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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-28 · 39 (28.9.1928) · p. Seite 543

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
39 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
Seite 543 (sequence 3)
Language
German
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543 LZttM irr Ssslin sordsrt £>r. GoehbeLs scharfe Aktivität. Wir MS die Slunafotega 'i M--44K ^rs MM M L-"-- i In der Nu!erfchrift zu dnu Bijde heißt eS Am Sonntag, dem30.September, marschiert unsere S.-.A. in die Reichs- Hauptstadt ein. Rachmittags ab 4 llhr findet im Berliner Sportpalast die größte nationalsozialistische Massendemonstration statt, die Berlin |e gesehen hat. Der sozialistische Redakteur, als judenfreundlich bekannt, spricht gedankenlos vom „Trödlerjuden*. Der Vorsitzende des größten Einzelhändlerverbandes läßt die Bemerkung von „jüdischem Schund auf dem Jahrmarkt'* durch, ohne sie als infamierend von sich aus Zurückzuweisen; der „Lärm wie in der Judenschule* ist stehende Redensart und wird nicht als überholt betrachtet. Alle diese Bremer Mitbürger wollen die Juden nicht kränken, aber sie tun es unbewußt und sind dann meist entsetzt über die Wirkung dieser „Trägheit des Herzen." Hiergegen gehe unser Kampf in deutschen Landen: Nichts durchgehen lassen, üverall ausklären und aufmerksam machen, die Lehrer oitten, nach - zuderrken, die Redakteure bitten, die Einsendungen zu kontrollieren, die Behörden freundlichste ersuchen, die schweren Folgen amtlicher Auslassungen zu überdenken, und die jüdischen Mitbürger auffordern, ihre Rechtsvertretung, die Ortsgruppe des E. V., besser mit Material zu versorgen und auch sonst instandzusetzen, den schweren Kampf zu führen gegen d r e „Trägheit des Herzens*. Der Werfall fn der Fliegerschule in Staaken. Ein böser Vorgang hat sich in der Nähe von Berlin bei der Deutschen D e r kehr s f li ege r sä) u le in Staaken ereignet. Dieses vollständig aus Mitteln der öffentlichen Hand unterhaltene Institut stellt das Flugpersonal für die Deutsche Lufthansa. Es ist bekannt, daß sich das Cchülermaterial dort sehr einseitig aus Nechtskreisen rekrutiert, ohne daß von der zuständigen Behörde, nämlich dem Reichsverkchrslninistorinm, etwas Wirksames dagegen unternommen worden wäre, obwohl seit Jahren in der großen Tagespreise auf diese Mißstände hingewiesen worden ist. Es wurde bei solchen Fällen in der letzten Zeit meist entgegnet, daß man „sogar* einen jüdischen Flugschüler aufgenommen habe. Dieser ist nun in der Nacht von seinen sogenannten Kameraden überfallen und crefesselt worden. Man ließ ihn Spießruten lausen, nachdem man ihn vorher in nicht wiederzugebender Weise behandelt hatte. Nachdem die Tageszeitungen von dem Vorfall Mitteilung gemacht hatten, teilte das Verkehrsmini st eriunr mü, daß aus der Schule gründlich durchgegrisfen worden sei. Leitung hat Zwei der Hauptanstifter entfernt. Zwei weitere ,md abgegangen. und die übrigen find bestraft worden. So erfrcu- Wj s.-ch wya*' daß riet ein Erempel statuiert worden ist, w be-euchiet dieser unerhörte Vorgang doch schlaglichlartig eine sehr e a n 11 i d) c Situativ n. Hier wird eine Jugend (nebenbei oemerft ans R eichskoste n) erzogen, die später alles andere als das Ihrige zur Versöhnung der Gegensätze in unserem Daterlande beitragen wird. Wir können uns auch nicht vorsteüen. daß die Lufthansa Freude an solchen Flugzeugführern haben wird. Wie sollen sich diese „Führer* denn Zu ihren jüdischen Fluggasten, auf die man ja sicher auch Wert legt, einstetten. Eine andere Fliegerformation, die „Severa*, eine Gründung des bekannten Kapitäns Loh mann, steht auch heute noch unter völkischer Leitung. Sie nennt sich „Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa* und ist nicht, wie die anderen Lohmannschen Gründungen, liquidiert worden. Wer trägt dafür die Verantwortung? ’ Sch. Schwere nationalsozialistische Ansschreitungen in Ossenheim. Am Sonntag, ven 23. September, Dem Vorabend Des BersöhnnngSfestcs, Durchfuhren abenvs gegen 3 Uhr, von einer Veranstaltung aus Westhofen bei Worms kommend, zwei Lastautos mit cincin Anhänger, vollbesetzt mit Nationalsozialisten, Die hessische Kreisstadt Oppenheim a. Rh. Währenv Der ganzen Fahrt schrien Die Jnsasien im 6hor: Tcutschlanv erwache, Inda verrecke! Ans ven fahrenden Autos wurve ein Haus mit Steinen bombarviert, Die haarscharf am Kopse vorübergehender Passanten vorbei slogen. An einer Straszengabelnng überholten Die Autos einen Trupp festlich gcklciscter fricvlichcr Männer, Frauen nnD Kinder, insbcsonvere auch junge Mädchen und beschimpften sic im Dorbeifahrcu in nicht wicvcrzugcben- Dcr Weise. Gleichzeitig warfen sie uni Gläsern auf die friedlich Dastehenden, Die nach Der Vorbcifahrt im Abstanve von Den Autos ihren Heimweg fortsetzten. Plötzlich hielten Die Wagen. Die Führer unv eine Rotte Burschen entstiegen ihnen und überfielen Die ans Der Stratze gehenden jungen Leute und schlugen auf sie mit Gummiknüppeln» Schlagringen «nv andere» Gegenständen ein, während sich Die Umstehende» in einer» benachbarten Hause in Sicherheit bringen konnten. Der 20jährige Ludwig Goldschmidt aus Mührsteiu a. Rh. sank plötzlich zusammen. Gr hatte einen Stich zwischen Die Rippe», Vicht an der Lunge vorbei erhalten, so Datz sich Hemd und Weste über und über voll Blut ergossen. Der Kriegsteilnehmer Luvwig Hirsch, ein Mann, Der im FclD Den halben Arm verloren hat uns mit Dem Eisernen Kreuz, Der hessischen Tapferkeitsmedaille und Dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet wurde, war herbcigceilt, weil er fürchtete, das; sein 68jähriger Vater sich in Gefahr befände. Gr rief nach Diesem, wurve jevoch sofort von einer Rotte uniformierter Nationalsozialisten umringt. Die in rohester Weise auf seinen Kopf, Hals und Rücken einschlugcn «uv ihm Die Klciver buchstäblich vom Leibe rissen. Er rief: „Schämt ihr euch nicht, so gegen einen Kriegsteilnehmer, Der einen Arm verloren hat, vorzugehen?" Er ritz sich los, wurde aber auf einer Strecke von 150 Meter von einen» Hitler- Gardisten verfolgt, der mit einem fcststehenven Messer auf feinen Armstumpf einschlug und erst von ihm ablietz, als von Den nationalsozialistischen Führern Das Kommando ertönte: Jungmannschaft znrück! Die Autos suchten daraufhin mit abgcblcndctem Licht Das Weite, wurden jedoch von Der Krimiualpokizci in Mainz, Die sofort Durch Die herbeigerufcne Oppenheimer Gcudarnrcrie alarmiert wurde, mit Nummern und Insassen fcstgestellt. Die Verwundeten fanden sofort ärztliche Hilfe und sind noch bettlägerig, llnscr Berichterstatter traf Herrn Hirsch mit einem starken Schüttelfrost an, der ihn nach einer Einspritzung wegen Starrkrampfgefahr befallen hatte. Der junge GoldschuriDt war infolge Des grotzen Blutverlustes sehr geschwächt. Die Bevölkerung aller Stände Drückte allgcmciu ihre Eiupörung über Die rohe und feige Untat Der nationalsozialistischen Burschen aus und erkundigte sich ständig nach Dem Befinden Der Verletzten. * Tcr zuständige Landesverband Hesjeu-Nassan des 6. 33. hat sofort au Ort und Stelle die nötigen Schritte zur energischen Verfolgung dieser mittelalterlichen Z u st ü n d e cingelcitct.

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