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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-12 · 41 (12.10.1928) · p. Seite 579

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
Seite 579 (sequence 7)
Language
German
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57* „Die Insel öes Verständnisses." eine Besprechung von Dr. Frrtz Blankenfeld. Die Schrift Walther Königs: „Die Insel des Verständnisses"*) verdient in jeder Hinsicht Beachtung, auch ihres Verfassers wegen, worauf ich zum Schluß der Besprechung kommen werde. ^-Sre muß als eine beherzte und mit überlegenem Geschick ausgeführte Tat bezeichnet norden. Wie jede Zeile sachlich, knapp und fesselnd, so ist das Ganze eine Tat der Gerechtigkeit. Wir anerkennen freudig ihr Verdienst um die jüdische Sache, vor allem die Herausstellung und Auswertung von E o n ft a n t i n B r u n n e r s noch unerkannt gebliebener Bedeutung für die Frage des Judenhasses. An Brunners Werk „Ter Judenhaß rmd die Juden" (Verlag Oesterheld & Co., Berlin) knüpft der Versager an, auf dessen theoretischer Leistung baut er seinen Praktisä-en Katechismus auf. weil „Brunner als der erste und einzige in diese zunehmend sich verwirrende Angelegenheit die theoretische Einsicht gebracht-und^damit die Grundlage der Auseinandersetzung geschaffen hat." 9.) Wie steht der Versager zum Abwchrkamps? Er ist der zrste nicht, von dem die heute vorzugsweise geübte Methode der 2lblvehr und der Aufklärung als unzulänglich bezeichnet wird, ohne daß er darum das Verdienst und die Notroendigkeit dieses Kampfes verkennt. Der Zionismus zum Beispiel verurteilt den Abrvehrkampf, indem er sich auf die Behauptung stellt, ein Kamps könne nur durch Offensive entschieden werden. Aber die vom Zionismus crössnete Offensive setzt an falscher Stelle ein und vergrößert die Gefahr und erschwert die Abwehrarbeit. Anders Brunner und Walther König. Ihre Auffassung beseitigt zunächst einen folgenschweren Denkirrtum, in den auch die Juden sich von der wiffenschastlich literarischen Einkleidung des Judenhasses haben hineinziehen lapen: Tie Ursachverknüpfung von Juden und Judenhaß. Judenhaß ist in Wirklichkeit Menschenhaß aus Anlaß^der Juden, allernrenschlichste Afsektäußerung ohne?lbsicht und Llusficht auf Objektivität. Wir lernen den Haß aus dem egoistisch nwralkritischen Charakter der Menschennatur verstehen, den Haß und damit auch den Judenhaß, und empfangen die Lehre vom Jnteressenurteil, wodurch das Urteil der Antisemiten aus dem Haßinteresse schlechthin verständlich wird. Nur so auch erklärt sich Aufputz und Verkleidung des Judenhasses, seine Eelbstöezeichnung mit dem scheinheiligen Wort Antisemitismus, seine schemwissenschastliche Methode, seine verdächtige Neigung, ideelle Güter und Jnterepen in Gesahr zu erblicken. Immer versteckt sich der unbändige Egoismus hinter der Maske der moralischen Kritik. Aus dieser Ausfasiung ergibt sich, daß im Abwehrkampf mehr als bisher die G e n e r a l a u s k l ä r u n g an Stelle der Einzelauftlärung über den Judenhaß zu treten hätte. Llber Walther König zeigt zugleich, daß die Generalaufklärung über den Judenhaß noch mehr sein kann als eine strategische Berbeperung des Wwehrfampfts. Sie kann darüber hinaus zur Offensive wachsen, zur Offensive der Menschlichkeit, die sich den Kampf gegen oie moralkritische Verhetzung der Gesellschaft überhaupt zum Ziel fetzt und diese ärgste Krankheit alles gesellschaftlichen Lebens an dem größten und klassischen Beispiel des Judenhasses aufdeckt. „Der moralkritisck>e Hochmut ist die eigentliche Ursünde der Menschheit, von welcher nur sehr wenige Erlösung finden," sagt Brunner, der den moralkritischen Hochmut als die Wurzel des Menschenhasses bezeichnet. „Moralische Kritik — das ist die uns allen angeborene Schwarz-Weiß-Kunst: den anderen schwarz und uns selber weiß zu malen oder den Egoismus der anderen, nicht aber den eigenen Egoismus zu gewahren. Die Moralkritik ist die Frucht des Guten und Bösen, rvelche alle Mensckzen im Leibe haben. Es besteht ein Dual von Egoismus und Moral, eine Prästabilierte Harmonie zwischen beiden, ein beständiges Sichblindmachen des Egoismus mit Moral." (Brunner, Judenhaß.) Ter Judenhaß sieht, so betrachtet, ganz anders und neu ans. Dieser finstere Schatten, in engen Stirnen und Herzen sein Wesen treibend, ist uns jetzt zu einem Licht gemacht, hinausgeworsen in die Welt, Klarheit zu bringen und zu verbreiten über das Wesen des uwralkritischen Hochmuts. Der Fluch der ivemgen soll zum Segen vieler werden. Ist das ein Ideal? Ganz gewiß ist das ein Ideal: aber man sage nicht: ein Ideal'nur. Wir haben es gerade im Abwehrkamps bitter nötig: das Ideal, an dein unser Leben teil hat. ans dem es Licht empfängt. Keiner darf mißverstehen und glauben, hier solle km Allheilmittel gegen den Judenhaß verordnet werden. Eine so lief in der menschlichen schwäche verwurzelte Krankheit kann wohl immer nur gemildert und beruhigt, niemals ganz geheilt rverden. Auch verlangt die Behandlung dieser Krankheit Mariner von tiefer Besinnung, und selbst die Berufenen müssen erst lernen. Das neue Lernen und die neue Arbeit aber (denn Walther König ruft auch zu einer neuen Praxis) wird auch den alten Arbeitern eine Auffrischung bringen. Die .Insel des Verständriipes" legt eine Idee dar. der mit Sachlichkeit und Begeisterung ein Platz im Leben geschaffen werden soll. Bei dieser Arbeit ist für eine neue Jugend Nauru. Der Verfasser vorliegender Schrift ist für die Lebenswirklichkcit der darin entwickelten Gedanken ein Beispiel. An Stelle eines Vor- _ *) Verlag der Neuen Gesellschaft, Verlin-Heffenwinkel. Broschiert Sofort. 69 Seiten. Wortes leistet er nur ln sehr origineller Weise den Germaneueid: „Ich versichere nach bestem Wißen und Gewissen an Eides Statt, daß sich unter meinen und meiner Frau Ettern und Vorfahren kein Angehöriger der jüdischen Nasie befindet." Aber man sollte außerdem wißen, daß es der Bruder des als Judenhasier bekannten Eberhard König ist. „Nur übrigens durch seines Bruders Judenhaß ist Walther König, nach eigenem Eingeständnis, aus diesen Weg getrieben worden." So lesen wir in Brunners kürzlich erschienenem „Tagebuch". Es wäre sehr gut, wenn wir neben jedem Judenhasier einen solchen Bruder hatten! Brunners Gedanken und des eigenen Bruders Judenhaß haben den Verfasier erweckt und diese Blätter werden lassen, in denen keine Utopie des Wunsches dämmert, sondern Gerechtigkeit lebt und reale Kräfte sich zeigen. Wie diese Kräfte, wie vor allem Brunners große Konzeption zur praktischen Auswirkung zu bringen sei, darüber findet man bei Walther König das Genaueste. So erleichtert er uns, das zu tun. was wir an unserem Teil, nicht zuletzt uns selbst schuldig sind: diese * Sache mit allen Mitteln zu fördern. Neues von -er Rassenun- Slutsruppenforschung. Von Stnvrenrat Dr. Kurt Lewin (Berlin). Den modernen „Rassentheorien" war kein langes Leben beschieden. Nach wenigen Jahren ihrer Blüte gehören sie heute schon so sehr der Vergangenheit an, daß man jetzt bereits, rückblickend, rein sachlich und ohne persönlich bedingtes Vorurteil zu ihnen Stellung nehmen kann. Zweifellos stellt Günthers „Rasienkunde des deutschen Volkes" ihren Höhepunkt dar. Wenigstens in den ersten Auflagen. Die späteren wurden, je mehr Zugeständnisse der Verfasser einmal an Ergebnisse der Wissenschaft, anderseits an gewisse politische Zeitstromungen machen mußte, um so bedeutungsloser. Das Geheimnis der ungeheuren Wirkung des Buches ruht in dem Dilettantismus seines Verfassers. Der Fachmann kennt die Grenzen, die der Erkenntnis in seinem Arbeitsgebiet gesteckt sind. Die erfahrungsmäßigen und gedanklichen Grundlagen seiner Forschungsarbeit zwingen ihn zu scharfer Scheidung von Tatsache, Theorie und Hilssvorstellungen. Ein Buch, in dem alle von der Wissenschaft gebotenen Vorbehalte zum Ausdruck kommen, ist für den Laien langweilig und unbefriedigend. Einen Publikumserfotg kann es nicht erringen. Das ist nur dem nichtfachmännischen Schriftsteller möglich, der schwebende Fragen ausgreift und — ungehindert durch aus eigener grundlegender Forschung entspringende Selbstkritik — Versuchsanordnungen und behelfsmäßige Vorstellungen als Tatsachen hinstellt, mögliche, aber noch nicht gesicherte Ergebnisse als erwiesen vorwegnrmmt. Nur der Dilettant kann so Unsicheres mit solcher überzeugenden Sicherheit darstellen, daß die Masie aufhorcht und — wenn der Uu- Tagungen unserer Lanöesverbänöe. Hessen-Nassau un- Hessen. Die Tagung unseres Lau desverdandesHessen - Nassau und Hessen findet am Sonntag, 21. Oktober, mittags I % Uhr, in Gießen, „Hotel PrinzKarl", statt. Die Tagesordnung lautet folgendermaßen: 1. Geist oder Serke? Zur Problematik unserer Tätigkeit — d arge tan an den Ereignissen des Jahres 1928. Sicfcrcnt: Dr. Martin Marx, Syndikus des Landesverbandes. 2. Neue Wege praktischer Arbeit. Referent: Dr. Ludwig Holländer, Direktor des Centralvereins, Berlin. 3. Aussprache. 4. Neu.wahl des Landest>erbandsvorstaudcZ. 5. Verschiedenes. Besondere Einladung geht den Ortsgruppeuvorsitzenden rmd Vertrauensmännern der Gemeinden ohne eigene Ortsgruppe noch) zu. Pommern - Grenzmark. Der Landesverband P o m m e r n - G r e u zm a r k hält seine Laudosvcrbaudstagu'ug am 27. und 23. Oktober in Köslin ab. Am Sonnabend, 27. Oktober, findet eine öffentliche Kundgebung statt, in der Dirclior Dr. Holländer über „Die jüdische Internationale" sprechen wird. Am Sonntag, 28. Oktober, 10 Uhr, beginnt die Delegiertentagung. Die Tagung wird durch ein geselliges Beisammensein beschlossen werden. Genaue Tagesordnung wird noch bekanntgegeben.

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