Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- Seite 565 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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SöS 8. Oktober jährt sich zum dritten Male der Tag, an dem der Schöpfer der neuen deutschen Verfassung die Augen schloß. Dieser Gedenktag veranlaßt uns, auf das von Dr. Ernst Feder entworfene Lebensbild Hugo P reust', das im Verlag von Happke und Schmidt (Berlin) erschienen ist, aufmerksam zu machen. Dem einführenden Aufsatz entnehmen wir die folgenden Stellen: . . Zn einem Moment, da daS Bürgertum, namentlich das konservative. sehr kleinlaut geworden war, erhob er mit der größten Deftimmtheit Einspruch gegen die Alleinherrschaft der Sozialdemokratie- Er erklärte: „Es gilt Hand in Hand zu gehen mit den neuen Mächten. aber nicht als Handlanger, sondern als gleichberechtigter Genaue.* Noch am selben Tage erhielt er eine Einladung des Dolksbeaustragten Friedrich Ebert. der ihm im Aufträge der Mehrheitssozialisten wie der Unabhängigen den Posten eines Staatssekretärs im Innern anbot. damit er die Dcrfastung des jungen Dolksstaates schaffe. Er besprach sich mit seinen Freunden. Tann sagte er zu. Unter einer Bedingung: .Ich steh? und falle mit der Nationalversammlung." Ebert antwortete mit zrvei Worten: .Ich auch/ ... . . - Ties Leben war noch keineswegs ausgcschöpst, als es so plötzlich zu Ende ging. Er hatte noch viel zu sagen, und er fühlte in sich die Kraft, noch viel zu leisten. Blieb ihm in den letzten Jahren seines ^Lebens die Bitternis nicht erspart, von der Möglichkeit vollen Schaffens sich Zurückgedrängt zu sehen, so war ihm doch in der Fülle seiner Kraft das höchste Glück beschieden. das dem Manne gegeben ist: durch ein Werk zu zeugen von seinem Wert. Mit der ersten freien Verfassung, die das deutsche Volk in seiner jahrtausendelten Entwicklung sich gegeben hat, lebt sein Name fort. ..." * In einer Untersuchung über „Erbanlage und Umwelteinfluß" beschäftigt sich Unwersilätsprofcsior Tr. Hans Friedenthal, Leiter der Arbeitsstätte für MenWieirskunde, im „Berliner Tageblatt", Nummer 461 vom 29. September, mit der Frage: „Gibt es eine Fades judaica?" Er setzt sich zuerst mit dem Begriff der Nasse auseinander, der bei Menschen nur eine weit verschwommenere Bedeutung haben könne als die meisten ahnen, die ihn anwenden. Man teile die heutigen Menschen ein nach ihren körperlichen Derschiedenkeiten. ohne Rücksicht darauf, ob diese körperlichen Eigenschaften rassig, d. h. erblich sind, oder ob es sich um zufällige Mischungen handelt, wie es tatsächlich der Fall ist. Er kommt zu der Feststellung, daß es kein einziges Merkmal gibt, welches in anthropologischer Beziehung Juden und Nichtjuden untersä)eiden läßt. Aber es gibt unter Kulturgenouen eine gewine Gemeinschaft das Ausdrucks und der Mimik, die nicht nur aus Erdgutbeschaffenheit zu^ beziehen Ist, sondern geprägt wird durch das jeweilige Kutturmiiieu. Co könne man auch von einer Facies judaica sprechen, obwohl weder krumme Nase, noch Falten um die Augen, noch wulstige Lippen, noch schlechte Muskelhallung oder sonstige anthropologische Merkmale irgendwie als jüdische bezeichnet werden können. Für die Ausprägung des jüdischen Antlitzes macht Friedenthak zwei Faktoren verantwortlich. 1. Verschiedenheit der Auslese bei den Juden von der Auslese unter t^m Volk, bei dem sie ihren Wohnsitz aufgeschlagrn hatten, bedingt durch die Abgeschlossenheit der Juden von der Unuvelt. 2. Tie starke Ausprägung der individuellen Eigenart. Neberall. wo eine hohe Kultur entsteht und wo Familien Generationen hindurch in hoher Kultur erzogen werden, nehmen die Gesichter unabhängig von der Rasienherkunst und der Rassenm.Üchung einen Charakter an. der bei uns häufig als jüdischer Charakter angesehen wird. Wo Inzucht getrieben wird, müssen mehr und mehr durchschnittliche Eigcnfchasten verschwinden. Friedenthal kommt zu dem Schluß, daß bei den Juden durch andere Erziehung und andere Verschiedenheiten von dem Leben der Umwelt eine Prägung entstanden sei, welche zu der falschen Annahme geführt habe, daß es eine spezisisch-jüdische Antlitzform des Gesichtes gebe, ebenso wie die Absonderung der Juden an vielen Stellen Europas zu der falschen Meinung geführt habe, daß die Juden eine Rasse seien mit Rasssnmerkmalen, durch die sie sich von Nichtjuden unterscheiden. Das „Harrrörrrger FremdenblatL" gibt anläßlich seines hundertjährigen Bestehens eine Festschrift heraus. In dieser Nummer ist ein Aufsatz des Bürgerschaftsadgeordneten Tr. Hans Pilder über das Bankwesen in Hamburg enthalten. In seinem zweiten Teil behandelt dieser Aufsatz die bedeutendsten Privatbanken Hamburgs. Wir entnehmen ihm folgenden Absatz: . . Als letzte, aber bei weitem wichtigste Firma muß die Finna M. M. Marburg ti. Eo. genannt werden, die beute der eigentliche Repräsentant Hamburgs Ln der Dankwett Deutschlands und die repräsentativste deutsche Bankfirina für das große internationale Finanzgeschäft ist. Gestützt auf verwandtschaftliche Beziehungen zur New Yorker Hochfinanz und auf die Bettsiligung an oer jungen, aber bereits höchst erfolgreichen International Acccptance Bank in New sZork. hat es diese Firma sofort nach dem Kriege verstanden, ihr altes, in früheren Jahrzehnten durch lange erfolgreiche Arbeit errungenes internationales Geschäft wicderzugewinnen. Eie hat der deutschen Vottswirtsä-asj in einer langen Reihe von großen Kreditgeschäften neues Kapital aus dem Auslände zugcsührt. Geleitet von einem kleinen Gremium kaufmännisch und menschlich bedeutender Männer, dient die Firma nicht nur der deutschen Volkswirtschaft bei ihrer Wiedereinführung in die Weltwirtschaft, sondern auch der Vertretung Deutschlands in internationalen wirtschaftlichen Gremien, wie im Finanzausschuß des Völkerbundes und an anderen Stellen. Tie Firma ist die glückliche und erfolgreiche Verkörperung besten hanseatischen Kausmannsgeistc 8*). Ihre weltweiten kaufmännischen und persönlichen Beziehungen werden mit größter Umsicht gepsteab.zum Bessim der hamdurgischeu und der deutschen WelüvirLschart." —d. . [jKafflffidse* Wne2wsse j A / ■veuva/g^/ Für dis GiSUil P a c h 1 n g e r Versandete! le, Berlin SW 11, Schtiaeberger Strasse 18a. Telefon: Lützov 8260/61. In Nummer 10 des „Königsbcrgcr jüdischen Gemeindeblaltes" vom 1. Oktober 1928 veröffentlicht Kurt Sabatzty, der Syndikus unseres Landesverbandes Ostpreußen, einen Aussatz: .^rauchen wir eine amt!ick)e jüdische Pressestelle?", dem wir den nachfolgenden Auszug entnehmen: „Es wurde nun die Forderung erhoben, daß eine besondere Pressestelle vom Reichsvcrband oder dem Preußisäien Landesverband jüdischer Gemeinden zu schaffen sei, die die Provinzpresse in bezug auf solche Artikel, die geeignet sind, dem Judentum oder der Judenheit zu schaden, überwacht. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß bereits heute derartige Stellen bestehen, die in sehr zweckmäßiger Form solche Notizen, die in der Prelle erscheinen, widerlegen, soweit dieses möglich ist. Solche Pressestellen befinden sich in jedem Landesverdandssyndikat des Ceutrawereins, und nachstehend sei an Hand einiger Beispiele gezeigt, wie diese Pressestellen arbeiten . . . Diese Beispiele, die nach Belieben vermehrt werden können, zeugen davon, daß bereits in dem gewünschten Sinne gearbeitet wird. Es ist aber nur möglich, in dieser Weise tätig zu sein, wenn eine enge Fühlungnahme mit den Redaktionen besteht. Eine solche Fühlung ist aber niemals von einer Zentralstelle für Preußen oder gar für dos Reich aus möglich, sondern kann nur im Rahmen eines eng begrenzten Bezirks, der von dem be!rcfsenden Leiter der Pregestelle genau gekannt wird, erfolgen. Denn es ist sehr notwendig, sich für die Veröffentlichung von Gegerrartikcln privater Mittelspersonen zu bedienen, über die eine amtliäze Pressestelle, die in der Metropole sitzt, gar nicht verfügt aus dem einfachen Grunde, weil ihr die Möglichkeit fehlt, mit den einzelnen in Frage kommenden Persönlichkeiten an den betreffenden Orten laufend Fühlung zu unterhalten ... Nach diesen Ausführungen dürfte man zu der Ansicht kommen, daß schon jetzt, soweit dies möglich ist, seitens der Prellestellen des Centralvereins den einzelnen Vorkommnissen nachgegangen und der in Frage kommenden Prepe aufklärende Information gegeben wird, und daß die Pressestelle des Landesverbandes oder Neichsverbandes aus organisatorischen wie sinanzieüen Gründen überflüssig erscheint/ Ausschreitungen an öer Rlsgemauer. T-nrch die Presie geht die Meldung, daß es in Jerusalem am Vormittag des Jaum Hakippurim zu Angriffen der Jerusalemer Polizei auf die an der Klagemauer betenden Juden und Jüdinnen gekommen sei. Die Behörden in Palästina begründen ihre Angriffe damit, daß der Platz vor der Klagemauer durch das Ausrichten einer Scl/eidewand zunschen Frauen und Männern in - eine Synagoge um gewandelt worden sei. Tas widerspräche den bestehenden Besitz- Verhältnissen und Verträgen, die es streng untersagen, an der Klagemauer ein Gotteshaus zu errichten. Wie dem auch sei. — es bleibt außerordentlich bedauerlich und beschämend, daß sich die palästinischen Behörden zu solchen Ausschreitungen am höchsten jüdisäzen Feiertag während einer gottesdienstlichen Handlung haben hinreißen lassen, und es ist dringend zu hoffen, daß für die Ankunft Vorsorge getroffen wird, um ähnliche üble Vorkommnisse zu vermeiden. Ein deutsch-jüdischer Mittelpunkt in New Dort. Wir entnehmen einem Bericht aus New Port das Folgende: Im sozialen, religiösen und geistigen Leben Ncw^jorks war es für den deutschiirdisclxm Einwanderer schwer, seinen Interessen, die im deutschen Kulturleben wurzelten, nachzugchen. Die wenigen deutschjüdisä>en Vereinigungen beschränkten sich in der Hauptsache auf Geselligkeit. Deshalb hat Rabbi M a l i n a in New Dort im Verein mit erprobten Vorkämpfern des Deutschtums in Amerika, wie den Herren Georg Hannes, Bernhard Heine mann u. a., ein German Jewish Center ßcfdNtffen, das gegen diese Mängel Abhilfe schaffen soll. Das German Jewish Center besitz! eine Synagoge mit deutschsprachigem Gottesdienst, eine Stellenvermittlung, einen Lesesaal, eine Krankenfürsorgestelle und eine Beratungsstelle. Die Erfahrungen dieser kurzen Zeit haben die Existenzberechtigung des Center erwiesen. Die Zahl der Enttäuschten ist gerade unter den deutschjüdischen Einwanderern ganz außerordentlich groß. D<.s German Jewish Center will in dauerndem Gedankenaustausch mit den. einschlägigen deutschjüdischen Organisationen hie Interessen der deujschsüdischen EinwarrdercL «sch jeder Richtung hin vertreten. *) Von «ns gesperrt.