Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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17 heimschen Buches eigentlich noch stärker betont werden muh, ist folgender Umstand: Die Masse insbesondere der deutschen Juden fühlt stch mit ihrer Heimat auch für die Zukunft aufs engste verbunden; sie wünscht jüdische Innerlichkeit und Festhalten an deutscher Sprache, deutscher Sitte und deutscher Kultur a u ch s ü r d i e Z u k u n f t, ohne Rücksicht aus jeden Antisemitismus und ohne Rücksicht aus die Auf- Öung mancher Kreise ihrer Umgebung; sie lehnt deshalb jede iionalisierung ab, weil sie überzeugt ist, daß weder ihrem Judesein noch ihrem innersten menschichen Wesen mit einem Prozeß der Nationalisierung auch nur der geringste Dienst erwiesen wird. Und eines, Herr Holdheim, muß auch hier noch ausgesprochen werden: Sie leugnen, daß der Zionismus e n t wurzeln wolle, sondern er wolle neu-verwurzeln. Ist das wirklich ein Unterschied? Bleiben wir bei dem Bilde: Kann ich einen Bau neuverwurzeln, ohne daß ich ihn aus seinem ursprünglichen Erdreich herausnehme und ihn sein Leben in einem neuen Boden finden laste? Nein! Ohne Entwurzelung keine Neu-Verwurzelung! Darum soll man die Tatsachen zugeben, die nicht bestritten werden können. Darum erfüllt auch viele unter uns ausrichtige Hochachtung vor den Andersdenkenden, wenn uns entgegengehalten wird: die Entwurzelung der kommenden Generation muß verlangt werden, weil der revolutionäre Inhalt des Zionismus die NeuschafjunA eines Judentypus auch in der Zerstreuung verlangt. Dieser neue jüdische Mensch ist nur denkbar durch seinen geistigen und kulturellen Zusammenhang mit der neu zu schassenden palästinensischen Kultur. — Daß wir ein solches Unterfangen für ein Unglück halten und uns ihm mit aller Macht entgegenstemmen werden, ist schon oft gesagt worden, sei aber hier mit Entschiedenheit wiederholt. Rabbiner Dr. Ecksteins Schrift: „Haben die Juden in Bayern ein H e i m a t r e ch t?" hat in weiten Kreisen Zustimmung und Anerkennung gesunden, so auch in der politischen Presse verschiedenster Parteien; sie hat vollaus ihre innere Berechtigung erwiesen. Es ist ihr Zweck, die Beziehungen klarzulegen, die die jüdischen Bayern Mit der Heimat seit vielen Generationen verbinden, und damit Verständnis zu wecken und Brücken zu schlagen in einer Zeit, die besten mehr bedarf als je. Recht unerfreulich berührt die absprechende Kritik, die das zionistische Münchener Blättchen dem Ecksteinsä)en Buch widmet. Neben Beanstandungen vielfach recht unwesentlicher Art ist ein Satz herariszuheben, der dieser Kritik ihr Gepräge gibt: man wolle das Recht, Bayern seine Heimat gu nennen, „nicht haben, wenn wir gezwungen sein sollen, deshalb unsere innere, unsere geistige Heimat zu vergessen", wobei unter dieser inneren Heimat der Zusammenhang rmt dem Gesamtjudentnm verstanden sein all. Wir lehnen mit der großen Mehrheit der deutchen Juden diese Unterscheidung einer äußeren und .mieten Heimat nachdrücklich ab. Dem deutschen Juden ist Deutschland seine volle Heimat, und wahrhaft jüdisch-religiöses Bewutztich aber als Außenseiter Zu dieser ollte wenigstens nicht die Gefühle 1. 6. sein steht dem nicht entgegen. Wer Auffassung nicht bekennen will, der anderer verletzen. «leine Chronik. Am 12. Januar 1929 wird der Kaufmann Lesser Hirschbruch in Potsdam 70 Jahre alt. Der Jubilar, feit langen Jahren ein treuer Freund unseres Vereins, genießt bei Juden und Nichtjuden seiner schlichten, hilfsbereiten und lauteren Persönlichkeit wegen Hochachtung und Liebe. Durch seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeinde, besonders aber in der Lhewray, hat er sich, große Verdienste erworben. Wir gratulieren herzlich. ~~ Unser Mitglied Landgerichtsdirektor i. R., Geheimer Iustizrat Leo Goldfeld in Breslau, Mitglied des engeren Rates des Preußischen Landesuerbandes und erster Vorsitzender des Breslauer Gemeindevorstandes, vollendet am 20. Januar sein 70. Lebensjahr. Dem überaus verdienstvollen Jubilar unsere wärmsten Glückwünsche! — Am 18. Januar feiert unser langjähriges Mitglied Isidor N o s e n t h a l, Berlin-Steglitz (früher Posen), seinen 75. Geburtstag. Rosenthal gehörte unserer Ortsgruppe Posen seit deren Gründung an. Er war 30 Jahre lang der Besitzer der Iohannismühle und sst erst nach dem Umsturz nach Benin übergesiedelt. Dein treuen Mitkämpfer unsere herzlichsten Glückwünsche! —- Geschäftliche Mitteilunaen. Wir weisen darauf hin, daß in Berlin am Kursürstenbamm 167/168 ein neues Institut zur Heilung und Erforschung von gutartigen ten und Krebs eröffnet worden ist. Dre Mitwirkung von einer Kombination erster Fachgelehrten und aller modernen Hilfsmittel, vor allem eine erstklassige Einrichtung für Röntgendem Institut zur Verfügung. und Radiumbehandlung stehen Verlag u. Schriftleitung. Centralverein deutsch. Staatsbürger jüd. Glaubens e. V., Lindenstr. 13. Tel.-Adr.: „Centralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 36172. Gesamte redaktionelle Leitung: Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich: Dr. Margarete Cdelheim. Beide Berlin SW 68. — Unverlangte Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Freiumschlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Paul Burghardt, Charlottenburg. Druck: Rudolf Mosse, Berlin SW 100. Um 7 Uhr werden die Läden geschlossen und ich muss noch unbedingt für meine Hühneraugen 1 Schachtel „Lebewohl"*) haben! *) Gemeint sind naJürlich das berühmte, von vielen Amten empfohlene Hühneraugen* Lebewohl und Lebewohl * ßallensdheiben» Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf.. Lebewohl-Fussbad gegen empfindliche küsse und Fussschweiss. 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