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Central-Verein-Zeitung · 1928-10-05 · 40 (5.10.1928) · p. Seite 561

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
40 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
Seite 561 (sequence 5)
Language
German
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Im Kössipf ... besonöers verabscheuungswüröig. Der prerchische Jnstizministcr gegen die Friedhofsschänder. Im Verfolg unserer zahlreichen Maßnahmen gegen die in letzter Zeit sich immer wiederholenden Friedhossschändungen hatte eines unserer Hauptvorstandsmitglieder eine Unterredung im preußischen Justiz- Ministerium. Dabei wurde klargesteLt, daß das preußische Justizministerium mit allem Nachdruck auf eine möglichst durchgreifende Verfolgung von FriedHossschändungen jeder Arb den größten Wert legt, Ter Herr I u st i z m i n i st e r hat in der allgemeinen Verfügung vorn 26. Septomker, d. I. (I 4666 JustizministeriaDlatt Nr. 35 vom §8. September d. I.) folgende Anweisung an die Strafverfolgunasbehörden gegeben: „Auch in diesem Jahre halben wieder mehrere Falle von Friedhofsschändung die Öffentlichkeit erregt. Ich ersuche die Strafverfolgungsbehörden, rm Einvernehmen mit den Polizeibehörden, die der preußische Minister des Innern durch Runderlaß vom 28. Oktober 1927 (MBl. V. S. 1013) mit Anweisungen versehen hat. diesen Straftaten auch weiterhin ihr besonderes Augenmerk zu- . zuwenden und um die Aufklärung, die trotz Aussetzung von erheblichen Belohnungen leider nicht immer gelungen ist, nachdrücklich bemüht zu sein. Vci der Stellung der Strafanträge in der Hauptverhandlung wird zu berücksichtigen sein, dasi solche gegen die Ruhe der Toten gerichteten Straftaten in allen Kreisen des Volkes als besonders verabschcuungswürdig empfunden werden und datz cs nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht möglich erscheint, ihnen ohne empfindliche Strafen mit Erfolg zu begegnen, lieber alle Verfahren dieser Art ist gemäß § 9 der VA. über Mitteilungen in Strafsachen vom 12. Dezember 1927 (sALb S. 395) zu berichtend Die Untersuchung ösr Bremer Uebersälls. Körperverletzung oder Landfriedensbruch? W. G. Die Bremer Polizei hat nunmehr die Akten über die nationalsozialistischen Ueberfälle der Staatsanwaltschaft übergeben. Die gerichtliche Voruntersuchung ist eröffnet, aber nur wegen Körperverletzung und nicht wegen Landfriedensbruchs. Gegenüber der deutsch-nationalen ,Är eurer Zeitung". die — erst jetzt über die Dorsälle berichtend — Landftiedensbruch nicht für vorliegend halt, betont die sozialdemokratische „Bremer VolkszeikunZ": „Warum der Staatsanwalt nicht das Vorlicgen von Landfriedensbruch in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung angenommen hat, ist uns unbegreiflich. Die Vorsätzlichkeit und Verabredung, der Vorfälle geht schon aus der Tatsache hervor, daß es sich um (bis jetzt sestgest^llte) zehn zeitlich eng zusammeusallende Uek^rfälle handelt, bei denen rmmer derselbe Personenkreis die strafbaren Handlungen begangen hat Zu den zehn bisher bekannten Fällen hat sich noch ein elfter .hinzugesellt. Ein jüdischer Kaufmann wurde bereits Anfang August von der gleichen Bande brutal mit Fußtritten bearbeitet. Die Staatsanwaltschaft hatte die Untersuchung seines Falles bereits eingestellt und nunmehr erneut in Verbindung mit den anderen Ueberfällen wieder ausgenommen. Das bereits in der letzten Nummer der „C. D.-Zeitung" erwähnte Verbot der Ortsgruppe Bremen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei durch den Gauvorstand dieser Partei in Oldenburg wird in der Bremer Leffentlichkeit nur als Scheinverbot geivertet. Es herrscht die Ueberzeugung, daß die Ortsgruppe bald nach Erledigung des Gerichts- Verfahrens wieder auflcben wird. Von dem Gauvorsitzen den Rover, der das Verbot aussprach, ist bekannt^ daß er zu den Anhängern der schärfsten Tonart innerhalb der N. to. D. A. P. gehört. Die für Mitte Oktober vorgesehene Goebbels-Versammlung in Sternen dürfte aussallcn. Der Berliner „Angriffs des nationalsozialistischen Neichslagsabgeordneten Dr. Goebbels bezeichnet die Vorfälle in Bremen „als zrvecklos und daher nicht zu billigende Uebergrisfd". Die Freiheitsbelvegung des Nationalsozialismus erleide durch die auf Grund solcher Prügeleien einsetzenden neuen Verfolgungen und Verbote sowie durch das Mitleid der Spießer mit den „armen" Juden schwerste Hemmungen. Dassels gelte auch von politischen Morden. Also nur, meint Dr. Goebbels, weil die Ueberfälle „zwecklos" find, und nur, loeil man in weiterer Agitation gehemmt wird, soll wan nicht prügeln und nicht totschlagcn. Kein Wort der Nationalsozialisten über die moralische Schändlichkeit solcher Taten. Im Gegenteil! Man hebt in der Notiz, durch die man sich ern Alibi schaffen will, ausdrücklich hervor, „von keinem Nationalsvzraltsten werde verlangt, daß er sich irgend rtwatz gefallen lasse". Und im gleichen Augenblick, in dem man den politischen Mord ablehnt, weil er nur Mitleid für die „armen" Juden zeitrge, kündigt man eine Veröffentlichung über Walther Rathenaus Ende an; eine Aussatzreihe, in der ein am Rathenau-Attentat Beteiligter über den Mord berichten soll. So sehen die Kämpfer für das „neue Deutschland", so die Vertreter der „germanischen Sittenreinheit" aus! Der Dritte Närkertag öer N. S. D. A. P. Dieses Mal: eine grotze Zahl LeichlverleHler. Die Werbetrommel der X. 8. D. A.P. des Gaues Brandenburg wurde fleißig gerührt, um den 3. Märkertag am Sonnabend, den 29., und am Sonntag, den 30. September, in Berlin zu einem Siegessest zu gestalten. Schon seit Wochen prangte in großen Lettern von Häuserwänden und auf Bürgersteigen zahlreicher Berliner Straßen der Name „Goebbels". Wenige Tage vor der Kundgebung „gegen den Tawes-Plan" war die Gegend um den Sportpalast in ein Meer der bekannten „Angriffplakate" getaucht. T-en Auftakt des Märkertages bildeten Versammlungen in Berlin- Lankwitz, Lichterselde, Zehlendorf und Teltow, die wohl nur darum so ruhig verliefen, weil sie verhältnismäßig gering besucht waren. Für den Propagandaeinmarsch nach Groß-Berlin hatte man ungefähr zweieinhalbtausend uni formierte Mitglieder aus die Beine gebracht. Auch aus Norddeutschland und aus dem Ruhrrevier waren Getreue erschienen. Der Abmarsch nach Berlin fand am Sonntag mittag vom Sanrmelplatz Teltow aus statt. Von der Berliner Bevölkerung wenig beachtet, zogen die Hakenkreuzler um die vierte Nachmittagsstunde im Sportpalast ein. Kurze Ansprachen der bekannten Führer Kube, Reventlow, Wagner (Bochum) und Tr. Goebbels überboten sich in Angriffen gegen den Tawes-Plan, gegen die Regierung und ihre Mitglieder und insbesondere gegen die Juden, die ausschließlich am Tawes-Plan und der damit verbundenen Verelendung Teutschlands schuld seien. Ter Sportpalast war sehr stark besetzt. Ter Marschmusik und der Heilrufe war kein Ende. Als gegen 6 Uhr ein Teil der auswärtigen Mitglieder vom Sport- Palast abrückte, kam es aus dem Vorplatz zu Anrempeleien, die auch in Tätlichkeiten ausarteten. Erfolg: Eine große Zahl Leichtverletzter. Ein Polizeibeamter wurde arg bedrängt, sogar gezwungen, drei Schreckschüsse abzugeben. Nur dem energischen und besonnenen Eingreifen der Schutzpolizei war es zu verdanken, daß größeres Unheil verhütet wurde. Ter Abmarsch des Gros vollzog sich später, nachdem für eine freie Abzugsstraße gesorgt worden war, ruhig. So sehen Ritualmoröe aus! In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen völkische Zeitschriften und rechtsstehende Blätter unaufgeklärte Mordfälle und vor allein Sexualverbrechen dazu benutzen, um Riiualmordgcrüchte auszustreuen. Wir unterlassen es, alle die Fälle aufzuzählcn, in denen in den letzten Monaten so verfahren wurde, und wo auch wir eingreisen mußten. Wir wollen hier nur eingehen auf den Mordaneincm vierjährigen Mädchen Anfang September d. I. in Eiterfeld bei Hanau. Kurz nach Bekanntwerden dieses Mordes schrieb der völkische „Frankfurter Beobachter" vom 2. September 1928 wie folgt: „. . . Im Kreis Fulda liegen drei Ortschaften, Rhina, Burghaun und Eiterfeld, in denen fast die gan^ Bevölkerung sich aus Juden zusammensetzt. . . . Was hat nun die jüdische Bevölkerung von Eiterfeld für ein Interesse daran, daß der Mord nickt ausgellärt wird? Wir behaupten nicht, daß es sich hier um einen Ritual mord handelt. Aber die amtlichen Stellen sollten sowas nicht als Märchen betrachten, sondern den Fall einmal von diesem Gesichtspunkt aus betrachten. Wer sind die, die da bei der Untersuchung Schwierig- Teiten macken? Sind cs Juden? . . Tie amtlichen Stellen haben sich dieses Märchens angenommen und die P r e s s e ft e l l e des O b e r - sl a a t s a n w a l t s i n H a n a u ließ einer großen Anzahl von Zeitungen des dortigen Bezirkes folgende Berichtigung zugchen: „Zu dem Luftm o r d an einem vierjährigen Mädchen in Eiterfeld. Gegenüber Erörterungen im „Frankfurter Beobachter" teilt der Ober ft aatsan Walt in Hanau mit, daß nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen, insbesondere der Leichenöffnung, die Tat aus geschlechtlichen Beweggründen begangen und der Tod durch Erwürgen eingetreten ist, so daß zweifellos Lustmord vorliegt." Wir haben bisher nicht feststellen können, daß der „Frankfurter Beobachter" diese Berichtigung in seinen Spalten verösscntlicht hatte. -5 Der Gladbecker Schülermord. Die vor dem Schwurgericht in Esten bevorstehende Aburteilung des Gladbecker Gvmnasiastenmordes im Frühjahr d. I. gab dem Nürnberger „sturmer" Veranlagung, in großer Aufmachung von dem „G l a d b e ck e r B l u t m o r d" zu sprechen. Diese Nununer ist in Nürnberg beschlagnahmt worden. Es ist erfreulich, daß sich das Amtsgericht Nürnberg nicht die „Beweisführung" des „Stürmers" zu eigen gemacht hat, der in einer Anmerkung der Schristleitung erklärt, der in seinen Ausführungen ausgesprochene Verdacht erstreckte sich nicht auf die innerhalb der deutschen Staatsgrenze gesetzlich anerkannte und geschützte jüdische Neligionsgescllschaft oder Leitung. Damit will sich der „Stürmer" wohl einen Freibrief für die im Aussatz selbst enthaltenen Behauptungen verschaffen. er.

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