Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- Seite 707 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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707 Zwei Uraufführungen. vujchr'nskps ^November in Gesierreich^. 1914-1^20. Uraufführung im Berliner Renaiffance-Theater. Hatte man das Recht, in dent ständigen Neuaustauchen jüdischer Figuren und Episoden in modernen Bühnenstücken Zeichen des wachsenden Wunsches nach klärender Auseinandersetzung zu sehen. so dürfte man diese Zeiterscheinung mit reiner Befriedigung beobachten. Alles aber, was nach Mode schmeckt, erregt selbst dann Mißtrauen, wenn es sich um Tatsachen handelt, denen man gern zustimmen möchte. Und „Juden auf der Bühne" sind heute Moke. In „November in Oesterreich" finden wir Juden nur als Träger von Episodenrollen. Dieses Stück — es wäre viel mehr darüber zu sagen, als in diesen Blättern gesagt werden soll —, das das Chaos der Zeit da Packt, wo es am verworrensten ist, das heutige Kunst, Gegenniartsgestaltung zu geben versucht, würde den ZerthinLergrnnd lückenhaft zeichnen, wenn es nicht auch jüdischen Einfluß spüren ließe. Gerade in Oesterreich durste wohl nicht daraus verzichtet werden. Daß dieser Einfluß nur dort gezeigt wird, wo er wühlt und erschüttert, nicht aber dort, wo er gestützt und geholfen hat. wird von böswilliger Seite sicher in der üblichen Weise gegen das Judentum ausgenutzt werden. Wir würden auch diesem neuen Versuch, der Volksverdummung mit billigen Verallgemeinerungen Vorschub zu leisten, mit Fasiung entgegensetzen. Denn für uns und für alle, die nicht durch die Zerrbrille der Partei selben, ist das eine klar: Selbst wenn man daran geht, dieses Stück dramatischer Kunst an dem höchst bedenklichen Maßstab politischer Gerechtigkeit zu messen, wird man den Autor nicht anklagen dürfen. Sind nicht die Schiebergeschäfte dieser Offiziere viel schlimmer als die der jüdischen Händler, weil sie von den b e r u f s nr ä ß i g e n Trägern der vaterländischen Verteidigung und der nationalen Ehre begangen werden? Wirkt nicht diese Unterschlagung und Verwucherung von Heeresgut durch diejenigen. denen cs kraft ihres Amtes anvertraut war, geradezu als Provokation gegenüber den armseligen .Luftmenschen". denen zum redlichen Erwerb im ausgesaugten. warenentblößten Lande jede Ha ns ohn Geschichte der nationalen Bewegung im Orient Dös neue Standardwerk über den e mach enden Oäien aus dem Kurt Voxinckel Verleg, Berlin-Granexva Id. Leinen M. ei/tp“* Möglichkeit fehlte? Wir wollen diese Schatteneristcnzen jeder Herkunft gewiß nicht verteidigen. Aber die Wahrheit gebietet zu sagen, daß sie beiden Seiten in gleicher Weise zur Unehre gereichen. Dem Autor reicht jedoch diese soziale Gegenüberstellung nicht aus. Er vertieft sie ins Seelische hinein, indem er den jüdischen Oberschieber Blaustein in einer erschütternden Szene Rechenschaft darüber ablegen läßt, weshalb ihn keine innere Bindung in seinem skrupellosen Aufstieg zu Geld und Macht gehemmt hat. Die Frau — ein Opfer der Kälte und der Not, der Vater in Galizien — tierisch gequält und gemordet, nicht von Nüssen, nein, von eigenen Landsleuten? Dieses Erleben hat seine Seele gebrochen, wie cs in abgewandelter Form die Seele aller gebrochen hat, die es erfahren mußten! Als — glaubhaft oder nicht — die Oual einer sinnlosen Zeit aufschreit in den Worten eines ausgestoßenen jüdi'chcn Schiebers, da weicht selbst der hohe Offizier, der soeben noch haßte und wütete, der Einsicht. Er starrt zu ihm hin und stammelt: „Ter Jud' hat recht?" Wir sagen zu diesem Urteil weder ja, noch nein: denn wir wollen ihm keine AllgenwingüliigkeiL Anerkennen. Wir möchten aber dis Szenen, deren Abschluß es bildet, so verstanden wissen, wie sie verstanden werden müsten. wenn man die Inflation an jüdischen Bühnengestalten nicht als Zugeständnis an die Sensationslust der Zuschauer ausfassen will: als ehrliche Auseinandersetzung mir einer immcw rmch zu wenig gekannten und zu wenig verstandenen, bedeutsamen Zeitfragc. ~ Dr. E. Jrrrrgmann. DAS BESTE, WAS MAN SCHENKEN KANN j i f Neuerscheinungen Herbst IQ28 30 NEUE ERZÄHLER DES NEUEN RUSSLAND Eine kthsstkrfedb vie historisch Lcdcoäasao Sammlung Junger russischer Prass, 800 Seilen. Kart. 550, Leines S^~ Hja Ehrenburg DIE VERSCHWÖRUNG DER GLEICHEN Das Leben des Gracchus Babeuf Historische Biographie mit viele» Dokumenten und Bildern 300Seiten. Kart 2-So Leinen 4.80 Maxim Gorki MÄRCHEN DER WIRKLICHKEIT 39 Erzählungen aus Italien-. und Rußland ‘ 32 Sehen Kart Z.— Leinen S— DAS BLAUE LEBEN’ 9 Novellen aus der }£npim Schalfenspcrk>de Gorkis 4’X) Scheu KerL3-— Leinen S"** Upton Sinclair DER SÜNDENLOHN Studie über den amerikanischen Journalismus S&OSdtca KartiSo Leinen4-80 ■F.C. Weiskopf WER KEINE WAHL HAT, HAT DIE .QUAL' . 4 Novellen «ss deaa Volksleben In der Tschcscho^Jo 200 Seiten. K&rt 2-40, Leinen %So Bücher, die sich jeder wünscht Wem Eigner NACHT ÜBER RUSSLAND l^beaserteserungea einer Revolutionärin YßUstäodigc Ausgabe mit 26 Bildern Kart 550, Leinen 8.— Alexandra KoUcntag WEGE DER LIEBE Z Növcllen Cher Liebe tmd Ehe In Sovjet-Rußland Kart, 3-50. Leinen 6.52 . Leo Tolstoi ANNA KARENINA Ungekürzte Ausgabe dr 2 Bänden Deutsch von Arthur Luther Io Leines beide Bände 7-60 Iija Ehrenburg MICHAIL LYKOW Eia Helden- und Schlebcrromas aus Sowjet-Ruillar.d Kart 4-80, Leinen 7.— Konstantin Fedin STÄDTE UND JAHRE . 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