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Central-Verein-Zeitung · 1928-12-07 · 49 (7.12.1928) · p. Seite 688

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
Seite 688 (sequence 8)
Language
German
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m » „Wer Heimat und StamnreZart lieben rmd pflegen will, der muß auch wissen, wie sie geworden und wie ihre Besonderheiten aus Natur und Geschichte zu begründen sind"', schreibt BerryoldNosenthalindnn Vorwort zu seiner „Heimatgeschichte der badischen Juden", in der er ihre Entwicklung vom 13. Hcchrhundert zur Jetztzeit schildert. Dabei mußte er die Verhältniffe in den einzelnen Hoheit?--- gebieien beleuchten, aus denen das heutige Land Baden im Jahre 1806 hervorgegaugen ist. Jur die Zeit bis zum Mittelalter hat er dabei die zweckmäßige Mechode eingeschlagen, gleichsam nur Querschnitte aus der allgemeinen Lage der deutschen Juden zu geben, die durch Beispiele aus den badischen Gebieten belegt werden. Dazu hat er neben christlichen Auszeichnungen Memorbücher jüdischer Gemeinden mit Geschick verwendet. Die große Geschichte unserer Baker zieh! an uns vorüber. Klagelieder künden von ihren Verfolgungen und Leiden, erzählen uus aber auch von ihrer Standhaftigkeit und echten Glauben-treue. Noch manches Denknral auf heimatlichem Boden ist als ewiger Zeuge f ü r unschuldige Verfolgung, sür die HLnschlachtung Tausender und aber Lausender heutnoch zu schen. Ritualmordmärchen und BluLbeschuldigungen haben im 13. Jahrhundert auch in Veden zu gräßlichen Judeuverfolgungen geführt, so im Jahre 1255 iu Tauberbischofsheim und Lauda, wo noch die sogenannte Blutkapelle steht. Trn Höhepunkt der Leiden stellten die Jahre des schwarzen Todes dar, ui denen fast alle Judengerneiuden Deutschlands vernichtet wurden. Ueber die Hrnmordung der Juden in F r e i ö u r g und Konstanz liegen zeitgenössische Berichte vor. Die Juden waren Kemmerknechte des Kaisers, das heißt mit Person und Dernwgen Eigentum des Kaisers oder der Schutz Herren, an die der Kaiser das Judenregal übertragen hatte. Nach dem schwarzen Tode, mit der Schwächung der kaiserlichen Macht, erfuhr ihre rechtliche Stellung durch die Goldene Bulle Seine wesentliche Aeuderrrng. Der Kaiser übertrug das Judenden Kurfürsten. Dadurch wurden sie von den Launen vieler Potentaten abhängig. Bis zu den Kreuzzügen versorgten die Juden die deutschen Hose mit Waren und betrieben vornehmlich großzügige Handelsunternehmungen. Sie dursten mancherorts Häuser erwerben und Grundstücks besitzen, und es gab jüdische Aerzte sowie Handwerker aller Kategorien. Rosenthal erzählt uns sogar von jüdischen Weinbauern in Heidelberg-Neuenheirn, Weinheim und Ne berlingen. Nach den Kreuzzügen ändert? sich ihre wirtschaftliche Lage mit der Entstehung der Städte und Bildung der Zünfte. Die Fürsten mußten die Juden oft genug gegen blinde Pöbelwut schützen, immer wieder trafen sie aber auch fürstliche Ausweisungen. Mit solcher Ungunst der äußeren LebensverhälLmsse fand sich dieses leidgewohnte Geschlecht ab. Aber aus den ängstlichen, gebückten Juden wurden leidenschaftliche. Kämpfer, wenn es um Glauöensdinge ging. Dabei waren sie „von dem natürlichen und echten Bedürfnis erfüllt, in dem Lande, in dem sie lebten und mit dem ihr Dasein durch tausendfältige Beziehungen verflochten war. das ihnen selbst durch schmerzliche Erinnerung und Erlebnisse wertvoll wurde, ihr BaLerland zu erblicken". In der Zeit von der Reformation bis zum Westfäl ischen Frieden (1500 bis 1648) weitete sich der menschliche Blick im allgemeinen. Die Greuel des 13. und 14. Jahrhunderts wiederholten sich nicht mehr in dem früheren Umfange, stattdesseu häuften sich die Angriffe gegen das jüdische Schrifttum, besonders gegen den Talmud. Aber gerade auf badischem Boden traten nichtjüdische Männer aus, die gegen diese Verleumdungen Stellung nahmen: der Humanist Johann Reuchlin (aus Pforzheim) und sein Neffe Philipp Melanchjhon, der Freund Luthers, waren Söhne der badischen Heimat. Die „Zeitenwende" <1650 bis 1969) brachte zu ihrem Beginn den Wiedereinzug aller großen und kleinen Fürsten in ihre Residenzen. Die Staatskassen waren leer, man brauchte wieder dre Juden, in Lrnen man mehr denn je ergiebige Besteuerungsvbjekte sah. In diese Zeit fallt auch die eigentliche Gründung unserer größten jüdischen Gemeinde in Baden, Mannheim, die sich bald blüheno entwickelte, so daß in der zweiten Halste des 16. Jahrhunderts die jüdische Bevölkerung bereits ein Achtel der Gesamtbevölkenmg ausurachte. (Leite 112.) Die freiheitlichen Ideen der französischer; Revolution ließen auch bei den Juden, die trotz der Lögeschlossi-nhei! ihres Daseins immer geistig fortschrittlichen Ideen zugänglich waren, ihre Eigine VerKaufssUSsrn in aßen grösseren Städten LXeulsdilandz* ErhältVuh in allen Spezial#esdtdftetL Spuren zurück. Vornchrnlich die Juden der Kurpfalz wurden durch sie beeinflußt. So heißt es in einem Gesuch des Lündjudeuschaftsvorstandes der Pfalz an den Landessürsten: „Haben Eure Kurfürstliche Durchlaucht* — sagten die Bittenden — „dem erstaunten Deutschland das Beispiel gegeben, die Fesseln der Knechtschaft der Christen zu zerbrechen, so wird auch nichts den Großmut hemmen, die nicht minder schmähliche Ausschließung der Juden von den Wohltaten der bürgerlichen Gesellschaft auszuheben, dadurch einer nicht geringen Anzahl Familien ein Vaterland, dem Staate statt verachteter und gedrückter Fremdlinge treue und gute Bürger zu geben? (Seite 127.) Mit gutem Recht behandelt Rosenthal mit besonderer Aussührlichleit die Emanzipationsära, die Zeit des Ueberganges vom Schutzjuden zum Staatsbürger. Durch das Edikt von 1809 wurden die religiösen Rechte der Juden im einzelnen geregelt. Die Jrrdengesetzgebung Karl Friedrichs war wohl der erste Versuch einer Gleichstellung der Juden. Die Ausfassungen vom christlichen Staat und ähnlicher Vorurteile wirkten aber immer noch recht erschwerend sür die endgültige Durchsetzung dieses Prinzips. Mühsam war der Weg, den unsere Vorfahren gehen mußten, um aus dem Ghetto herausZukommen. So brachte die badische Verfassung von 1818 wieder Schwierigkeiten hinsichtlich des aktiven und passiven Wahlrechts der Juden. Der Geist der Nealtion, der Geist Metternichs, war auch in Baden emgezogen. So mühsam der Weg war, unsere Vorfahren haben für ihre Rechtsgleichheit mit aller Energie und mit einer deutlichen Absage an die, welche dafür die Preisgabe des Glaubens verlangten, gekämpft. Mißerfolge entmutigten sie nicht. Sie handelten nach dem Wort, das Dderrat Eppstein in einer Bittschrift an den Landtag geprägt hat: ,Düe Ehre und das Ehrgefühl find der mächtigste Hebel alles höheren Aufschwungs."' (S. 265.) Erst im Jahre 1846, nach sechsmaliger Ablehnung, hat die Zweite Kammer rin Gesetz angenommen, durch das das Prinzip der Gleichheit aller auch für die Juden Geltung bekam. Damit war aber noch lange nicht alles erreicht, denn, wie bereits erwähnt, sorgte ein reaktionäres Berwaltungssystem dafür, daß die gewährten Rechte keinen praktischen Nutzen hatten. Aber die badischen Juden haben nicht nachgegeben. Sie haben ausgeharrt, bis ein großzügiger Fürst dem unwürdigen Zustand ein Ende machte. Die eigentliche Gleichberechtigung wurde nämlich erst in den sechziger Jahren — aber immerhin noch zehn Jahre früher als in den meisten anderen Ländern — unter Großherzog Friedrich und seinem weitschauenden Innenminister Lamey errungen. Der letzte Abschnitt schildert die Organisation derbadischen A u d enh e i t in der letzten Zeit, wie sie durch das Edikt von 1809 im rvefentlicherr fcstgelegt wurde und irr ihren Hauptzügen heute noch besteht. Es ist recht bemerkenswert, daß eine der ersten Amtshandlungen des neugeschassenen Oberrats die Beratung über die Bern s s u m s ch i ch t u n g der jüdischen Jugend, die Sorge um ihre soziale Lage, zum Gegenstand hatte. Wir finden zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen sehr beträchtlichen Teil der badischen Juden in gewerblichen Berufen. Hervorragende Unternehmungen wurden von Juden mitgegründet, z. B. die Spinnerei und Weberei in Ettlingen, die Karlsruher M a schi nenge sell icha st und die Zuckerfabrik LZaghause! durch das Geschichte der nationalen Bewegung m Orient Das neueSl&ftdmdwerk übet den erwachenden Osten aus dem Kurt l&mndzel Verlag, Berlin-Grunewald* Leinen M.

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