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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-26 · 43 (26.10.1928) · p. Seite 603

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
Seite 603 (sequence 3)
Language
German
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Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz) Rechtsanwalt Dr, Bruno Weil (Berlin) Direktor Hugo Ostberg (Berlin) Geheimrat Prof, Dr, F, Blamen thal (Berlin) Zeichnungen von Epstein Fundamente unseres Staates, rnacht die Jugend krank, von der allein unsere Erlösung kommen kann. Horen Sie dieseWorte vorr jenseits des NHeins! Traurig genug, -atz wir uns halten müssen gegen den Druck vorr aussen, trauriger, dass wir uns halten müssen gegen den Druck, der von eigenen Volksgenossen auf uns tastet. Sodann erinnerte Eehrimmt Assessor De. MöilmOMmnrnlhLl an die völkerverbindende Tat Dr. Eckeners. Auch das Judentum setzt sich ein für Verbindung von Völkern und Menschen. Ter Redner erstattete einen genauen Bericht über die nationalsozialistischen U ebersalle in Bremen, die zur Folge hatten, dass die deutsche Negierung die brasilianische um Entschuldigung bitten mußte. Er geißelte empört die Art der Der- und. Beurteilung dieser Tat durch eine gewisse Presse: Nicht die Ilebersälle fanden Bedauern, sondern mrr die Tatsache, daß der brasilianische Konsul mit einem Juden verwechselt worden sei. Wir werden überall als Sündenbock hingestellt, unser Dasein soll das Hindernis für den sonst so glanzenden Aufstieg sein. Gewipe Rechtsparteien verurteilen wohl die wilden Ausschreitungen, aber ihr tolerari posse gegenüber einer Reihe von Erscheinungen hat diese Ausschreitungen erst möglich gemacht. JustiZrat Dr. Brvdnitz begrüßte den inzwischen erschienenen Reichs mini st er der Justiz, Dr. Erich Koch- Weser. Der R e i ch s j u st i z m i n i fl c t nahm daraus das Wort zu einer bedeutsamen Erklärung der Reich sregieruna, die wir an leitender Stelle dieser Nummer Wiedergaben. Ter nächste Redner, 5 KomuMtrma! Srrlsn Amon, Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinds zu Berlin, dankte namens der Jüdischen Gemeinde Berlin dem Centralverein für die gebotene Gelegenheit, in einer Kimdgebung zu Gehör zu kommen, die weit über den Kreis jüdischer Beteiligter hinaus die gesamte von Kulturbcwußtsein erfüllte Menschheit anginge. Gegenüber der Befürchtung, daß die große Berliner Jüdische Gemeinde kein Verständnis für die kleinen Gemeinden habe, erkläre er, daß es nur eine Einigkeit des Fuhlens und Denkens gebe, wenn es sich darum handele, Güter und Einrichtungen der jüdischen Religion zu schützen. Wenn auch die Großstadt Berlin * bisher von derartigen Ausschreitungen, wie Synagogenbesudelungen und Friedhofsschändnngen. verschont geblieben sei, so sei doch das Herz eines jeden Berliner Juden erschüttert im Gedanken an die Zerstörung heiliger Stätten unserer Glaubensgenossen im Reich. Dieses Mitgefühl sei den Juden im Reiche eine Bürgsckpst dafür, daß die Berliner Juden bereit sind, sür die Etanbensgenonen im Reich mit allen zu Gebote stehendere Mitteln zu kämpfen. Gersön SmOti NeMamvalt De. Wmm Mil: Niemals hat der Cent ralverei nzu einer selbstverständlicheren Sache aufgerufcn wie heute. Zweiundsechstgmal in vier Jahren wurden jüdische Friedhöfe besudelt. Auch chrt-stlick-e Friedhöfe sind Schändungen nicht entgangen. Aber an Zahl lassen sich diese Fälle nicht vergleichen. Nirgends hat sich die Welle der Gemeinheit so ausgewirtt wie gegen die Juden. Unser Protest ist daher der Protest jedes anständig denkenden Menschen, weil es seine Sache ist, die hier geführt und vertreten wird. Warum ist die Zustimmung eine so allgemeine aller ehrlich, gerecht und anständig denkenden Menschen und Parteien? Weil das Gefühl jedes einzelnen beleidigt ist. In allen Landern liegen unsere Toten. Deutsche Krieger sind in allen Ländern Europas und tief hinein bis nach Asien begraben. dllle Volksgenossen, die aus Elsaß-Lothringen und dem Osten nach dem engeren Deutschland zurückwandern mußten, haben teure Tote zurückgelassen. Jeder muß den Wunsch haben, daß diese Gräber, die fremder Obhut anvertraut sind, von den Fremden geschützt werden. Wie sott das deutsche Volk Grfültrmg dieser Pflicht verlangen können, wenn im eigenen Lande die Gräber geschändet werden? Wenn nicht einmal die Gräber der eigenen Volksgenossen geschützt und verschont bleiben! Ueberall hat gerade der Schutz der Toten einen besonders großen und wichtigen Teil des kulturellen Lebens bedeutet. Redner erinnert an Aegypten, an China, die Grabschrift eines Königs von Sidon, an die Bestimmungen des römischen Rechts gegen Friedhofssc^ndnngen, daß das fränkische Recht den Leichenschändern Friedlosigkeit erklärte und noch 1620 in Preußen die Todesstrafe darauf richte. Er erinnert an Erlasse von Päpsten und Fürsten zum Schutze der jüdischen Friedhöfe und an die Tafel, die Friedrich der Große am Neuen Friedhof in Breslau anbringeu ließ. Als die Juden 1492 aus Spanien vertrieben wurden, nahmen che als teuerstes Gut die Grabsteine ihrer Vorfahren mit sich.; Welches sind die Motive der Grabschändungen in alter Zeit gewesen? Meist war es Raublust. Bei jüdischen Gräbern kann eine solche nicht festgestellt werden. Wir^Juden haben die einfachste Bestattung in sechs rohen Brettern, so kann es nur der Haß sein, der Haß der Nationen, der Haß der Rassen, der Haß der Religionen! Aber immer hat sich das Gewissen der Kulturmenschheit empört, wenn aus einem dieser Gründe Grabschändungen verübt wurden. Die Behörden haben alles getan, um die Täter dieser Verbrechen festzustellen, trotzdem wurden sie nur in 15 von 62 Fällen entdeckt. Darunter befanden sich ein Kommunist, in fünf Fällen Nationalsozialisten, in sieben Fallen Schulpflichtige, besonders ans höheren Lehranstalten. Wir wissen, wie sehr Kriegs- und Nachkriegszeit verrohend gewirkt haben. Auch ein kulturell so hochstehendes Volk wie das deutsche kann nicht ohne Wirkung durch vier Jahre Krieg und zehn Jahre Nachkriegszeit hmdurchgehen. Aber die Knaben und Mädchen, die Gräber schändeten und noch schulpflichtig sind, haben die Kriegszeit überhaupt nicht'erlebt, sondern nur den Geist der Nachkriegszeit, der verwüstend wirkte. G^gen diesen Geist rufen wir Zum Kampf auf. Gewalt darf nicht an Stelle von Recht stehen. Grabschändung ist ein Verbrechen, während Ehrfurcht vor dem Tode kulrrrrclles Girr ist. Wer Grabsteine Zusammenhaut, erficht einen allzu leichten Sieg über die Teten, wo chm ein Sieg über die Lebendigen nicht möglich war. Jeder Versuch einer Terrorisierung uns gegenüber durch Untaten gegen nufere Toten wird auf unseren ehernen Widerstand stoßen. Direkisr §WZ DWsrg. verlas 20 lieberschristen von judemernblichen Artikeln aus völkischen Zeitungen, die in der „C. V.-Zeitung" ausgeführt waren, und zeigte, wie eine derartige Vlerchftimg. ständig durchgoführt, sich äußern muf; in einer Psychose, die Walter von Molo ..Tollwut", Eonstantin Brunner /Judenvorrückthert^ nennt. Er zeigt, daß diese Hetze die Ursache der FvicdhofssckMdmmen rst. Unter diesen Schändungen leiden ganz besonders die j ü dr sche n Gemeinden im Lande, die sowieso im schwersten Kampf um ihre Eristeuz stehen. 1821 bildeten die Juden in 32 Städten der Ostmark noch 48 Prozent der Bevölkerung, 1910 nur vier Prozent. Nach dem Kriege haben die Juden auf dein Lande mehr gelitten als die übrnza Bevölkerung. Die kleinen Larrdgemorilden sind kaum nock) j imstm'.de, K ultusöramte zu ruck-sriMen imd deig notwendigsten Religionsunter r icht eri<U&n zu lassen. Sie

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