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Central-Verein-Zeitung · 1928-12-21 · 51-52 (21.12.1928) · p. Seite 726

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
51-52 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
Seite 726 (sequence 6)
Language
German
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Erfolgreiche Versammlungen -es Eentralvereins. Der Weg -es -rutschen Iuöen. Eine Auskiärungsvcrsamnrlung im Berliner Westen. Am 11. Dezember sprach in eimr sehr gut besuchten A u f k l ä * rungsversammluna des Centralvereins in Chorkottenburg vor zahlreich erschienenen Hörern, darunter einer größeren Unzahl mchtjüdischen, Rechtsanwalt Tr. Bruno Werl, Stellvertreter des Vorsitzenden des E. B., über: „Der Weg der deutschen Inden. Klar legte er den Begriff der Nation in historischer Entwicklung und soziologischer Abgrenzung dar und zeigte den Weg des deutschen Juden innerhalb der deutsck-en Nation. Der Dortrag regte zu einer fruchtbaren Aussprache an. Von zwei Seiten glaubte man wesentliche Einwendungen erleben zu könne m , Der Zionist Richard L i ch t h e i nt bezweifelte, daß die Zugehörig, keil zu einer Nation mehr vom Willen bestimmt sei als von Abftöanmmg, Sprache, Kultur usw. Desljalb gehörten die Juden nach Palästina. Er sei Zionist aus der Ueberzeugung, daß die Juden Palästina in Zukunft mit erner Starke von 2 dis 3 Millionen Menschen besiedeln konnten. Matthias. VolksschuUehrer. ein nichtjüdischer Redner, betonte, daß. wenn bis zu 30 Prozent des deutschen Volkes antisemitisch gestimmt haben, man aus jüdischer Seite nach allem sehen müsse, was dieser Bewegung Nahrung gibt. Dazu gehöre besonders das Verhalten des einzelnen Juden, der sich stets bewußt sein muffe, als Angehöriger einer Minorität ganz anders kontrolliert zu werden als einer, der in der großen Masse verschwindet. Der Volksschullehrerstand habe das gleiche durchwachen müssen. — Die Anschauung, daß Kennzeichen der nationalen Zugehörigkeit Wille und Bewußtsein seien, genügten ihm nicht. Er sei Deutscher, nicht weil er es wolle, sondern weil er es müsse, weil er nicht mü^ers empfinden könne. Diese Einwendungen aus zwei grundverschiedenen Lagern gaben Dr. Weil die beste Gelegenheit, überzeugend nachzuweisen. daß sie «icht imstande sind, die Anschauungen des Eentralvereins über den allein möglichen Weg des deutschen Juden zu erschüttern. , Mag Nasse. Abstammung, Kultur, Sprache noch so sehr zur Bildung von nationalem Willen und nationalem Bewußtsein beitragen. bestimmend sür die nationale Zugehörigkeit ist letzten Endes die Entsr^idung des einzelnen. Wenn auch diese dem einzelnen nicht immer bewußt sei —, politische Umwandlungen, Auswanderung zeigen, daß es sehr wohl Lagen gibt, in denen eine Aenderung der rurtronalen Zugehörigkeit getroffen werden kann. Wir deutschen Jude» sind deutsch nach nationalem Willen und nationalem Bewußtsein. Deshalb gehören wir zur deutschen Nation. Wir lehnen die Entscheidung zur jüdisch-palästinischen Nation Lb. Wir können ihr nicht angehören, well sie. wie der Redner tm Tatsachen bewies, aar nicht in der &tge ist. uns mrszunehmen, vermag das vermeintliche nationale Mutterland doch noch nicht einmal einen Bruchteil der Juden des Ostens zur Einwanderung znzulaffen. Ganz abgesehen von ihren geringen Zukunstsmöglichkeiten als künstltch gehaltene schwache Minorität im Meer einer arabischen Welt könnte sie also niemals Heimstätte auch nur eines nennenswerten Teiles der Juden, geschweige des jüdischen Volkes werden. Wir wollen ihr nicht angehören, wer! wir unser europäisch-deutsches Volkstum, unsere europäisch-deutsche Kultur nicht aufgeben wollen. So gibt es sür uns gar keinen anderen Weg als den der vollen Teilnahme am deutschen Volkstum, der engen Verbindung mit unseren mchtjüdischen Volksgenossen in gemeinsamem politischen und gesellschaftlichen Leben zum Aufbau der gemeinsamen deutschen Natron. Vaer. MMarrmgssbrfsmWluKg -es Eentralvereins in Köln. Eine ganz besonders gelungene Aufklärungsversamnrlung fand um 16. Dezember in Köln statt. Bor über hundert geladenen nichtjüdischen Persönlichkeiten sprach Professor Goldstern (Darmstadt) über: „Deutschs Volksidee und deutsch-völkische Idee". Der Redner entwickelte in ungemein sympathischer Art die These des objektiven «rrd subjektiven LoUsbegriffeZ. Er bekannte sich vom Standpunkt des deutschen Juden aus zum Deutschtum der Kulturverbundenheit und des Willens als natürliche Folge seelischen Verwachsenseins mit dem deutschen Dolksganzen. Die Arbeit jüdischer Männer von Geist und Nus in Deutschland war deutsche Arbeit. Professor Gold stein zeigte dre Gefahren der von völkischer Seite verbreiteten objektiven Wolksidee an den betrüblichen Erscheinungen im außenpolitischen Ringen und warnte vor ihr im Interesse vor allem auch des Deutsch, tun^s und der deutschen Heimat. Die Zuhörer folgten den Ausführungen sichtlich mit starker Anteilnahme. Sie wurden nicht nur Don dem Gelehrten, sondern auch von dem Mensck)?n in den Bann gezogen, dessen Worte der Ausdruck tiefster Gefühlsbewegung waren. - Ein besonderes Interesse gewann die aus den Vortrag folgende Aussprache durch die Diskussionsrede von Professor D r. von Wiese. Er erklärte sich mit den Ausführungen des Vortragenden in bezug aus die völkische Rasientheorie einverstandell und bestätigte, daß der Begriff Doll nicht Gerne mschrst von Blut und Raste, sondern Gemeinschaft der Idee, der Kultur und der Sprache bedeute. Er führte weiter aus, daß die Judengegnerscl-ast durch den jüdischen Nationalismus neue Nahrung erhalten habe. Diese Bewegung sei ztvar als Reaktioiisersckicinung verständlich, sie sei aber zu bekämpfen, rvei! sie Ausgleich und Befriedung erschwere. lieber die Veranstaltung, die zrveisellos als em bejanders erfreulicher Erfolg unserer Aufklärungsarbeit zu buckzen ist, haben u. a. dre „Kölnische Zeitung". „Kölnische Volkszeitung", die „Rheinische Zeitung" und der „Stadtanzeiger" ieilrveise sehr ausführlich berichtet. Tagung des „Bezirks Sieg" des CcntralvereLnS. Am Sonntag, 2. Dezember, fand in S i e g b u r g die Tagung des Bezirks „Sieg" des linksrheinischen Landesverbandes statt. Der Besuch war so stark, wie man ihn seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Der Saal war fast zu llein. Rabbiner Dr. Neubaus in M ü l h e i m a. d. Nuhr sprach über. „Der Talmud und seine Gegner" und loste mit seinem einstündigen Vortrag begeisterten Beifall aus. Shndikus I a c v b y (Köln) berichtete sodann über gegnerische Bewegung im rheinischen Gebiet. Tie Tagung hat die jüdisch Bevölkerung des Siegbczirks aufs neue eng zusammcngeschlvsscn und den Willen zur geschlosienen Abwehr gestärkt. Der Vorsitzende des Bezirks, Lehrer Seelig (Siegburg), hat die Tagung mit Geschick und Wärme geleitet. Das Ergebnis -er wiener Rultuswühlsn. Während die zionistische Partei alle Mittel des Wahlterrors, wie sie selbst bei politisciM Wahlen kaum mehr geübt werden, zur An- Wendung brachte, während Bersamnüungssprengungen und ähnliche Machnrationen vor und am Wahltage an der Tagesordnung waren, hat die Union deutsch-österreichischer Juden trotz allem den Wahlkampf in einer Weise geführt, welche mit der eigenen Würde und der Kulrus gemeinde m Uebereinstimmung steht und sich insbesondere nicht zu jenen persönlichen Angriffen aus ihre Gegner Hinreitzen lassen, wie dies von den Gegenparteien leider getan wurde. Trotz allem ist wieder die Mehrheit der Wiener Judenschaft der Fahne der „Union" gefolgt und hat mit dem Stimmzettel in der Hand zu erkennen gegeben, daß sie die von der „Union" ausgegebene Parole ..Ausschaltung jeder Politik aus der Kultusstube" als die einzig mögliche Basis eines gedeihlichen Zufammenarbeitens in der Kultusgemeinde ansieht. Wohl hat die „Union" gegenüber ihrem früheren Mandcttsbesih eine kleine Einbuße erlitten, indem sie e in Mandat verlor, im großen und ganzen hat sie ihre überragende und einflußreiche Stellung innerhalb der Wiener Kultus gemeinde behauptet, was einen um so größeren Ersolg darstellt, als sich die übrigen Parteien im Angriff , die „Union" aber in der Bert eidigung befand; denn die Gegner find mit der Absicht in den Wahlkampf gezogen, die Kultusgemeinde zu „erobern". Nun, aus der „E r o b e r u n g der Kultusgemeinde" ist die Eroberung eines einzigen Mandates geworden. Daß diese Pläne unserer Gegner gescheitert sind, das ist vor allem der unablässigen und aufreibenden Aufklärungsarbeit der Kandidaten der „Union" zu verdarben. tvelche trotz persönlicher Anfeindungen und anderer häßlicher Mittel, mit welchen unsere Gegner den Wahlkampf geführt haben, aushielten und die Angriffe aus die Kultusgemeinde abschlugen. Hierzu konrmt. daß die Gegenparteien duvch eine energische Agitation ihren letzten Mann zur Urne bringen konnten, so daß ihre Wahlzissern mit der Zahl ihrer Anhänger unter der Kultuswähler-, schuft übereinstimmen, wahrend leider zahlreiche Anhänger der „Union", angeekelt durch den wüsten Terror, sich überhaupt nicht an der Wahl beteiligten oder aber durch die bereits erwähnten Mackpn- \dmten der Gegenparteien (Ausgabe ungültiger Stimmzettel usw.) irregeführt wurden. Tatsache ist. daßdie„Union"dieHälfieaHer3bVorstarrdsmandate und mit dem Vertreter einer mit der „Union" gekoppelten „Unpolitischen Vereinigung" die absolute Mehrheit in Kultusvorstand besitzt. Am wenigsten aber haben die Zionisten Grund zum Jubeln. Denn ihr hauptsächlichster Mcmdatsgew'mn geht aus Kosten der mit ihr alliierten misrachiftisck)en Gruppe, die der Zionistischen Liste ein Dttmdak einfach wegnahm. Während die Stärke dieser beiden vereinigten Parteien im abtretcnden Wiener Kultusvorstand bisher elf betrug, stellt sie sich jetzt auf 12 gegen 19 Mandate der Mehrheit; von einer „Erokerung", wie sie so gewalttätig angestrebt wurde, ist also sicherlich nicht zu reden. C. D^-Kalender 1929. Zum dritten Male erscheint zum Beginn des neuen Jahres, herarrsgcgebcn vom Landesverband Groß-Berlin des C. D., der Kalender, der sich von Jahr 3U Jahr größerer Beliebtheit erfreut, was schon daraus heworgeht, daß ihn auch andere Landesverbände unter Veränderung des lokalen Teils im Jabre 1529 zum ersten Male herausLringen. Der Kalender enthält außer dem Kalendarium zahlreiche kleinere Mittags über Geschichte. Ausgaben und Ziele des C. B., statistisches Material über das deutsche Judentum, die Krichstagswahlen im Jahre 1928, die Anschriften der Führer des C. V. sowie fast aller jüdischen Organisationen uud vieles andere. Das mit großer Sorgfalt zusammengestellt- und drucktechnisch klar gcgttedcrio Bändchen wird zahlreichen C-V ern ein Willkommenes Hilfsmittel bei ihrer Arbeit für das deutsche Judentum sein. Der Kalender ist gegen Voreinsendung von 55 Pfennig in Briefmarken durch das Bureau des C. V.. Landesnrbcmd Groß-Berlin, Berlin S~W 63, Lindcnsttaßc 13, III, zu beziehen.

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