Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- Seite 704 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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704 wanken löffcnl Adolf von Harnack und Wilhelm von Scholz. Walter von Mols und Vizeadmiral Gal st er haben in diesen Blättern die Stimme ihres Gewissens sprechen lassen. Andere werden folgen. Vielleicht ak-er hört die ..Deutsche Tageszeitung* auf das erregende Schreiben des e v a n g e l i s ch -! u t h e r i f ch e n Landeskirchenamtes in Hannover, das. als in Harburg kürzlich ein indischer und ein christlicher Friedhof verschimpfiert wurden, den Oderpräsidenten von selbst nrn energische Schutzmaßnahmen bat und mir diesen Worten den Brief einleitete: „Welches auch immer im einzelnen die Motive der Täter gewesen sein mögen. KveiseUos gehen diese Untaten über den Begriff des groben llusugs weit hinaus und zeugen in so hohem Maße von roher und niedriger Gesinnung, daß diese Taten uns mit der allergrößten Sorge und mit tiefer Beschämung erfüllen müncn. . .* („Hannoverscher Courier**, 80. November 1028.) So^ sprechen die Vertreter wahrer Religiosität. Der „Deutschen Tageszeitung* Sorge ist es. für 69 geschändete Friedhöfe uns etwas am Zeuge KR flicken. A. W. ¥ Cm trauriges Zeichen für die Gesinnung natronolsozialistischcr Kreise ist folgender nur wenig bekannter Vorfall, der sich kürzlich im oderbaycrischen Kreistag ereignet batte. Der Vorsitzende gedachte der Verdienste des verstorbenen sozialdemokratischen Kreisrats Nußdaum, und der gesamte Kreistcg erhob sich zrrr Ehrung seines Andenkens. Nur die vier nationalfoziaristischen KrciSräle dliehen ruhig und nöstchtttch sitze«. Deshalb zur Rede gestellt. begründeten sie ihre für einen gesitteten Menschen unverständliche Handlungsweise nach Angabe der .Münchener Voft* Nr. B8 vom 4. November damit, daß sie „leben Teilnehmer an der Revolution 1913 euch nach seinem Tode als verachtungswürdig betrachten* aywrgsvny)e Kommrrrralwahkeir in Thüringen rmD im NaheLül. In Thüringen fanden am 2. Dozember Kommunalwahlen statt, die leider eine auffallende Zunahme der nationalsozialistischen Stimmen ergaben. In einigen Wahlkreisen, so in Sonneberg, haben — wie Die nachstehende Tabelle zeigt — die Nationalfozralisten infolge skrupelloser Wahlagitation ihre Stimmen- Lrh! seit der Landtagsrvahl mehr als verdoppeln, seit der Neichstagswahl mehr als verdreifachen können. Nur der Stadtkreis Weimar zeigt eine Abnahme der nationalsozialistischen Stimmen seit dem Mar 1928 um 20 v. H. Im einzelnen wird uns aus Thüringen zu dem Wahlergebnis geschrieben: »Es ist nur schwer, ern Gesamtbild zu geben, weil die Nationalsozialisten nicht in allen Stadt» und Landkreisen eigene Listen ans« gestellt hatten. Soweit sie aber selbständig vorgegangen sind, haben sie insgesamt 23956 Stimmen gegenüber 6883 im Februar 1925 aufgebracht. Die Nationalsozialisten testen ihre Haupttätigkeit während der letzten Monate aus das Land. Hier haben sie auch überall Erfolge erzielt. Ein Vergleich zwischen der jetzigen Kommunalwahh der Reichstagswahl vom Mai 1928 und der Landtagstvah! vom 80. Januar 1927 Zeigt deutlich die Entwicklung: rratronalkoriaristrsche SUnrrnen in LHLrmgea Landtn iS» wah.en ) 1027 NrichStau** wahicu 1928 1923 Zrr- (-f-) und Lbnadme i—> drr ra$ion>iUoi- Cttmaicti vorr der San^tüon Drr Reich?» tQgSrvLÄ!9L7!rufl-wad! 1923 Zur K^urM'»»zur AornurunrUwcchl I923.NQUo2hr!S23 SesLArrrÄnUar kür \ «LrTÄürrngcr Äreticj | 0114 11ÜSI 12400 +13 LrrrzererZednigc: SasMreid | Dildbnrgtzaule^ 1 LL93 : £733 80Ö6 — % i 413 £ö3s£frei£ i Mrinirrnrn i | 1773 1472 1614 -15 -f23 Wer nd kreis Saneberg | 043 1501 5781 -l-LS 4^6 LsAdLreis Wrimor - | £108 2737 3024 4-33 4-3 EraDrtrels! Weimar j § 1448 2552 £035 4«o —20 Diese Zahlen ergeben, daß der der Landtagswahl 1527 9114 Stimmen, bei der Reichswgswahl 1928 11 631 Stimmen und bei der Srgen Wahl 12 490 Stimmen in diesen fünf Kreisen von den tiOnalsozralisten aufgebracht worden si'.D.* Di? Statistik zeigt deutlich die Wirkung der nationassoziaUstisthen Propaganda aus dem Lande, wo die Anhänger nicht nur aus Landarbeitern, sondern vorwiegend aus Kleinbauern bestehen, die sich von dem ebenfalls völkischen Landbund getrennt haben und zu Den Na ttonalsozm listen über gelaufen siu-d. Wichtig ist aber auch die Feststellung, daß in solck^n Gegenden, wo viel Heimarbeit gctri^en w;rd und wo bekanntermaßen viel Elend herrscht, wie in dem Sonneberger Kreis, die nationalsozialistischen Phrasen und Versprechungen an? fruchtbaren Boden gefallen sind. Im Nahetol. in Oberstern und Idar konnten die Nationalsozialisten bei den Gerneinderatswcchlen und bei der Landes» rmsschußnxchl für Birken selb ven'kerkenswerw Erfolge erringen. In Oberster?! gingen sie mit Dem Bürgerblock, in Idar und zu den Lcmdcsausschußwaylen rnarschierlcn sie getrennt und führten einen dort bisher noch nicht gekannten persönlichen Kampf mit Flug, blättern. Dr. Le Hs „Westdeutscljer Beolaäster* leistete ihnen Wahl- Hilfe. In Ob er st ein hat der Bürgerb lock zehn gegen acht Mandate bei der früheren Wahl errungen. (Zu ihm gehören nicht Zentrum unb Demokraten.) In Idar hat die Hitler- Grrrppe. die bisher keinen Vertreter im Gememdcrat harre, diesmal vier Sitze von Den zur Verfügung stehenden 18 Platzer? errungen. In dem Landcsausschust von Birkcnscld errangen die NatiorralsozinUsterr 2 von 20 Maudalcn. Auch hier hatten sie bisizer keine Stimme. Der Erfolg wird nicht lange archatten. denn sie können die Versprechungen, die Die Nationalsozialisten während oer Wahl gernacht haben, naclcher nicht erfüllen, und dre Enttauschten werden ihnen eures Tages eure grausame Abrechnung bereiten. HS§ mt Der nalionalsoziattstische „Führer" vor Dem Karlsruher Schwurgericht, Von nichtiüdifcher Seite wird uns aus Karlsruhe (Baden) geschrieben: Letzter Tage wurde in den Zeitungen über einen Prozeß vor dem Karlsruher Schvurgericht beriästet, vor dem sich der 24 Jahre alte Redakteur Moral!er des hier erscheinenden nationalsozialistischen Hetzblättchens .Der Führer* und der Schrifrieiter Karl Ernst der in Pforzheim erscheinenden Wochenschrift „Schwarz. Weiß - Rot" sowie der Trucker derselben. Jacob ßlinger. wegen Vergehens gegen das Nepublikschutzgesetz. begangen durch Beschimpfung der neuen NeichMrrben, gu verantworten hatten. Der Angeklagte Mora Her hatte einen Artikel anläßlich eines militärisZ/en Festes (109or-Tag) ausgenommen mit der Ileberschrist: „Wer zieht die schwarzrotgoldene Fahne aus?*, der die Desiaggung der Karlsrulzer Kaiserstraße behandelte und der von Ernst in der Wochenschrift .'.Schwarz-Weiß-Rwt* -nachgedruckt wurde. In dem Artikel wurden vierzehn Häuser ansgeführt, die dre neue Reichssiagge gehißt hatten. Dahinter stand jeweilig in Klammer J$ u D e*. Daraus wurde am Schlüsse Oie verklausulierte Behauptung konstruiert, daß die neue Reichsflagge mit Recht als „Judcrnahne* anzusehen sei. Es hieß da nämlich: .Wenn wir mm del)aupten würden, dre neue Reichsflagge sei eine Judenfahne, so würden wir gegen das Rcpublikschichgesetz verstoßen, deshalb .behaupten wir es nickst.* Das Gericht erblickte hierin mit Recht eine pontive Behauptung und Beschimpfung der Neicksslagge. Mor a lle r wurde an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe"von zwei Monaten Gefängnis zu einer Geldstrafe von 5 0 0 Mark bestraft. Die beiden anderen Angeklagten wurden frei gesprochen, da sich das Gericht nicht davon überzeugen konnte, daß dieselben vorsätzlich gel?andelt haben. Während nun die bürgerliche Presse über den Prozeß nur ttrrz berichtete, brrngt das hiesige sozialdemokratische Organ, der ,^Do!isjreurrd*. interenante Einzelheiten aus der Verhandlung. In der Beweisaufnahme wurde als Zeuge Prostnor Herbert Kraft von der Oberrea! schicke Pforzheim vernommen, der stolz erklärte, daß er derjenige sei, der den Artikel in dre Wochenschrift „Sch-warz-Weiß-Rot* lancierte. Der Artikel habe ihm jo gut gefallen, daß er ihn ausschnitt und in die Druckerei des Angeklagten Eßling^er brachte ^ur Aufnahme in dre genannte Wochenschrift. Professor Kraft rst erklärter Gesinnungsgenosse des Angeklagten Redakteurs der Wochenschrift „Schwa rz-Weiß-Not*. der in der Verhandlung sich als ausgesprochener ..Feind des Judentums' bezeichne!?. Der Prostsior wurde wegen Verbuchtesder Mittäterschaft nicht vereidigt. Ob sich dieser Verdacht noch) zu einer Anklage verdrchtet. muß obgcwartet werden. Aus dem ^Badischen Staalsanzeiger* ist vorläufig zu ersehen, daß die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den Professor einleiten wird Logischerweise hat er sich n. E. gegen das Republikschutzgesetz genau so vergangen wie Mvraller. Wenn man bei den Angeklagten Ernst und E ß 1 t n g e x nach der Judikatur des E>er-ch!s die V o r s ä tz l i chk e r 1 verneinte, beim Herrn Proscsior ist sie chne Zweifel vorhanden grwesen. Aber ettoas anderes soll an dieser Stelle abgehoben werden. In Pforzheim wohnen an die 802 jüdische Familien, non denen mit Vestimnttheil anzunehmen ist, daß ein Teil derselben ihre Kinder in die O b e r r e Q l s ch u 1 e schickt. Es drängt sich die Frage auf. o b die Juden, die als deutsche Staotsdürgor ihre stnatsdü rgerlichen Pflichten erfüllen, sich einen solchen Erzieher gefallen lassen müssen? Braucht man sich da zu wundern, wenn die Zwier rächt, die sich da urrd dort schon in Mitrelschirlen bemerkbar macht, rm deutschen Volke nicht Zur Rulze kommen will, wenn solche Menschen« die e n r a g i e r t e Antisemiten sind, als Bearnte und Lehrer in Schulen der deulfchen Republik geduldet werden? Die jüd: scheu Staatsbürger werden stch wohl für solche Lehrer ihrer Kinder bedanken. Aus deur Krelsr mtftzts F-reLADe wird UNS noch rrr dem KrsZefz MoraUer gelchrlevenr In Baden kommen derartig? PreßproZesie vor das Schwurgericht. Dieser Umstand veraukaßt die SraatsLiuvaltschast ersahlnmgsgoiuäß zu riner sehr Krrückhaltenden Prüfung, ob sie mit der Anstrengung eines Presse Prozesses Erfolg haben iönnte. Gegenüber dem Karl-- ruher „Führer*, einem der schlimmsten Skandalblättchen tiefster Sorte.