Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 42 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- Seite 594 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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594 =5 w Drehtffusfen.Crippe, Heiserkeit fall’ WMmm hilfsbereit! Schachtel Mk.1.-nur in Apotheken u.Drogerien normalen, gesetzlich vorgeschriebenen Verlaus nach römischer Rechtsordnung nahm (ZUelsen, S. 86 unter Berufung aus Paul Rou6), so ist Jesus wegen eines politischen, nicht aber religiösen Deliktes verurteilt worden. Wie weit ein politisches Vorhaben in das Verhalten des Nazareners hineingeheinmist worden ist, ist schwer zu sagen. Der römischen Behörde war er jedenfalls des Aufruhrs verdächtig und deswegen gefährlich. Sie sah in ihm einen politischen Führer und verspottete ihn mit dem Königsnamen, krönte ihn mit dem Königskranz, wie ihn die römischen Kaiser aus ihren Münzen trugen, und umkleidete ihn mit dem Purpur. Wäre Jesus um angeblicher Gotteslästerung willen verurteilt worden, so hätte an seinen: Marterpsahl nicht »Königs gestanden, sondern „Gottes Sohn". Die römische Inschrift am Kreuze stimmt mit dem Zeugnis des Tacitus überein. Auch der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus hat die politische Seite der Jesus-Bewegung in seinen Werken stark unterstrichen. Man darf allerdings nicht den Fehler begehen, den sogenannten griechischen, das heißt durch christliche Ueberarbeiter verstümmelten Text zugrunde zu legen. Biel näher kommt dem Originale der neu aufgefundene slawische Josephus, wo er teilweise schon in Gebhardts und Harnacks Texten zur Geschichte der altchrisllichen Literatur veröffentlicht worden ist und nächstens unter des Petrograder Professors Jstrin Leitung vollständig erscheinen wird. Hier wird Jesus als ein „Magier" und — Aufrührer, ein „nach der Herrschaft Dürstender" geschildert, der bei Gelegenheit eines Aufstandes an die Römer verraten wurde. Die Umbiegung des Evangelientextes nach der römerfreundlichen Seite hin ist jüngeren Datums. Ws die christliche Religion im Römerreiche festen Fuß faßte, wurde es als Hindernis empfunden, die Träger des Weltreiches mit dem Tode Jesu in Verbindung zu bringen. Ter Wandel der Anschauung über die Schuld der Römer ist in den Evangelien selbst noch zu spüren. Im Markus-Bericht, der unbestritten ältesten Ueberlieferung, verurteilt Pontius Pilatus rwch den Angeklagten, wenn auch widerstrebend, bei Matthäus weigert er fich bereits. Jesus dem Tode zu überantworten. Er bezeugt seine Unschuld durch die oben kritisierte Handwaschung. Lukas schon läßt Pilatus keine Schuld an Jesum finden und sendet diesen zu Herodes, der ihn freispricht. Im Johannis-Evangelium verurteilen erstmalig die Juden den Heiland. Pilatus ist hier bereits zum Freunde Jesu geworden, eine Anschauung, die die spätere Pilatus-Literatur (näheres bei Nielsen, S. Ws.) noch weiter ausbaut, ein untrüglicher Beleg dafür, wie die Lehrmeinung der „Kirche" sich allmählich gewandelt hat. Don einer jüdischen Volksbewegung zuungunsten Jesu kann man nicht sprechen. Jesus ist durch die Römer oder, wie es bei Tacitus (s. o.) herßt: „per kontium Pilatum" verurteilt worden, und zwar, wie die Ouellen beweisen, als „Ausrührer gegen die Staatsgewalt"." Ter jüdischen Religion war er nicht im Wege. . Er durste frei in den Synagogen sprechen, solange er nur „e inen" Gott lehrte. Er war auch den Römern zunächst noch kein Dorn im Auge, sofern er dem Kaiser (vgl. die Geschichte vom Zinsgroschen) die erwartete Achtung zollte. Erst als die Festpilger (nach vorsichtigen Schätzungen Joachim Jeremias' etwa 125 006 neben 55 000 in Jerusalem ansässigen Juden) dem Propheten Jesus als ihrem König, das heißt als einen Notanker inmitten der qualvollen römischen Besatzung, huldigten, wurde aus der religiösen Bewegung eine für Rom ins Gewicht fallende politische, deren Opfer Jesus auf Grund römischen Richterspruches wurde. Die Sache bekommt mithin ein ganz anderes Gesicht, als es Gottschling entworfen hat, wenn man mit historischen Hllfs- Mitteln an sie herangeht. Sie nur von juristischem Standpunkt aus zu betrachten, ist einseitig und führt zu Beschuldigungen, bw sich nicht halten lasten und endlich einmal aus der wisjenschaftuchen Diskussion verschwinden müsten. Tendenzurteile, auch wenn sie in einem so beachtenswerten Literaturwerk wie der Bibel enthalten sind, vermitteln immer ein schiefes Bild. Tie Bibelkritik hat es richtigzustellcn versucht, und der Versuch ist gelungen. Das sollten sich alle Gebildete» endlich zu eigen machen. AauHeri vir eine zentrale Mische Pressestelle? Von Chefredakteur Fritz Goetz, '1. Vorsitzenden der kommunalpolitijchen Presiekonferenz Berlin. Wir freuen uns, aus besonders berufener Feder die Bestätigung dafür zu erhalten, daß wir mit unserer umfassenden Prcssearbeit auf dein richtigen Wege und. Wie wir in unserer Arbeit auf keinem Gebiete stehen bleiben, sondern bcnlüht^ünd, sie zu verfeinern und auszubaucn, so sind un§ in diesem^ Sinne aud) die vorliegenden Ausführungen willkommen. Im übrigen wird die Prepestelle die beste sein, die sich möglichst geräuschlos durchsetzt, Tie Schristleitung. Wie ich aus der „C. D.-Zeitung" entnommen habe, beschäftigt sich das „Königsberger jüdische Ge m_e indeblatt" mit dem Thema, ob wir eine amtliche jüdische Pressestelle nötig haben, eine Forderung, die a-n den ReickMerband odew den Preußischen Lau de s- Verbmrd indischer Gemeinden gestellt wurde, um die Provinzpresse wegen ihrer: antisemitischen Artikel zu überwachen- Nun hat der Syndikus des C. V.-Landesverbandes Ostpreußen mit Recht darauf hingewiesen, daß derartige Stellear heute schon bestehen, und zwar in jedem Landesverbandslyndikat des G e n t r a I v e r c i n s, das die einzelnen Falle bearbeitet. Und trotzdem ist natürlich die Forderung nach einer zentralen Pressestelle durchaus berechtigt» und zeitgemäß. Ter Centralverein arbeitet in seiner Hauptgeschäftsstelle in Berlin mit außerordentlichem Geschick, großer Sorgfalt und unter Bemchung aller Hilfsquellen, die ihm zur Verfügung stehen, und schafft auf. d'ese Weise sehr viel Gutes und SoZensreiches, besonders auf dem Gebiet der Aufklärung und der Abwehr. Es ist außerordentlich interessant, auch hier einmal dem Leser, der sich ja gar keine Vorstellung zik machen in der Lage ist, wie ungeheuer vielfältig diese Arbeit fft mid von wieviel Seiten aus sie ungefaßt werden nmß, einmal darzrrstellen, wie diese Arbeit der Abwehr und der Aufklärung vor pch geht. Wir wollen als Beispiel annehmen, daß in irgendeiner dunklen Pwvmzzeitung ein schmählicher Angriff gegen einen mehr oder lvcnigcr prominenten deutschen Staatsbürger jüdischen _ Glaubens erschienen ist. Dem C. V. wird diese Notiz oder dieser Artikel natürlich von verschiedenen Seiten aus ringe schickt jrtii der Bitte rmi Prüfung des tatsächlichen, Inhalts, um schärfste Zurückweisung des Inhalts und um eventuelle Stellung eines Strafantrages. Jetzt beginnt der Apparat der Vertrauensmänner, der Rechercheure, der Informatoren des C. D. zu spielen. Ist ein Syndikus am Orte, dann wird sich das Tatsächliche schnell ergeben. Handelt es sich aber um eine kleinere Stadt, dann wird es notwendig sein, schriftlich alles Notwendige zu veranlaßen und durch Rücksprache und Einziehung von persönlichen Informationen durch den Landessyndikus den Fall so vorzubereiten und zu klären, daß die notwendigen publizistischen und gerichtlichen Schritte ermöglicht werden. Natürlich treten sehr ost Komplikationen hinzu, die einen umfangreichen Schriftwechsel, intensive Untersuchungen, erfordern, von denen ja der empörte Leser und Miterlcber des Ereignisses nichts sieht oder hört. Dann ist sehr schnell in unseren Kreisen der Ausspruch getan: „Der C.V. tut ja nichts." Wer aber nur einmal Gelegenheit gehabt hat, in solch einem umfangreichen Aktenstoß zu blättern, und sich davon überzeugen kann, welche Unsummen von peinlichst genauer Arbeit an einen solchen Vorgang verwandt rverden, der wird sicherlich niemals mehr eine solche Aentzerung tun und damit eine ungeheure Kleinarbeit beeinträchtigen. Und dennoch bin ich der Ansicht, daß diese allgemein große Pressestelle doch noch nach einer anderen Richtung erheblich ausgeb a u t w e r d e n m u ß. Es genügt heute nicht mehr, daß die Arbeit, wie ich sie eben skizziert habe, in den Umfängen getan wird und damit eine mehr nach innen gerichtete Arbeit bleibt, sondern die Presicstelle, wie ich sie im Sinne habe, hat die große Ausgabe, auch nach außen hin ganz stark und weithin zu wirken und auch auf diese Weise einen gewissen Einfluß auf die deutsche Tagespreise zu nehmen. Die Stadt Berlin, die ja gewiß es an sich nicht notig hätte, in den Spalten der deutschen Tageszeitungen für sich zu rverben, besitzt, wie das ja selbstverständlich ist, seit vielen Jahren eine amtliche Pressestelle, und auch diese Presicstelle hat in ihrer Arbeit der Stadt Berlin nicht genügt, und so ist aus Veranlasiung des Oberbürgermeisters eine kommunalpolitische Presiekonferenz gebildet worden, zu deren Sitzungen die Vertreter aller großen deutschen Zeitungen im Berliner Rathaus ersännen. von der aus Besichtigungen und Jnformationsbesuck>e -unternommen werden, um auf diese, auf die breiteste Basis gestellte Art und Weise der Reichshauptstadt die Sympathien der Zeitungsleser auch auf indirektem Wege zu gewinnen. So, meine ich, muß der Centralverein diese Presiestelle ausbauen. Er mutz sich nicht nur damit begnügen. Geschehenes zu untersuchen und zu verfolgen, allgemeine kulturelle Artikel zu ver-