Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 684 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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6$4 44 Monate km §el-e. Auch ein Beitrag zum Fest der Makkabäer. Der Artikel ,F)rückeberaer' von Professor Tr. Martin Hobohm irr „C. D. - Zeitung' Nr. 45 vom 9. November hat lebhaften Widerholl in unserem Leserkreise gefunden. Einstimmig wird die Objektivität des Verfassers besonders hervorgchoben. die ja bei einem so gründlichen Forscher wie Professor Hobohm selbstverständlich ist. Professor Hobohm hat das allgemeine Verdienst der Offiziere und Unteroffiziere auf Grund ausgedehnter Alienstudien eindringend abgewogen und in fernem noch nicht veröffentlichten Gutachten für den parlamentarischen Untersuchungsausschuß des Reichstags über „Soziale Heeresmißstände als Teilursache des deutschen Zusammenbruchs von 3918' (Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte m. b. H. in V-erlin Vch anerkannt. Nachstehender Brief unseres Mitgliedes Fabrikdirektor^Moriz Höchstädter (Luckenwalde), der zu ähnlichen Ergebnissen wie Professor Hobohm gelangt, ist uns iu liebenswürdiger Weise vom Verfasser zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden. Direktor Merl; Höchstädter (Luckenwalde) an Profesior Martin Hobohm: Hochzuvcrehrender Herr Professor! Bravo, Ihr Artikel in der „C. D.-Aeittmg' vom 9. November ist ein Meisterschuß. Sie schilderten mit treffenden Worten Tatsachen, welche der Vaterlandsliebe nicht nur der jüdischen Frontsoldaten, sondern des gesamten jüdischen Deutschtums in vollem Umfange gerecht werden. Don absoluter Objektivität getragen, beseelt vom reinsten Menfchentum. Zeichnen Sie nicht nur die inneren Kämpfe, die viele jüdische Soldaten durchlitten, sondern auch den niederträchtigen Haß, der ihnen von verhetzten, rohen Patronen mit und ohne Portepee zuteil wurde. Wenn man indessen bedenkt, daß sich das damalige Kriegsministerium nicht scheute, die berüchtigte Judenzählimg vorZunehmen, um der erregten Masse gefällig zu sein, wenn man weiter bedenkt, daß dieser Vorgang dem Heere draußen und daheim nicht verborgen bleiben formte und sollte, ist es begreiflich, daß der jüdische Soldat nicht als Kamerad im landesüblichen Sinne bewertet wurde. Nicht der „Muschko' also war für vieles, was geschah, verantwortlich, sondern, wie in allen ähnlichen Fällen, die Drahtzieher, die weit von Granaten. Schrapnells, Minemoersern, Giftgasen und anderen Kampfmitteln entfernt die Brunnen der öffentlichen Meinung vergifteten. Zur Ehre des deutschen Heeres muß aber auch gesagt werden, sehr viele unserer Kameraden, die nicht schon als Zivilisten antisemitisch durchseucht gewesen sind, waren gute, treue, selbstlose und brave Kampfgenossen und man traf sie nicht nur unter Len „gemeinen' Soldaten und niederen Chargen, sondern auch in Qfsizierskreisen. Ich kannte eine Anzahl von Offizieren, die keinen Unterschied des Glaubens kannten, die den Manu nach feiner Leistung und seiner Zuverlässigkeit bewerteten, die aber auch mit ihrer Truppe im Dreck von Lothringen und in den Schützengräben von Flandern lagen, die mit ihren Soldaten alles teilten, Not und Tod. Es waren die Frontkämpfer der ersten Krieg? iah re. Ehre sei ihnen. Wie sich der Nachschub allmählich veränderte, weiß jeder, der den ganzen Krieg, in welchem ich 44 Monate bei der fechtendenTruppestaud. rrüterlebw. Gerade bei diesem Ersatz waren jene Elemente, welche den Antisemitismus zu unseren braven Truppen trugen, die unser schon an sich schweres Leben noch schwerer machten. Ich erinnere mich eines Divisionsbefehls, der verlangte. daß alle ehemaligen Einjährigen seitens der Truppenteile behufs Ausbildung zum Ossiziersersatz zu meiden sind. Es war ixu Juli 1917 nach der Schlacht cm Wh l scheel e-Bogen. wo unsere halbe- Division durch eine Sprengung der Engländer in Die Luft flog und daher als abgekämpft eine ruhige Stellung von Nancy beziehen mußte. Der Befehl kam natürlich auch zu uns. Ich legte indessen keinen Wert darauf, in der Liste der Orsiziersanwärter zu erscheinen, obwohl ich dadurch wahrscheinlich zur Ausbildung in Die Heimat gekouunen wäre und damit meine Lage wesentlich verbessert hätte. Ich wollte einfach nicht, wußte ich doch zur Genüge, welcher Wind in diesem Zeitabschnitt in vielen Kreisen wehte, die meistensteils nicht mehr vom alten, loyalen, kameradschaftlichem Seist jener aktiven Offiziere durchtränkt waren, die zum großen Teil längst die kühle Erde im Feindesland deckte. Ich bin also freiwillig Unteroffizier geblieben und hal^e cs nie bereut, und nichtsdestoweniger kannte ich auch noch im Sommer 1917 eine Anzahl braver und gerechter Vorgesetzter, die ihrer Mannschaft ein leuchtendes Beispiel waren und derselben besonders bei der großen FrühjahrsOssensive ISIS mit bewundernswerter Tapferkeit dvrangingen. Ich hatte einen Chef, für den sich seine Leute härter? in Stücke reißen lassem Er sieckjt jetzt an einem schweren Herzleiden, das er sich im Felde zu geigen hat. dahin. Zm übrigen aber unterschreibe ich Ihre Ausführungen als alter Frontsoldat Wort für Wort. Sind inzwischen die Verhältnisse sür uns Juden besser geworden? Gewiß nicht, wir bleiben nach der Behauptuug I>ewußt Uebelwollender diejenigen, welä^e den Zusammenbruch mst verschirldeten. obwohl es hinreichend bekannt rst, daß in» allen jüdischen Gotteshäusern und in allen jüdischen Familien für den Sog der deutschen Waffen mit heißer Inbrunst gebetet wurde. Wer die jüdische Geschichte einigermaßen studiert hat, kennt auch die tiefe Vaterlandsliebe, welche dem jüdischen Dolle eigen ist, weiß, welche Strönre von Blut im Heldenlaurpf um Heimat und Scholle von ihm geflossen sind, weiß von dem Hohenlied der Tapferkeit seiner Ahnen. Ein solches Bolk kann nicht vaterlandslos sein, auch dort nicht, wo cs nach der Vernichtung seiner uralten Heimat eine neue Heimat gefunden hat. Fahren Sie fort, hochverehrter Herr Professor, im Kampfe für Wahrheit, Freiheit und Recht. Sie werden sich damit an die Seite derjenigen Männer stellen, die in reinster Höhenluft atmen, in jenen hehren Höhen, in welck)cn nur diejenigen Mensck)en gedeihen können, deren Lebenszweck edel fein, hilfreich sein und gut fein heißt. Wahrheit und Dichtung. Aus den zahlreichen Verleumdungen, die die völkische Presse über Juden, Judentum und Arbeit des Centralvcreins ständig verbreitet, sei wieder einmal eine festgenagelt. In Köln hat, wie wir kürzlich oerichteten, eine Versammlung des Centralvereins stattgesunden, bei der nach Dr. Ludwig Holländer der Vorsitzende des Landesverbandes, Bernhard Feilchenseld, über das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung speziell in Köln, gesprochen hat. Der ,Mestdentsche Beobachter', das Blatt des durch die Abgeordnetenimmunität geschützten Herrn Dr. Ley, berichtet zwei Spalten lang über diese „Judenversammlung in Köln' und führt über den Schluß der Rede von Bernhard Feilchenscld nachstehende Satze aus, denen wir die Erklärung des Herrn Feilchenseld gegenüberzustellen in der Lage find. Der „Westdeutsche Beobachter" Bernhard Feikcheirftkd erklärt schreibt: «ns dazu: . . . „Die Juden stünden der 1. JrLnrdwclchcn Behörden für Rücksichtslosigkeit und Brutalität, den Schutz der deutschen Staatsmit der der .Westdeutsche Beobbürger jüdischen Glaubens ru danken, achter' vorginge, machtlos gegenist mir nicht mit einem Worte einüber- Die Behörden hätten ihr gefallen. Bestes getan, jedoch ebenso ohne Er- 2. Am Schluß der Rede bemerkte folg. Auch das StamsMinisterium ich, daß unser deutsches Vaterland habe volles Vertrauen für die Ernendlich vom Antisemitismus sich begäbe dieser Juden gezeigt, und durch freien möge, sonst käme ihm Nußmehrrre Verbote bewiesen. Er fühle land noch über, wo der Dolksaufsich bewogen, den Ministern und Beklärungskommissar die Bildung eines Hörden den Dank des Judentums Vereins Zur Abwehr des Antiscmitisauszusprechen. Die beste Stütze dos raus protegiert. Judentums sei heute Sowjetruß- B. Feilchenfeld. land/ «x i polnisches. Jüdische Geschäfte in Posen geplündert Polen führt in letzter Zsit einen organisierten Kamps gegen den angeblich übermäßigen Import von Auslandswaren. der die Passivitat der Handelsbckanz bedeutend steigert und nach Ansicht polnischer Wirtschaftskreise letzten Endes auch die erst vor eurem Jahre stabilisierte Währung gefährden könnte. Statt die Aktivität des Außenhandels durch eine Förderung des Exportes und eine Ratiorralisierung der Industrie Zu erkämpfen, sucht man, wie in allen derarrigen Fällen, nach einem Sündenbock^ und dieser ist selbstverständlich der Jude. Die Mobilisierung der Straße hat bereits Zu Ausschreitungen nationalistischer Elemente namentlich gegen jüdische Geschäfte geführt. Im Zusammenhang mit der Propagandawoche Zur Hebung der Handelsbilanz beziehungsweise Zum Boykott fremder Waren fand vor einigen Tagen eine Studentenversammlung in Posen statt, in der aufreizende Reden gehalten und zum Vorgehen gegen jüdische Geschäfte ausgefordert wurde. Ter aushetzenden Propaganda gegen ausländische Waren folgte alsbald die Propaganda der Tat. Nnter Führung eines Studenten Zog man durch die Straßen und machte vor verschiedenen jüdischen Geschäften halt. Mehrere Studenten betraten u. a. das AlLersche Trikotagengeschäft und fragten den JrrlzaS-er, ob er Jude sei< Als er die Frage bejahte, warfen die SLrr drucken die auf dem Ladentisch stehenden Waren ans dem Beden« Der Hauptsprecher versetzte Alter zwei Fauftschläge ins Gesicht; dann trat er in die Ladentür und rühmte sich seiner „Heldentat'. Der Mob, der sich dem StudentenumZuge angeschlossen hatte, drang ebenfalls ür den Laden ein, zertrüwmerte die Eirrrichtnngcn rrud eignete sich Waren arr. In einem rein deutsckjcn Geschäft forderte ein Student die Anbringnng eines Plakats an der Ladentür, daß in dem Geschäft nur polnische Waren verlaust würden. Dann setzte sich der Zug weiter nach der Büttelstraße in Bewegung, wo man der Kronberg schcn Wäschesabrik einen Besuch abzusiatten gedachte. Doch man hatte hier rechtzeitig gegen das Eindringen der "Studenten durch Verschließen der Tore Vorsorge getroffen. Die Menge begnügte sich darmt. den Arbeitern — es handelt sich um etwa hundert — Vorwürfe zu machen, daß sie der einer jüdischen Firma arbeiten. Ob die jungen Herren wol)l in der Lage such, ihnen andere Arbeit zu verschaffen? Nachdem die Studenten dann noch verschiedenen anderen jüdischen Geseiften .Lftsuä-e' aögestattet hatten, ohne daß sie sich größere Ausschreitungen geleistet l-atten, Zerstreuten sie sich im stolzen Be» wußtsein vollbrachten Hel den tum Z.