Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- Seite 544 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277820--04762-2285415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
544 Wer hindert das SlaatsbewrMeiii? Zur Rede des Leiters des D. H. B. „Die Führerfrage im neuen Deutschland." Unter diesem Titel vöröfsentlicht der Deutschnationale Handlungsgehilfen verband einen Vortrag, den fein Leiter, Hans Vechly, auf dem 18. Dcursck-en Kaufmannsgchilfentag am 10. Juni d. I. in Dresden gehalten hat. Me Ausführungen Bechlys sind überaus iuteretpuck. Dkit Riecht boginnt er sie mit der Feststellung, daß, wer die Führerfrage im neuen Deutschland ernsthaft und gründlich behandeln wolle, gezwungen sei, die Entwicklungstendenzen unseres ganzen staatspolinsäM, kulturellen und wirtfck)aftlick)en Lebens in großen Zügen zu kennzeichnen, denn nur dann könne man die geistigen Voraussetzungen zur Darstellung bringen, die zu erfüllen seien, ehe die Lösung des Führerproblems heranreifen könne. Nach soziologisch und politisch sehr anziehenden Ausführungen wendet er sich dann in einend Kapitel „Eigengefttzlichkeit" dem besonderen Andrieb zu, den die naturalistisch Geisttswelle durch die gewaltigen Fortschritte der Technik erhalten hat. Auch was er hierbei über die dadurch grundsätzlich geänderte Stellung des Handlungsgehilfen und Angestellten sagt, wird vielfach uneingeschränkte Zustimmung verdienen. Er fügt dann aber eine Bemerkung ein, die den Anlaß bildet, warum von seinem Vorträge in der „C. V- - Zeitung" gesprochen werden muß. Er schreibt nämlich: „Tie Eigengesctzlichkeit der Wirtschaft und ihre Loslösung vom Staate schuf auf der Höhe ihrer Entwicklung den sich immer mehr versckzärfenden Kamps dor klasienzereigenen Gesellschaft, der das Volk auflöst und nun die Existenz des Staates selbst bedroht. EigengesetzlickMt wird zum herrschenden Prinzip: die Eigengesehlichkeit des Staates, die Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft und schließlich auch die Eigengesetzlichleit des kulturellen Lebens. Hier hat das politischliberalist.ische Freiheitsstreben auch das nationale Fundament unterhöhlt, nicht zuletzt durch die Judenemanzipation. Man braucht nicht die antisemitische Brille aufzuhaben, die alles Unglück dieser Welt den Juden in die Schuhe schiebt; aber kein ernsthafter Kulturpolitiker kann heute bei gründlicher Erörterung unseres Kulturproblems sich der Erkenntnis verschließen, daß das jüdische Geistesleben dem deutschen Dolksgemeinschaftsgcdanken und dem Streben zum Nationalstaat zuwiderlüuft. daß also der starke Einfluß des Judentums in Kunst, Politik. Wissenschaft und Wirtschaft großen Einfluß auf die Zersetzung unserer volklichen Einheit gehabt hat und als größter Gegner alles nationalen Einheitsstrebens in Rechnung zu stellen ist. In dem Kampf um die Vernichtung aller übersinnlichen und weltlichen Autoritäten, außer denen des Geldes, haben immer Juden in der vordersten Kampflinie gestanden. Keine Revolution ohne stark jüdischen agitatorischen Einschlag. Ter Jude ist der Mitschöpfer der national indifferenten Gesellschaft, die die Volksgemeinschaft auslöst und im Staat nicht mehr die Willensvereinigung aller geistigen und wirtschaftlichen Kräfte erstrebt, sondern die den Staat vorwiegend als Instrument wertet, das sie beherrschen und damit „die anderen" beherrschen will. Damit ist die Volksgemeinschaft ausgelöst und übrig geblieben ist das atomisierte Staatsvolk, das sich seinerseits wieder in Gesellschafts-, Interessen- und Klaffengruppen vereinigt, sich aber mit dem entvolkten Staat nicht mehr verbunden kühlt, ja — je nachdem, wer die Herrschaft hat — sich in Gegensatz zum Staat stellt. — Der Staat verliert für seine Führung den Nach wuchs, Politik wird zum Geschäft, ja zürn verachteten Gesckzäst, und kann darum die Hauptaufgabe des Staates, den Schutz des Volkes nach außen, nur fthr unvollkommen erfüllen, denn auch die Außen- Politik ist Streitobjekt und Agitationsmittel des innerpo^itischen Dtachtkampfes geworden. So kann es dem Staat auch nicht gelingen, ein' neues StaaLsvOlkbewußtsein aus dem gemeinsamen Interesse an der Sttwlsrnacht nach außen 31t schassen: die innere StaaLsbejahung, für die man zu opfern bereit ist, geht verloren und damit die Grundlage des Staates überhaupt." Wir haben es ausschließlich mit dem zu tun, was Bechly über Len Einfluß von Juden und Judentum auf die heutige Staatsgestaltung sagt, gehen Daher auf den Fortgang seines Vortrages, in dem er. zum Teil treffende, Kritik an StaatsbureaukraLie, heutiger Demokratie, Parlamentarismus, Weimarer Verfassung übt, nicht weiter ein. Es ist immerhin anerkennenswert, wenn man die Juden nicht für alles Unglück dieser Welt verantwortlich machen will. Wenn man, wie Bechly, sich der Deutschen Vvlkspartei zurechnet, würde solche Einstellung schon zu den sonstigen Politischen Ansichten nicht fasten. Vechly täuscht sich aber, wenn er annimmt, die antiemitische Brille nrcht aurzuhaben. In Wahrheit macht er für das. was er ,Has auch das nationale Fundament unterhöbleude Polrtisch-liöeralistische Freiheitsstreben" nennt, doch die Judene'manzrpation „nicht zuletzt" verantwortlich. Also: ohne diese auch jenes nicht! Diese Behauptung ist eigentlich mit den eigenen Darlegungen Bechlys schrver zu vereinigen. Wir haben oeseheu, daß Bechly in dem Auskommen des naturwissenschaftlichen Denkens und der Ent- Wicklung der Technik den eigentlichen Grund des Zusammenbruchs des Glaubens an den autoritären Obrigkeitsstaat sah. Dieses naturwrffenschanliche Denken, von Bechly mit der „Aufklärung" identifrzrert, entstammt einer Zeit, die lange vor der Judenemanzipation lag. Die Judenemanzipation ist Folge, nicht Ursache der Aufklärung, Mit den geschichtlichen Tatsachen im Widerspruch steht gleichfalls die Behauptung: Leiste Revolution ohne stark jüdischen agitatorischen Einschlag." Die für We st eur 0pa b ed eu tsam st e Revolution ist doch wohl die französische von 1789! Will Vechly wirklich behaupten, daß diese einen „stark jüdischen agitatorischen Einschlag" gehabt hat? Wenn bei Revolutionen des 19. Jahrhunderts in Deutschland Juden eine Rolle als Agitatoren gespielt haben, so liegt es nah-, die Erklärung dafür darin zu finden, daß die Juden dabei zu den Kategorien des Volkes gehörten, die entrechtet waren. J^r größten Teile Deutschlands waren die Juden jedenfalls 1843 noch nicht emanzipiert. Wobei auch zu bemerken wäre, daß weite Kreise den!, scher Juden ihrem B i l d u n g s st a n d e nach zu denjenigen Kreisen gehörten, die als die herrschenden damals zu betrachten waren, woraus sich naturgemäß ergab, daß solche Juden im besonderen agitatorisch tätig sein konnten. Aber die Judenemanzipation ist es ja im Grunde gar nicht, woraus Bechly abzielt. Das jüdisch? Geistesleben läuft dem deutschen Volksgemeinschaftsgcdankcn und dem Streben zum Nationalstaat zuwider. „Das Judentum ist als größter Gegner alles nationalen Einheitsstrebens in Rechnung zu stellen." Das sind die ,wllen Kamellen" der antisemitischen Agi. tation! Daß Bechly sie wiederholt. Zeigt nur. wie notwendig dir Arbeit des C. V. ist, die seit jeher sie bekämpft. Der Jude ist und bleibt „der Mitschöpfer der national indifferenten E-> fellschast, die die Volksgemeinschaft auslöst". Bechly spricht nicht davon, daß er die Juden aus der Gemeinschaft des deutschen ELaatcs ausschließen will. Daß sie nicht zum deutschen Volke gehören, rersteht sich für ihn von selbst. Aber ergibt sich nicht eigentlich die Fee. derung der Ausschließung der Juden vom Mitbcstinummgsrecht im Staate aus den Worten Bechlys ohne weiteres? Wie glücklich wäre doch Deutschland, wenn es keine Judenemanzipation gegeben hätte! Vor allem: keine Gesundung T-eulschlandZ ohne, wenn auch nicht rechtliche. so doch tatsächliche Ausschaltung der Juden^ Aus diese wenigen Bemerkungen muffen wir uns hier beschränken. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Bechly ist für die Leser der „C. D.-Zeitung" nicht erforderlich, denn es handelt sich um die altbekannten Behauptungen der Antisemiten. Der Vortrag, den Bechly seinen Dercinsgenoffen gehalten hat, ist interessant, er beleuchtet die Grundlage, aus der der Streit des dem D.H.V. gleichfalls angehörenden Reichstagsabgcordneten Lambach mit der Deutschnationalen Volkspartei erwachsen ist,', er hat Niveau, wenn er auch von Unklarheiten. und Widersprüchen nicht ganz frei ist, was näher hier darzulegen zu weit führen würde. Schade, daß der D. H. V. es noch nicht fertig bringt, die antisemitische Brille abzulegen! Dr. N. Hirrrichserr (Hamburg). Die internationale öee Nationalisten. Die schwedischen Faschisten. * Das nationalsozialistische „Hamburger Volksblattch brachte kürzlich in einem Aufsatz „Der schwedische Faschismus" intereyante Ausschlüffe über die vor Zwei Jahren in Schweden gegründete Faschistenpartei, die sich im wesentlichen von ihrer Schwesterpartei in Italien durch die Ausnahme, des Judenparagraphen in ihre Satzungen unterscheidet und die dadurch wohl mit Recht von den Nationalsozialisten, in Deutschland als ihnen gesinnungsverwandt bezeichnet wird. In dem Programm der Partei steht neben dem Kamps gegen das System der Sowjetunion, die bestehenden Seiverk schäften. die Forderungen auf Förderung der sckstvedischen Raffe, der Raffenforschung und 'RagenhygienL Sperrung der Grenzen gegen Rassesremde, Ausweisung aller im Lande wohnenden Fremdrassigen, besonders der Juden. Es sei noch erwähnt, daß diese schwedisckdm Faschisten neben dem italienisck>en Liktorendündel auch das Hakenkreuz tragen, und daß sich vor kurzer Zeit die Faschistensrauengruppe unter dem Namen Gruppe Gyllenstierne' gebildet hat. Das nationalsozialistische Blatt sucht seine Freude über diese antisemitischeJnternationale dadurch zu rechtfertigen, daß es schreibt, der gcmcinfame Kamps werde nicht nur in Deutschland, sondern auch vom schwedischen Brudervolk gejührt, das dcr deutschen Raffe am nächsten stünde. . ,.£*• Kein ,,Terror der jüdischen Schüler!" Bei der Dersaffungsfeier rm Wcrner-Siemens-Cvmnasium in Berun-Schonebcrg wurde wie in der Prrl'Z berichtet, bei der Festrede des Ctudienrats Müller, der 'eine Festrede au! Jahn, nicht aber eine Dersasfungsrcde hielt, von feiten der Schüler protestiert. Es wurde dann weiter von den Schülern eine neue Feier an neutraler Stelle veranstaltet. Bei der Besprechung dieser Vorfälle wurde M einem Teil der Presse behauptet, daß besonders jüdische Schüler durch Zischen und Pfeifen die Rede des Lehrers unterbrochen und cimn Terror aus die anderen Schüler ausgeübt hätten. Die nationa!sozialistischen Mitglieder des preußischen Landtags haben diesen Vorfall zürn Gegenstand einer Anfrage an das Staatsministerimn gemacht. A-ct preußische Kuttuömtaiücr Dr. Becker har in Beantwortung dieser Anfrage mitgLicilt, daß weder „Skandalszenerr" bei der Feier vorgefallcrr seien, noch PsrteipoLitit. tat Werrrcr-Liemnrs-Gymnaünrrr getrieben werde. Auch van einem hcrans-ordernven Auftreten jüdisckxer Schüler gegenüber nichijüdischen Lehrern oder von einem „Terror der jüdischen Schüler" sei ihm nichts bekannt.