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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-12 · 41 (12.10.1928) · p. Seite 582

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
Seite 582 (sequence 10)
Language
German
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5S2 Zum Toöe Hermann Hambergs. Am 3. Oktober verstarb in Berlin Kommerzienrat Hermann Bamberg im Alter von 82 Jahren. Die Bedeutung Hermann Bambergs für das öffentliche Loben Deutschlands und vor allem für Berlin ist in zahlreichen Aufsätzen der Tagespresie gewürdigt worden. Er, der im Jahre 1870/71 freiwillig ins Feld gezogen war und sich das Eiserne Kreuz verdient hatte, entwickelte die Firma G e b r. M a n h e i m e r aus kleinen Anfängen zu ihrer heutigen Bedeutung. Schon im Jahre 1900 kam er als liberaler Vertreter in das Berliner Stadtparlament, dem er bis zu seinem Tode angehört hat. Als er vor zwei Jahren seinen 80. Geburtstag feierte, wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Berlin ernannt. Am besten kommt wohl die Wertschätzung, der sich der Verstorbene erfreute, in dem Nachrns zmn Ausdruck, den der Vorsteher Haß vor den Stadtverordneten am 3. Oktober gehalten hat. Haß sagte it. q.: „Unser hochverehrter Alterspräsident ist verstorben. Er war nicht nur unser ältestes Mitglied, er hat 28 Jahre ummterbrockM dieser Versammlung angehort . . . Der Verstorbene hat Berlin über alles geliebt, er war ein edler Charakter, ein sozial denkender Mensch. Er hat sich in unser aller Herzen ein Denkmal gesetzt.'" . Die demokratische Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung wird in einer Trauerseier im Rathaus am 19. Oktober, bei der O b e r b ü r g c r m e i st e r B ö ß die Gedächtnisrede halten wird, Bamberg als alten Kämpfer demokratischer Freiheit feiern. Bamberg, der zahlreiche Ehrenämter bekleidete — er war Mitglied des Reichswirtschastsrats und der Handelskammer, er war Handelsrichter —, war ein treues Mitglied des Centralvereins, dem er Jahrzehnte hindurch angehörte, und dem er stets mit Rat und Hilfe zur Seite gestanden hat. Hermann Bamberg gehörte zu jener Generation, die unter dem alten Regime zur Größe und Bedeutung emporgeblüht war, die aber ihre freiheitliche Gesinnung nie verleugnet und deshalb im neuen Staat mit gleicher Tatkraft und mit gleicher Begeisterung zum Wohle der Gesamtheit Mitarbeiten konnte. Or. Für die Sabbaihcttrgungk Die Stellenvermittlungs- Zentrale der „Agudas Jisroel" kämpst feit Monaten run die Rechte der gesetzestreuen Angestellten, denen die Arbeitslosenunterstützung entzogen wurde, weil sie sich weigerten, an Sonnabenden Zu arbeiten. An mehreren Stellen wurde Klage gegen das zuständige Arbeitsamt angestrengt. In einem Fall, in dem das Arbeitsamt von vornherein die Arbeitslosenunterstützung ablehnte, weil die Antragstellerin bei Antritt der Arbeitslosigkeit erklärte, sie arbeite am Sonnabend nicht, wurde der Prozeß gewonnen. In anderen Fallen, in denen ungünstigere Entscheidungen ergingen, wird höchstrichterliche Entscheidung herbeigeführt. Einzelne Arbeitsämter versagen die Arbeitslosenunterstützung mit der Begründung. daß, toer sich an Sonnabenden zu arbeiten weigert, dem Arbeitsamt für diesen Tag nicht zur Verfügung sieht und daher auch nicht Der Bedingung der'Arbeitsvermittlung, an jedcm Tage der Arbeitswoche dem Arbeitsamt zur Verfügung zu stehen, entspricht. Wer dieses Sonderrecht. das durch die Rechtsordnung nicht gewährleistet sei, für sich in Anspruch nehme, sei nicht vermittlungsfähig und müsie die Folgen seiner religiösen Ueberzeugung durch den Verlust der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenunterstützung tragenlieber den Widerspruch zu Artikel 3b der Kcichsversasiung, der volle Bekenntnis- und Kultussreiheit gewährleistet, geht diese Entscheidung kurz hinweg. Hoffentlich gelingt es der „Agudas Jisroel", hvchstrichterlickn Entscheidung herbeizuführen, die den gesetzestreuen Arbeitslosen ihre Rechte gewährleistet. Es empfiehlt sich, daß Arbeitslose Ln gleicher Lage sich mit der Stellen der mittlungszenirale der 'Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Sandweg 32, in Verbindung setzen. „Los vom Zionismus." Im Verlage von I. Kaussmann (Frankfurt a. M.) erschien soeben eine Schrift unter dem Titel: ,^Los vom Zionismus." In ihr schildern Fritz Blankenfeld, Kimchi und Ernst Ludwig P inner, wie sie, die ursprünglich Zionisten waren, unter dem Einfluß von C o n st a n t i n Brunner sich vom Zionismus vbgewandt haben. Dem Aussatz von E. L. Pinne r entnehmen wir folgende Stelle: ,LSir wollen nicht ausgehen. nur cingchen in die Völker. Ich sage nicht, daß wir verschwinden sollen. Wir sollen uns erhalten und uns bewahren mit dem Besten, was wir haben. Wer den Judenhaß fürchtet und sich verkriechen will, mag sich taufen lassen. Der mag aber auch tvilsen, daß er dadurch nie sein volles Menschentum erreichen wird. Nie kann ein Jude sein Judentum ertöten, ohne Schaden zu leiden an seiner Seele. Er kann es auch nicht in die Ecke stellen, sondern muß cs wie fein übriges Menschsein so hoch steigern, als er nur vermag. Ich glaube wre ihr an die Zukunft des Judentums, nur an leine politische. Ich glaube an die Möglichkeit einer neuen geistigen Bewegung (jenseits der Orchodoxie>, hervorguellend aus dem Herzen des Judentums." Aus dem Aufsatz von Kimchi führen wir nachstehende Worte an: „Nicht Asfimi- « Anahnlichung und Aufgabe der Eigentümlichkeit, sondern Erhaltung, Durchsetzung, Gleichberechtigung und Betätigung der jüdischen Ergeulumüchkcrt heißt Emanzipation und Sclbstemanzipatiorr der Juden." 25 Führe L.B..LanhZ§mSMd Minland-Mstfalen. Der Landesverband Rheinland-Westfalen des Eeniralvereins kann demnächst auf eine 25jährige Tätigkeit zurückscl)en. Dieser Abschluß einer Vierteljahrhundertsarbeit im C. V. verdient besondere Beachtung nicht nur deshalb, weil damit der erste unserer Landesverbände dieses Jubiläum begehen kann, sondern weil auch die Männer, die seinerzeit ihn ins Leben gerufen haben, noch heute an seiner Spitze stellen. Neben den Rechtsanwälten Abel (Ellen) und Dr. Herzfeld (Essen) gehört auch der Vorsitzende des Centralvereins, Justizrat Dr. Brodnitz, zu den Vätern des Landesverbandes Rheinland-Westfalen. Znm Jubiläum soll eine in Essen für Sonntag, den 11. November, vorgesehene feierliche Kundgebung stattfinden, die vor Vertretern von Behörden und sonstiger Organisationen, aber auch vor zahlreicl-en Teilnehmern aus unseren eigenen Reihen und unter anderem mit einer Festrede von Professor Dr. E o l d st e i n (Darmstadt) erfolgen soll. Wir möchten heute fctwn hieraus Hinweisen, damit die Mitglieder unseres Landesverbandes sich aus diese Essener Kundgebung cinrichten. Weitere Mitteilungen erfolgen rechtzeitig. Der Vorort des Landesverbandes, Essen, desien Ortsgruppe gleichfalls ihr 25jähriges Bestehen begeht, gedenkt diesen Tag mit einer eigenen Veranstaltung zu beschließen. Vorgesehen sind weitere Kundgebungen in den anschließenden Tagen und an verschiedenen Orten. Justizrat Dr. Vrodnitz und Direktor Dr. Holländer werden neben anderen Führern unserer Organisation an den Veranstaltungen in Rheinland-Westfalen nach Möglichkeit teilnehmen. Bezirkslagrrng in Duisburg. Die aus Anlaß des 23jährigen Jubiläums unseres Landesverbandes Rheinland-Westfalen auch in Duisburg geplante Veranstaltung, die zugleich als Bczirkstagung auch für die Nachbarorte Mülheim, Oderhausen, Hamborn, SLerkrade, Dinslaken usw. gedacht ist, soll am M o u - lag, 12. November, im großen Saal des Hotels „Duisburger Hof" stattfinden. Weitere Mitteilungen folgen noch. Festgabe für Elaude G. Moulcsiore, überreicht anläßlich der Tagung des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum in Berlin. Berlin (Philo-Verlag) 1923. In einer Festschrift, veranlaßt durch die Tagung des Liberalen Weltverbandes und den 70. Geburtstag seines Präsidenten, sind 2Q kleine Abhandlungen vereinigt, die von verschiedenen Seiten her Probleme des jüdischen Liberalismus behandeln. Theologen und „Laien" sind die Mitarbeiter, Fragen der theologischen Wissenschaft wie der religiösen Praxis, der geschichtlichen Entwicklung, der Stellung der Gemeinden, der sozialen Arbeit werden erörtert. Die Vielseitigkeit zeigt die außerordentliche Weite und Mannigfaltigkeit, in der die liberale religiöse Einstellung sich auswirkt. Die Mitarbeiter waren in der Wahl des Themas frei. So kommt es, daß manche der kleinen Abhandlungen sich inhaltlich berühren. Aber es gibt keine Wiederholungen, sondern auch diese Abhandlungen behandeln ähnliche Probleme unter verschiedenem Gesichtswinkel. So z. B. das messianische Problem in V a e ck s „Das Reich des Allmächtigen", in M a h d a u in § „Geschichtlicher und eschatologischer Messianismus" und Wieners „Messiasgedanke in der Tradition und seine Umbiegung im modernen Liberalismus." Oder El bogen, „Der Streit lim die positiv historische Reform" und D o g e l st e i n, „Tradition". Verwandte Gebiete behandeln L e w k o w i tz, „Wandlungen des Liberalismus", S e l i g m a n n, „Wandlungen . jüdischer Frömmigkeit", und Goldmann, „Tie Grenzen des Liberalismus". Freudenthal steuert mit seinem Gutachten anläßlich des Richtlinienstreites, Gottschalk mit seinem Aussatz über die Anfänge der deutschen Cebetsübersetzungen zur Geschichte des Liberalismus bei- Falkenberg und Salomonski behandeln Fragen des Gottesdienstes, G a l l i n e r die häusliche Andacht, K a h l b e r g das Fahrverbot an Sabbaten und Festtagen. Dienemann erörtert die Ueberwindung der Erbsünde im Judentum, Bayer die Befreiung des Gottesbegrifss von dem Problem des Leids, Holzmann einen auf die Septuaginta Zurückgehenden Uebersetzungsfehlcr. Lilienthal zeigt in einer tleinen, sehr interessanten Studie den Mangel an Folgerichtigkeit in der Haltung gegenüber der Frage staatlichen Zwanges. Es mag genügen, auf diese Abhandlungen hin- Zuweisen, ohne daß damit ein Werturteil abgegeben werden soll. Es ist selbstverständlich, daß die einzelnen Arbeiten nicht alle gleichwertig sind, lind es ist bedauerlich, daß, der Not gehorchend. für jede Arbeit nur ein überaus beschränkter Raum zur Verfügung gestellt werden konnte. Infolgedessen konnten mehrfach die Probleme fast nur angedeutet, nicht aber erschöpfend behandelt werden. Da die Anordnung der Aufsätze nicht nach dem Inhalt, sondern alphabetisch nach dem Namen der Derfasier erfolgt ist, so tritt dies vielleicht noch stärker hervor, Mer vielleicht ist es um so wertvoller, daß einmal der ganze Umkreis der Probleme des Liberalismus skizzenhaft umrisien ist. Das Ganze ist ein Buch von großem Interesse, das einem jeden, der die jüdischen Fragen ernsthaft behandelt, gleichviel welcher Richtung er angehört, viel Belehrung und Anregung bietet. Hermann Vsgelftein (Breslau). Eigen* VerKäufssUVien in allen grosseren Städten Deutschlands* Erhältlich in allen Spezialgesdiäßen*

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