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Central-Verein-Zeitung · 1928-12-21 · 51-52 (21.12.1928) · p. Seite 723

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
51-52 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
Seite 723 (sequence 3)
Language
German
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Arn 22. Dezember jährt sich der Todestag unseres unvergeßlichen Eugen Fuchs zum fünften Male. Dieser Tag ruft sein verklärtes Bild, in unser Gedächtnis. Eugen Fuchs ist es gewesen, der zuerst mit besonderer Kraft des Gedankens dis Notwendigkeit betont hat, den Menschen zu schaffen, der Deutschtum und Judentum in seiner Person aufs innigste vermählt. Er ist es gewesen, der bewiesen hat, wie tiefste jüdische Innerlichkeit, warmernpfundenes Judentum mit dem Deutschsein durchaus übereinstirmnen können. Er ist es gewesen, der die Treue zu Glaube und Heimat nicht nur in seiner Person verkörpert, sondern uns aüen, seinen Anhängern und Schülern, die Notwendigkeit, treu zu sein, zur Fahne Zu halten und zur Heimat zu stehen, immer wi^er eindringlich bewiesen hat. Jnnerjüdische Gegner beriefen sich oft genug auf ihn, leider nicht immer, indem sie seine Lehre richtig verstanden haben. Man hat vielfach Mßbrauch mit Eugen Fuchs getrieben, obwohl er geschrieben hat: „Wir deutschenJuden, undinsbesonderewirC. V. er, wollen nicht bloße Staatsbürger, sondern deutsche Volksgenossen sein, die deutsch fühlen und deutsch denken, und wir sind es!" Für die Würde unserer jüdischen Gemeinschaft, für die Heilighaltung ihrer Ehre ist Eugen Fuchs stets eingelreten. Und er hat bewiesen, daß man das kann, ohne auch nur im entferntesten seine Pflicht dem Vaterlande gegenüber aufzugeben. So steht seine Persönlichkeit vor uns als die eines großen Mannes, den wir lieben und verehren werden, solange wir leben, und dessen Geist die Jahrzehnte überdauern wird. L. H. Im Vhilo-Verlag erscheint tat diesen Tagen arrS Rnlatz des fünften Todestages von Enge« Fuchs ein Neudruck seines de rühmten Vortrages „Glarrve nnD Der Sohn deS Verewigten, Kechtsanwatt Dr. Franz Eugen Fuchs, Hst der Schrift seines Vaters ein Varwort gewrdMet, das wir nachstehend hier wiedcrgeben. Wenn heute die Schrift „Glaube und Heimat" wieder erscheint, so beherrscht den Schreiber dieser Zeilen das Gedenken an den Tag vor fünf Jahren, da sein Vater dcchinging. Der Leser wird sich auch einer anderen Zeitspanne bewußt: des Jahrzehnts, das seit dem Ende des großen Krieges vergangen ist. Zehn Jahre, „die die Welt erschütterten", und die insbesondere das Verständnis erschütterten und vernichteten für vieles, was im Kriege getan, gesaA und geschrieben wurde. „Glaube und Heimat" ist im Kriege, im Sommer 1917, geschrieben. Es laßt seine Entstehungszeit erkennen, aber es ist nicht für den Krieg geschrieben. Aus alten und neuen Kämpfen mit rnchtjüdischer und jüdisch) r Urnwelt heraus geschaffen, aus Kämpfen, die zur Klärung und Besinnung zwangen, brachte „Glaube und Heimat" die Erkenntnis vom Wesen desdeutschn Jrrden. Wie manch lebendige Belvegung ihre Ziele erst in der Urmvelt bestätigte, ehe sie die Frage nach ihrem Wesen klärte, wie häufig auch im Leben des einzelnen zuerst der praktisch Kampf um das ethisch Ziel, dann erst das erkenntnis-theoretische Studium ein setzt, so war es der im Centralverein zusammengeschlossenen deutschen Judenheit ergangen. Fast ein Dierteljahrhundert hatte sie im tätigen Kampf mit der antisemitischen Umwelt gestanden. Tie Auseinander- Setzung mit den Zionisten seit dem Jahre 1913. die dadurch geschaffene Verbreiterung und Gliederung der Kampffront machte die Wescnsfrage akut, deren Lösung sich schon der einzelne innerlich bewußt gewesen sein mochte, die aber der-Gemeinschaft und der Umwelt noch nicht zur Klarheit gebracht war. Und als dann, nach dem Zurücktreten innerer Streitfragen in der ersten Kriegszeit, die Auseinandersetzung verstärkt einsetzte, als btaLionalitäLenproblerne. insbesondere die Probleme des nahen Ostens rmd seiner Juden, auf die deutsche Judenheit einstürmten. wurde die Antwort dringendstes Gebot. Sie ist in ..Glcurlv und Heimat" gegeben. Sie würde heute nicht anders gegeben rverden können. Soviel sich seit damals auch Juden und Nichtjuden, Politiker, Philosophen und Literaten mit dem deutschen Juden beschäftigt kpben, so sehr auch die Terminologie gewechselt haben mag und wechseln wird, die Weserrsfrage kann niemand anders beantworten. Die Antwort geht ans von der einfachen Prüfung dessen, lvas ist: der objektiven und der subjektiven Kriterien des deutschen Juden: der objektiven Kriterien, die Abstammung. Heimat, Sprache, Religion, Kultur . ZWA MMsZI TsLZAöMgO ' &m GzZSrm FZmDs. gegeben haben, des subjektiven Kriteriums des durch alle diese Atomente gebildeten Willens. Und aus dieser Prüfung ergibt sich dis Feststellung dessen, was den Juden deutscher Volksgemeinschaft bestimmt. Es ist das Primat des Willens gegenüber den bloß objektiven nicht von ihm beseelten natürlichen Gegebenheiten. Sein Wille führt den deutschen Juden zur deutschen Volksgemeinschaft und macht ihn zum Deutschen von Nation. Sein Wille laßt ihn aber ebenso für die Erhaltung jüdischer Religion und Stammesart eintreten als für lebensnotwendige untrennbare Bestandteile seines Selbst. Aus der Erkenntnis des einzelnen von seiner Art, seinem Glauben und seinem Willen, aus nichts anderem will „Glaube und Heimat" das Wesen des deutschen Juden herleiten und kann das Wesen des deutschen Juden hergeleitet werden. Aber „Glaube und Heimat" bringt mehr als die Klärung von Begriffen, mögen es auch die Iundamentalbegrrffe des deutschen Judentums sein. Ein „Selbstbekenntnis" ist es genannt worden, und dies ist es auch. In ihm bekennt sich der stete Trang des Kämpfers, es nicht mit dem Kampfe genug sein zu lasten, sondern für das Umkämpfte zu schaffen und positiv zu wirken. .Lörr müsten für dir Gleichberechtigung der Judenheit eintreten. um der Gleichbewertung des Judentums wegen": dieser alte Leitsatz wird mit besonderer Eindringlichkeit wieder in „Glaube und Heimat" ausgesprochen. Das Einsetzen für die GleiMerechtigung erfordert unablässiges Streben nach Belebung des Judentums und Förderung seiner Erkenntnis. Darum wird ja auch die Wesensfrage. deren Klärung ein Teil der Erkenntnis des Judentums ist, also dringend empfunden. Viele haben nur den Kampf für die Gleichberechtigung des einzelnen Juden geführt,- ihnen mochte positives Wirken für das Judentum bedeutungslos sein. Im bewußten Gegensatz zu ihnen hat der Centralverein und haben seine Führer den Kampf nicht für den einzelnen Juden, sondern stets für die Judenheit geführt. Nur so wurde die Bewegung der selbstbewußten deutschen Juden vor dem bewahrt, was die Zionisten häufig von ihr behaupteten, daß sie ihre Existenz nur dem Antisemitismus verdanke. Ern Jahr nach dem Erscheinen von „Glaube und Heimat" war ein großer Teil der äußeren Ziele des Dorkriegskampfes teils wesenlos, teils erreicht. Ilm den Reserveoffizier, den Landgerichtsdirektor und den Notar und wie alle die Stationen der Rechts- Verkümmerung für den Juden im kaiserlichen Deutschland lauteten, konnte der Kampf nicht mehr geführt werden. Ter Kampf für die Judenheit ging in tausendfältigen Formen weiter. Und wenn ihr heute die furchtbare Gefahr droht, zur Passivität verurteilt zu werden, weil die völkisch Bewegrmg in stets fortschreitendem Bemühen um die. innere Zersetzung des Volkes sich dem Kampf mit den deutschen Juden nicht mehr stellt, so ist es ernstestes Gebot, wollen wir nicht zu bloßen Objekten des Kampfes werden, uns des Dekenntnistes von „Glaube und Heimat" zum positiven Schaffen für die Gleichbewertung zu erinnern. Noch in einen: anderen Sinne ist „Glaube und Heimat" Selbstbekenntnis. Bringt die Sdjrift die Klärung der Begriffe, zeigt sie den prinzipiellen Gegensatz unseres und des zionistischen Jbelrls. so tritt sie doch gleichzeitig für eine Läuterung des innerjüdisthen Kanrpfes ein, weist und erhofft am Anfang und am Schluß die Möglichkeit zmn praktischen Zusannnenarbeuen aller deutschen Juden in bestimmten Fragen. „Nachdem ich meinen Aufsatz .Glaube und Heimat' die Gegensätzlichkeit der Weltanschcumng scharf herausgeschält habe, können wir mit den Zionisten da zusammeugehen, wo die Gegensätzlichkeiten der Weltanschauung nicht in Frage kommen", heißt es in einem Briefe aus dem Januar 1918. Die Ausschaltung inneren Kampfes dort, wo ihn die Dersch'edenheir der Ideale nicht notwendig macht, ist nur ein praktisches Ziel. Die Hoffnung auf die Erreichung dieses Zieles oft getäuscht. Ter Enttäuschung, die in „Glaube rmd Heimat" selbst an einer Stelle zum Ausdruck kommt, ist eine cnrdere unendlich stärkere gefolgt, als der Ausgang des Krieges den Kampf wieder notrvendig machte und zu ungeahnter Glut entbrennen ließ. Aber der Kämpfer ist Enttäuschungen gewöhnt und läßt sich durch sie nich vom Wege abbringen. Und so sehr er die Notwendigkeit des Kampfes bejaht, so heilig bleibt ihm in allen Fragen das Bewußtsein einer höheren Einheit. _Berlin, den 22. Dezember 1928. Frarrz Erzgerr Fuchs. Aus technischen Gründen erscheint Diese Ausgabe als Doppelnrrrurner. Die nächste Nummer erscheint am 4. Januar.

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