epidemisch auftretende Geisteskrankheit ist. Daß Lessing nicht ein Dichter, sondern ein Schmierfink war. Daß nur Juden und Judengenossen seine „Minna von Barn Helm" als patriotisches Meisterstück und erstes deutsches Lustspiel ausposaunt haben. Daß sich im „L a o k o o n" und in der „H a m b u r g i s ch e n D r a m a t ur g i e" unverkennbare Indizien, der Judenhaftigkeit zeigen. Daß das Märchen von den tausend Dukaten, die Lessiug von der Amsterdamer Judenschast für die Fragmente erhalten habe, kein Märchen, sondern.bare Münze seien. Denn bekanntlich brauchte Lessing als Spieler um hohe Einsätze viel Geld. Daß „N a t h a n der Weise" eine jüdische Jämmerlichkeit sei, mit der Geschichte von den drei Ringen und der albernen Frage: „Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?" Allerdings, antwortet der Patriarch, der große Literaturhistoriker Bartels, dessen Gloriole nur von der „jüdischen. Camorra" zersetzt wird, allerdings, man braucht statt Christ nur „Deutscher" zu setzen und muß mit entschiedenem Ja antworten. „Was nun aber die berühmte, so oft zitierte, die so oft uns Antisemiten entgegengeworfene Stelle, daß unser Herr Christus selbst ein Jade war, anlangt, so ist die seit längerer Zeit -auch für uns erledigt: Wir glauben nicht mehr an das Judentum, die jüdische Herkunft Christi." Na also, was bleibt mithin von Lessing übrig? „Es ist selbstverständlich durchaus nichts dagegen einzuwendeu, daß das Judentum Lessing verehrt, wir könnten diesenden Juden, ja recht wohl vollständig abtreten, da wir ihn für unsere Entwicklung im ganzen nicht mehr gebrauchen-," sagt der Patriarch; „der alte Lessing... ist überwunden...," sagt Herr Bartels. Droihuudertachtzig lange Druckseiten zur Vernichtung Lessings und der Juden-, im Jahre 1918. Da machte es der hochwohlweise Rat der Stadt Frankfurt Anno 1779 kürzer; sein Beschluß lautete: ,,ll68o1utum coram Deputatione ord. brachte der ältere Herr Bürgermeister mündlich vor, was maßenin der letzten Leipziger Messe von dem Gotthels (!) Ephraim Lessing ein Dramaunter dem Titel: „Der weise Nathan" erschienen s-eie, welches den skandaleusten Inhalt in Rücksicht der Religion enthielte, weßhalben Er anheim . . stellen wollte, lvas gegen dieses verdächtige Blich vorzubringen feie. Committatur dem älteren Herrn Bürgermeister, sogleich bei allen , hiesigen Buchhändlern hermnzuschicken und dieses Drama nachdrucksamst zu verbieten." (Ausgesührt am 28. Mai 1779 laut beigesügteu Berichts des Kanzlisten Heinrich Bernard Beilermann.) Z w e i t e s K a p i t e l. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Nachdem Lessing als Jude, Judensprößling, Judenblut, Judenknecht imwiderruflich verlor teilt, vernichtet und verscharrt lvar, hat er eine Plötzliche Wiedergeburt und beredte Verherrlichung erfahren von — der feindseligsten Seite der Judenfeinde. Es ist der reine Dolchstoß. Völkische gegen Bölkische. Mathilde L u d e n d o r f f gegen Adolf Bartels und Genossen! „Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessiug und Schiller im Dienste des allmächtigen Baumeisters aller Welten." Wer wollte leugnen, daß der Titel packt? Und die zwei'undneunzig Seiten Inhalt erst! Und lver hat den nn ge sühnten Frevel verübt? Na, bitte zu raten! Zuerst also Luther: „Was immer uns Völkische nun auch von Luthers Erkenntnissen trennt..., darin stimmen wir Völkischen eng zusammen ..., worin er einig mit uns ist, nämlich in der Warnung der Deutschen vor der jüd.'schen- Rasse und ihren Zielen. und in der Anfeuerung zum Abtvehrkampf." „Fünfhundert Bollblutjuden predigen heute von den Kanzeln der Lutherkirche und neben diesen fünfhundert noch eine große Anzahl Söhne von Jüdinnen, die also auch der geheimen Gerichtsbarkeit der - Oberrabbiner unterstehen", sagt Frau Mathilde. „Luther (wenn er es erlebte) brandmarkte es als furchtbarste Unterlassungssünde., wenn nach seinen Entlu'illungen der jüdischen Geheimlehren, die Fürsten, die Geistlichen und das Volk die Juden nicht aus dem Lande austrieben und die Synagogen nicht Zerstörten." Schreibt Frau Machilde. Und schilt aus den „Hochgradbruder Melanchthon". Und schreibt ein ganzes Kapitel .über „die Giftrnordversuche der Juden an Luther und Melanchthon als Fürsprecher.für die Mordbuben". Wie aber haben sie.ihn gemordet und wann!?. Er lebte die letzten Jahre „in einem judensreien Lande"; aber dann war es Februar. „Am 17. erkrankt er, und am 18., nachts um 3 Uhr, ist er tot. Ter 18. 2. 1546 ist natürlich „zufällig" ein Jehovatag (18 st-2 st- 15 st- 4 + 6 3 X 15)" schreibt Trau Mathilde Ludendorss, Dr. rned. von Kemnitz wörtlich und buchstäblich. Zwar geben Aerzte und Gesch'chtsschreiber Herzschwäche als Todesursache au; aber dies ist nur eure „im Mttelalter häufig angewandte Bergistungsart". - Vergiftet, wurde er von den Juden, den jüdisch-kabbalistischen Geheimorden-, wie denn besagte Juden später auch den katholischen Jesuitenorden leiteten und gegenwärtig vier protestantische .Pfarrer, „d-ie im Hauptamt Levitenpriester mit Aaronsschurz sind", den Hauptkamps gegen Ludendorsfs Vernichtung der Freimaurerei führen. Uff! . Aber Lessing? Der selber das sreimaurerische Licht erblickt hat? Nun ja, er hat sich von dem „Inden. Bode", Meister vom Stuhl, betölpeln lassen und ward ausgenommen „Am Jahwetage 15. 10. 1771". Was Frau Mathilde sinnreich erläutert: „Quersumme (15 st- 10 st- 17 4- 7 st-1 — 5 X 10). Aber dann ereignete sich das Ungeheuerliche, „noch wallt das Blut auf in jedem Deutschen, der diese Vorgänge erfährt"! Welche Vorgänge? Nun, die Bergistungsgefchichte. Erstens, daß der Großmeister von Zinnendors, „der in Wirklichkeit Dr. Ellenberger hieß und judenblütig war", „einem Lessing die G'sttmorddrohung zu schreiben" wagte, daß Moses Mendelssohn, der „unsichtbare Vater"- mit den Worten: „Er schrieb Nathan der Weise und starb", den Mord an Lessing unvorsichtig verriet, und daß Jehovah, der große Baumeister der Welten, der immer zur rechten Zeit sterben läßt, wissen wird, „wer Lessing die großen Vorräte Laudanumpulver gegeben, wer ihn sterben ließ". „Lessing, der große Deutsche, hat in seinem vertrauensvollen Edelsinn das Schicksal des deutschen Volkes an sich erlebt und Freimaurer und Juden zeigten ihm die Bruderliebe." Die Völkischen um Bartels machen Lessing ganz klein, die Bölkischen nur Ludendorss machen ihn ganz groß, aber — der Jude wird verbrannt. .Denn, lvas die von der alteren Gruppe noch nicht wußten:' die jüdische „Tscheka derüberstaatlichen. Geheimorden" hat nicht bloß Luther, und Lessing, sondern auch Schiller und Mozart gemordet! Was Frau Mathilde Ludendorss haarscharf, beweist, „damit die unsichtbaren Väter 125 Jahre nach Schillers Tod, also 11 X 1ü (Jehovah) - st- 1b (Jma) -im cherligen -Jahre 1930 (Quersumme