Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- Seite 548 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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54$ und da, zusammen mit dem Anreiz von kirchenseindlichen Gruppen her, zum Austritt aus der Gemeinde geführt, den d:e neuen gesetzlichen Bestimmungen ohnehin erleichterten. . . / * Tie vorstehenden Ausführungen bilden einen Teil eines Aussatzes „D i c jüdischen Gemeinden" aus einem bedeutenden Werte i „Zehn Jahre deutscher Geschichte. 19 18—1928", das demnächst nnt Förderung der Reichsrcgieruug im Verlage Otto Stolberg «Berlin) erscheint. Das hoher Beachtung werte Buch will in einer großen Reihe von Einzeldarstellungen all den Kräften ein Denkmal setzen, die am Wiederaufbau unseres Vaterlandes mitgeschafscn haben. EZMÄöMWßK / AeKlsanrsaltSr. Sßarlg (Berlin). Tie Zeitumstünde bringen es mit sich, daß in der „E. V.-Zeitung" die politischen Sorgen der deutschen Juden eine allzu häufige Erörterung finden müssen. Dennoch wäre es falsch, über diesen Fragen die schweren Nöte zu vergelten, die das Dasein unserer jüdischen Gemeinden bedrohen. Ter C. B. als der Träger des Gedankens der unlösbaren Verbundenheit von Deutschtum und Judentum hat von jeher mit größter Anteilnahme die Vorgänge in den jüdischen Gemeinden verfolgt. Es sei z. B. nur an die Aussthrrmgen erinnert, die der Vorsitzende des C. V.. Justizrat Dr. Brodnitz, über jüdische Veamtenfragen gelegentlich der Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in diesen Blättern gemacht hat und die den einmütigen Beijall wohl aller Beteiligten gesunden haben. Heute muß mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, daß'jetzt, zehn Jahre fast nach Kriegsende, die Krise in den jüdischen Gemeinden i m m e r noch nicht überwunden ist, sondern im großen und ganzen unvermindert sortdauert. Dies wird sofort klar, wenn man die nachstehende Zahl hört. Ohne Nebertreibung darf man behaupten, daß die preußischen Synagogen« gemeinden, um nur von diesen zu sprechen, durchschnittlich wohl mit mindestens 30 Prozent belastet sind. d. h. der Zuschlag zur Reich seinkom.men st euer zwecks Erhebung der Kultussteuer betrögt 30Prozent. Im Vergleich zu den evangelischen und kathotischen Kirchensteuern ist dieser Hundertsatz geradezu unerhört hoch. Es wurde eben schon gesagt, daß 30 Prozent die „durchschnittliche" Belastung seien. In den Großstädten liegen die Steuerverhältnisse vielfach, aber auch nicht überall, beyer. Dagegen verschlechtern sie sich in den kleineren und kleinsten Gemeinden zusehends. Tort finden wir Zuschläge von 50 und 60, ja sogar von 70 bis 100 Prozent. Welches ist nun die Folge dieser Belastungen? Eine außerordentliche Zahlungsunlust und die ständige Drohung mit dem Nustritt. Jeder Vorstand weiß hiervon ein Lied zu fingen. Ost find es gerade die größten Steuerzahler, die am wenigsten Interesse am jüdischen Eemeindeleben bekunden und daher nicht einsehen, tooruat nur sie den Geldbedarf der Synagogengemeinde zum größten Teil allein decken sollen, lim auf diese Kreise Rücksicht zu nehmen, werden bisweilen unwürdige „Vergleiche" geschlossen. Man ist zufrieden, wenn der Betreffende einen bestimmten festen Betrag und nicht die an sich schuldige Steuer bezahlt. Oder man wagt es nicht, eine z. B. für Bauzwecke recht notwendige, wenn auch nur wenige Prozent betragende Steuererhöhung zu beschließen. Lieber läßt man die Synagoge oder den Friedhof weiter verkommen. Gerade die Bauarbeiten sind es, die heute fast jeden Ge* meindehaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Wie in Staat und Stadt, so ist auch in unseren Lynagogengemeinden manch wichtige bauliche Instandsetzung unterblieben. Tas Versäumte nachzuholen, fällt ungemein schwer. . Man stelle sich doch folgendes vor: Eine Synagoge, die vielleicht 60 bis 70 Jahre alt ist, muß von Grund auf erneuert werden, Ter Kostenanschlag lautet auf etwa 10000 Mark. Wie soll dieser Betrag zusammengebracht werden? Es ist klar, daß diese Ausgaben eine große Sorge jeder Gemeindeverwaltung bilden. Ganz zu schweigen von Neubauten, die möglicherweise 50- bis M0M Mark kosten. Ein besonders schwieriges Problem ist das der Versorgung unserer Mittel* und Kein gemeinden mit Kultus* beamten, insbesondere Religio ns- und Volks* schullehrern. Hierüber ist in der jüdischen Presse schon genug geschrieben worden. Eines mag nur an dieser Stelle versichert werden: Gerade vom E.-V.-Standpunkr aus muß man nicht weniger als die Gemeinden selbst beklagen. daß das flache Land immer nrehr von guten jüdischen Kultusbearnten entblößt wird. Was hier und da als Ersatz angestellt wird, kann nicht immer als zur geistigen Führung der Gemeinde berufen angesehen werden. Daß ein entsprechender Rabbinermangel gleichfalls herrscht, dürfte allgemein bekannt sein. Dieses nicht sehr rosige Bild wird allerdings dadurch erhellt, daß die in fast allen deutschen Ländern bestehenden jüdischen Landesverbände mit Erfolg die Not zu lindern bemüht sind. Hinzu kommt, daß verschiedene deutsche Länder jetzt auch für unjere Religionsgemeinschaft Zuschüsse bewilligen. Mit diesen Summen und den eigenen Mitteln der Landesverbände kann selbstverständlich wertvollste Hilft geleistet werden. Man verkennt aber m. E. die Bedeutung dieser Unterstützungen, wenn man nur von iynen alles Her! erwartet. Mögen die geldlichen Bordüren noch so groß sein — wenn nicht der Ger st d e r 33'l c n f chen . die es angeht, gewandelt wird, dann Hilst alles Geld nichts. ... Ter C. D. als „G c s i n n n n g s v c r c i n", wie er von gegnerischer Seite oft genannt wird, hat demnach alle Ursache, auch denn hier erörterten Äufgabenkreis Beachtung zu schenken. In religiöser Hinsicht aufs peinlichste neutral, bemüht er sich seit seinem Bestehen, unsere jüdische Zukunft im deutschen Baterlande auf gesicherte Grundlage zu stellen. Gelingt cs ihm daher, seine „Gesinnung", nämlich dre nie erlahmende Liebe zu Glaube und Heimat, bis in die letzte Kleingcmeinde mit Macht Zu tragen, so wird auch er dazu mithelfen, daß das jüdische Leben unserer Synagogengemeinden zu neuer Blüte sich entfaltet. Der Tod des verdienten Luxemburgischen Landesrabbiners Dr. Fuchs, von dem wir kürzlich ^-crichlclen, hat die Aufmerk. samkeit aus dieses kleine Land gelenkt. Vir freuen uns, aus sachkundiger Feder einen übersichtlichen Bericht über die der großen Welt fast unbekannten jüdische n Verhältnisse Luxemburgs unseren Lesern vorlcgen zu können. Die Schristlritung. Von den Staaten-, die an der Westgrenze des Deutschen Reiches liegen, ist wohl keiner infolge seiner geographischen und internationalen Lage so interegant wie das Groß!) er zogt um Luxembürg. Umgeben von seinen größeren Nachbarn Deutschland, Frankreich und Belgien, dem es zollpolitisch angeschlossen ist, bildete es von jeher einen Treffpunkt dieser Nationen, die sich hier in friedlichem Wettkampf die Hand reichten. Diese rein internationale Aufgabe hat Luxemburg schon seit langer Zeit erkannt. Tie Neutralität des Landes brachte es mit sich, daß nach dem Weltkriege zahlreiche Faden, die der Krieg lockerte, sich hier wieder knüpsten. So ist Luxemburg der Sitz des internationalen Stahlkartells, die Gewerkschaften geben sich hier Stelldichein, kurz: Luxemburg hat auch infolge seiner gewaltigen Eisenindustrie eine Weltbedeutung, die im umgekehrten Verhältnis zu seiner Größe steht. Seine Bevölkerung, fleißig und arbeitsam, lebt zufrieden dahin. Tie Kleinheit des Landes ist für den Luxemburger ein Symbol dafür, daß auch ein kleines Volk in der Geschichte (luxemburgische Kaiser) etwas bedeuten kann. Die Sprache des luxemburgischen Volkes ist das sogenannte Luxemburger Platt, das von reich und arm gesprochen wird, ein deutscher Dialekt, allerdings durchtränkt mit französischen Ausdrücken. Die offizielle Sprache der Behörden und auch die Verhandlungssprache in der Kammer ist Französisch, doch ist auch Deutsch zu* gelösten. Die hiesigen Zeitungen erscheinen mit einer einzigen Ausnahme („ludöpendanco Imxom1>0ur§ooi86") in deutscher Sprache, wie überhaupt deutsch von allen Einwohnern gesprochen wird. Wir finden aber hier, was die Zweisprachigkeit des Landes schon an und für sich bedingen mutz, eine Doppelkultur, die eigenartige Auswirkungen sowohl aus geistigem wie auch wirtschaftlichem Gebiet mit sich bringt. Tie ^traßenbezeichnung in der Stadt Luxemburg ist französisch, doch bedient sich der Volksmund der überlieferten Luxemburger Bezeichnungen. So heißt z. B. die „rue de l’arscnal" nicht übersetzt „Zeughausstraße", sondern „Judegüß". weil hier früher das Judenviertel gelegen haben soll. Interessant und recht angenehm berührt es den deutschen- Gebildeten, wenn er im neuen Dahnhossviertel Straßen findet wie eine Rue Lesftng, Rue Eoethe und Rue Schiller, ja sogar eine Rue Heine, Rue Beethoven. Der Name Heine beweist, daß eine wohllöbliche Stadtverwaltung diesen aus dem Judentum stammenden Dichter vorurteilsloser betrachtet als manche deutsche Stadtverwaltung. Wenden wir uns den luxemburgischen Juden zu, so' stellen wir fest, daß^ diese versastungsmäßig und auch tatsächlich sämtliche Rechte des Staatsbürgers christlicher Religion ohne Unterschied genießen. Wenn sich diese Gleichberechtigung, z. B. waA die Besetzung von Staatsämtcrn usw. anbctrisst, noch nicht auswirlen konnte, so ist dies nicht etwa aus Judenseindschaft, sondern lediglich daraus zurückzuführcn. daß von einer luxemburgijck>-jüLisck)en "Geschichte erst ab Anfang oder Mitte des 19. Jahrhunderts gesprochen werden kann. Eine Gescksichte des luxemburgischen Judentums zu schreiben, ist leider unmöglich. Die Archive wurden zur Franzoftnzeit (1795—1814) verschleppt. Ein großer Teil der luxemburgischen Juden ist. ähnlich wie bet 'einem nicht geringen Prozentsatz der christlichen Bevölkerung ftstgestellt werden kann, cingewandert. Jedoch sind diese Element jo mit dem luxemburgischen Volke verwachsen, daß kann: festzustoLen