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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-26 · 43 (26.10.1928) · p. Seite 604

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
Seite 604 (sequence 4)
Language
German
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604 ergeben ein ganz anderes Bild, als es die judengegnerische Presse von, jüdischen Wohlstand malt. Kultussteuersätze von 40, 50, 60 Prozent, die bei choistkcherr Kirchen ganz undenkbar sind, sind keine Seltenheit. Glücklicherweise können die Landesverbände jüdischer Gemeinden in den Einzelstaaten des Reiches vieles bc^ern. Die völkischen Angriffe treffen gerade diese verarmten Juden auf dem Lande und vermehren dererr materielle Notlage durch ein fcel> scheS Leiden, das das materielle um ein Vielfaches übertrifft. Die Söhne aus den Genieinden, die in dcr Fremde leben, haben die Anhänglichkeit an -ihre deutsche Heimat und an die Stätte, auf der ihre Vorfahren begraben -liegen, sich bewahrt und kehren Jahr für Krhr nach Derrtschland zurück, träumend von den-tscher Kultur und erfüllt von Pietät am Grabe ihrer Eltern. Llachen Sie sich dorr Eindruck klar, welche Empfindungen sie erfüllen müssen, wenn sie diese Stätten zerstört und verwüstet nnedersehen und lvelche Bericht ste über unser deutsches Vaterland geben müssen, wenn sie in ihre neue Heimat ZurücMchren. Orüsidevt brs MirMen LeMags, Bmkels: Das Thema, das uns heute abend hier beschäftigt, gibt auch mir Veranlassung, mich mit einigen Worten zu äußern. Ich muß sagen, daß die Vorgänge, die uns heute abend beschäftigen, zu den beschämendsten und niederdrückendsten gehören, die die Geschichte unserer Zeit zu verzeichnen hat. Es handelt sich um systematisch sich wiederholende Handlungen. In den letzten Jahren sind nicht wen iger als sechzig Friedhöfe geschändet worden. Dle Ehrfurcht vor den Toten ist in Deutschland und in allen Kulturländern stets ein allgemeines Gebot gewesen. Ten Toten ruhen lasten, von den Toten nur Gutes reden, ist allgemeine Uebung. Aus diesen planmäßigen Verwüstungen ersehen wir, daß es heute in Deutschland Menschen und Gruppen gibt, die sich über diese Grundsätze hinwegseßen. Das ist eine Schande und eine grenzenlose Eefühlsverwilderung. Schillers geschieht, ist Roheit sollte sich eine Links: Staatssekretär Hölscher vom Preussischen Justizministerium Hechts: Härtels Präsident des Preassischezi Landings Daß das im Lande Goethes und doppelt beschämend. Gegen eine solche Front aller anständigen Menschen richten. Zur Verachtung und strengster Bestrafung solchen Rowdytums müssen alle Volksgenossen aufgerusen werden, die noch Wert legen aus Achtung und Pietät, auf Sitte, Wohlergehen und Ehre des Volkes. Ich weiß, daß Sie in Ihrem Kampf die große Mehrheit des deutschen Volkes auf Ihrer Seite haben werden. btaMekrelßr Mche§ vsm PrrOWsri MWlMtriM führte aus: Tie preußische Justizverwaltung bedauert aufrichtig, daß Vorgänge der Art. wie sie heute abend hier Anlaß zu Ihrer Kundgebung sind, in unserem deutschen Vaterlande sich ereignen konnten, und wiederholt hat sie in Verfügungen dahin Stellung genommen, daß derartige Straftaten in unserem Kulturstaat besonders verabscheuungswürdig sind. Daher hat sie in einer Verfügung die Strafverfolgungsbchörden angewiesen, im Einvernehmen mit den Polizeibehörden diesen Straftaten auch weiterhin ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und um die Aufklärung, die trotz Aussetzung von erheblichen Belohnungen leider nicht inuner gelungen ist, nachdrücklich bemüht zu sein. Bei der Stellung Der Strafanträge in Der Hauptverhanvlung wird zu berücksichtigen sein, Datz solche gegen Die Ruhe Der Tote» gerichteten Straftaten in allen Kreisen des Volkes als besonders verabscheuungSwürdig empfunven werden, nnd datz es nach den Erfahrungen dcr letzten Jahre nicht möglich erscheint, ihnen ohne empfindliche Strafen mit Erfolg zu begegnen. Ter Herr Minister hat angeordnet, daß ihm über jeden einzelnen Fall Bericht erstattet werden soll. Aufrichtig hoffen und wünschen wir, daß wir durch unsere Maßnahmen zur Vermeidung künftiger derartiger Straftaten beigctragen haben mögen. VöllzMemWrnt Dr. Bernhard Weiß sprach als Vertreter des Berliner Polizeipräsi» d e n t e n folgende Worte: Ich hatte nicht die Wsicht. heute abend hier das Wort zu ergreifen. Nachdem aber alle anwesenden Vertreter von Behörden das Mort ergriffen haben, so will ich als Vertreter o e r P o l i z e i sprechen, um so mehr, als die Justizministerien durch zwei Vertreter hier zu Wort gekommen sind, die innere Verwaltung und Polizei aber noch nicht. Es dürfte um so notwendiger sein, als wie Sie ja alle wißen, die Bekämpfung all dieser Ausschreitungen zum eigentlichen Aufgabenkreis der Polizei gehört. Die Polizei setzt es sich zur Ausgabe, allen Staatsbürgern, auch denen, die die heutige Staatsform nicht anerkennen, das Recht der freien politischen Meinungsänszerung zu gewährleisten. Sie schreitet aber mit allem Nachdruck ein, wenn dieses Recht gcmitzbraucht wird zu Ausschreitungen und Straftaten, wie wir sie von Monat zu Monat in größerer» Matze in Erscheinung treten sehen. Ein Beispiel, wie sich der politische Kampf über die geltenden Strafgesetze hinwegsetzt, rst die Freiheitsberaubung eines Redakteurs durch Kommunisten, um sich durch Rundsunkpropaganda einen kleinen politischen Vorteil verschaffen zn können. Man hat diesen Streich, den man gern mit dem des Hauptmanns von Köpenick vergleicht, viel von der scherzhaften Seite betrachtet, und er entbehrt ja wirklich nicht eines gewissen humoristischen Anstriches. Er hat aber auch seine ernste Seite: Denn auch dieser Fall zeigt, wie verroht unser politischer Kampf immer mehr und mehr wird, indem sich politislhe Parteien bedenkenlos über die Schranken des Strafgesetzes hinweggesetzt haben. Aber was bedeutet dieser Kommunistenstreich gegen die Untaten, denen heute Ihr und unser schärfster Protest gilt! Angesichts solcher Gemeinheiten, von denen diese Bilder zeugen, müßte man den Hut ziehen vor dem Zuchthäusler Schuhmachermeister Voigt; denn solcher Gemeinheiten wäre dieser Zuchthäusler nicht fähig gewesen. Seien Sie überzeugt, daß Ihnen in diesem Kampfe nicht nur die Regierung, sondern auch die preußische Polizei und der Berliner Polizeipräsident. für den ich hier spreche, ihren starkenArmleihenwerdenundvorallenlauch der Herr preußische Minister des Innern, den Sie alle als einen Hüter und Vorkämpfer des Rechtes aller Staatsbürger kennen. Als letzter Redner sprach 8u!ius sab: Wir find als Juden direkter die Leidtragenden, aber der unermeßliche Schaden trifft in erster Linie nicht das Judentum, sondern das Deutschtum. Wenn wir dagegen protestieren, tun wir es nicht nur, weil wir ein Verein von Juden sind, sondern auch, weil wir ein Verein von Deutschen sind. Hier hängen Dinge mit dem Judentum zusammen, die? von ungeheurer Bedeutung für das Deutschtum sind, weil die Feinde dos Deutschtums im Ausland abscheulich mit ihnen a gumentioren können. Diese Untaten sind ein Symptom für die innere Zersetzung des deutschen DolleS. Alle Kultur ist aufgebaut auf den: Gefühl der Gemeinchafi. Die letzte Semeinchaft, wenn sonst olle Unterchiede trennen, ist die Eh Grundgeheimnissen de rfurcht vor den letzten r Existenz, vor Geburt JuL)U3 'BaB

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