Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- Seite 672 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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H7L schuld sei und -atz unsere Arbeit auf solche Gctoalttaten abziclc. Derartige Vorwürfe reichen zwar nicht an uns heran —, trotzdem haben wir es für unsere Pflicht gehakten, gcge:t diese Verleumder diesmal mit alten Mitteln des Zivilurtt> Strafrechts vorzugehcn. Wer unsere von den beiden völkischen Organen zitierten Berichte über den nationalsozialistischen ^Vormarsch irr Öltsriesland und Groß-Berlin gelesen hat (Nr. 46, S^ 644 der „E. Ä.-Zeitung"), weiß, an welche „planmäßig geräuschloseGcgeuarbeit" und welche „neuen Pläne" lv-lr gedacht haben. Gewiß reicht „die alleinige Arbeit durch Las Wort" nicht aus. Es gilt, hervorragende Politiker, Schriftsteller, Industrielle, Beamte über die Umtriebe zu unterrichten, Parteien und Behörden, wo es erforderlich ist, über die Zustände aufzuklärcn und mit rmserenr Material zu versehen. Und dann: Die Nationalsozialisten sind so mutig. baö_ sie imscre Redner in ihren Versammlungen jürchtcn und jede dbussprache mit Juden ablehnen. Ter Eintritt wird uns gewöhnlich in schimpsticher Weise verlvehrt. Direktor Tr. Holländer hat Hitler ^mehrfach aufgefordert, vor einem unf^rtcrischeu Kollegium von Sachverständigen über die llnrichtigkeit und Unklarheit m ferner wirtschaftlichen Beweisführung, über „raffendes undschassendes Kapital" usto. .zu diskutieren und hat sich erboten, den Beweis zu bringen, daß Hitler die Kenntnis der volkswirtschrrftlichen Grundbegriffe völlig abgeht, somit die Art und Weise, wie er zu belehren sucht, unverantwortlich ist. Wir nni> also genötigt, in diejenigen Gebiete, die die Nationalsozialisten mit ihrer völlig unwissenschaftlichen und uwvahrcn antijüdischen „Arrsllärunz" beglücken, ebenfalls hmcinzugehen. Dort müsien wir im Kampfe für Glauben und Heimat durch alle geeigneten und zulässigen Mittel den zahllosen groben llnwahcheiten zügelloser Agitatoren gegenüber die lautere Wahrheit verbreiten; in dem BewußLsein. gegen eine Bewegung auizuLreLen. die sich, wie die Ereignisse des November 1923 in Nlünchen bewiesen, schließlich gegen Friede, Freiheit und Bestand des deutschen Volkes auswirkt. Wir sind die Letzten, die nicht jede ehrli che M e i n n n g in der Politik achten und ihr Anerkennung entgegenbrin gen. Bei den Nationalsozialisten aber haben wir cs immer erlebt, daß trotz aller Mchtigsiellung offensichtlich grober Unrichtigkeiten die narimmlsozialistische Poesie immer wieder, um einen anfreizendcn Agilatiousstoff nicht $n verlieren, Behauptungen verbreitet, deren Falschheit* ihr bereits nach ge wiesen ist. Daß wir nur dann die Allgemeinheit anrusen, wenn die große Mmte des Volkes von narionalsoziallstischerr Unrvahrheiten ergriuen erscheint, ist klar. Wo wir. aber im kleinen Kreise das AuMühen der Slimpspflanzeu sehen, werden wir, ohrw d»rvon viel Aufhebens zu machen, geräuschlos ausklärend emgreisen. d. h. den Weg vermeiden, den wir bei unseren Gegnern inmrer wieder sehen: durch Skandal, Terror, Belästigungen von Menschen und Behörden das Aussehen auf sich zu lenken. Wir verdammen die Gewalt als Politisches Kampfmittel nicht aus Zwelkvmßigkeitsgründen, wie unsere Gegner, die bei Feststellungen von Ueberfüllen (wie in Bremen) nur von der Zwecklosigkeit der Gewaltanwendung in solchen EinZekfällerr zu sprechen pflegen. Wir sirrd grundsätzliche Gegner des Systems, den politisch Andersderckenderr uiederzuschlagerr statt .ihn zu überzeugen. Wir kämpfen nickst mit Schlagring und Gummiknüppel, sondern mit den Waffen des Geistes. Br. Hans Reiehniaim. * Unsere /lröeit im RheinlanSe. Die Mobilisternttg der jüdische» Bevölkerung. — Versammlungen in Neilwied, Ben», Koblenz,- Jülich, Neust und Krcuzrmch« — Annähernd 600 Freunde und Freundinnen bei der Krenznachcr Kundgebung. Die Aktivität der Nation a lsozial iste n im rheinifcheu Gebiet hat unter den im linksrheinischen Landesverband des Ecntrntvereins zwsanimctzgcfaßten jüdischen Bewohnerrr eine starke Gegenwirkung ausgelöst'. Der ernste Wille eutschlosieuer Abwehr ist in einer Reihe großer jüdischer Veranstaltungen zum Ausdruck gebracht worden, die in der Zeit von: 18. bis 2ö. November abgehalten worden find. Den Austakt bildete die B eir ts t a gu n g in Neuwied am 18. btoveinber, die überaus stark besucht war. Weit aus dem Westerwald hatte der Weg die Getreuen hergeführt. Theodor Marcus <Breslau), Mitglied unseres Hauptvorstairdes, sprach über dis Wirkung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Krise aus das deutsche Fudentmn. Im Anschluß daran gab Engen Jacob i (Köln) ein umfassendes sachliches Bild der nationalsozialistischen Belvcguug im Rheinland. Dieselben Redner sprachen sodann tun 19, November in Bonn, nur 2«). November in Koblenz, am 21. November in Jülich, am 22. November in Neuß. Sämtliche Versammlungen wiesen einen bisher kaum erreichten Besuch auf unb waren von höchster Begeisterung getragen. Höhepunkt der Woche aber war die Tagung anr 35. November in Kreuznach für die Bezirke Äittetrhein, Nahe. Hunsrück und die nähere Nmgelnmg der Gebiete Hessen und Pfalz. Bormittags fand eine Arbeitssitzuug statt, an der über 40 Vertreter der in diesem Winkel zufammenstoßenden Landesverbände Rheinland. Hessen. Pfalz unö Saar, Vertreter der zugehöriger Ortsgruppen und des R. j. F. Leitnahmen. In cmjtcr Aussprache untrben Vlatznahmen für die kommende Zeit beraten. Es handelt sich nur eine Arbeit, die auf einer einheitlichen Grundlage aufgebaut und durchgeführt werden soll. Und nun der Nachmittags Das Wetter war schlecht. Es regnete den ganzen Tag um unterbrochen in Strömen. Und Lemwch kamen sie: ^twtdenweit aus dem H u n s r ü cf, von den entferntesten Gebieten der Nahe, aus dem Birke nseld scheu, aus dem hessischen Land und vom Rhein trafen sie in Regen und mit Bahn, in Pertonen* und Lastautos, zu Fuß ein. Etwas Rechtliches haben mix im Rheinland noch nicht erlebt. Der geräumige <raal war mit etwa Göd Menschen bis in die letzten Ecken, bis aus den kleinsten Treppenvorsprung gefüllt. Ein unbeschreiblich übevväLtigendes Bild. Als erster Redner sprach Eugen Jacob; (Köln) über die gegnerische Bewegung im rheinischen Gebiet. Er schloß seine Ausführungen mit einem stammenden Appell an die indische Geschlossenheit und Opferbereitschuft. Sodann sprach das Wtglicd des Hmwworstandes des Ecntralvereins. ^kechtsainnalt Tr. Erich Kehr (Kaiser-.-lautern) über „Antisemitismus und Rechtsschutz"! Seine Ausführungen, auch grundsätzlich bedeutsam, waren in erster Linie belehrend. Ter dritte Redner, Tr. Alfred Wiener (Berlin), der Syndikus des Centra'vereins, sprach von Fricdhoksichändtmgen, Von g esc lisch ai Ui che m und wirtschaftlichem Boykott, rnrd gab somit bau (£ci samtdild die letzte Rundung. Er wies zum Schluß d<rrauf hür, daß völkische Gesinnung die letzte wäre, der die seit über einem Jahrtausend am Rhein beheimatete jüdische Bevölkerung den Platz rarunen würde: . Kampf allen denen, die unsere Toten in ihrer heiligen Ruhe störten! Kampf allen denen, die unser Zudeutun; und seine Lehren verleumdeten, nufere Treue zum deutschen Vaterland verketzerten!^ Zeder fühlte die Vorkünden heit zwischen Mitgliedern und Führerschaft in der großen Versammlung, die der Vorsitzende des Bezirks Nochc-Gau und unserer Orts-, gruppe Kreuznach, Wolfs, vorbildlich leitete. G. I. Wir bitten unsere Freunde, uns umgehend jedes Blatt zu übersenden, in dem die gleiche Behauptung wiederholt wird. Wir werden gegen jede Zeitung mü> jeiren Redner, der sich diese Verleumdung zu eigen macht, in der gleichen Weise wie gegen den „Völkischen Beobachter" und den „Angriff" Vorgehen. n 4. Jahrgang: ^5^8 U Zweimonatsschrift Heraus gebet und ScKriftleüumj: Prci. Dr. Jul tu j Geldstein (Dürir «?-.<li) Heft 5 soeben erschienen Aus dem bhek des fünften Heftes: Felix Aber: Verdienst und unverdiente Gnade. — Wilhelm Michel: Lesstng. — Erich Stern: Ueber die Bedeutung religiöser Formen für die Erziehung. — Hans Hartmans: Die Rassenhage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht. — Richard Detlev Loewenberg: Gustav Landauer zum Gedächtuis. — Fritz Friedlsender: Jüdische Freunde deutscher Dichter itn neunzehnten Jahrhundert. — M. Wischaitzer: Der Kampf der rassischen Juden um di« Menschenrecht«. — Franz Rosenzweig: Zum zweiten Band der Encyclopaedia Jadaica. — Paal Fiebig: Jüdische Armengesetze der ne utes tarnen tl ich en Zeit. — Manfred Sturm ana: Noah. — Anzeigen. - Zu beziehen: Philo Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Einzelheit 2,25 M., jahrciahoanement 12 M. Tagung öss Lanössvsrbanöes Eannovsr. Am Sonntag, 25. November, fand in Hannover die Tagung de? Landesverbandes Hannover des Central verein? statt, zu der Vertreter der verschiedenen Grtsgruppen des Landc?vcrbande? rrnd Gaste aus unserer Trtsgruppe Hamwvcr cischienen waren. Für die Berliner Hauptgeschäftsstelle nahntcn die stellvertretende!; Syndici Schweriner und Tr. Ne i chm nun an der Veranstaltung teil. Zn Beginn der Derbandll'.ngen. die der 1. Vorsitzende des Landesverbandes. Aechtsanwalt Lichten borg (Hannover), leitet?, berichtete de; Landesverbandssvndikus W i 1 t e l s l) ö f c c über die sinaniielle und politische Lage des Landesverbandes und o.cdachte hicrbei besonders des verstorbenen Mitarbeiters SH ar Frau u ä Mer, des Vorsitzenden bei Srlsgruppe Verde n. — i)rau Gertrud L i ch i c n b c r q (Hannover) sprach fr*Mim über „T e r (5 e n t r a l v c r c i n i: u b d i e jüdische F rauch indem sie vor allem Selbsterziebung und Selbstbüdung der jüdisclien Frau, Erziehung der Z'ckudcr zum bcwnsitcn Judentum und Tculschtuin, soziales Verständnis und Atitarbstk forderte. Sie empfahl die Gründung Don Frauengruppcn iuuertzalb dcr einzelnen Ortsgruppen, die nach den stadthannoverschen Erfahrungen sehr gsonstig für di? Heranziehung zur politischen Mitarbeit sich auswirkten. — Georg Hcrzberg (Brauuschweig) führte die ,.A b w c h r a r b e i t auf dem Lande" vor. Er brachte sehr wertvolle Anregungen. — Tec stellvertretende Spw ditus Schweriner (Berlin) schilderte an Hxrud^ von Beispieleu in feilten; Vortrage „Gefahren u m fang tl n d G c f a h r c n t] u c i f c u" die Wirkung der völkischen Agistniou, deren Einfluß sich auch in uns Nwhlwollendeu Kreisen zeige. — Tr. R c i ch m a n n «Berlin) sprach in seinem Referate „G e f a h r e n b e k ä m p s ll rr g" über Art und Umfang uustrcr Rcchtsschub^rbeit und neue Bh'ihoden unserer Auftlärun.g. In der Aussprache wurden die uationalsoziaiistirch'.' Agitation atrs dem Lande und ihr Vordringen in die jugendliclv Bevölkerung beleuchtet und besonder? die Vroblcun' dc'r „Aufklärung auf beut flachen Land" und ,..Miiürdcit der Frau" bcbandelt.