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Central-Verein-Zeitung · 1928-12-14 · 50 (14.12.1928) · p. Seite 706

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
Seite 706 (sequence 6)
Language
German
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706 lBk Las vuüberttronene Sotel. das als einziges Kochdrunnen-BadbauS Wiesbadens direkte dovveltstarke Zuleitung aus dem weltberühmten Kochdrnnnen erhäle. floHlB11* Kochdrnnnen erhält. Palasfi-Hofel Badhaus Wiesbaden. i ■ Cfö *XY\ O 5mr>- \ Q TT? nnN rrtrf nn'T»r >! M.i 1n QT? Doller Winterkirr-Betrieb. 200Zimmer von 2 b'^s 3M. und mit voller Pension 12 bl3 15SP?, einfdjLSbermalbcbunbSrintfur(SStnterpreife), BesitzerundLrirer: £tto Sdjltf. **/ „Die Emigration bat indessen ihre bestimmten Grenzen. Tie Erfahrungen vieler Jahrzehnte haben die Unrichtigkeit und Lderstachlichkcit der Behauptung erbracht, daß die Auswanderung eine Lösung der Zudensragc mit sich bringen könne. Natürlich vermag die Emigration zeitweilig eine gewisse Lmdcning zu bewirken, keinesfalls aber kann sie eine Lösung des Problems, und sei cs bloß zu einem Teile, bedeuten. Nngcachtrt des Massencharakters — ja der bisweilen zur Masicnslucht gesteigerten Auswanderung, konnte dicke nicht einmal den natürlichen Zuwachs der jüdischen Bevölkerung absorbieren! Tie Millioncnmasicn verblieben schließlich doch in ihren alten Wohnorten und mußten dort die Lösung des Grrmdprvblerns suchen, vor das sie sich gestellt sahen." Und augenblicklich ist, seit mehreren Jahren schon, — aus Grund der SowjebBestimmungen — selbst eine geringfügige Judenauswandcrung aus Rußland unmöglich! VN. Emanzipation der Juden in ihren Heimatländern bleibt unser letztes Wort, wie Emanzipation der deutschen Juden in Deutschland unser erstes Wort war. Es stört uns dabei nicht, daß die Juden in den Ostländern sich, wie bereits bemerkt, zurzeit noch als Nationalitäten empfinden. In dem kürzlich hier besprochenen, von der zionisti> scheu Prepe bisher beharrlich totgeschwiegenen, aus Gcdankcngäugen von Constantin Brunner fußenden Buche .Los vom Zionismus"^) führt Ern st Ludwig P i n n e r überzeugend aus, daß die einzelnen jüdischen Nationalitäten in Polen, in Litauen, in Sowsckrußland, in Rumänien usw. nicht leichtfertig als einheitliche jüdische Nation zusammengesaßt werden dürfen: jede von ihnen ist MinderheitsnaLionalität in ihrem besonderen Heimculand. llnd, um bei dem konkreten Beispiel Rußland zu bleiben: die Juden in Rußland find eine Minderheitsnationalität im russischen Staat, betrachten sich so und werden so auch von den SowjeLbeHörden betrachtet. Siugakowfky (Seite 42): „Tie Landzntcilung ist fein Scmdcrprivlleg der Juden, sondern eine Maßnahme, sie der Gesamtbcvölkerung glrichzustellcn und ihncn Lebens- und Arbcitsmöglichkeiten zu gewähren.* „Eins Maßnahme, sie der Sesamtbevölkerung gleichzustellen* — das nennen wir Emanzipation! VIII. Ob die östlichen Lander Nationalitäteu-Staaken bleiben oder sich, wie Deutschland, Frankreich, Italien zu Nationalstaaten konsolidieren werden? W i r hoffen und glauben cs, und dann wird — in jedem der Ostländer besonders — auch die jüdische Nationalität in der jeweiligen Gesamtr-anon ausgehen, und übrigbleiben wird die jüdische RÄigionsgcmcinschafr mit ihrer mehr oder minder besonderen soziologischen Struktur. Dann war das jetzige Ausbauwerk im Osten die Vorstufe der Emanzipation. Öder die Ostländcr bleiben (was der Schreiber dieses allerdings stark bezweifelt) Nationalitäten-Staaten, dann werden ihre Juden Nationaljuden bleiben und dann ist das dortig^ Aufbauwerk bereits die Emanzipation selbst. Folgende ^ätze Singalowsllgs könnten, auf deutsche Beryältnipe übertragen, in jeder anderen E. B.- oder Philo-Broschüre stehen: „Sobald der nichijüdische Bauer den Ernst, mit dem dcr jüdische Kolonist seinen Berus ausübt, erkannt hatte, verschwand auch seine ursprüngliche Skepsis gegen diese für ihn ungewohnte Erscheinung: der Jude hinter dem Pflug. Immer mehr lernte der christliche Bauer im jüdischen Kolonisten seinen Standcsgenosscn erkennen, der die gleichen Freuden und die gleichen Leiden bat wie cr selbst, dcr sich gleich ihm im Schweiße seines Angesichts abmüht, und ebenfalls von den Launen der Nalur abhängig ist.' (Seite 42.) IX. Hat dcr E. B. ,.z u gelernt*? Vielleicht insofern, als cr außerdeutsche Verhältnisse in seine Betrachtungen cinbezieht. — Hat er „um gelernt* und macht er sich zionistische Argumente zu eigen? Nein, denn alles Nationaljüdisch? in Siugalowflys Schrift ist für die jetzigere Verhältnisse in den östlichen Ländern, und nur' für sie, zutreffend. wird auf die Verhältnisse der deutschen Juden nicht äuge wendet und ist überdies durchaus — unziouiüisch. Wir unterstützen dies Werk genau so, wie wir ein unzwnistischcs Palästina-Werk als Leillösung des Judeuproölems unterstützen: Teil das heißt aber: Teil der jüdischen Gcsamtkokouisation; für diejenigen. die andcrwärtZ nicht verwurzelt und emanzipiert werd-en können, soweit das Land sie ausnehmen kann — und ferner Hilfe für die, die schon dort sind. X. Einst führte Resignation und Verzw-eMung gegenüber der Emanzipation zum Zionismus. Man hielt sie im Westen für nicht vollendbar, im Osten überhaupt für^ohne jede Aussicht und man begann — ein Land der Juden mit vcr Seele zu suchen. Aber die Emanzipation *) Zrn I. Äcuffinann S3*:nag, ^anfran a. T?., besprochen von Stadt- -taHmttt Dr. % a*t I lieget CSnmqcrt) in bir „<T. B.-Zcituna" Nr. 45 vom 9. Noveinbrr 1928 kam, kam auch in den Ostländern: die Juden Polens und Sowjetrußlands stehen — auch dies kann man in der vorerwähnten Pinnerschen Schrift Nachlesen — bereits mitten im Emanzipationsprozeß. Sicht nun Dr. Simon in der Rußlandkolonisation ein „nationales" Werk inr zionistischen Sinne, so bleibt ihm und anderen Zionisten die Mitarbeit an dieser rein praktischen Aufgabe ^unbenommen. Uns ist es Emanzipationswerl ganz im C. B.-Sinne; darum unterstützen wir es, und nur die Zukunft vermag zu entscheiden. wer recht hat. XI. „Tie .C. D.-Zci!unp/ wird, falls tte antwortet, düs antworten. Tcr Philo-Dcrlag hat nichts mit uns zu tun, er ist ein selbständiges Geschäfts- Unternehmen, rein zufällig irr Bureau- und Pcrsvnalgcmcinschast mit uns- Wir kennen diese Weise, wir kennen den Text, wir kennen die Herren Verfasser."' Mit dieser Prognose beginnt Tr. Simon den letzten Absatz seines gegen uns gerichteten Artikels. Und unsere jüdischen Weisen lehrten, seit der Tempelzerstörung sei die Gabe der Prophetie ans die Kinder und Narren übergegangen. Lanöcsverbanösversammlung in Mannheim. Die Tagung des badischen Landesverbandes des EentralvereinZ in Mannheim war außerordentlich zahlreich besucht. Fast alle Ortsgruppen des badischen Landes waren vertreten, und cs war besonders erfreulich, daß weite Reisen nicht gescheut wurden, um den Vorhand' langen beizuwohnen. Sie gestalteten sich allerdings auch besonders wertvoll. Ter Vorsitzende des Landesverbandes Baden. Rechtsanwalt Dr. Jakob Marx (Karlsruhe), konnte über dio ungemein bedeutsame Tätigkeit des Verbandes im abgelaufenen Jahre in allen Einzelheiten berichten. Er konnte seststellen, daß bei dem bekannten freiheitlichen und im besten Sinne humanen Charakter der badischen Bevölkerung doch hie und da in recht unerfreulicher Weise judengegnerische Hetze sich breit macht, und er konnte zeigen, wie die Leitung des Landesverbandes im Einverständnis mit dev Leitung der einzelnen Ortsgruppen überall bestrebt gewesen ist. in Ruhe, aber mit Nachdruck, Recht und Ehre unserer Freunde zu wahren. Direktor Dr. Holländer berichtete über die Lage im Reich und legte insbesondere"die Grundlage zu der Erkenntnis der außerordentlich starken Problematik, die heute noch mehr als in früheren Jahren Dinge aus unserem öffentlichen Leben, die man allgemein als feststehend ansieht, ersächlterr und uns erkennen läßt, daß der große Wendepunkt der Zeiten in keiner Weise überwunden ist. Tie jetzige Politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands, ebenso wie einzelne besonders hervortretende geistige Strömungen geben Gegnern, die nicht immer gewchenlos zn sein brauchen, sondern die vielfach falsch unterrichtet sind, Anlaß, gegen die jüdische Blinderheit anzurenuen, deren Aufgabe ist. sich unter Zugrundelegung ihrer weltanschaulichen Einstellung, nämlich dcr Verbundenheit zwischen Deutschtum und Judentum, gegen alle Angriffe zu wehren. Eine viclstrmdwe Aussprache, in der grundsätzliche und mehr örtliche Fragen ausgiebig erörtert worden sind, brachte Wesentliches zutage, so daß die Teilnehmer mit neuen Anregungen und Ausgaben reich versehen in ihre Heimat zurückkehren konnten. Biele besuchten noch die an demselben Abend anberaumte. überfüllte Versammlung der Mannheimer Ortsgruppe unseres C. B.. in der Professor Dr. Gold sie in (Darmstadt) über „die Geistigen und die Judenfrage*, Direktor Dr. Holländer über „Volk, ^taat, Nation und Nationalität" berichteten. Es war erfreulich zu sehen, in welchem Maße sich die Mannheimer Bevölkerung innerlich an den Gedankengäugen der beiden Redner beteiligte und mit welchem Dank sie die Ausführungen entgegennahm. Alle unsere Freunde haben Anlaß, dein Vorsitzenden unseres badischen Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. M a r x. ebenso wie dem Vorsitzenden und Schriftführer der Mannheimer Ortsgruppe, Rechtsanwalt Tr. B a ch e r t rmd Dr. Arthur L e h m a n n, für ihre großen Bemühungen im Jntrrep.e der Sache zu danken.

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