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Central-Verein-Zeitung · 1929-01-11 · 2 (11.1.1929) · p. Seite 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
2 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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Das Problem der Jewish Agency wird in dem Buche nur gestreift. Das ist bedauerlich. Eine tiefere Beschäftigung mit diesem Problem würde dargelegt haben, welch schlechten Dienst das Holdheimsche Buch den Bestrebungen geleistet hat, die in der ckezvrZll Agency — ob mit Recht oder Unrecht, mag an dieser Stelle imerörtert bleiben — ein Instrument der Befriedung sehen. I*. H. Aus den ersten 50 Seiten seines Buches „Palästina, Idee, Probleme, Tatsachen" legt Gerhard Hold he im seine Auffassung über den jüdischen Volksbegriff, über das uwderne Judenproblem, den Zionismus und die nichtjüdische Welt, das Wesen des jüdischen Nationalismus und über Zionismus und Palästina dar. So wenig es richtig wäre, seine Auffassungen als die des offiziellen Zionismus hinzustellen, — mir hören täglich von Zionisten, daß sie in vielem mit den in dem Buche niedergelegten Anschauungen nichts zu tun haben wollen —, so kann doch für die Erkenntnis der zionistischen Anschauungen sehr viel ans dem Buch gewonnen werden. Holdheim bestätigt zunächst,daß „eine allzu gewissenhafte Analyse des jüdischen Volksbegrisfs" schon früher nicht erforderlich war, nnd daß heute kein Anlaß mehr besteht, „sich mit derartigen theoretischen ‘Spielereien aufzuyalten". Es ist erfreulich zu sehen, daß hier eine der früheren Säulen der jüdisch-nationalen Weltanschauung ans ihren wahren Unwert zurückgeführt wird, indem man ihre Vieldeutigkeit zugibt. Es ist ferner dankenswert, daß Hold heim klar seststellt, daß die religiöse Gemeinschaft eine Kategorie bedeutet, welche „für das Leben so vieler Juden fast bedeutungslos geworden ist". Denn hier ist mit aller Deutlichkeit der Punkt sestgestellt, an dem sich die jüdisch-nationale Auffassung von der des Centralvereins trennt. Die jüdisch-nationale Auffassung — Holdheim behauptet sogar, die Religion bedeute kein einigendes / sondern eher ein trennendes Moment — glaubt die Religion des Judentums als nicht mehr zeitgemäß abtun zu können, während nach unserer Anschauung in der Erhaltung der jüdisch-religiösen Werte zwar nicht die einzige, aber die entscheidende Forderung einer jeden wirklich jüdischen Bewegung besteht. Wenn aber Holdheim fortfähri: „All die gewaltsamen Anstrengungen, die Existenz eines jüdischen Volkstums zu leugnen, entspringen — das ist klar —'der Angst, durch das offene Zugeständnis in einen Konflikt mit den: Staatsvolke zu konnn-en und sich dadurch zu Bürgern zweiter Klasse zu degradieren", so liegt hier eine jener Behauptungen vor, die auch durch h u n d e r tfache Wiederholung nicht eine Spur von Richtigkeit erlangen. Wenn die Existenz eines jüdischen Volkstums von uns geleugnet wird, so spielt der Gesichtspunkt der Angst — und der wird in dieser so interessanten Einleitung zum Palästinabuch immer wieder hervorgehoben — dabei auch nicht die geringste Rolle. Dieses sogenannte jüdische Volkstum ist für den Einsichtigen eben nicht vorhanden, Ost genug ist die Frage aufgeworfen worden, worin denn der Inhalt dieses Volkstums eigentlich liegen solle, nachdem doch zwischen dem Normaltypus eines östlichen Ghettojud^n und dem z. B. eines französischen Juden aus der ganz gleichen Schicht auch nicht die geringste Vergleichsmöglichkeit zu verspüren ist, die etwv als gemeinsames Volkstum angesprochen werden könnte. Hier liegt schon einer der schweren Jrrtümer der Holdheimschen Gedankensührung. Und wenn Holdheim nicht die Schuld an seiner Entstehung trifft, so doch die an seiner unzureichend geprüften Üebernahme. Aus der Bedrückung der Juden, insbesondere aus ihrer wirtschaftlichen Zwangslage, ist alles das zu erklären, was Holdheim mit der EntnaLionalisierung meint. Auch im Mittelalter haben die Juden trotz aller gemeinsamen Leiden kein einheitliches Volkstum bewahrt. Und es ist ost genug daraus hingewiesen worden, daß sie dieses gemeinsame Volkstum nicht einmal im Altertum besessen haben, da sich auch schon zu dieser Zeit in den verschiedenen Staaten, in denen die Juden siedelten, der Begriff der Religionsgemeinschaft als entscheidend herausgebildet hatte. So sehr wir mit Holdyenn einen -Mejuvaiflerungsprozeß", d. h. in unserer Sprache eine Vertiefung und Stärkung der jüdischen Werte wünschen, so deutlich ersehen wir gerade aus der hier vorliegenden Schrist, daß durch öie in ihr angewandte Methode das ganze vielgestalrige Leben der Judenheit in Jahrhunderten Zwangsweise auf einen Nenner gebracht zu werden versucht wird, der eine jüdische Zukunft nicht nur nicht verbürgt, sondern geradezu in Frage stellt. Holdheim sagt: „Das Ziel des Zionismus ist die Erhaltung und die Regenerierung der jüdischen Volksindividualiät; der jüdische Typus ist durch die Galuth in Gefahr." Da es eine einheitliche Volksindividualität nicht gibt und der Begriff des jüdischen Typus mehr als unbestimmt ist, bedeutet dieses Ziel des Zionismus mchts anderes als die Verbreitung eines Nebels, der, wenn er aus allen Schichten der Judenheit liegen würde, viel sicherer ß den Untergang unserer Gemeinschaft herbeiführen würde, als Holdheim ihn durch die Assimilation befürchtet. Wenn er meint, daß viele die Fesieln lösen werden, weil sie die „Identifizierung mit dem säkularisierten jüdischen Volk nicht ertragen" können, d. h., weil sie nicht ertragen können, aus dem Volk, mit dem sie durch Muttersprache, Schule, Bildung und politische Zielsetzung verbunden sind, herausgehoben und als ein Bestandteil eines in Palästina sitzenden jüdischen Volkes zu gelten, so glauben wir, daß er richtig steht. Denn in der Tat wird die zwangsweise Zurechnung zu diesem fäkulansierten, d. h. doch im wesentlichen des Charakters als geistiger Gemeinschaft entkleideten Judentums zur Massenflucht anreizen. Dieses „aktiv in die Geschichte eingreisen", das Holdheim erstrebt, ist dem Wesen des Judentums, wie wir es verstehen, so entgegengesetzt, daß es alles aufhebt, was uns das Judesein bedeutet, und lediglich etwas bezeichnet, was als ein volkliches Neugebilde angefprochen werden kann. Darum verlangt ja auch Holdheim die vollkommene Hebraisierung der Jugend folgerichtig: denn er will, daß unter allen Umständen etwas Neues entsteht. Das Judentum in seiner bisherigen. Gestalt ist für ihn bankrott. Holdheim schwebt, wie er sich ausdrückt, die Schaffung einer „gemeinsamen jüdisch-arabischen Kultur in Palästina" vor. Ob aber die für Palästina opferbereiten Kreise ihr Geld für einen solchen Zweck ausgeben, scheint mir sehr zweifelhaft "zu sein. So sehr wir eine Kolonisation in Palästina befürworten, so glauben wir, daß die großen Aufwendungen für einen solchen Zweck im Sinne einer sehr großen Anzahl von Spendern unnütz vertan werden, ebenso, wie auch die Ziele der Hebraisierung allen denen fernliegen, die zwar eine gute hebräische Bildung als Grundlage für das Verständnis des . Judentums wünschen, aber eine „Hebraisierung" im Sinne der Uebersührung der kommenden Generation in eine hebräische Muttersprache in Deutschland mit aller Entschiedenheit ablehnen. Zum Schluß noch zwei Bemerkungen. Holdheim führt aus: „Was so viele Juden noch immer nicht verstehen wollen, die Vereinbarkeit von jüdischem Nationalbewußtsein mit echter Loyalität gegenüber dem Staat, in dem wir leben: für den Nichtjuden ist es kein Problem. Die Zeit, wo die Staaten in der Existenz mationalbewußter Minoritäten eine Gefährdung der staatlichen Entwicklung erblickten und um joden Preis nationale Tendenzen zu unterdrücken suchten, ist vorbei." „Die erzieherische Ausgabe des Zionismus lautet nicht: Entwurzeln, sondern Neu- Verwurzeln: den berechtigten Drang des Juden nach Geltung und Würde, der bisher auf falschem Wege gesucht wurde, in die richtigen Bahnen zu leiten und jene, die, von der Strömung erfaßt, sich zu verlieren drohen, hinüberzuretten in eine neue Heimatlichkeit." Ost genug ist ausgesprochen worden, daß die Loyalität der Masse der Zionisten dem Staat gegenüber völlig unbestreitbar ist. Was unsererseits behauptet worden ist und nach dem Erscheinen des Hold- Hannover Hindenbrrrgstraße 8,9,10 Pensionat und höhere Töchterschule gegründet 1872 vorm. SrouBr. Leverson u. Sri Lonstanee Leos Juh. Clara Marcus. ftaatl-g-pr. Schulvorstchcr-N. Slsuetettdoirk l rrisev. Landerziehungs-, Erholungs- und Ferienheim Cllfe Höniger. 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