Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 687 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das unübertroffene Hotel, das als einziges Korüb runnen«Bavharrs Wiesbadens direkte doppelt starke Zuleitung aus dem weltberühmte« Kochbruunen erhält. Palast-Hotel Badhaus Wiesbaden. BollerWinterkuc-Betrieb. 200 Zimmer von ö bis 8 M. und mit voller Pension 12 bis ILM. einschl.Thermalbad und Trinkkur (Winrerprcisel. Besitzer und Leiter: Otto 3 (t) i <f. &/> *<* / vor, die uns in heutige jüdische Problematik hineinführt — und zwar tut sie das am 23. Dezember 1834: „Meinerseits bin ich gespannt zu wissen, wie e r über einen neuen Judenstaat in Palästina denkt. I ch mag die Juden nirgend missen und sreue mich ihrer w e l t b ü r g e r l i ch e n Stellung. — Meine Sorge ist nur, daß sie sich zu sehr — vorchristlichen/ Einen Beweis, wie weit diese Sorge auch in weniger wichtigen Dingen geht, stellt die Frage an ihre Freundin dar — sie hat sie am 5. Marz 1885 ausgesprochen —: „ . . . haben Sie Ihren Kindern blasie nichtjüdische Namen gegeben? Ich liebe die jüdischen Namen/ Und wieder am 23. Dezember 1884: „Ich kann meiner Neigung für Judentum und jüdische Interessen usw. nur dadurch etwas Nahrung geben, daß ich mich mit den betreffenden Studien beschäftige. Ich lerne auch Hebräisch, in der dunllen Hoffnung, daß es einst Früchte tragen wird. Vorläufig beglückt es mich und das ist doch auch Frucht genug. Wenn ich eine Schwierigkeit der Grammatik überwunden (ich habe keinerlei Unterweisung), eine Dunkelheit sich erhellt, eine Beziehung sich ossenbart (und wie beziehungsreich ist es!), mein Gedächtnis sich bewährt usw., dann bin ich froh wie eine reich Besck>enkte/ Dabei verliert die Regsame nicht den Zusammenhang mit ihren allgemeineren geistigen Bestrebungen, trotzdem sogar allerlei hausfrauliche Verpflichtungen aus ihr lasten. .Wenn nur die Laune gut bleibt'/, so tröstet sie sich (5. März 1885). „Freilich bleibt nur wenig Zeit zu kleinen Extraarbeiten für die Öffentlichkeit. Ich hatte den Plan, eine Reihe psychologischer Fragen zu besprechen, die direkt auf das moderne Zusammenleben der Menschen Bezug haben und eine humane Tendenz anstreben sollten. Ich schicke Ihnen einen Artikel, der in letzter Nummer des Montagblattes erschien (Unsere Unduldsame n)/ War die eifrige Schriftstellerin bei diesem Aufsatz offenbar noch bewegt von Problemen, die mit der Stellung der Juden und des Judentums in chrer Umwelt im Zusammenhang stehen, so lebte in der künstlerisch veranlagten Frau auch viel weiter reichendes Streben zu großem Schassen. (5. März 1885): .Zch habe ein tief innerstes Verlangen nach stillen Studien, nach friedlicher Harmonie, nach umgrenzter stetig fortschreitender Ausgestaltung des eigenen Geisteslebens und, wenn die Kräfte reick-en, nach Vollendung eines Bühnenwerks, das des Namens Dichtung wert, zur Erhebung und Läuterung des Geschmackes, zur Ehre der deutschen Heimat dienen soll/ Aber sie bleibt der einmal erfaßten Aufgabe treu. Jahre sind dahingegangen, in denen sie Gelegenheit hatte, durch Moritz Lazarus und wohl auch durch dessen Schwager Stein thal sich immer eifriger und mit bestem Erfolg in ihren jüdischen Stofs hineinzuarbeiten. In einem Brief, der ohne Datum ist, aber wohl aus dem Jahre 1891 stanunt, meldet sie den Freunden: „Ich bin . . . tief in der Arbeit eines neuen Buches — »D ie jüdische Frau'!, das demnächst ersä-einen soll, und wage kaum etwas anderes zu unternehmen, da es meine ganze Kraft und Zeit in Anspruch nimmt/ Am 23. August des gleichen Jahres berichtet eine Postkarte aus Leipzig: . meine Augen sind schreibmüde und vom. vielen Eorrigieren und Lesen angegriffen, so nehmen Sie fürlieb mit der Mitteilung. daß es mir, Gott sei Dank, gut geht, daß ich gestern meinen letzten Korrekturbogen erledigte, heute zum ersten Mal das neue Titelblatt des neuen Buckes gesehen, das wohl in den nächsten Wochen erscheinen wird und betitelt ist: Das jüdische Weib von etc. mit einer Vorrede von Prof. M. Lazarus. Diese Vorrede ist wundervoll? Von großen allgemeinen Gesichtspunkten ausgehend! — Obenein hält mich nun schon wieder eine neue Arbeit gefesselt, die mich fo packt, daß ich schon morgens um fünf am Schreibtisch sitze/ Nun hatte Nahida Lazarus unter Aufwendung mühseligen Fleißes sich zu einer Kenntnis des Judentums und der Juden durchgerungen, die sie befähigte, mit ihren Ausführungen an die breite Oeffentuchkeit zu treten. Ihr Buch „Das jüdische Weib" machte,' zumal als Schrift einer Christin, einen tiefen Eindruck, wovon die Reihe der verschiedenen Auslagen, die es erlebte, Zeugnis gibt. Weniger bekannt und verbreitet sind die bereits erwähnten, 1893 in Berlin erschienenen „Kulturstudien über das Judentum", die sich mit dem jüdischen Gebet und den jüdischen Festtagen in belehrender, recht anziehender Weise besagen und gleichfalls der Erfüllung jener großen selbstgestellten Ausgabe dienen sollen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man vieles von dem, was sie in diesem Buch sagt, aus ihren Freund und Lehrer Moritz Lazarus, der sie bei ihren Arbeiten eifrigst gefördert l>at. zurücksührt. Das Band zwischen diesen beiden hervorragenden Menschen wurde bald noch enger geknüpft. Moritz Lazarus hatte seine erste Gattin, die ein hohes Ereisenalter erreicht hat, verloren. Nachdem seine Freundin Nahida in Freiburg i. Br. sich auch äußerlich zum Judentum bekannt hatte, verfestigten die Freunde die Enge ihrer Beziehung durch das Band der Ehe (4. April 1895). Nahida Lazarus hatte als Gattin ihres über alles geliebten Mannes, den sie als Siebzigjährigen geheiratet, dem sie bis an sein Ende eine treue Helferin in wissenschaftlicher Arbeit und hingebende Pflegerin und dem sie nach seinem Tode die Herausgeberin seiner Lebenserinnerungen geworden ist, eine Heimat gefunden. Nur ein Brief noch, an Wilhelm Herzberg von Nizza aus unter dein 31. Januar 1897 gerichtet, liegt vor mir. In ihm heißt es: ,/)m Februar will ich einen Vortrag ausarbeiten, und zwar: Wie ich Jüdin geworden/ — Ich werde seit Jahren so oft und so dringend darüber interpelliert und der Gegenstand bietet mir so reiche und ungesuchte Gelegenheit, indem ich meine eigene religiöse Entwicklung schildere (die bis in meine Kinderjahre zurückführt), den Juden und Jüdinnen vieles zu Gemüt zu führen, was m i r sehr am Herzen liegt. — Diesen Vortrag halte ich zum erstenmal in Wien. — ... Mein Thema arbeite ich überdies noch sehr aus und freue mich darauf, an geeigneter Stelle schildern zu können, welchen großen und starken. welchen ^ausklärenden und bestimmenden Einstuß Ihr Buch, Ihre Jüdischen Familienpapiere' aus mich gehabt hat! — Dankbar gedenke ich noch der Zeit, da ich es durch Lazarus kennenlernte/ Dieser Vortrag hat denn auch am 13. April des genannten Jahres in Wien, woselbst zwei Tage zuvor Moritz Lazarus über „Völkerpsychologische Betrachtung des Judentums" gesprochen hat, stattgefunden. Das Thema lautete: „Ein Seelenkampf/ Was Nahida Lazarus dort ausführte, hat sie wohl in erweiterter Form in der „biographischen"' Erzählung „Ich suchte dich?" (Berlin 1898) medergelegt und in lebendig anschaulicher Form zur Darstellung gebracht. Dieses Buch schließt mit den Worten des Bekenntnisses, mit deren Wiederholung wir hier enden wollen, mit Worten, denen Nahida Ruth Lazarus die Treue bis zum Tod gehalten hat: ,L ch suchte Dich, mein Gott — und habe Dich gefunden. Ich suchte dich, mein Judentum, und habe dich gefunden." Ks erscheint: Politik und Humanität Paul Nathan Ein Lebensbild von Ernst Feder (DeulscheVerlagsgesellschaft für Politik und Geschichte) 155 Seilen. Kartoniert M. 6.—, Leinen M. 8.—, Halbleder M- 10,— Heimat - literatur: Rosen thal, Heimatgeschichfe der badischen Juden.ML 10,— (Konkordia-Verlag) Eckstein, Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht? . . M. 1,80 2. Auflage in Vorbereitung Zu beziehen durch Philo Verlag und Buchhandlung G. m. b. H. Lindenstrasse 13.