Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- Seite 674 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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»74 M Das unübertroffenc Hotel, daZ als elnrigeS Kochbrrrnnen-Badhaus Wiesbadens Virekte doppelt starke Zuleitung aus dem weltberühmten Kochbrunnen erhält. Palasi-Hofel Badhaus Wiesbaden. BoNer Winterkur-Betricb. 200Zimincr von 5brs8D^. und mü voller Pension 12 dis 15M. rmschl.ThcrTNLldad und Trinkkur (Winterpreisc). Besitzer und Lc'Ucr: Otto Schick. toll 7 strengen Orthodoxie wird erst die messianifche Zeit ein Ende des Judenhasses hcrbcisühren. Ter die Gleichberechligungsrdce vertretende Liberalismus erkennt zwei Wurzeln des Antisemitismus an: eimnal die U n v o L L k o m menh e i t i n der Humanisierung und Zivilisation der nichtjüdischen Umwelt und sodann die Unvollkommenheit in der Assimilation der jüdischen Einwohner. Sobald jene Unvollkommenheit behoben ist, wird auch der Judenhaß schwinden. Im Gegensatz hierzu erblickt der Zionismus in dem Antisemitismus einen tragisch notwendigen Umstand, der sich aus der verloren gegangenen Staatlichkeit und nationalen Einheit des jüdischen Volkes herleitet. Ter Judenhaß wird dadurch erklärlich, daß die andersgläubigen Wirtsvölker in den Juden fremde Bestandteile befehden. Ter jüdische Sozialismus sieht dagegen entsprechend dem sozialistischen Parteiprogramme in der ßonhic* renzfurcht der bürgerlich-kapitalistischen Wirtschaft eine Triebfeder der jndenfeindlichcn Gesinnung. Jene vorherrschenden Auffassnngseinrichtungen unterliegen natürlich dem Einflüsse der nichtjüdischen Umgebung; nur die streng orthodoxe hält sich von ihm frei. Taneben treten die zahlreichen Aeußcrungen einzelner Persönlichkeiten über den Antisemitismus, von denen in der vorliegenden Monographie leider nur wenige berücksichtigt sind. Uultuswahlen in Wkn. Union gegen ZüdischrraLronale. Am 2. Tezember d. I. wählen die Wiener Juden ihre Vertreter für die Kultusgemeinde. Wenn auch nicht weniger als sechs Parteien sich um Mandate bewerben, wickelt sich der Kamps doch hauptsächlich zwischen der Union d eu t s ch ö st e r r e i ch i - scher Juden, der Schwestervereinigung des Eentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, und den Jüdischnatioualen ab. Mit Schärfe und Leidenschaft wird dieser Kampf unter regster Anteilnahme des Publikums geführt. Es gilt diesmal zu entscheiden, welchen Weg die Wiener Kultusgemeinde und mit ihr das Wiener Judentum künstig einschlagen' soll. Klar und deutlich ist das Programm der Union: Eine Kultusgemeinde ohne Politik, alle Kraft vereinigt für Judentum und für soziale Fürsorge. Die Forderungen der Jüdischnatioualen lauten zuerst: Minderheitsrechte, eine Forderung, die große Eejahreu für das Judentum Oesterreichs in sich birgt. Tie Jüdischnationalen meinen nämlich, auf Grund des Friedensvcrtrages von Samt Germain en Laye unbedingt auch für das „jüdische Doll" die in diesem Vertrage den Minoritäten zugesicherten Rechte in Anspruch nehmen zu müssen. Tie Union vertritt demgegenüber die Auffassung, daß kein österreichischer Jude in dem Lande, in dem seine Vorfahren gelebt und gewirkt haben, in dem Lande, für das er manmgfach Blutopfer gebracht hat, in dem Lande, in dem seine soziale Existenz mit tausenderlei Fäden verknüpft ist, sich unter F r e m d e n r e ch t stellen lasten darr, wenn cs sein gutes Recht ist, volle Gleichberechtigung mit allen anderen Bürgern zu verlangen. Tiefe Minderheitsrechte sind aber nichts anderes als eine Art Fremdenrechk, ihre Praktische Auswirkung für jeden Juden wären nunwrus elausu3 und Erschwerungen aller Art im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Und wie sieht es mit der V o l k s g e m e i n d e * aus, der nächsten Forderung des jüdischnationalen Programmcs? Obwohl diesem Programmpunkt nicht mehr Bedeutung zukommt als einem inhaltslosen politischen Schlagwort. sollte man sich dieses Liebäugeln der Jüdischnationalen mit den „nationalen Belangen" merken. Männer, die die Interessen des Judentums wahren wollen, züchten einen nationalen Chauvinismus, wo doch das Judentum den nationalen Chauvinismus der anderen gründlich und grausam kennengeternt hat. Schließlich stellen die Jüdischnatioualen die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht. Tie Union steht auf' dem Standpunkt, daß nur der das Wahlrecht bekommen soll, dem sein Judentum die Mindeststeuer von jährlich 23 Groschen (das sind 15 Pfennig) wert ist. In glänzend besuchten Versammlungen sprechen hervorragende Vertreter des Wiener Judentums. unter ihnen der unermüdliche Präsident der Union dentschösterreichischer Juden", Tr. Jakob Trust ein. zu den Wählern. Aut wohlbegründetem Optimismus sicht die österreichische Schwestcrvereinigung des Geniralvereins dem Ansgang dieses schweren und leidenschaftlichen Kampfes entgegen. Für landwirtschaftliche Siedlung! Die Burrvestagimg des Reichsbrrndes jüdischer Frontsoldaten. Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat seine diesjährige Hauptversammlung, die am 25. November in Berlin stattfand, mit einer großen Kundgebung am Sonnabend abend eingeleiter, die der Gründung eines „Reichsbundcs für jüdische Siedlung in Tennchland" galt. Dieser Gründung ist eifrige Arbeit vorausgcgangen, die von einem Ausschuß des R. j. F. geleistet wurde. Tie Ausgaben, die eine zum Erfolg strebende Arbeit auf diesem Gebiete mit sich bringt, ließen jedoch die Schaffung von zweckentsprechenden neuen Organisationen notwendig erscheinen. So war im Laufe des Somniers die g e ni e i n n ü tz i g e S i e d l u n g s g c s e l l s ch a s t „Jüdische Landarbeit G. m. b. H." gegründet worden, die, von Fachleuten geleitet, mit zunächst nur kleinem Kapital versuchen will, die Ausbildung junger Juden zu Landwirten und Gärtnern und ihre Unterbringung auf Siedlerstellen zu bewirken. Vor einem auserwählten Kreise von Vertretern jüdischer Organisationen und Korporationen aller Richtungen referierte in dieser Kundgebung Domänendirektor Dyk über die E n t w i cf - lung u n b Aussichte n des S i e d l u n g s p r o b t e m s a n sich, während Rechtsanwalt Tr. Heinrich Elkeles in seinem Vortrag die Notwendigkeit des neuen Reichsbundcs erläuterte und seine Gründung erklärte. Er wies ihm die Aufgabe zu, die deutschen Juden in ihren breitesten Schichten für den Siedtnngsgedanken zu aktivieren und die Mittel auszubringcn, die der „Jüdischen Landarbeit G. m. b. H." den Ausbau ihrer Tätigkeit ermöglichen. Vertreter der großen jüdischen Organisationen gaben sodann Sympathieerklärungen ab. Für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden sprach Kammergerichtsrat Leo Wolfs, für den bayerischen und die süddeutschen Verbände israelitischer Kultnsgcmeinden Oberlandesgcrichtsrat Tr. Alfred Neu mey er, für die Jüdische Gemeinde Berlin Rechtsanwalt Tr. Mar Köllens ch er, Tr. Alfred Klee im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Geheimer Rat T i m e n d ö r se r für die Großloge von Deutschland. Ter Vorsitzende des Centralvereins, Justizrat Tr. Brodnitz. brachte seine persönliche Anteilnahme am Siedlungswcrk in Deutschland zum Ansdruck. Auf Grund seiner Erfahrungen in der Ort* Arbeit habe er das Vertrauen zur jüdischen Jugend gewonnen, daß sie in den ihr neu crschlosiencn Berufen Gutes leisten würde. Ter Bundesvorsitzcndc des R. j. F., Tr. Löwen st ein. der die Kundgebung leitete, schloß sie mit der Feststellung, daß von einem mit so allgemeiner Zustimmung ins Leben gerufenen Unternehmen für die Zukunft Gutes Zu erwarten sei. Die Hauptversammlung selbst, die am folgenden Vormittag begann, war aus allen Teilen des Reiches zahlreich besucht und brachte wichtige Fragen innerer Art aus der Bundcsarbeir des R. j. F. zur Behandlung und Klärung. Tie satzungsgcmäß bot Genommene Neuwahl des engeren Bundesvorstandes ergab die Wiederwahl des seit Lundesgründung an erster Stelle stehenden Bundcsvorsitzendeu Tr. Leo L ö w e n st e i n (Berlin), der ja auch uns als Mitglied des Hauptvorstandcs des C. B. nahesreht. —- Außerdem wurden von dem C. V. nahestehenden Herren in den engeren Bundesvorstand des R. j. F. Justizrat Chodziesn e r, Rechtsanwalt Tr. Heinrich E l k e l e s. und Max Eisenfranncr gewählt. Ein großer einleitender Dortrag von Tr. L ö w e n st e i n fand besondere Aufmerksamkeit. Tie daran anschließende Anssprache war rege und wertvoll und bekundete den Willen zur Aufrcchterhaltung und Stärkung der guten Beziehungen des R. j. F. zum C. V. und zu den anderen jüdischen Organisationen. Tie Politik der Bundeslcitung wurde von der Bnndeshauptvcrsammlung einmütig gebilligt. Ter Verlaus der Tagung zeigte die starke Kraft, die in allen Bundesstellcn des R. j. F. lebendig ist. Und gerade dann, wenn die Temperamente sich entwickelten, konnte man den guten und starken Willen erkennen, der jeden einzelnen beseelte znm Treuste in der Bundesarbcit des R. j. F., zur Ehre und zum B e st c » des d e u t s ch e n Indentu m s und des d e u t s ch e n Vaterlandes!