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Central-Verein-Zeitung · 1928-12-21 · 51-52 (21.12.1928) · p. Seite 724

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
51-52 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
Seite 724 (sequence 4)
Language
German
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724 WH Die -neutrale* flllgcnreine StuSerttensihaft. Wir haben bereits früher in der „E. D.-Zeitung" sistgestellt. daß die „Allgemeine Studentenschaft" an der Berliner Universität nach der Auflösung durch den preußischen Kultusminister Becker alS privater Verein weiterlebt. Man brauchte also ihren Erklärungen und Entschließungen keine weitere Bedeutung beizumessen, wenn sie nicht eben ihren Namen immer wieder dazu benutzen würde, um unter dem Mantel der Neutralität die Oessentlichleit irrezusühren und sich das Ansehen zu geben, als ob sie noch amtlichen Charakter besäße. . Diese so „neutrale" Allgemeine Studentenschaft hat nun zufolge dem „Deutschen Tageblatt" vom 16. Dezember in einer Kammersitzung eine Entschließung angenommen, in der sie den Numerus clausus für „fremdstämmige Studenten" fordet. Dieser Antrag, der vom „Deutschen Tageblatt" chrrakteristischerweise überschrieben ist: „Berliner Studentenschaft fordert uumerus clausus" — also auch hier die Irreführung, als ob es sich um d ie Berliner Studentenschaft handle —, lautet: „Irr einer K amm erst tznng ver Allgemeinen Studentenschaft der Berliner Universität wurde ein Antrag folgenden Inhalts angenommen: .Das ungeheure Anwachsen der Zahl der fremdstämmigen Studierenden an den derrtfchen Hochschulen zwingt die Studentenschaft der Frrcdrich-Wilhcrm-UuivcrsitäL, dir Schaffung eines Ausnahmegesetzes zu verlangen. Es ist ein Akt der Notwehr und Gerechtigkeit, daß die fremdblütigen Studenten nur in einem solchen Prozentsatz an den deutsrt-en Hock?schulen - z «gelassen werden, wie der prozentuale Anteil ihrer Volksgruppe an der Bevölkerung Deutschlands beträgt« Die Studenten s t der größten deutschen Hochschule fordert destralb: An den deutschen Hochschulen ist ein numerms damms für fremdstämmige Studenten einzuführem.^ Merkwürdigerweise hat, wie das .berliner Tageblatt" vom 18. Dezember feststellL. die Allgemeine Studentenschaft auf eine Anfrage bestritten, daß der Antrag angenommen worden fei. und behauptet, er sei nur von der nationalsozialistischen Gruppe ein gebracht worden. Dem widerspricht aber die Tatsache, daß die kommunistischen Studenten, die Fraktion revolutionärer Sozialisten", die allein gemeinsam mit den rechts radikalen Studenten bisher noch die Allgemeine Studentenschaft bildeten, am 18. Dezember bereits an der Berliner Universität ein Flugblatt verbreiten ließen, in dem sie ihren Austritt aus der Allgemeinen Studentenschaft erklären, weil die Studenten- Vertretung der Allgemeinen Studentenschaft diesen Antrag ans vumerus clausus (.Ludensperre") beschlossen hätte. Ta die Vertreter dieser „Fraktion revoluttonärer Sozialisten" an der betreffenden Sitzung teilgenvmmen haben müssen und sich durch ihre Beschlüsse zu einem so energischen Schritt veranlaßt gesehen haben, scheint uns damit auch die Tatsach? bewiesen, daß die „neutrale" Allgemeine Studentenschaft den Beschluß gefaßt hat. Damit dürfte ein für allemal Klarheit über die wahren Absichten der sogenannten „Allgemeinen Studentenschaft" geschaffen sein. Der Münchener lvLffenrkng. Wie alljährlich, so f^nd auch in diesem Jahr in München an der Universität am 9. November eine Gefallenengedenkfeier ftot* zu der alle Korporationen und Studierenden geladen rcvarro. Der Münchener WaffenrLng lehnte die Beteiligung an der Feier ab. nacktem er erfahren fyatfev daß auch die jüdischen Korporationen geladen seien. Do sich dis katholischen Korporationen wegen eines zu gleüher Zeit statt findenden SenwfteranLrittEgotteM.eList^ an der Feier eben falls nicht betei-lMn konnten, mrterNieö das Chargieren der Korporatrorren überimupt. In einer Erklärung im .Lölkifchen Beobachter" versucht dev Waftenring sein Derhallerr dadurch zu rechn fertigem daß er schreib^ er könne sich nicht in eine Front» stellen „mit den Vertretern des Geistes, der unsere Loten verraten hat". Er stellte nämlich u. a. in einer Front marchieren mit dem NeichÄnrnd jüdischer Frontsoldaten der bek-a-mcklich Ln sinne Reihen nur den tmfw.mmk. der mindestens fünf Mrwcrte Ln der Feuerlinie gestanden hat. Abgesihen von der Beschimpfung des jüdischen VcDölkeruuMeiis vnd der jirdischen Krieger und Eesirüenen. begeht der Wasserrring Ln der gleichen Erklärung eine unentischubdb^re Zitaten- Fälschung. Es hcäsit dort nämlichen den Reihen dieser Verräter aber befanden sich eine über- " große Zahl inmrd auMndiicher Juden (ReichsgeTichLs- «rtscheidung 1923), darunter der M größter politischer DerLreter des Judentums anerLnmtr NaLhenau, der sich siLbst bcdxvd brüstete, dis RevMrttsn gemacht zrr haben." Dress <mgrbIÄ)S Aeußerrmg R^ihen-auL ist uns völlig mrbekarmt mrd korrnbe von uns niiVendZ gefunden werden. En-nooder ist sie entstell t. oder sie ist er frrnden* Die angezo^ne Keick^erichZerüscheidrrng aber pellt eine Fälsch irr. g dar, da rÄr rncker Arsführungszoichen gesetzter Satzteil Ln ernem gang anderen als den ursprünglichen Zusammenhang gestellt wird. IN dem offenbar gemeinten ÜrteiL des Reichsgerichts vom 22. Juni 1923 (1 v 459/23). adzcdruckt ln ^Die Justiz". Band I.' 1925/26, Seite 520. heißt c§ nämlich bei der Erörterung der verschiedenen möglichen Bedeutungen, dos Ausdrucks Judenrepublük: „Gemeint kann sein (von uns gesperrt. Die Schrift lertung) die neue Recl>^ u-nd GesillfchoflSordaung in Dcutschla-nd. die unter hervorragender Beteiligung deutscher und ausländischer Juden ausgericiM wurde." Unter falscher §lagge. Die N..S.D.A. P. hatte im .Mitten er Tageblatt" vom 12. Dezember d. I. außer ihrer eigenen Anzeige eine weitere Annonce aufgegeben, in der es u. a. hieß: „Geschäftsleute, Handwerker beteiligt euch an der Massenkundgebung (an welcher, wird nicht gesagt. Die Schriftleitung)... Mitglieder vom Jnnungsaubschuß und Verein gewerbetreibender Kaufleute." Die also von der N.S. D. A. P. in Anspruch genommenen Verbände veröffentlichten schon am folgenden Tag eine Gegenerklärung folgenden Wortlauts: »EcfScntliröe Irreführung und gröblichen NarrrenSmltzhranch verreibt Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei. die unbefugterweiie die Namen unserer wirtschaftlichen, volilischneutra!en Organisationen in einem öffentlichen Aufruf zur Teilnahme an einer Barteikundaebuna 6o fehr Dir hinter uns stehenden Kreise mit dem Vortragsthcma: „Die Vernichtung des Mittelstandes durch Warenhäuser und Sonrurngenonenschaireneuch sympathisieren werden, so können wir doch keiner Partei gestatten. in unlauterer Weise unseren Namen ju mißbrauchen. Wir werden hiergegen mit oller Entschiedenheit vorgehrn. Znmrnsseursschuß. Verein der gewerdeiretdenden Ltaufleute.E Beispiele von ähnlickzen ..Irreführungen", Verleumdungen und Unwahrheiten könnten noch unzählige angeführt werden. Es muß schlimm um den inneren Wert eine Partei bestellt fein, die gezwungen ist. zu solchen Kampfmethoden zu greisen. Wechnachtsbopkoü. In Königsberg 1. Pr^ ließen die Nationalsozialisten Möbelwagen durch die Straße fahren, die zum Boykott gegen jüdische Geschäfte. Warenhäuser, Konsumvereine usw. in aufreizender Weise aufforderten. Die angegriffenen Firmen erwirkten eine einstweilige Verfügung, durch die den Nationalsozialisten dieses Treiben verboten wurde. Auch anderswo hat man in der üblichen Art den sogenannten -.^Voihnachtsboykott" versucht. Besonders gehässig rveist ein in Osnabrück verbreitetes Flugblatt den Käufern in einem Stadt plan den Weg. den sie nicht zu gehen haben: Es zeichnet Ln die Hauptstraßenzüge die jüdischen Gefck)äste ein. Auch hier sind die notwendigen Zivilrechtlichen Maßnahmen zur Unterbindung dieser Boy kottaufforderung eingeleitet. Eia böser Irrtum. An den falschen geriet der Bauunternehmer Oskar Hafner aus Neustadt bei Kodurg. der dem protestantischen Pfarrer Glenf aus Nelkendors mli den Worten „Das ist ja ein Jude' eine Ohrfeige gab. nachdem er ihn vom Auto herab nach dem Weg gefragt halte. Die „Fränkische Dolktztridüne" in Bayreuth bemerkt zu dieser Heldentat: ..Diese gemeine Tat ist wieder ein Beweis dafür, wie weit Mora! und Anstand in den von völkischer Hetze durchseuchten Dolkskreifen schon gefunken sind. Tie völkischen ,Vo!kserneuerer* können auf diese von ihnen nach dieser Richtung immer wieder angewandten Methoden, die letzten Endes dazu führen, daß aus der Straße vor diesen Rowdys niemand mehr sicher ist, wirklich swlz sein." Ein Begleiter des geschlagenen PfarrcrZ konnte sich die Erkcnnungsnummer des Autos merken, so daß der Täter, der wohl seine verdiente Strafe erhallen wird, rasch ermittelt werden konnte. f£in Fenster der SynsgsgengemeinDr Gunzenhause« wurde Anfang Dezember durch Steinwürse zertrümmert. Die KrrltuZgemernde hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 50 Mart aussesetzt. Wir hoffen, daß es gelingt, Len Täter dem. Gericht zur Aburteilung zuzuführrn. KnhänZ!ich?eiL. In feierlicher Sitzung, unter Anteilnahme aller Krrife der badischen Bevölkerung und darüber hinaus des deutschen Volkes, hat der amerikanische Botschafter Schur man am 17. Dezember der Unrdersitä! Heidelberg bOV ÜVÜ Dollor übergeben, die zur Errichtung neuer Institute dienen sollen. In seiner Ansprache gab Schurman die Namen der Spender bekannt, die durch ihre Opserwilligkcit ihre Anhänglichkeit en ihre Heimat oder an die Stätte, in der sie zu Füßen deutscher Eclehrker gesessen hatten, bekundeten. Unter ihnen sind Nockeselldr, Baker. EnryAer, Marburg, Schniewind, Speyer urrd viele andere. Wir i£iyL'-:r rüchh MB dir völkische Studentenschaft diese Spende, die auch .aus „jüdisLyen" Händen kam, zurückweisen wird, und wir dcgrüßcn das als ein Zcichcrr beginnender Einsicht, daß in der Wlssiuschast nur das Misten vnb Xx& Können gelten.

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